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	<title>Geschichts-Wiki - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<updated>2026-04-29T22:38:30Z</updated>
	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Der_Parit%C3%A4tische_in_Bayern_wird_zum_Anbieter_sozialer_Dienstleistungen&amp;diff=1264</id>
		<title>Der Paritätische in Bayern wird zum Anbieter sozialer Dienstleistungen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Der_Parit%C3%A4tische_in_Bayern_wird_zum_Anbieter_sozialer_Dienstleistungen&amp;diff=1264"/>
		<updated>2025-03-27T15:26:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* Aus eigenen Einrichtungen werden Tochtergesellschaften */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Der Paritätische in Bayern wurde in den 1920er Jahren als Dachverband konfessionell und politisch unabhängiger sozialer Organisationen gegründet. Ab den 1950er Jahren beginnt der Verband, sich weiterzuentwickeln: Er bietet zusätzlich immer mehr eigene soziale Dienstleistungen an.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Eine neue Form der Verantwortung: Das &#039;&#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; in München==&lt;br /&gt;
Nach der [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg|Wiedergründung]] des Paritätischen in Bayern verändert sich das Selbstverständnis des Verbands allmählich. Den ersten Schritt in diese Richtung geht der Paritätische in Bayern Anfang der 1950er Jahre: Er übernimmt die Verwaltung des neuen &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; in München. In dieser Einrichtung soll Frauen in verschiedenen Lebenslagen geholfen werden. Gerade unverheiratete Frauen mit Kindern sind in München während der Nachkriegszeit besonders stark von Armut und sozialem Abstieg bedroht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Angermair, Elisabeth: Die Illusion des Regenbogens. Perspektiven für Frauen in der Nachkriegsgesellschaft, München 2007, S. 22 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Teutoburger 1953.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Das Städtische Frauen- und Mütterheim in der Teutoburger Straße in München am 9. September 1953, dem Tag seiner feierlichen Eröffnung.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; gibt es Platz für 50 Mütter mit je einem Kind von bis zu sechs Jahren. Die Einrichtung ist besonders für Frauen gedacht, die gerade entbunden, aber keine Unterkunft für sich und ihr Kind haben. Im &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; gibt es für sie möblierte Wohnräume auf Zeit. „Jede Mutter hat für sich und ihr Kind einen in schönen lichten Farben gehaltenen Raum mit Couch, Tisch, Stuhl, Kommode und einem Kinderbett zur Verfügung. […] Da die meisten der Mütter berufstätig sein werden, ist eine Krippe wie auch ein Kindergarten vorhanden. Auch hier ist alles licht, sonnig und farbenfroh. Im anschließenden Gartengelände befinden sich Sandkiste, Planschbecken und Kletterbaum.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heim-Pohlmann, Anna: In der Verwaltung des DPWV. Städtisches Frauen- und Mütterheim in München, Teutoburgerstraße 8, in: DPWV-Nachrichten (1953) Heft 11, S. 9.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Mütter müssen eine kleine monatliche Miete von 39 DM zahlen. Zusätzlich fallen die in München geltenden Gebühren für Kindergarten und Krippe an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im anderen Flügel des Gebäudes können bis zu 200 „obdachlose, hilfsbedürftige weibliche Personen“ unterkommen, „die bisher in Bunkern oder sonstigen Elendsquartieren“ gelebt haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einige der Frauen gehen zwar arbeiten, verdienen aber sehr wenig. Im Städtischen Frauen- und Mütterheim zahlen sie 50 Pfennig pro Nacht für ein Bett. 5 Pfennig kostet ein Kaffee, mittags bekommen sie für 20 Pfennig eine Suppe. Weil Hilfsstrukturen in der Stadt fehlen, haben viele der Frauen jahrelang unter schlechten Bedingungen leben müssen. „Es ist ein großes Anliegen der Heimleitung, den Frauen nicht nur ein menschenwürdiges Wohnen zu ermöglichen, sondern darüber hinaus ihrem Leben wieder einen Sinn zu geben“.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Teutoburger Innenraum.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Ein Einblick in einen Schlafraum für obdachlose Frauen im Städtischen Frauen- und Mütterheim in der Teutoburger Straße. Hier teilen sich mehrere Bewohnerinnen ein Zimmer. &amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; soll zu einem Hilfe- und Beratungszentrum für möglichst viele Frauen werden und die umliegende Nachbarschaft einbeziehen. Deswegen ist auch die [[Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert#Die Münchner Mütterschule|Münchner Mütterschule]] in dem Gebäude untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zurück zu alten Schwerpunkten: Paritätische Hilfe für Senior*innen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Jahre nach der Eröffnung des &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; 1953 beginnt der Verband mit den Planungen für seine erste vollkommen eigene Einrichtung. Ähnlich wie [[„Dem Alter zum Schutze, der Jugend zu Nutze“: Das erste Projekt des Paritätischen in Bayern|Ende der 1920er Jahre]] entsteht so im Raum München ein Altenheim mit besonderem Konzept: Das &#039;&#039;Altersheim für geistig Schaffende&#039;&#039; in Pullach im Isartal. Es öffnet 1958 und wird im bundesweiten Paritätischen Gesamtverband und in den Medien [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg#Entwicklung, auch über Bayern hinaus|in den Medien]] mit Interesse verfolgt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. auch DPWV-Nachrichen (1958) Heft 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den 1960er Jahren beginnt der Paritätische in Bayern außerdem damit, den Mahlzeitendienst &#039;&#039;Essen auf Rädern&#039;&#039; anzubieten, sowie mit der Einrichtung von Sozialstationen und anderen [[„Nachbarn helfen sich selbst“: Kreative Lösungen für neue Wohn- und Lebensverhältnisse#Sozialstationen und „Essen auf Rädern“|ambulanten Angeboten]], die es ermöglichen, hilfsbedürftige Menschen in ihrer gewohnten Umgebung zu versorgen. Viele der Angebote und Einrichtungen, die der Paritätische in Bayern selbst aufbaut, richten sich zu dieser Zeit vor allem an ältere Menschen. Sie werden eine wichtige Zielgruppe der sozialen Dienstleistungen des Verbands bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen&#039;&#039; in Nürnberg geht mit seinem innovativen Konzept neue Wege. Das Heim wurde vom Verein Frauenwohl mitbegründet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Untere Mitgliedseinrichtung. Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen in Nürnberg, in: DPWV-Nachrichten (1962) Heft 6, S. 70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Mitgliedsorganisation des Paritätischen in Bayern war an der [[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|Entstehung des Verbands]] in den 1920er Jahren beteiligt. Das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Wohnheim&#039;&#039; ist ein Beispiel für Mitgliedseinrichtungen des Paritätischen in Bayern, die später zu verbandseigenen Einrichtungen werden. Besonders ist hier, wie stark die Bewohner*innen der Einrichtung das Leben und den Alltag mitgestalten und sich persönlich einbringen können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu auch O. A.: 20 Jahre Albert-Schweitzer-Heim, in: DPWV-Nachrichten (1981) Heft 1-2, S. 18 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den 1970er Jahren wird der Verband das Heim übernehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Albert-Schweitzer-Heim in Nürnberg besteht 20 Jahre, in: parität aktuell (1980) Nr. 2, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zunehmend breit aufgestellt==&lt;br /&gt;
[[Datei:Mutter-Kind-Kur 1979.jpg|400px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Auch das sogenannte &#039;&#039;Haus am Kurpark&#039;&#039; gehört ab Ende der 1970er Jahre zu den eigenen Einrichtungen des Paritätischen in Bayern. Es gehört zu den Angeboten des Verbands, die sich explizit an Frauen richten.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Im Lauf der Jahre zeigt sich, dass das Konzept des &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; in München nicht aufgeht: Aus der gemeinsamen Unterbringung von Müttern mit kleinen Kindern und Frauen, die alleinstehend sind und bisher obdachlos waren, entstehen für die beiden Bewohner*innen-Gruppen nicht die erhofften Vorteile. Sie unterstützen sich nicht gegenseitig. Im September 1963 richtet die Stadt daher ein reines &#039;&#039;Heim für Mutter und Kind&#039;&#039; an einem anderen Standort ein. Die Verwaltung wird wieder dem Paritätischen in Bayern anvertraut.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Von unserem Landesverband Bayern geführt. Heim für Mutter und Kind in München, in: DPWV-Nachrichten (1964) Heft 4, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im sogenannten Haus an der Teutoburger Straße entsteht etwas Neues: 1970 eröffnet der Paritätische in Bayern im ehemaligen &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; eine eigene Einrichtung für „psychisch belastete Frauen“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: 38 Frauen finden den Weg zurück in die Berufswelt, in: parität aktuell (1974) Nr. 1, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bald wird das Angebot ausgeweitet und richtet sich an alle psychisch Erkrankten, die Unterstützung bei der Wiedereingliederung in Gesellschaft und Alltag benötigen. Das Haus an der Teutoburger Straße wird zum &#039;&#039;Sozialpsychiatrischen Zentrum&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. O. A.: Unsere Mitgliedseinrichtung. Sozialpsychiatrisches Zentrum München, in: DPWV-Nachrichten (1980) Heft 6, S. 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Psychiatrie werden zu dieser Zeit, wie in vielen gesellschaftlichen Bereichen, neue Wege beschritten. Lange hatten psychiatrische Einrichtungen in Deutschland in erster Linie die Aufgabe, ihre sogenannten Insassen zu verwahren. Jetzt wird verstärkt gefordert, Psychiatrie und Soziale Arbeit zusammenzudenken und neue Konzepte zur Unterstützung von Erkrankten zu entwickeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Brückner, Burkhart: Geschichte der psychiatrischen Sozialarbeit in Deutschland im 20. Jahrhundert – ein Überblick, in: Dörr, Margret (Hg.): Sozialpsychiatrie im Fokus Sozialer Arbeit, Hohengehren 2015, S. 21-30.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern kann mit seinem &#039;&#039;Sozialpsychiatrischen Zentrum&#039;&#039; für den gesamten Freistaat Maßstäbe setzen: 1975 organisiert der Verband einen „Tag der Sozialpsychiatrie“. Bei der Veranstaltung lobt der bayerische Sozialminister Fritz Pirkl das &#039;&#039;Sozialpsychiatrische Zentrum&#039;&#039; als „ein beispielhaftes Modell für das von der Bayerischen Staatsregierung [jetzt] angekündigte ‚Aktionsprogramm psychiatrischer Versorgung in Bayern‘“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Offen für Sozialpsychiatrie, in: DPWV-Nachrichten (1975) Heft 6, S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verband wird in den folgenden Jahren Träger weiterer eigener Einrichtungen. Viele von ihnen richten sich vor allem an [[Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern|Frauen]]. Zwischenzeitlich betreibt der Paritätische in Bayern außerdem eine Unterkunft für [[„Grüß Gott, liebe Freunde aus Vietnam“ – Eine neue Aufgabe für den Paritätischen in Bayern|Geflüchtete aus Vietnam]]. Wie viele eigene Einrichtungen des Verbands geht sie aus einer Kooperation zwischen der Stadt München und dem Paritätischen in Bayern hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Neue Impulse aus den Bezirksverbänden==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren weitet der Paritätische in Bayern seine eigenen Angebote in der Kinderbetreuung aus. Besonders in [[Die „kleine Frau mit dem gewaltig großen Herzen“: Betty Geiling|Unterfranken]] sind schon seit den 1970er Jahren vereinzelte eigene Angebote für Familien mit Kindern entstanden. Wieder gehen die neuen Angebote jetzt von den Bezirksverbänden aus. So entstehen besonders in [[Humorvoll und kreativ im Einsatz für Mittelfranken: Ekkehard Doll|Mittelfranken]] viele neue Kindergärten und -tagesstätten. Sie tragen Namen wie &#039;&#039;Die Kuschelecke&#039;&#039; oder &#039;&#039;Die Regenbogenkinder&#039;&#039;. Einige der Einrichtungen erfüllen auch den Zweck, Pflegepersonal zu entlasten: In Nürnberg und Erlangen betreibt der Paritätische eine Krippe und einen Kindergarten, die direkt an eine örtliche Klinik angegliedert sind und Kinder des dortigen Personals aufnehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern Bezirksverband Mittelfranken (Hg.): 25 Jahre Arbeit, S. 32-35.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Wiesenweg 1985.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Während der Paritätische in Bayern neue Einrichtungen eröffnet und übernimmt, entwickeln sich auch die bestehenden Angebote des Verbands weiter. Das ehemalige &#039;&#039;Altersheim für geistig Schaffende&#039;&#039; in Pullach kann 1985 sein 25-jähriges Bestehen feiern.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aus eigenen Einrichtungen werden Tochtergesellschaften==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren erlebt die freie Wohlfahrtspflege einen Umbruch. Der Fokus liegt zunehmend auf Fragen der Finanzierung – auch beim Paritätischen in Bayern. Einigen innerhalb der Verbandsstrukturen fällt es schwer, das zu akzeptieren. Auch manche Mitgliedsorganisationen müssen die Erfahrung machen, dass die Finanzierung der eigenen Angebote als Thema wichtiger wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Christa Weigl-Schneider am 22. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern beteiligt sich jetzt auch an riskanten Projekten. Dazu gehört vor allem die Finanzierung eines sozial-ökologischen Jugendgästehauses, das in München in einem baufälligen Hotelgebäude aufgebaut wird. „Die finanzielle Seite dieser Angelegenheit ist bedrohlich und [...] für den Paritätischen von existenzieller Bedeutung“, warnt im Dezember 1997 ein Mitglied des Verbandsbeirats.&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Akten-Notiz von Ewald Geiger, 17.12.1997, S. 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern hat sich auf die falschen Partner eingelassen und mehrere Millionen DM Schulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Schriftwechsel 1993-1997.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch andere Einrichtungen bereiten dem Verband finanzielle Schwierigkeiten. Strukturprobleme verschärfen die Lage zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern rettet sich durch eine [[Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern|Umstrukturierung]] aus dieser Situation. Die eigenen Einrichtungen des Verbands werden in diesem Zuge zu Tochtergesellschaften, um das wirtschaftliche Risiko für den Verband in Zukunft zu verringern. Die Geschäftsführungen der Tochtergesellschaften sind mit dem Verband in engem Austausch und Abstimmung und können von seiner Struktur profitieren: Personal, IT, Versicherungen, Fuhrpark – für vieles hält der Paritätische in Bayern zentrale Abteilungen und Lösungen bereit.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Michael Wächter am 28. September 2023.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus den vereinzelten eigenen Einrichtungen des Paritätischen in Bayern wird so ein umfassendes Netzwerk sozialer Unternehmen. Das Jugendgästehaus, das &#039;&#039;Sozialpsychiatrische Zentrum&#039;&#039;, das &#039;&#039;Haus für Mutter und Kind&#039;&#039; in der Münchner Bleyerstraße, das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Seniorenstift&#039;&#039; in Nürnberg und viele weitere Einrichtungen haben diese Entwicklung begleitet und geprägt – und so nicht zuletzt zur Finanzierung der Verbandsarbeit beigetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Akten-Notiz von Ewald Geiger, 17.12.1997, S. 4.&lt;br /&gt;
*Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Schriftwechsel 1993-1997.&lt;br /&gt;
*Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern Bezirksverband Mittelfranken (Hg.): 25 Jahre Arbeit.&lt;br /&gt;
*DPWV-Nachrichen (1958) Heft 2.&lt;br /&gt;
*Heim-Pohlmann, Anna: In der Verwaltung des DPWV. Städtisches Frauen- und Mütterheim in München, Teutoburgerstraße 8, in: DPWV-Nachrichten (1953) Heft 11, S. 9.&lt;br /&gt;
*O. A.: Untere Mitgliedseinrichtung. Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen in Nürnberg, in: DPWV-Nachrichten (1962) Heft 6, S. 70.&lt;br /&gt;
*O. A.: 20 Jahre Albert-Schweitzer-Heim, in: DPWV-Nachrichten (1981) Heft 1-2, S. 18 f.&lt;br /&gt;
*O. A.: Albert-Schweitzer-Heim in Nürnberg besteht 20 Jahre, in: parität aktuell (1980) Nr. 2, o. S.&lt;br /&gt;
*O. A.: Von unserem Landesverband Bayern geführt. Heim für Mutter und Kind in München, in: DPWV-Nachrichten (1964) Heft 4, S. 1.&lt;br /&gt;
*O. A.: 38 Frauen finden den Weg zurück in die Berufswelt, in: parität aktuell (1974) Nr. 1, o. S.&lt;br /&gt;
*O. A.: Unsere Mitgliedseinrichtung. Sozialpsychiatrisches Zentrum München, in: DPWV-Nachrichten (1980) Heft 6, S. 87.&lt;br /&gt;
*Zeitzeuginnengespräch mit Christa Weigl-Schneider am 22. März 2024.&lt;br /&gt;
*Zeitzeugengespräch mit Michael Wächter am 28. September 2023.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Angermair, Elisabeth: Die Illusion des Regenbogens. Perspektiven für Frauen in der Nachkriegsgesellschaft, München 2007.&lt;br /&gt;
*Brückner, Burkhart: Geschichte der psychiatrischen Sozialarbeit in Deutschland im 20. Jahrhundert – ein Überblick, in: Dörr, Margret (Hg.): Sozialpsychiatrie im Fokus Sozialer Arbeit, Hohengehren 2015, S. 21-30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
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		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Der_Parit%C3%A4tische_in_Bayern_wird_zum_Anbieter_sozialer_Dienstleistungen&amp;diff=1263</id>
		<title>Der Paritätische in Bayern wird zum Anbieter sozialer Dienstleistungen</title>
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		<updated>2025-03-27T15:26:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* Aus eigenen Einrichtungen werden Tochtergesellschaften */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Der Paritätische in Bayern wurde in den 1920er Jahren als Dachverband konfessionell und politisch unabhängiger sozialer Organisationen gegründet. Ab den 1950er Jahren beginnt der Verband, sich weiterzuentwickeln: Er bietet zusätzlich immer mehr eigene soziale Dienstleistungen an.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Eine neue Form der Verantwortung: Das &#039;&#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; in München==&lt;br /&gt;
Nach der [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg|Wiedergründung]] des Paritätischen in Bayern verändert sich das Selbstverständnis des Verbands allmählich. Den ersten Schritt in diese Richtung geht der Paritätische in Bayern Anfang der 1950er Jahre: Er übernimmt die Verwaltung des neuen &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; in München. In dieser Einrichtung soll Frauen in verschiedenen Lebenslagen geholfen werden. Gerade unverheiratete Frauen mit Kindern sind in München während der Nachkriegszeit besonders stark von Armut und sozialem Abstieg bedroht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Angermair, Elisabeth: Die Illusion des Regenbogens. Perspektiven für Frauen in der Nachkriegsgesellschaft, München 2007, S. 22 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Teutoburger 1953.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Das Städtische Frauen- und Mütterheim in der Teutoburger Straße in München am 9. September 1953, dem Tag seiner feierlichen Eröffnung.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; gibt es Platz für 50 Mütter mit je einem Kind von bis zu sechs Jahren. Die Einrichtung ist besonders für Frauen gedacht, die gerade entbunden, aber keine Unterkunft für sich und ihr Kind haben. Im &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; gibt es für sie möblierte Wohnräume auf Zeit. „Jede Mutter hat für sich und ihr Kind einen in schönen lichten Farben gehaltenen Raum mit Couch, Tisch, Stuhl, Kommode und einem Kinderbett zur Verfügung. […] Da die meisten der Mütter berufstätig sein werden, ist eine Krippe wie auch ein Kindergarten vorhanden. Auch hier ist alles licht, sonnig und farbenfroh. Im anschließenden Gartengelände befinden sich Sandkiste, Planschbecken und Kletterbaum.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heim-Pohlmann, Anna: In der Verwaltung des DPWV. Städtisches Frauen- und Mütterheim in München, Teutoburgerstraße 8, in: DPWV-Nachrichten (1953) Heft 11, S. 9.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Mütter müssen eine kleine monatliche Miete von 39 DM zahlen. Zusätzlich fallen die in München geltenden Gebühren für Kindergarten und Krippe an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im anderen Flügel des Gebäudes können bis zu 200 „obdachlose, hilfsbedürftige weibliche Personen“ unterkommen, „die bisher in Bunkern oder sonstigen Elendsquartieren“ gelebt haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einige der Frauen gehen zwar arbeiten, verdienen aber sehr wenig. Im Städtischen Frauen- und Mütterheim zahlen sie 50 Pfennig pro Nacht für ein Bett. 5 Pfennig kostet ein Kaffee, mittags bekommen sie für 20 Pfennig eine Suppe. Weil Hilfsstrukturen in der Stadt fehlen, haben viele der Frauen jahrelang unter schlechten Bedingungen leben müssen. „Es ist ein großes Anliegen der Heimleitung, den Frauen nicht nur ein menschenwürdiges Wohnen zu ermöglichen, sondern darüber hinaus ihrem Leben wieder einen Sinn zu geben“.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Teutoburger Innenraum.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Ein Einblick in einen Schlafraum für obdachlose Frauen im Städtischen Frauen- und Mütterheim in der Teutoburger Straße. Hier teilen sich mehrere Bewohnerinnen ein Zimmer. &amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; soll zu einem Hilfe- und Beratungszentrum für möglichst viele Frauen werden und die umliegende Nachbarschaft einbeziehen. Deswegen ist auch die [[Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert#Die Münchner Mütterschule|Münchner Mütterschule]] in dem Gebäude untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zurück zu alten Schwerpunkten: Paritätische Hilfe für Senior*innen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Jahre nach der Eröffnung des &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; 1953 beginnt der Verband mit den Planungen für seine erste vollkommen eigene Einrichtung. Ähnlich wie [[„Dem Alter zum Schutze, der Jugend zu Nutze“: Das erste Projekt des Paritätischen in Bayern|Ende der 1920er Jahre]] entsteht so im Raum München ein Altenheim mit besonderem Konzept: Das &#039;&#039;Altersheim für geistig Schaffende&#039;&#039; in Pullach im Isartal. Es öffnet 1958 und wird im bundesweiten Paritätischen Gesamtverband und in den Medien [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg#Entwicklung, auch über Bayern hinaus|in den Medien]] mit Interesse verfolgt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. auch DPWV-Nachrichen (1958) Heft 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den 1960er Jahren beginnt der Paritätische in Bayern außerdem damit, den Mahlzeitendienst &#039;&#039;Essen auf Rädern&#039;&#039; anzubieten, sowie mit der Einrichtung von Sozialstationen und anderen [[„Nachbarn helfen sich selbst“: Kreative Lösungen für neue Wohn- und Lebensverhältnisse#Sozialstationen und „Essen auf Rädern“|ambulanten Angeboten]], die es ermöglichen, hilfsbedürftige Menschen in ihrer gewohnten Umgebung zu versorgen. Viele der Angebote und Einrichtungen, die der Paritätische in Bayern selbst aufbaut, richten sich zu dieser Zeit vor allem an ältere Menschen. Sie werden eine wichtige Zielgruppe der sozialen Dienstleistungen des Verbands bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen&#039;&#039; in Nürnberg geht mit seinem innovativen Konzept neue Wege. Das Heim wurde vom Verein Frauenwohl mitbegründet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Untere Mitgliedseinrichtung. Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen in Nürnberg, in: DPWV-Nachrichten (1962) Heft 6, S. 70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Mitgliedsorganisation des Paritätischen in Bayern war an der [[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|Entstehung des Verbands]] in den 1920er Jahren beteiligt. Das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Wohnheim&#039;&#039; ist ein Beispiel für Mitgliedseinrichtungen des Paritätischen in Bayern, die später zu verbandseigenen Einrichtungen werden. Besonders ist hier, wie stark die Bewohner*innen der Einrichtung das Leben und den Alltag mitgestalten und sich persönlich einbringen können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu auch O. A.: 20 Jahre Albert-Schweitzer-Heim, in: DPWV-Nachrichten (1981) Heft 1-2, S. 18 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den 1970er Jahren wird der Verband das Heim übernehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Albert-Schweitzer-Heim in Nürnberg besteht 20 Jahre, in: parität aktuell (1980) Nr. 2, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zunehmend breit aufgestellt==&lt;br /&gt;
[[Datei:Mutter-Kind-Kur 1979.jpg|400px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Auch das sogenannte &#039;&#039;Haus am Kurpark&#039;&#039; gehört ab Ende der 1970er Jahre zu den eigenen Einrichtungen des Paritätischen in Bayern. Es gehört zu den Angeboten des Verbands, die sich explizit an Frauen richten.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Im Lauf der Jahre zeigt sich, dass das Konzept des &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; in München nicht aufgeht: Aus der gemeinsamen Unterbringung von Müttern mit kleinen Kindern und Frauen, die alleinstehend sind und bisher obdachlos waren, entstehen für die beiden Bewohner*innen-Gruppen nicht die erhofften Vorteile. Sie unterstützen sich nicht gegenseitig. Im September 1963 richtet die Stadt daher ein reines &#039;&#039;Heim für Mutter und Kind&#039;&#039; an einem anderen Standort ein. Die Verwaltung wird wieder dem Paritätischen in Bayern anvertraut.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Von unserem Landesverband Bayern geführt. Heim für Mutter und Kind in München, in: DPWV-Nachrichten (1964) Heft 4, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im sogenannten Haus an der Teutoburger Straße entsteht etwas Neues: 1970 eröffnet der Paritätische in Bayern im ehemaligen &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; eine eigene Einrichtung für „psychisch belastete Frauen“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: 38 Frauen finden den Weg zurück in die Berufswelt, in: parität aktuell (1974) Nr. 1, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bald wird das Angebot ausgeweitet und richtet sich an alle psychisch Erkrankten, die Unterstützung bei der Wiedereingliederung in Gesellschaft und Alltag benötigen. Das Haus an der Teutoburger Straße wird zum &#039;&#039;Sozialpsychiatrischen Zentrum&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. O. A.: Unsere Mitgliedseinrichtung. Sozialpsychiatrisches Zentrum München, in: DPWV-Nachrichten (1980) Heft 6, S. 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Psychiatrie werden zu dieser Zeit, wie in vielen gesellschaftlichen Bereichen, neue Wege beschritten. Lange hatten psychiatrische Einrichtungen in Deutschland in erster Linie die Aufgabe, ihre sogenannten Insassen zu verwahren. Jetzt wird verstärkt gefordert, Psychiatrie und Soziale Arbeit zusammenzudenken und neue Konzepte zur Unterstützung von Erkrankten zu entwickeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Brückner, Burkhart: Geschichte der psychiatrischen Sozialarbeit in Deutschland im 20. Jahrhundert – ein Überblick, in: Dörr, Margret (Hg.): Sozialpsychiatrie im Fokus Sozialer Arbeit, Hohengehren 2015, S. 21-30.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern kann mit seinem &#039;&#039;Sozialpsychiatrischen Zentrum&#039;&#039; für den gesamten Freistaat Maßstäbe setzen: 1975 organisiert der Verband einen „Tag der Sozialpsychiatrie“. Bei der Veranstaltung lobt der bayerische Sozialminister Fritz Pirkl das &#039;&#039;Sozialpsychiatrische Zentrum&#039;&#039; als „ein beispielhaftes Modell für das von der Bayerischen Staatsregierung [jetzt] angekündigte ‚Aktionsprogramm psychiatrischer Versorgung in Bayern‘“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Offen für Sozialpsychiatrie, in: DPWV-Nachrichten (1975) Heft 6, S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verband wird in den folgenden Jahren Träger weiterer eigener Einrichtungen. Viele von ihnen richten sich vor allem an [[Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern|Frauen]]. Zwischenzeitlich betreibt der Paritätische in Bayern außerdem eine Unterkunft für [[„Grüß Gott, liebe Freunde aus Vietnam“ – Eine neue Aufgabe für den Paritätischen in Bayern|Geflüchtete aus Vietnam]]. Wie viele eigene Einrichtungen des Verbands geht sie aus einer Kooperation zwischen der Stadt München und dem Paritätischen in Bayern hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Neue Impulse aus den Bezirksverbänden==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren weitet der Paritätische in Bayern seine eigenen Angebote in der Kinderbetreuung aus. Besonders in [[Die „kleine Frau mit dem gewaltig großen Herzen“: Betty Geiling|Unterfranken]] sind schon seit den 1970er Jahren vereinzelte eigene Angebote für Familien mit Kindern entstanden. Wieder gehen die neuen Angebote jetzt von den Bezirksverbänden aus. So entstehen besonders in [[Humorvoll und kreativ im Einsatz für Mittelfranken: Ekkehard Doll|Mittelfranken]] viele neue Kindergärten und -tagesstätten. Sie tragen Namen wie &#039;&#039;Die Kuschelecke&#039;&#039; oder &#039;&#039;Die Regenbogenkinder&#039;&#039;. Einige der Einrichtungen erfüllen auch den Zweck, Pflegepersonal zu entlasten: In Nürnberg und Erlangen betreibt der Paritätische eine Krippe und einen Kindergarten, die direkt an eine örtliche Klinik angegliedert sind und Kinder des dortigen Personals aufnehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern Bezirksverband Mittelfranken (Hg.): 25 Jahre Arbeit, S. 32-35.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Wiesenweg 1985.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Während der Paritätische in Bayern neue Einrichtungen eröffnet und übernimmt, entwickeln sich auch die bestehenden Angebote des Verbands weiter. Das ehemalige &#039;&#039;Altersheim für geistig Schaffende&#039;&#039; in Pullach kann 1985 sein 25-jähriges Bestehen feiern.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aus eigenen Einrichtungen werden Tochtergesellschaften==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren erlebt die freie Wohlfahrtspflege einen Umbruch. Der Fokus liegt zunehmend auf Fragen der Finanzierung – auch beim Paritätischen in Bayern. Einigen innerhalb der Verbandsstrukturen fällt es schwer, das zu akzeptieren. Auch manche Mitgliedsorganisationen müssen die Erfahrung machen, dass die Finanzierung der eigenen Angebote als Thema wichtiger wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Christa Weigl-Schneider am 22. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern beteiligt sich jetzt auch an riskanten Projekten. Dazu gehört vor allem die Finanzierung eines sozial-ökologischen Jugendgästehauses, das in München in einem baufälligen Hotelgebäude aufgebaut wird. „Die finanzielle Seite dieser Angelegenheit ist bedrohlich und [...] für den Paritätischen von existenzieller Bedeutung“, warnt im Dezember 1997 ein Mitglied des Verbandsbeirats.&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Akten-Notiz von Ewald Geiger, 17.12.1997, S. 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern hat sich auf die falschen Partner eingelassen und mehrere Millionen DM Schulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Schriftwechsel 1993-1997.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch andere Einrichtungen bereiten dem Verband finanzielle Schwierigkeiten. Strukturprobleme verschärfen die Lage zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern rettet sich durch eine [[Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern|Umstrukturierung]] aus dieser Situation. Die eigenen Einrichtungen des Verbands werden in diesem Zuge zu Tochtergesellschaften, um das wirtschaftliche Risiko für den Verband in Zukunft zu verringern. Die Geschäftsführungen der Tochtergesellschaften sind mit dem Verband in engem Austausch und ständiger Abstimmung und können von seiner Struktur profitieren: Personal, IT, Versicherungen, Fuhrpark – für vieles hält der Paritätische in Bayern zentrale Abteilungen und Lösungen bereit.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Michael Wächter am 28. September 2023.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus den vereinzelten eigenen Einrichtungen des Paritätischen in Bayern wird so ein umfassendes Netzwerk sozialer Unternehmen. Das Jugendgästehaus, das &#039;&#039;Sozialpsychiatrische Zentrum&#039;&#039;, das &#039;&#039;Haus für Mutter und Kind&#039;&#039; in der Münchner Bleyerstraße, das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Seniorenstift&#039;&#039; in Nürnberg und viele weitere Einrichtungen haben diese Entwicklung begleitet und geprägt – und so nicht zuletzt zur Finanzierung der Verbandsarbeit beigetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Akten-Notiz von Ewald Geiger, 17.12.1997, S. 4.&lt;br /&gt;
*Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Schriftwechsel 1993-1997.&lt;br /&gt;
*Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern Bezirksverband Mittelfranken (Hg.): 25 Jahre Arbeit.&lt;br /&gt;
*DPWV-Nachrichen (1958) Heft 2.&lt;br /&gt;
*Heim-Pohlmann, Anna: In der Verwaltung des DPWV. Städtisches Frauen- und Mütterheim in München, Teutoburgerstraße 8, in: DPWV-Nachrichten (1953) Heft 11, S. 9.&lt;br /&gt;
*O. A.: Untere Mitgliedseinrichtung. Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen in Nürnberg, in: DPWV-Nachrichten (1962) Heft 6, S. 70.&lt;br /&gt;
*O. A.: 20 Jahre Albert-Schweitzer-Heim, in: DPWV-Nachrichten (1981) Heft 1-2, S. 18 f.&lt;br /&gt;
*O. A.: Albert-Schweitzer-Heim in Nürnberg besteht 20 Jahre, in: parität aktuell (1980) Nr. 2, o. S.&lt;br /&gt;
*O. A.: Von unserem Landesverband Bayern geführt. Heim für Mutter und Kind in München, in: DPWV-Nachrichten (1964) Heft 4, S. 1.&lt;br /&gt;
*O. A.: 38 Frauen finden den Weg zurück in die Berufswelt, in: parität aktuell (1974) Nr. 1, o. S.&lt;br /&gt;
*O. A.: Unsere Mitgliedseinrichtung. Sozialpsychiatrisches Zentrum München, in: DPWV-Nachrichten (1980) Heft 6, S. 87.&lt;br /&gt;
*Zeitzeuginnengespräch mit Christa Weigl-Schneider am 22. März 2024.&lt;br /&gt;
*Zeitzeugengespräch mit Michael Wächter am 28. September 2023.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Angermair, Elisabeth: Die Illusion des Regenbogens. Perspektiven für Frauen in der Nachkriegsgesellschaft, München 2007.&lt;br /&gt;
*Brückner, Burkhart: Geschichte der psychiatrischen Sozialarbeit in Deutschland im 20. Jahrhundert – ein Überblick, in: Dörr, Margret (Hg.): Sozialpsychiatrie im Fokus Sozialer Arbeit, Hohengehren 2015, S. 21-30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Der_Parit%C3%A4tische_in_Bayern_wird_zum_Anbieter_sozialer_Dienstleistungen&amp;diff=1262</id>
		<title>Der Paritätische in Bayern wird zum Anbieter sozialer Dienstleistungen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Der_Parit%C3%A4tische_in_Bayern_wird_zum_Anbieter_sozialer_Dienstleistungen&amp;diff=1262"/>
		<updated>2025-03-03T16:45:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Der Paritätische in Bayern wurde in den 1920er Jahren als Dachverband konfessionell und politisch unabhängiger sozialer Organisationen gegründet. Ab den 1950er Jahren beginnt der Verband, sich weiterzuentwickeln: Er bietet zusätzlich immer mehr eigene soziale Dienstleistungen an.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Eine neue Form der Verantwortung: Das &#039;&#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; in München==&lt;br /&gt;
Nach der [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg|Wiedergründung]] des Paritätischen in Bayern verändert sich das Selbstverständnis des Verbands allmählich. Den ersten Schritt in diese Richtung geht der Paritätische in Bayern Anfang der 1950er Jahre: Er übernimmt die Verwaltung des neuen &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; in München. In dieser Einrichtung soll Frauen in verschiedenen Lebenslagen geholfen werden. Gerade unverheiratete Frauen mit Kindern sind in München während der Nachkriegszeit besonders stark von Armut und sozialem Abstieg bedroht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Angermair, Elisabeth: Die Illusion des Regenbogens. Perspektiven für Frauen in der Nachkriegsgesellschaft, München 2007, S. 22 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Teutoburger 1953.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Das Städtische Frauen- und Mütterheim in der Teutoburger Straße in München am 9. September 1953, dem Tag seiner feierlichen Eröffnung.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; gibt es Platz für 50 Mütter mit je einem Kind von bis zu sechs Jahren. Die Einrichtung ist besonders für Frauen gedacht, die gerade entbunden, aber keine Unterkunft für sich und ihr Kind haben. Im &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; gibt es für sie möblierte Wohnräume auf Zeit. „Jede Mutter hat für sich und ihr Kind einen in schönen lichten Farben gehaltenen Raum mit Couch, Tisch, Stuhl, Kommode und einem Kinderbett zur Verfügung. […] Da die meisten der Mütter berufstätig sein werden, ist eine Krippe wie auch ein Kindergarten vorhanden. Auch hier ist alles licht, sonnig und farbenfroh. Im anschließenden Gartengelände befinden sich Sandkiste, Planschbecken und Kletterbaum.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heim-Pohlmann, Anna: In der Verwaltung des DPWV. Städtisches Frauen- und Mütterheim in München, Teutoburgerstraße 8, in: DPWV-Nachrichten (1953) Heft 11, S. 9.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Mütter müssen eine kleine monatliche Miete von 39 DM zahlen. Zusätzlich fallen die in München geltenden Gebühren für Kindergarten und Krippe an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im anderen Flügel des Gebäudes können bis zu 200 „obdachlose, hilfsbedürftige weibliche Personen“ unterkommen, „die bisher in Bunkern oder sonstigen Elendsquartieren“ gelebt haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einige der Frauen gehen zwar arbeiten, verdienen aber sehr wenig. Im Städtischen Frauen- und Mütterheim zahlen sie 50 Pfennig pro Nacht für ein Bett. 5 Pfennig kostet ein Kaffee, mittags bekommen sie für 20 Pfennig eine Suppe. Weil Hilfsstrukturen in der Stadt fehlen, haben viele der Frauen jahrelang unter schlechten Bedingungen leben müssen. „Es ist ein großes Anliegen der Heimleitung, den Frauen nicht nur ein menschenwürdiges Wohnen zu ermöglichen, sondern darüber hinaus ihrem Leben wieder einen Sinn zu geben“.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Teutoburger Innenraum.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Ein Einblick in einen Schlafraum für obdachlose Frauen im Städtischen Frauen- und Mütterheim in der Teutoburger Straße. Hier teilen sich mehrere Bewohnerinnen ein Zimmer. &amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; soll zu einem Hilfe- und Beratungszentrum für möglichst viele Frauen werden und die umliegende Nachbarschaft einbeziehen. Deswegen ist auch die [[Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert#Die Münchner Mütterschule|Münchner Mütterschule]] in dem Gebäude untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zurück zu alten Schwerpunkten: Paritätische Hilfe für Senior*innen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Jahre nach der Eröffnung des &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; 1953 beginnt der Verband mit den Planungen für seine erste vollkommen eigene Einrichtung. Ähnlich wie [[„Dem Alter zum Schutze, der Jugend zu Nutze“: Das erste Projekt des Paritätischen in Bayern|Ende der 1920er Jahre]] entsteht so im Raum München ein Altenheim mit besonderem Konzept: Das &#039;&#039;Altersheim für geistig Schaffende&#039;&#039; in Pullach im Isartal. Es öffnet 1958 und wird im bundesweiten Paritätischen Gesamtverband und in den Medien [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg#Entwicklung, auch über Bayern hinaus|in den Medien]] mit Interesse verfolgt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. auch DPWV-Nachrichen (1958) Heft 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den 1960er Jahren beginnt der Paritätische in Bayern außerdem damit, den Mahlzeitendienst &#039;&#039;Essen auf Rädern&#039;&#039; anzubieten, sowie mit der Einrichtung von Sozialstationen und anderen [[„Nachbarn helfen sich selbst“: Kreative Lösungen für neue Wohn- und Lebensverhältnisse#Sozialstationen und „Essen auf Rädern“|ambulanten Angeboten]], die es ermöglichen, hilfsbedürftige Menschen in ihrer gewohnten Umgebung zu versorgen. Viele der Angebote und Einrichtungen, die der Paritätische in Bayern selbst aufbaut, richten sich zu dieser Zeit vor allem an ältere Menschen. Sie werden eine wichtige Zielgruppe der sozialen Dienstleistungen des Verbands bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen&#039;&#039; in Nürnberg geht mit seinem innovativen Konzept neue Wege. Das Heim wurde vom Verein Frauenwohl mitbegründet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Untere Mitgliedseinrichtung. Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen in Nürnberg, in: DPWV-Nachrichten (1962) Heft 6, S. 70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Mitgliedsorganisation des Paritätischen in Bayern war an der [[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|Entstehung des Verbands]] in den 1920er Jahren beteiligt. Das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Wohnheim&#039;&#039; ist ein Beispiel für Mitgliedseinrichtungen des Paritätischen in Bayern, die später zu verbandseigenen Einrichtungen werden. Besonders ist hier, wie stark die Bewohner*innen der Einrichtung das Leben und den Alltag mitgestalten und sich persönlich einbringen können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu auch O. A.: 20 Jahre Albert-Schweitzer-Heim, in: DPWV-Nachrichten (1981) Heft 1-2, S. 18 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den 1970er Jahren wird der Verband das Heim übernehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Albert-Schweitzer-Heim in Nürnberg besteht 20 Jahre, in: parität aktuell (1980) Nr. 2, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zunehmend breit aufgestellt==&lt;br /&gt;
[[Datei:Mutter-Kind-Kur 1979.jpg|400px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Auch das sogenannte &#039;&#039;Haus am Kurpark&#039;&#039; gehört ab Ende der 1970er Jahre zu den eigenen Einrichtungen des Paritätischen in Bayern. Es gehört zu den Angeboten des Verbands, die sich explizit an Frauen richten.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Im Lauf der Jahre zeigt sich, dass das Konzept des &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; in München nicht aufgeht: Aus der gemeinsamen Unterbringung von Müttern mit kleinen Kindern und Frauen, die alleinstehend sind und bisher obdachlos waren, entstehen für die beiden Bewohner*innen-Gruppen nicht die erhofften Vorteile. Sie unterstützen sich nicht gegenseitig. Im September 1963 richtet die Stadt daher ein reines &#039;&#039;Heim für Mutter und Kind&#039;&#039; an einem anderen Standort ein. Die Verwaltung wird wieder dem Paritätischen in Bayern anvertraut.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Von unserem Landesverband Bayern geführt. Heim für Mutter und Kind in München, in: DPWV-Nachrichten (1964) Heft 4, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im sogenannten Haus an der Teutoburger Straße entsteht etwas Neues: 1970 eröffnet der Paritätische in Bayern im ehemaligen &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; eine eigene Einrichtung für „psychisch belastete Frauen“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: 38 Frauen finden den Weg zurück in die Berufswelt, in: parität aktuell (1974) Nr. 1, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bald wird das Angebot ausgeweitet und richtet sich an alle psychisch Erkrankten, die Unterstützung bei der Wiedereingliederung in Gesellschaft und Alltag benötigen. Das Haus an der Teutoburger Straße wird zum &#039;&#039;Sozialpsychiatrischen Zentrum&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. O. A.: Unsere Mitgliedseinrichtung. Sozialpsychiatrisches Zentrum München, in: DPWV-Nachrichten (1980) Heft 6, S. 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Psychiatrie werden zu dieser Zeit, wie in vielen gesellschaftlichen Bereichen, neue Wege beschritten. Lange hatten psychiatrische Einrichtungen in Deutschland in erster Linie die Aufgabe, ihre sogenannten Insassen zu verwahren. Jetzt wird verstärkt gefordert, Psychiatrie und Soziale Arbeit zusammenzudenken und neue Konzepte zur Unterstützung von Erkrankten zu entwickeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Brückner, Burkhart: Geschichte der psychiatrischen Sozialarbeit in Deutschland im 20. Jahrhundert – ein Überblick, in: Dörr, Margret (Hg.): Sozialpsychiatrie im Fokus Sozialer Arbeit, Hohengehren 2015, S. 21-30.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern kann mit seinem &#039;&#039;Sozialpsychiatrischen Zentrum&#039;&#039; für den gesamten Freistaat Maßstäbe setzen: 1975 organisiert der Verband einen „Tag der Sozialpsychiatrie“. Bei der Veranstaltung lobt der bayerische Sozialminister Fritz Pirkl das &#039;&#039;Sozialpsychiatrische Zentrum&#039;&#039; als „ein beispielhaftes Modell für das von der Bayerischen Staatsregierung [jetzt] angekündigte ‚Aktionsprogramm psychiatrischer Versorgung in Bayern‘“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Offen für Sozialpsychiatrie, in: DPWV-Nachrichten (1975) Heft 6, S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verband wird in den folgenden Jahren Träger weiterer eigener Einrichtungen. Viele von ihnen richten sich vor allem an [[Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern|Frauen]]. Zwischenzeitlich betreibt der Paritätische in Bayern außerdem eine Unterkunft für [[„Grüß Gott, liebe Freunde aus Vietnam“ – Eine neue Aufgabe für den Paritätischen in Bayern|Geflüchtete aus Vietnam]]. Wie viele eigene Einrichtungen des Verbands geht sie aus einer Kooperation zwischen der Stadt München und dem Paritätischen in Bayern hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Neue Impulse aus den Bezirksverbänden==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren weitet der Paritätische in Bayern seine eigenen Angebote in der Kinderbetreuung aus. Besonders in [[Die „kleine Frau mit dem gewaltig großen Herzen“: Betty Geiling|Unterfranken]] sind schon seit den 1970er Jahren vereinzelte eigene Angebote für Familien mit Kindern entstanden. Wieder gehen die neuen Angebote jetzt von den Bezirksverbänden aus. So entstehen besonders in [[Humorvoll und kreativ im Einsatz für Mittelfranken: Ekkehard Doll|Mittelfranken]] viele neue Kindergärten und -tagesstätten. Sie tragen Namen wie &#039;&#039;Die Kuschelecke&#039;&#039; oder &#039;&#039;Die Regenbogenkinder&#039;&#039;. Einige der Einrichtungen erfüllen auch den Zweck, Pflegepersonal zu entlasten: In Nürnberg und Erlangen betreibt der Paritätische eine Krippe und einen Kindergarten, die direkt an eine örtliche Klinik angegliedert sind und Kinder des dortigen Personals aufnehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern Bezirksverband Mittelfranken (Hg.): 25 Jahre Arbeit, S. 32-35.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Wiesenweg 1985.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Während der Paritätische in Bayern neue Einrichtungen eröffnet und übernimmt, entwickeln sich auch die bestehenden Angebote des Verbands weiter. Das ehemalige &#039;&#039;Altersheim für geistig Schaffende&#039;&#039; in Pullach kann 1985 sein 25-jähriges Bestehen feiern.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aus eigenen Einrichtungen werden Tochtergesellschaften==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren erlebt die freie Wohlfahrtspflege einen Umbruch. Der Fokus liegt zunehmend auf Fragen der Finanzierung – auch beim Paritätischen in Bayern. Einigen innerhalb der Verbandsstrukturen fällt es schwer, das zu akzeptieren. Auch manche Mitgliedsorganisationen müssen diese Erfahrung machen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Christa Weigl-Schneider am 22. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern beteiligt sich jetzt auch an riskanten Projekten. Dazu gehört vor allem die Finanzierung eines sozial-ökologischen Jugendgästehauses, das in München in einem baufälligen Hotelgebäude aufgebaut wird. „Die finanzielle Seite dieser Angelegenheit ist bedrohlich und [...] für den Paritätischen von existenzieller Bedeutung“, warnt im Dezember 1997 ein Mitglied des Verbandsbeirats.&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Akten-Notiz von Ewald Geiger, 17.12.1997, S. 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern hat sich auf die falschen Partner eingelassen und mehrere Millionen DM Schulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Schriftwechsel 1993-1997.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch andere Einrichtungen bereiten dem Verband finanzielle Schwierigkeiten. Strukturprobleme verschärfen die Lage zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern rettet sich durch eine [[Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern|Umstrukturierung]] aus dieser Situation. Die eigenen Einrichtungen des Verbands werden in diesem Zuge zu Tochtergesellschaften, um das wirtschaftliche Risiko für den Verband in Zukunft zu verringern. Die Geschäftsführungen der Tochtergesellschaften sind mit dem Verband in engem Austausch und ständiger Abstimmung und können von seiner Struktur profitieren: Personal, IT, Versicherungen, Fuhrpark – für vieles hält der Paritätische in Bayern zentrale Abteilungen und Lösungen bereit.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Michael Wächter am 28. September 2023.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus den vereinzelten eigenen Einrichtungen des Paritätischen in Bayern wird so ein umfassendes Netzwerk sozialer Unternehmen. Das Jugendgästehaus, das &#039;&#039;Sozialpsychiatrische Zentrum&#039;&#039;, das &#039;&#039;Haus für Mutter und Kind&#039;&#039; in der Münchner Bleyerstraße, das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Seniorenstift&#039;&#039; in Nürnberg und viele weitere Einrichtungen haben diese Entwicklung begleitet und geprägt – und so nicht zuletzt zur Finanzierung der Verbandsarbeit beigetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Akten-Notiz von Ewald Geiger, 17.12.1997, S. 4.&lt;br /&gt;
*Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Schriftwechsel 1993-1997.&lt;br /&gt;
*Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern Bezirksverband Mittelfranken (Hg.): 25 Jahre Arbeit.&lt;br /&gt;
*DPWV-Nachrichen (1958) Heft 2.&lt;br /&gt;
*Heim-Pohlmann, Anna: In der Verwaltung des DPWV. Städtisches Frauen- und Mütterheim in München, Teutoburgerstraße 8, in: DPWV-Nachrichten (1953) Heft 11, S. 9.&lt;br /&gt;
*O. A.: Untere Mitgliedseinrichtung. Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen in Nürnberg, in: DPWV-Nachrichten (1962) Heft 6, S. 70.&lt;br /&gt;
*O. A.: 20 Jahre Albert-Schweitzer-Heim, in: DPWV-Nachrichten (1981) Heft 1-2, S. 18 f.&lt;br /&gt;
*O. A.: Albert-Schweitzer-Heim in Nürnberg besteht 20 Jahre, in: parität aktuell (1980) Nr. 2, o. S.&lt;br /&gt;
*O. A.: Von unserem Landesverband Bayern geführt. Heim für Mutter und Kind in München, in: DPWV-Nachrichten (1964) Heft 4, S. 1.&lt;br /&gt;
*O. A.: 38 Frauen finden den Weg zurück in die Berufswelt, in: parität aktuell (1974) Nr. 1, o. S.&lt;br /&gt;
*O. A.: Unsere Mitgliedseinrichtung. Sozialpsychiatrisches Zentrum München, in: DPWV-Nachrichten (1980) Heft 6, S. 87.&lt;br /&gt;
*Zeitzeuginnengespräch mit Christa Weigl-Schneider am 22. März 2024.&lt;br /&gt;
*Zeitzeugengespräch mit Michael Wächter am 28. September 2023.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Angermair, Elisabeth: Die Illusion des Regenbogens. Perspektiven für Frauen in der Nachkriegsgesellschaft, München 2007.&lt;br /&gt;
*Brückner, Burkhart: Geschichte der psychiatrischen Sozialarbeit in Deutschland im 20. Jahrhundert – ein Überblick, in: Dörr, Margret (Hg.): Sozialpsychiatrie im Fokus Sozialer Arbeit, Hohengehren 2015, S. 21-30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Hauptseite&amp;diff=1261</id>
		<title>Hauptseite</title>
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		<updated>2025-03-03T16:16:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* Neue Verbandsstrukturen in den 2000er Jahren */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Herzlich Willkommen im Geschichts-Wiki des Paritätischen in Bayern!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über ein Jahr lang hat der Paritätische in Bayern seine 100-jährige Geschichte von externen Historiker*innen der Agentur &#039;&#039;Neumann &amp;amp; Kamp Historische Projekte&#039;&#039; erforschen lassen. Sie haben Archive aufgesucht, historische Dokumente und Fachliteratur gesichtet und mit vielen Zeitzeug*innen gesprochen. Dieses Wiki ist das Ergebnis des Projekts. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dieser Seite finden Sie eine chronologische Zusammenfassung der 100-jährigen Geschichte des Verbands. Die blau hervorgehobenen Links im Text führen zu thematischen Schwerpunktseiten. Hier können Sie mehr über verschiedene Aspekte der Verbandsgeschichte erfahren: Wie sind bestimmte Schwerpunkte der Verbandsarbeit entstanden? Was musste passieren, damit sich der Verband zu dem entwickeln konnte, was er heute ist? Die Schwerpunktseiten geben jeweils Einblick in einen prägenden Abschnitt in der Geschichte des Paritätischen in Bayern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterhalb der chronologischen Darstellung finden Sie eine Personengalerie, die unterschiedliche Menschen aus der 100-jährigen Geschichte des Verbands vorstellt. Die Porträts zeigen, wie vielfältig die Wege sind, die zum Paritätischen in Bayern führen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Seiten des Wikis sind an passenden Stellen miteinander verlinkt. Folgen Sie Ihrer Neugier und stöbern Sie durch die Verbandsgeschichte! Der Paritätische in Bayern wünscht Ihnen eine interessante Lektüre. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Meilensteine der Geschichte des Paritätischen in Bayern==&lt;br /&gt;
===Vor der Verbandsgründung: Frauen engagieren sich gegen die herrschende Not===&lt;br /&gt;
[[Datei:Wohlfahrtskarte 1920er.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Der Münchner &#039;&#039;Verein für öffentliche Speisehallen&#039;&#039; ist eine der ersten Mitgliedsorganisationen des Paritätischen in Bayern. Er bietet in der Weimarer Republik warme Mahlzeiten für Bedürftige an.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Keimzelle des Paritätischen in Bayern ist die [[Ein Netzwerk engagierter Frauen: Der Verein für Fraueninteressen und das Umfeld des Paritätischen in Bayern|bürgerliche Frauenbewegung]]. Wohlhabende Frauen schließen sich zur Zeit des deutschen Kaiserreichs zusammen, um Bildungsmöglichkeiten für Mädchen und Frauen zu schaffen. In diesem Kontext entsteht in München der &#039;&#039;Verein für Fraueninteressen&#039;&#039;. Er setzt sich dafür ein, dass Mädchen und Frauen zukünftig die gleichen Bildungschancen erhalten wie Jungen und Männer. Durch Vorträge, Bildungsangebote und soziale Projekte unterstützt der Verein Frauen dabei, unabhängig zu werden und sich gesellschaftlich zu engagieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine dieser Frauen ist Luise Kiesselbach. Nach dem frühen Tod ihres Mannes findet [[Der „Mittelpunkt der paritätischen Wohlfahrtspflege in München und in Bayern“: Luise Kiesselbach|Luise Kiesselbach]] in sozialer Arbeit eine neue Lebensaufgabe. 1912 wird sie Vorsitzende des &#039;&#039;Vereins für Fraueninteressen&#039;&#039; in München. Sie setzt sich unermüdlich für soziale Initiativen ein. Das ist bald wichtiger denn je, denn der Erste Weltkrieg und die Wirtschaftskrisen der 1920er Jahre bringen viele Menschen in eine prekäre Lebenssituation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn der 1920er Jahre ist die Fürsorge durch verschiedene Gesetze, die in den vorangegangenen Jahren überstürzt erlassen wurden, unübersichtlich organisiert. Doch viele Menschen brauchen Hilfe. Bald kommt es daher zu einer Reorganisation des Fürsorgewesens. Ein wesentlicher Baustein der Reformen ist die Reichsverordnung über die Fürsorgepflicht, die am 13. Februar 1924 beschlossen wird. Dieses und andere neue Gesetze stärken die freie Wohlfahrtspflege. Ihre Spitzenverbände bekommen jetzt finanzielle Zuschüsse, die sie an ihre Mitgliedsorganisationen verteilen können. Problem hierbei: Wer keinem Dachverband angehört, geht leer aus. Davon sind vor allem die politisch und kirchlich unabhängigen Einrichtungen und Vereine bedroht. Luise Kiesselbach hat das Problem frühzeitig erkannt: Schon 1922 hat sie eine „Arbeitsgemeinschaft paritätischer Wohlfahrtsanstalten, Einrichtungen und Vereine“ im Stadtbund Münchner Frauenvereine gegründet, um die unabhängige Wohlfahrtspflege in München zu stärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===1924: Der Paritätische in Bayern entsteht===&lt;br /&gt;
[[Datei:Vortrag Altenhilfe.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;„Altersnot und Altersfürsorge“ wird zum ersten Schwerpunktthema der Verbandsarbeit. Luise Kiesselbach setzt sich auch dafür ein, dass es reichsweit Aufmerksamkeit bekommt.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Vom 11. bis 14. Juni 1924 veranstaltet der Hauptverband Bayerischer Frauenvereine seinen 10. Bayerischen Frauentag in München. Vorsitzende des Hauptverbands ist zu dieser Zeit Luise Kiesselbach. Bei der Tagung wird beschlossen, einen [[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|„Paritätischen Wohlfahrtsverband Bayern“]] zu gründen. Er steht nicht nur Frauenvereinen offen. Alle paritätisch arbeitenden Organisationen und Einrichtungen sind dazu eingeladen, Teil des neuen Verbands zu werden. Dafür wirbt Luise Kiesselbach in den folgenden Monaten. Sie wird in dieser Zeit zu einer Zentralgestalt des Paritätischen in Bayern und auch dessen erste Vorsitzende. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altersarmut ist ein auch in den 1920er Jahren bereits oft übersehenes Problemfeld. Von ihr sind alleinstehende Frauen aus der Mittelschicht besonders oft betroffen. Der Paritätische in Bayern beginnt, darauf aufmerksam zu machen, die Bekämpfung der [[„Dem Alter zum Schutze, der Jugend zu Nutze“: Das erste Projekt des Paritätischen in Bayern|„Altersnot“]] wird bald zum ersten Arbeitsschwerpunkt des Verbands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Luise Kiesselbach ist es wichtig, dass die Mitgliedsorganisationen des Paritätischen auf einer vom Gedanken der „paritas“, der Gleichheit und Gleichwertigkeit, getragenen Haltung zusammenarbeiteten. Sozialpolitisch setzt sie sich dafür ein, Armut zu bekämpfen, um die soziale Lebenslage der Menschen zu verbessern. Ebenso soll dieser Gedanke sich im Tätigkeitsprofil des Verbands widerspiegeln: Die soziale Hilfe, die der Verband mit seinen Mitgliedern leisten will, ist dem Leitbild verpflichtet, dass jeder Mensch gleichwertig ist und auch entsprechend behandelt werden muss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. Januar 1929 stirbt Luise Kiesselbach unerwartet. Den Verbandsvorsitz übernimmt daraufhin der bekannte Rechtsanwalt Dr. Christoph Schramm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Auflösung des Verbands in der Zeit des Nationalsozialismus===&lt;br /&gt;
[[Datei:Liquidation NS.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Am 23. Juni 1934 beschließt der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband, zu dem der Paritätische in Bayern gehört, offiziell seine Auflösung. Das ist zu diesem Zeitpunkt nur noch Formsache. Die Übernahme durch die NSV steht schon seit Monaten fest.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Zu Beginn der 1930er Jahre bestimmt die Weltwirtschaftskrise das Leben der Menschen. Die freien Wohlfahrtsverbände leiden darunter, dass sie keine Kredite und öffentlichen Zuschüsse mehr bekommen. Gleichzeitig sind immer mehr Menschen auf Unterstützung angewiesen. 1932 legt Christoph Schramm nach knapp drei Jahren den Verbandsvorsitz nieder. Sein Nachfolger wird Oberst a. D. [[Der letzte Verbandsvorsitzende vor der Auflösung: Albrecht Freiherr von Pechmann|Albrecht Freiherr von Pechmann]], der auf eine lange Militärkarriere zurückblicken kann. Wie genau es zu dieser Wahl kommt, wird sich später nicht mehr rekonstruieren lassen. Eine Verbindung zur paritätischen Wohlfahrtspflege hat er, den vorhandenen Quellen nach zu schließen, nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Januar 1933 wird Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Die Umgestaltung des Landes nach nationalsozialistischen Prinzipien nimmt Fahrt auf. Mit der Machtübertragung an die Nationalsozialisten bricht auch für die deutsche Wohlfahrtspflege eine neue Zeit an. Am 29. April 1933 beschließt der reichsweite Dachverband des Paritätischen in Bayern, der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband in Berlin, dass der Verband „seine paritätische Wohlfahrtsarbeit im Sinne der nationalen Erhebung weiter verfolgen soll“, also im Sinne des Nationalsozialismus. Der Vorsitzende des Gesamtverbands, der jüdische Kinderarzt Leo Langstein, tritt daraufhin zurück. Sein Nachfolger wird der bayerische Landesvorsitzende Albrecht von Pechmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Monate später steht fest, dass der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband im Zuge der Gleichschaltung mitsamt aller seiner Landesverbände von der [[Vom Paritätischen Wohlfahrtsverband zur Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt|Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV)]] übernommen wird. Die Landesverbände bekommen die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Mitgliedsorganisationen sich ruhig verhalten und die Entwicklung hinnehmen. Widerstand gegen die Gleichschaltungspolitik ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern fordert seine Mitgliedsorganisationen im Zuge dieser Bestrebungen dazu auf, alle „Mitarbeiter nicht-arischer Abstammung in bevorzugten Stellungen“ zu entlassen. Einige [[Menschen, Organisationen und Einrichtungen des Paritätischen in Bayern während der Zeit des Nationalsozialismus|Menschen und Organisationen]], die bisher im Rahmen des Paritätischen in Bayern soziale Arbeit geleistet haben, müssen diese jetzt aufgeben: Jüdinnen und Juden werden gezielt aus dem Verband gedrängt, Selbsthilfestrukturen bald zerschlagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Herbst 1933 bekommt der Paritätische reichsweit eine neue Satzung. Er ist jetzt offiziell Teil der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt und streng hierarchisch organisiert. Wer Mitglied werden möchte, muss nachweisen, dass er „nur im Sinne der national-sozialistischen Weltanschauung arbeiten wird.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1934 wird die endgültige Auflösung des Paritätischen angeordnet. Viele seiner Mitgliedsorganisationen bestehen unter dem Dach der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt weiter, andere werden aufgelöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wiedergründung nach 1945===&lt;br /&gt;
[[Datei:Mütterschule.jpeg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Durch die Arbeit in den Flüchtlingslagern der Nachkriegszeit entstehen langfristig neue Einrichtungen, wie zum Beispiel die [[Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert|&#039;&#039;Münchner Mütterschule&#039;&#039;]].&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Der Verein für Fraueninteressen übersteht die Zeit des Nationalsozialismus, wenngleich er seine Einrichtungen an die NSV verliert. So kann der Paritätische in Bayern direkt [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg|nach dem Zweiten Weltkrieg reaktiviert]] werden. Am 30. Juli 1948 kann der Paritätische in Bayern offiziell wiedergegründet werden. Er hat zu Beginn 20 Mitgliedsorganisationen und wird von der US-amerikanischen Militärregierung unterstützt. Bis in die 1950er Jahre kümmert sich der Verband vor allem um die Behebung der unmittelbaren Nachkriegsfolgen und die Versorgung von [[Unterstützung für Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg|Flüchtlingen und Vertriebenen]]. Auch die Linderung der [[„Jugendnot“ und Heimerziehung im Paritätischen in Bayern|„Jugendnot“]] wird jetzt zu einem wichtigen Themenfeld für den Paritätischen in Bayern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Verband öffnet sich neuen Themenfeldern===&lt;br /&gt;
[[Datei:Plakat 70er.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Altes Logo, neue Ausrichtung: Der Verband bemüht sich in den 1970er Jahren stärker denn je, freiwilliges Engagement und Selbsthilfe zu fördern.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Nachdem die unmittelbare Nachkriegsnot überstanden ist, beginnt für den Paritätischen in Bayern eine Zeit des Wachstums. Immer mehr Menschen, die besondere Lebenssituationen teilen, schließen sich zusammen, um sich gemeinsam für ihre Interessen einzusetzen. Den Anfang machen Eltern von Kindern mit [[Für ein selbstbestimmtes Leben: Menschen mit Behinderungen verändern den Paritätischen in Bayern|Behinderungen]]. Ab den 1950er Jahren schließen sie sich vermehrt zusammen. 1958 entsteht so zum Beispiel der &#039;&#039;Verein zur Förderung spastisch gelähmter Kinder&#039;&#039; in Augsburg, der bald Mitglied im Paritätischen in Bayern wird. Das ist etwas Besonderes, denn seitdem der Nationalsozialismus das Prinzip der Selbsthilfe systematisch bekämpft hat, gibt es sie auch im Paritätischen in Bayern nicht mehr. Das wird sich bald vollkommen ändern, als im Zuge gesellschaftlicher Veränderungen eine neue [[Eine wechselvolle Geschichte: Selbsthilfe im Paritätischen in Bayern|Selbsthilfebewegung]] entsteht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1964 wird [[Für mehr Gemeinsinn und Sichtbarkeit: Bernhard Uffrecht|Bernhard Uffrecht]] Geschäftsführer des Paritätischen in Bayern. Er wird den Verband über viele Jahre prägen. Mit ihm findet der Paritätische in Bayern bald mehr und mehr zu seinem ganz eigenen Profil. Der Paritätische in Bayern eröffnet Sozialstationen, die ambulante Pflege anbieten, und startet das Projekt &#039;&#039;Essen auf Rädern&#039;&#039;. Dieses Modell, das Mahlzeiten an Menschen liefert, die sich nicht selbst versorgen können, wird bald auf viele Städte in Bayern ausgeweitet. Bernhard Uffrecht setzt sich persönlich sehr für den Auf- und Ausbau neuer ambulanter Angebote ein. Besonders am Herzen liegt ihm die Förderung sogenannter [[„Nachbarn helfen sich selbst“: Kreative Lösungen für neue Wohn- und Lebensverhältnisse|Nachbarschaftshilfen]]. Bis 1977 werden in Bayern 44 Nachbarschaftshilfen entstehen, die über 120.000 Stunden nachbarschaftliche Hilfe im Jahr leisten. Die Hilfe zur Selbsthilfe wird wieder zu einem leitenden Prinzip des Paritätischen in Bayern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Arbeit jenseits traditioneller Strukturen===&lt;br /&gt;
[[Datei:Düsseldorfer Str.jpeg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Ab 1975 hat der Paritätische in Bayern ein neues Verwaltungsgebäude in München. Von hier wird unter anderem &#039;&#039;Essen auf Rädern&#039;&#039; ausgeliefert.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern öffnet sich jetzt besonders für Zusammenschlüsse von marginalisierten Menschen, die von der staatlichen Sozialpolitik im traditionell geprägten Bayern kaum beachtet werden. Die Unterstützung der sogenannten [[Für ein selbstbestimmtes Leben: Menschen mit Behinderungen verändern den Paritätischen in Bayern|Behindertenbewegung]], die sich aus den Initiativen für Kinder mit Beeinträchtigungen entwickelt hat, ist nur der Anfang. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1970er Jahren hält die [[Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern|Neue Frauenbewegung]] Einzug in den Paritätischen in Bayern. Frauenhäuser werden gegründet, um Frauen Schutz vor Gewalt zu bieten. Dabei unterstützt der Verband auch autonome Frauenhäuser, obwohl sie ansonsten in Politik und Gesellschaft auf großen Widerstand stoßen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur selben Zeit entstehen als Antwort auf fehlende Betreuungsangebote [[Eltern ergreifen die Initiative: Neue Formen der Kinderbetreuung erobern den Paritätischen in Bayern|Elterninitiativen]], die alternative Formen der Kinderbetreuung ausprobieren und selbst organisieren. Auch das ermöglicht es vielen Frauen, ein selbstbestimmteres Leben zu führen, das nicht allein durch ihre Rolle als Mutter geprägt ist. Ab 1980 gibt es eine eigene Fachreferentin für Frauen und Familie im Paritätischen in Bayern. Der Verband fördert vielfältige Projekte von und für Frauen und Familien und unterstützt ihre politischen Forderungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende der 1970er Jahre macht der Paritätische in Bayern seine ersten Erfahrungen mit der Betreuung sogenannter Ausländer: Er übernimmt die Trägerschaft einer Einrichtung für [[„Grüß Gott, liebe Freunde aus Vietnam“ – Eine neue Aufgabe für den Paritätischen in Bayern|Geflüchtete aus Vietnam]]. Auch das führt zur Einrichtung eines neuen Fachreferats im Verband.&lt;br /&gt;
[[Datei:Verbandsgrundsätze.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;„Auf die Gleichheit aller bedacht sein“: 1989 bekommt der Paritätische neue Verbandsgrundsätze. Bald folgt auch ein neues Logo.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
In den 1980er Jahren findet die [[Ein steiniger Weg zur Akzeptanz: Queerer Aktivismus im Paritätischen in Bayern|Schwulenbewegung]] ihren Weg in den Paritätischen in Bayern. Explizite Organisationen von und für Homosexuelle hat der Verband zuvor lange nicht aufnehmen wollen. Die ab Mitte der 1980er entstehenden Aids-Hilfen kümmern sich um alle von der Krankheit betroffenen Menschen, darunter Homosexuelle, aber auch Drogenabhängige und Prostituierte. Das eröffnet ihnen den Weg in den Paritätischen in Bayern und ermöglicht es, dass sich der Verband langfristig auch für explizite LGBTIQ-Organisationen öffnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Unterstützung neuer sozialer Bewegungen und die Förderung der Selbsthilfe entwickelt sich der Paritätische in Bayern in dieser Zeit zu einem Verband, der auf neue Weise Vielfalt und gesellschaftliches Engagement fördert. Dazu gehört auch, dass der Paritätische in Bayern zu einem wichtigen Unterstützer des [[Ein besonderes Nachwuchsprogramm: Das Freiwillige Soziale Jahr im Paritätischen in Bayern|Freiwilligen Sozialen Jahres]] wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahren durchläuft der Paritätische in Bayern Veränderungen und Anpassungen, die durch interne Herausforderungen und gesellschaftliche Entwicklungen herbeigeführt werden. Ein Wendepunkt ist der Ruhestand von Geschäftsführer [[Für mehr Gemeinsinn und Sichtbarkeit: Bernhard Uffrecht|Bernhard Uffrecht]] 1988. Mit ihm verlässt eine Person den Verband, die ihn jahrelang geprägt und ihm nach innen und außen Profil verliehen hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung unterstützt der Paritätische in Bayern engagierte Menschen dabei, in Sachsen [[Aufbau Ost: Der Paritätische in Sachsen entsteht – mit Unterstützung aus Bayern|einen eigenen Landesverband]] des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands aufzubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gleichstellungspolitische Ausrichtung im Verband===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit der Gründung des Verbands in den 1920er Jahren haben Frauen im Paritätischen in Bayern entscheidende Arbeit geleistet. Nach [[Der „Mittelpunkt der paritätischen Wohlfahrtspflege in München und in Bayern“: Luise Kiesselbach|Luise Kiesselbach]] gab es jedoch in der jüngsten Vergangenheit keine Frau mehr an der Spitze des Verbands. Mit der Einsetzung einer Referentin für Frauen und Familie hat deshalb eine systematische [[„Vom frauenbewegten Sozialverband zum männergeführten Frauenbetrieb“? Die Debatte um Gleichstellung im Paritätischen in Bayern|Untersuchung der Geschlechterverhältnisse]] im Paritätischen in Bayern begonnen, die 1994 in einer ausführlichen Studie veröffentlicht wird. Diese Studie zeigt gravierende Ungleichheiten. Die Ergebnisse der Studie führen zu konkreten Maßnahmen zur Verbesserung der Geschlechtergerechtigkeit im Verband. Der Paritätische in Bayern setzt das Konzept des Gender Mainstreamings um. Durch diese Strategie wird Geschlechtergerechtigkeit bald bei allen Entscheidungen und Maßnahmen des Verbands berücksichtigt. Ab 2010 wird es eine Doppelspitze geben, bestehend aus einer Frau und einem Mann im Vorstand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neue Verbandsstrukturen in den 2000er Jahren===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren durchläuft der Verband zugleich eine [[Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern|finanzielle und strukturelle Krise]]. Er ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen und muss seine Strukturen dringend diesen neuen Umständen anpassen. Umfassende Umstrukturierungen können den Paritätischen in Bayern stabilisieren. Der Verband führt ein strenges Finanzcontrolling ein und wandelt eigene Einrichtungen in GmbHs um. Ab den 2000er Jahren trägt ein hauptamtlicher Vorstand die operative Verantwortung für den Verband: Je ein Vorstand für Verbands- und Sozialpolitik sowie Wirtschaft und Finanzen fungieren gleichberechtigt als Doppelspitze. Kontrolliert werden die beiden Vorstände von einem ehrenamtlichen Verbandsrat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lauf der 2000er Jahre kann der Verband, neben seiner gestärkten Position als [[Der Paritätische in Bayern wird zum Anbieter sozialer Dienstleistungen|Anbieter sozialer Dienstleistungen]], auch wieder stärker sozialpolitisch wirken. Das Thema der Gleichstellung von Frauen und Männern sowie die Inklusion von Menschen mit Behinderungen werden in neuer Weise zu einem Schwerpunkt der Verbandsarbeit. Die Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention 2006 ist ein wichtiger behindertenpolitischer Meilenstein. Der Paritätische in Bayern engagiert sich jetzt in neuem Maß in der Eingliederungshilfe. Die große Verbandskrise ist überwunden, die Arbeit kann mit vollem Elan weitergeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===2010er Jahre bis heute: Toleranz, Offenheit und Vielfalt=== &lt;br /&gt;
[[Datei:Klimaschutz.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Der Paritätische in Bayern stellt sich verstärkt neuen Herausforderungen, zum Beispiel dem Klimaschutz.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
In den 2010er Jahren kommen gesellschaftliche Herausforderungen auf: Als ab 2014 immer mehr [[Der Paritätische in Bayern in der „Flüchtlingskrise“|Geflüchtete]] auf der Suche nach Sicherheit nach Bayern kommen, packen der Paritätische in Bayern und seine Mitgliedsorganisationen entschlossen mit an. Paritätische Träger richten Bayerns erste Flüchtlingsunterkunft für Frauen mit und ohne Kinder ein. Hier sollen sie einen sicheren Ort finden, der ihnen Stabilität gibt und an dem sie Vertrauen fassen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angetrieben durch die Klimaschutzbewegung beginnt der Verband jetzt außerdem, ökologische Nachhaltigkeit als Teil seiner sozialen Verantwortung zu verstehen. Die Verbindung von sozialer und ökologischer Gerechtigkeit steht dabei im Mittelpunkt. Die Forderung nach einer [[Ein neuer Schwerpunkt: Gemeinsam gegen die Klimakrise|sozialökologischen Transformation]] wird zu einem neuen Schwerpunkt der Verbandsarbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in den etablierten Arbeitsschwerpunkten des Verbands steht die Entwicklung nicht still. Aus der Unterstützung für queere Menschen folgt, dass das Referat Frauen 2021 um die Themen Gleichstellung und LGBTIQ erweitert wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn der 2020er Jahre stehen die Mitgliedsorganisationen des Paritätischen in Bayern vor großen Herausforderungen: Der massive Arbeits- und Fachkräftemangel, durch den Träger ihre Angebote teilweise einschränken oder ganz einstellen müssen, gefährdet die Verlässlichkeit der sozialen Daseinsvorsorge und verunsichert Teile der Bevölkerung. Die daraus resultierenden quantitativen wie qualitativen Lücken, wenn zum Beispiel Kita- oder Pflegeplätze fehlen, sind für die Gesellschaft spürbar. Der Paritätische in Bayern sieht es damals wie heute als seine Verantwortung, sich für optimale Rahmenbedingungen für seine Mitglieder einzusetzen. Er wird als Verband auch in Zukunft gegenüber Politik und Gesellschaft aufzeigen, dass die Finanzierung einer verlässlichen sozialen Daseinsvorsorge auch eine Investition in eine stabile Demokratie ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Menschen aus 100 Jahren Verbandsgeschichte==&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=200px&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Bablok.JPG|link=Knapp 20 Jahre lang im Einsatz für Regensburger Freiwillige: Ursula Bablok|[[Knapp 20 Jahre lang im Einsatz für Regensburger Freiwillige: Ursula Bablok|Ursula Bablok (*1955)]]&lt;br /&gt;
Datei:Bamberger.jpg|link=„Meisterin der Jugendhilfe“ und Täterin: Elisabeth Bamberger|[[„Meisterin der Jugendhilfe“ und Täterin: Elisabeth Bamberger|Elisabeth Bamberger (1890-1984)]]&lt;br /&gt;
Datei:Doll.jpg|link=Humorvoll und kreativ im Einsatz für Mittelfranken: Ekkehard Doll|[[Humorvoll und kreativ im Einsatz für Mittelfranken: Ekkehard Doll|Ekkehard Doll (*1941)]]&lt;br /&gt;
Datei:Eberth.jpg|link=Aus der Drogenhilfe zum Verbandsvorsitzenden: Alexander Eberth|[[Aus der Drogenhilfe zum Verbandsvorsitzenden: Alexander Eberth|Alexander Eberth (*1944)]]&lt;br /&gt;
Datei:Geiling.jpg|link=Die „kleine Frau mit dem gewaltig großen Herzen“: Betty Geiling|[[Die „kleine Frau mit dem gewaltig großen Herzen“: Betty Geiling|Betty Geiling (1926-2021)]]&lt;br /&gt;
Datei:Geppert PFH Ausschnitt.jpg|link=Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert|[[Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert|Lotte Geppert (1883-1968)]]&lt;br /&gt;
Datei:Heim-Pohlmann.jpg|link=Die treibende Kraft: Anna Heim-Pohlmann|[[Die treibende Kraft: Anna Heim-Pohlmann|Anna Heim-Pohlmann (1885-1983)]]&lt;br /&gt;
Datei:Hellbruegge.jpg|link=Ein besonderer Kinderarzt: Theodor Hellbrügge|[[Ein besonderer Kinderarzt: Theodor Hellbrügge|Theodor Hellbrügge (1919-2014)]]&lt;br /&gt;
Datei:Hilsenbeck.jpg|link=„Energie, Gestaltungswillen, Hartnäckigkeit“ für Frauenrechte in Krisensituationen: Polina Hilsenbeck|[[„Energie, Gestaltungswillen, Hartnäckigkeit“ für Frauenrechte in Krisensituationen: Polina Hilsenbeck|Polina Hilsenbeck (*1951)]]&lt;br /&gt;
Datei:Kiesselbach Detail.jpg|link=Der „Mittelpunkt der paritätischen Wohlfahrtspflege in München und in Bayern“: Luise Kiesselbach|[[Der „Mittelpunkt der paritätischen Wohlfahrtspflege in München und in Bayern“: Luise Kiesselbach|Luise Kiesselbach (1863-1929)]]&lt;br /&gt;
Datei:Leitner.jpeg|link=Für ein barrierefreies München und ein Leben auf Augenhöhe: Ingrid Leitner|[[Für ein barrierefreies München und ein Leben auf Augenhöhe: Ingrid Leitner|Ingrid Leitner (1942-2017)]]&lt;br /&gt;
Datei:Obermair-Schoch.jpg|link=Eine Ausnahmesenatorin: Hilde Obermair-Schoch|[[Eine Ausnahmesenatorin: Hilde Obermair-Schoch|Hilde Obermair-Schoch (1897-1970)]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:1929 Pechmann Stadtkommandant Ausschnitt Detail.jpg|link=Der letzte Verbandsvorsitzende vor der Auflösung: Albrecht Freiherr von Pechmann|[[Der letzte Verbandsvorsitzende vor der Auflösung: Albrecht Freiherr von Pechmann|Albrecht Freiherr von Pechmann (1879-1949)]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Straubinger Portrait.jpg|link=Unermüdlich im Einsatz für ihre taubblinden „Schicksalsgefährten“: Fini Straubinger|[[Unermüdlich im Einsatz für ihre taubblinden „Schicksalsgefährten“: Fini Straubinger|Fini Straubinger (1914-1981)]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Uffrecht.jpeg|link=Für mehr Gemeinsinn und Sichtbarkeit: Bernhard Uffrecht|[[Für mehr Gemeinsinn und Sichtbarkeit: Bernhard Uffrecht|Bernhard Uffrecht (1923-1997)]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Zimmermann.jpg|link=Begleiter durch die Verbandskrise: Heinz-Dieter Zimmermann|[[Begleiter durch die Verbandskrise: Heinz-Dieter Zimmermann|Heinz-Dieter Zimmermann (*1934)]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Themenseiten im Überblick==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[„Dem Alter zum Schutze, der Jugend zu Nutze“: Das erste Projekt des Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Altenhilfe&#039;&#039;&#039;, „Dem Alter zum Schutze, der Jugend zu Nutze“: Das erste Projekt des Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Vom Paritätischen Wohlfahrtsverband zur Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt|&#039;&#039;&#039;Auflösung&#039;&#039;&#039;, Vom Paritätischen Wohlfahrtsverband zur Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Für ein selbstbestimmtes Leben: Menschen mit Behinderungen verändern den Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Behinderung&#039;&#039;&#039;, Für ein selbstbestimmtes Leben: Menschen mit Behinderungen verändern den Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Aufbau Ost: Der Paritätische in Sachsen entsteht – mit Unterstützung aus Bayern|&#039;&#039;&#039;DDR&#039;&#039;&#039;, Aufbau Ost: Der Paritätische in Sachsen entsteht – mit Unterstützung aus Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Der Paritätische in Bayern wird zum Anbieter sozialer Dienstleistungen|&#039;&#039;&#039;Dienstleistungen&#039;&#039;&#039;, Der Paritätische in Bayern wird zum Anbieter sozialer Dienstleistungen]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Eltern ergreifen die Initiative: Neue Formen der Kinderbetreuung erobern den Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Elterninitiativen&#039;&#039;&#039;, Eltern ergreifen die Initiative: Neue Formen der Kinderbetreuung erobern den Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Ein Netzwerk engagierter Frauen: Der Verein für Fraueninteressen und das Umfeld des Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Entstehung&#039;&#039;&#039;, Ein Netzwerk engagierter Frauen: Der Verein für Fraueninteressen und das Umfeld des Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Frauenbewegung&#039;&#039;&#039;, Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Ein besonderes Nachwuchsprogramm: Das Freiwillige Soziale Jahr im Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Freiwillige&#039;&#039;&#039;, Ein besonderes Nachwuchsprogramm: Das Freiwillige Soziale Jahr im Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[ Der Paritätische in Bayern in der „Flüchtlingskrise“|&#039;&#039;&#039;Geflüchtete&#039;&#039;&#039;, Der Paritätische in Bayern in der „Flüchtlingskrise“]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[„Vom frauenbewegten Sozialverband zum männergeführten Frauenbetrieb“? Die Debatte um Gleichstellung im Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Gleichstellung&#039;&#039;&#039;, „Vom frauenbewegten Sozialverband zum männergeführten Frauenbetrieb“? Die Debatte um Gleichstellung im Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Gründung&#039;&#039;&#039;, Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[„Jugendnot“ und Heimerziehung im Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Jugend&#039;&#039;&#039;, „Jugendnot“ und Heimerziehung im Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Ein neuer Schwerpunkt: Gemeinsam gegen die Klimakrise|&#039;&#039;&#039;Klimaschutz&#039;&#039;&#039;, Ein neuer Schwerpunkt: Gemeinsam gegen die Klimakrise]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Ein steiniger Weg zur Akzeptanz: Queerer Aktivismus im Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;LGBTIQ&#039;&#039;&#039;, Ein steiniger Weg zur Akzeptanz: Queerer Aktivismus im Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[„Nachbarn helfen sich selbst“: Kreative Lösungen für neue Wohn- und Lebensverhältnisse|&#039;&#039;&#039;Nachbarschaftshilfen&#039;&#039;&#039;, „Nachbarn helfen sich selbst“: Kreative Lösungen für neue Wohn- und Lebensverhältnisse]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[ Unterstützung für Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg|&#039;&#039;&#039;Nachkriegszeit&#039;&#039;&#039;, Unterstützung für Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Menschen, Organisationen und Einrichtungen des Paritätischen in Bayern während der Zeit des Nationalsozialismus|&#039;&#039;&#039;Nationalsozialismus&#039;&#039;&#039;, Menschen, Organisationen und Einrichtungen des Paritätischen in Bayern während der Zeit des Nationalsozialismus]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Eine wechselvolle Geschichte: Selbsthilfe im Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Selbsthilfe&#039;&#039;&#039;, Eine wechselvolle Geschichte: Selbsthilfe im Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Verbandsstruktur&#039;&#039;&#039;, Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[„Grüß Gott, liebe Freunde aus Vietnam“ – Eine neue Aufgabe für den Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Vietnam&#039;&#039;&#039;, „Grüß Gott, liebe Freunde aus Vietnam“ – Eine neue Aufgabe für den Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg|&#039;&#039;&#039;Wiedergründung&#039;&#039;&#039;, „Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Hauptseite&amp;diff=1260</id>
		<title>Hauptseite</title>
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		<updated>2025-03-03T16:15:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* Neue Verbandsstrukturen in den 2000er Jahren */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Herzlich Willkommen im Geschichts-Wiki des Paritätischen in Bayern!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über ein Jahr lang hat der Paritätische in Bayern seine 100-jährige Geschichte von externen Historiker*innen der Agentur &#039;&#039;Neumann &amp;amp; Kamp Historische Projekte&#039;&#039; erforschen lassen. Sie haben Archive aufgesucht, historische Dokumente und Fachliteratur gesichtet und mit vielen Zeitzeug*innen gesprochen. Dieses Wiki ist das Ergebnis des Projekts. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dieser Seite finden Sie eine chronologische Zusammenfassung der 100-jährigen Geschichte des Verbands. Die blau hervorgehobenen Links im Text führen zu thematischen Schwerpunktseiten. Hier können Sie mehr über verschiedene Aspekte der Verbandsgeschichte erfahren: Wie sind bestimmte Schwerpunkte der Verbandsarbeit entstanden? Was musste passieren, damit sich der Verband zu dem entwickeln konnte, was er heute ist? Die Schwerpunktseiten geben jeweils Einblick in einen prägenden Abschnitt in der Geschichte des Paritätischen in Bayern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterhalb der chronologischen Darstellung finden Sie eine Personengalerie, die unterschiedliche Menschen aus der 100-jährigen Geschichte des Verbands vorstellt. Die Porträts zeigen, wie vielfältig die Wege sind, die zum Paritätischen in Bayern führen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Seiten des Wikis sind an passenden Stellen miteinander verlinkt. Folgen Sie Ihrer Neugier und stöbern Sie durch die Verbandsgeschichte! Der Paritätische in Bayern wünscht Ihnen eine interessante Lektüre. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Meilensteine der Geschichte des Paritätischen in Bayern==&lt;br /&gt;
===Vor der Verbandsgründung: Frauen engagieren sich gegen die herrschende Not===&lt;br /&gt;
[[Datei:Wohlfahrtskarte 1920er.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Der Münchner &#039;&#039;Verein für öffentliche Speisehallen&#039;&#039; ist eine der ersten Mitgliedsorganisationen des Paritätischen in Bayern. Er bietet in der Weimarer Republik warme Mahlzeiten für Bedürftige an.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Keimzelle des Paritätischen in Bayern ist die [[Ein Netzwerk engagierter Frauen: Der Verein für Fraueninteressen und das Umfeld des Paritätischen in Bayern|bürgerliche Frauenbewegung]]. Wohlhabende Frauen schließen sich zur Zeit des deutschen Kaiserreichs zusammen, um Bildungsmöglichkeiten für Mädchen und Frauen zu schaffen. In diesem Kontext entsteht in München der &#039;&#039;Verein für Fraueninteressen&#039;&#039;. Er setzt sich dafür ein, dass Mädchen und Frauen zukünftig die gleichen Bildungschancen erhalten wie Jungen und Männer. Durch Vorträge, Bildungsangebote und soziale Projekte unterstützt der Verein Frauen dabei, unabhängig zu werden und sich gesellschaftlich zu engagieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine dieser Frauen ist Luise Kiesselbach. Nach dem frühen Tod ihres Mannes findet [[Der „Mittelpunkt der paritätischen Wohlfahrtspflege in München und in Bayern“: Luise Kiesselbach|Luise Kiesselbach]] in sozialer Arbeit eine neue Lebensaufgabe. 1912 wird sie Vorsitzende des &#039;&#039;Vereins für Fraueninteressen&#039;&#039; in München. Sie setzt sich unermüdlich für soziale Initiativen ein. Das ist bald wichtiger denn je, denn der Erste Weltkrieg und die Wirtschaftskrisen der 1920er Jahre bringen viele Menschen in eine prekäre Lebenssituation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn der 1920er Jahre ist die Fürsorge durch verschiedene Gesetze, die in den vorangegangenen Jahren überstürzt erlassen wurden, unübersichtlich organisiert. Doch viele Menschen brauchen Hilfe. Bald kommt es daher zu einer Reorganisation des Fürsorgewesens. Ein wesentlicher Baustein der Reformen ist die Reichsverordnung über die Fürsorgepflicht, die am 13. Februar 1924 beschlossen wird. Dieses und andere neue Gesetze stärken die freie Wohlfahrtspflege. Ihre Spitzenverbände bekommen jetzt finanzielle Zuschüsse, die sie an ihre Mitgliedsorganisationen verteilen können. Problem hierbei: Wer keinem Dachverband angehört, geht leer aus. Davon sind vor allem die politisch und kirchlich unabhängigen Einrichtungen und Vereine bedroht. Luise Kiesselbach hat das Problem frühzeitig erkannt: Schon 1922 hat sie eine „Arbeitsgemeinschaft paritätischer Wohlfahrtsanstalten, Einrichtungen und Vereine“ im Stadtbund Münchner Frauenvereine gegründet, um die unabhängige Wohlfahrtspflege in München zu stärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===1924: Der Paritätische in Bayern entsteht===&lt;br /&gt;
[[Datei:Vortrag Altenhilfe.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;„Altersnot und Altersfürsorge“ wird zum ersten Schwerpunktthema der Verbandsarbeit. Luise Kiesselbach setzt sich auch dafür ein, dass es reichsweit Aufmerksamkeit bekommt.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Vom 11. bis 14. Juni 1924 veranstaltet der Hauptverband Bayerischer Frauenvereine seinen 10. Bayerischen Frauentag in München. Vorsitzende des Hauptverbands ist zu dieser Zeit Luise Kiesselbach. Bei der Tagung wird beschlossen, einen [[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|„Paritätischen Wohlfahrtsverband Bayern“]] zu gründen. Er steht nicht nur Frauenvereinen offen. Alle paritätisch arbeitenden Organisationen und Einrichtungen sind dazu eingeladen, Teil des neuen Verbands zu werden. Dafür wirbt Luise Kiesselbach in den folgenden Monaten. Sie wird in dieser Zeit zu einer Zentralgestalt des Paritätischen in Bayern und auch dessen erste Vorsitzende. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altersarmut ist ein auch in den 1920er Jahren bereits oft übersehenes Problemfeld. Von ihr sind alleinstehende Frauen aus der Mittelschicht besonders oft betroffen. Der Paritätische in Bayern beginnt, darauf aufmerksam zu machen, die Bekämpfung der [[„Dem Alter zum Schutze, der Jugend zu Nutze“: Das erste Projekt des Paritätischen in Bayern|„Altersnot“]] wird bald zum ersten Arbeitsschwerpunkt des Verbands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Luise Kiesselbach ist es wichtig, dass die Mitgliedsorganisationen des Paritätischen auf einer vom Gedanken der „paritas“, der Gleichheit und Gleichwertigkeit, getragenen Haltung zusammenarbeiteten. Sozialpolitisch setzt sie sich dafür ein, Armut zu bekämpfen, um die soziale Lebenslage der Menschen zu verbessern. Ebenso soll dieser Gedanke sich im Tätigkeitsprofil des Verbands widerspiegeln: Die soziale Hilfe, die der Verband mit seinen Mitgliedern leisten will, ist dem Leitbild verpflichtet, dass jeder Mensch gleichwertig ist und auch entsprechend behandelt werden muss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. Januar 1929 stirbt Luise Kiesselbach unerwartet. Den Verbandsvorsitz übernimmt daraufhin der bekannte Rechtsanwalt Dr. Christoph Schramm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Auflösung des Verbands in der Zeit des Nationalsozialismus===&lt;br /&gt;
[[Datei:Liquidation NS.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Am 23. Juni 1934 beschließt der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband, zu dem der Paritätische in Bayern gehört, offiziell seine Auflösung. Das ist zu diesem Zeitpunkt nur noch Formsache. Die Übernahme durch die NSV steht schon seit Monaten fest.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Zu Beginn der 1930er Jahre bestimmt die Weltwirtschaftskrise das Leben der Menschen. Die freien Wohlfahrtsverbände leiden darunter, dass sie keine Kredite und öffentlichen Zuschüsse mehr bekommen. Gleichzeitig sind immer mehr Menschen auf Unterstützung angewiesen. 1932 legt Christoph Schramm nach knapp drei Jahren den Verbandsvorsitz nieder. Sein Nachfolger wird Oberst a. D. [[Der letzte Verbandsvorsitzende vor der Auflösung: Albrecht Freiherr von Pechmann|Albrecht Freiherr von Pechmann]], der auf eine lange Militärkarriere zurückblicken kann. Wie genau es zu dieser Wahl kommt, wird sich später nicht mehr rekonstruieren lassen. Eine Verbindung zur paritätischen Wohlfahrtspflege hat er, den vorhandenen Quellen nach zu schließen, nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Januar 1933 wird Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Die Umgestaltung des Landes nach nationalsozialistischen Prinzipien nimmt Fahrt auf. Mit der Machtübertragung an die Nationalsozialisten bricht auch für die deutsche Wohlfahrtspflege eine neue Zeit an. Am 29. April 1933 beschließt der reichsweite Dachverband des Paritätischen in Bayern, der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband in Berlin, dass der Verband „seine paritätische Wohlfahrtsarbeit im Sinne der nationalen Erhebung weiter verfolgen soll“, also im Sinne des Nationalsozialismus. Der Vorsitzende des Gesamtverbands, der jüdische Kinderarzt Leo Langstein, tritt daraufhin zurück. Sein Nachfolger wird der bayerische Landesvorsitzende Albrecht von Pechmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Monate später steht fest, dass der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband im Zuge der Gleichschaltung mitsamt aller seiner Landesverbände von der [[Vom Paritätischen Wohlfahrtsverband zur Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt|Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV)]] übernommen wird. Die Landesverbände bekommen die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Mitgliedsorganisationen sich ruhig verhalten und die Entwicklung hinnehmen. Widerstand gegen die Gleichschaltungspolitik ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern fordert seine Mitgliedsorganisationen im Zuge dieser Bestrebungen dazu auf, alle „Mitarbeiter nicht-arischer Abstammung in bevorzugten Stellungen“ zu entlassen. Einige [[Menschen, Organisationen und Einrichtungen des Paritätischen in Bayern während der Zeit des Nationalsozialismus|Menschen und Organisationen]], die bisher im Rahmen des Paritätischen in Bayern soziale Arbeit geleistet haben, müssen diese jetzt aufgeben: Jüdinnen und Juden werden gezielt aus dem Verband gedrängt, Selbsthilfestrukturen bald zerschlagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Herbst 1933 bekommt der Paritätische reichsweit eine neue Satzung. Er ist jetzt offiziell Teil der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt und streng hierarchisch organisiert. Wer Mitglied werden möchte, muss nachweisen, dass er „nur im Sinne der national-sozialistischen Weltanschauung arbeiten wird.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1934 wird die endgültige Auflösung des Paritätischen angeordnet. Viele seiner Mitgliedsorganisationen bestehen unter dem Dach der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt weiter, andere werden aufgelöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wiedergründung nach 1945===&lt;br /&gt;
[[Datei:Mütterschule.jpeg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Durch die Arbeit in den Flüchtlingslagern der Nachkriegszeit entstehen langfristig neue Einrichtungen, wie zum Beispiel die [[Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert|&#039;&#039;Münchner Mütterschule&#039;&#039;]].&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Der Verein für Fraueninteressen übersteht die Zeit des Nationalsozialismus, wenngleich er seine Einrichtungen an die NSV verliert. So kann der Paritätische in Bayern direkt [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg|nach dem Zweiten Weltkrieg reaktiviert]] werden. Am 30. Juli 1948 kann der Paritätische in Bayern offiziell wiedergegründet werden. Er hat zu Beginn 20 Mitgliedsorganisationen und wird von der US-amerikanischen Militärregierung unterstützt. Bis in die 1950er Jahre kümmert sich der Verband vor allem um die Behebung der unmittelbaren Nachkriegsfolgen und die Versorgung von [[Unterstützung für Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg|Flüchtlingen und Vertriebenen]]. Auch die Linderung der [[„Jugendnot“ und Heimerziehung im Paritätischen in Bayern|„Jugendnot“]] wird jetzt zu einem wichtigen Themenfeld für den Paritätischen in Bayern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Verband öffnet sich neuen Themenfeldern===&lt;br /&gt;
[[Datei:Plakat 70er.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Altes Logo, neue Ausrichtung: Der Verband bemüht sich in den 1970er Jahren stärker denn je, freiwilliges Engagement und Selbsthilfe zu fördern.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Nachdem die unmittelbare Nachkriegsnot überstanden ist, beginnt für den Paritätischen in Bayern eine Zeit des Wachstums. Immer mehr Menschen, die besondere Lebenssituationen teilen, schließen sich zusammen, um sich gemeinsam für ihre Interessen einzusetzen. Den Anfang machen Eltern von Kindern mit [[Für ein selbstbestimmtes Leben: Menschen mit Behinderungen verändern den Paritätischen in Bayern|Behinderungen]]. Ab den 1950er Jahren schließen sie sich vermehrt zusammen. 1958 entsteht so zum Beispiel der &#039;&#039;Verein zur Förderung spastisch gelähmter Kinder&#039;&#039; in Augsburg, der bald Mitglied im Paritätischen in Bayern wird. Das ist etwas Besonderes, denn seitdem der Nationalsozialismus das Prinzip der Selbsthilfe systematisch bekämpft hat, gibt es sie auch im Paritätischen in Bayern nicht mehr. Das wird sich bald vollkommen ändern, als im Zuge gesellschaftlicher Veränderungen eine neue [[Eine wechselvolle Geschichte: Selbsthilfe im Paritätischen in Bayern|Selbsthilfebewegung]] entsteht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1964 wird [[Für mehr Gemeinsinn und Sichtbarkeit: Bernhard Uffrecht|Bernhard Uffrecht]] Geschäftsführer des Paritätischen in Bayern. Er wird den Verband über viele Jahre prägen. Mit ihm findet der Paritätische in Bayern bald mehr und mehr zu seinem ganz eigenen Profil. Der Paritätische in Bayern eröffnet Sozialstationen, die ambulante Pflege anbieten, und startet das Projekt &#039;&#039;Essen auf Rädern&#039;&#039;. Dieses Modell, das Mahlzeiten an Menschen liefert, die sich nicht selbst versorgen können, wird bald auf viele Städte in Bayern ausgeweitet. Bernhard Uffrecht setzt sich persönlich sehr für den Auf- und Ausbau neuer ambulanter Angebote ein. Besonders am Herzen liegt ihm die Förderung sogenannter [[„Nachbarn helfen sich selbst“: Kreative Lösungen für neue Wohn- und Lebensverhältnisse|Nachbarschaftshilfen]]. Bis 1977 werden in Bayern 44 Nachbarschaftshilfen entstehen, die über 120.000 Stunden nachbarschaftliche Hilfe im Jahr leisten. Die Hilfe zur Selbsthilfe wird wieder zu einem leitenden Prinzip des Paritätischen in Bayern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Arbeit jenseits traditioneller Strukturen===&lt;br /&gt;
[[Datei:Düsseldorfer Str.jpeg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Ab 1975 hat der Paritätische in Bayern ein neues Verwaltungsgebäude in München. Von hier wird unter anderem &#039;&#039;Essen auf Rädern&#039;&#039; ausgeliefert.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern öffnet sich jetzt besonders für Zusammenschlüsse von marginalisierten Menschen, die von der staatlichen Sozialpolitik im traditionell geprägten Bayern kaum beachtet werden. Die Unterstützung der sogenannten [[Für ein selbstbestimmtes Leben: Menschen mit Behinderungen verändern den Paritätischen in Bayern|Behindertenbewegung]], die sich aus den Initiativen für Kinder mit Beeinträchtigungen entwickelt hat, ist nur der Anfang. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1970er Jahren hält die [[Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern|Neue Frauenbewegung]] Einzug in den Paritätischen in Bayern. Frauenhäuser werden gegründet, um Frauen Schutz vor Gewalt zu bieten. Dabei unterstützt der Verband auch autonome Frauenhäuser, obwohl sie ansonsten in Politik und Gesellschaft auf großen Widerstand stoßen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur selben Zeit entstehen als Antwort auf fehlende Betreuungsangebote [[Eltern ergreifen die Initiative: Neue Formen der Kinderbetreuung erobern den Paritätischen in Bayern|Elterninitiativen]], die alternative Formen der Kinderbetreuung ausprobieren und selbst organisieren. Auch das ermöglicht es vielen Frauen, ein selbstbestimmteres Leben zu führen, das nicht allein durch ihre Rolle als Mutter geprägt ist. Ab 1980 gibt es eine eigene Fachreferentin für Frauen und Familie im Paritätischen in Bayern. Der Verband fördert vielfältige Projekte von und für Frauen und Familien und unterstützt ihre politischen Forderungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende der 1970er Jahre macht der Paritätische in Bayern seine ersten Erfahrungen mit der Betreuung sogenannter Ausländer: Er übernimmt die Trägerschaft einer Einrichtung für [[„Grüß Gott, liebe Freunde aus Vietnam“ – Eine neue Aufgabe für den Paritätischen in Bayern|Geflüchtete aus Vietnam]]. Auch das führt zur Einrichtung eines neuen Fachreferats im Verband.&lt;br /&gt;
[[Datei:Verbandsgrundsätze.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;„Auf die Gleichheit aller bedacht sein“: 1989 bekommt der Paritätische neue Verbandsgrundsätze. Bald folgt auch ein neues Logo.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
In den 1980er Jahren findet die [[Ein steiniger Weg zur Akzeptanz: Queerer Aktivismus im Paritätischen in Bayern|Schwulenbewegung]] ihren Weg in den Paritätischen in Bayern. Explizite Organisationen von und für Homosexuelle hat der Verband zuvor lange nicht aufnehmen wollen. Die ab Mitte der 1980er entstehenden Aids-Hilfen kümmern sich um alle von der Krankheit betroffenen Menschen, darunter Homosexuelle, aber auch Drogenabhängige und Prostituierte. Das eröffnet ihnen den Weg in den Paritätischen in Bayern und ermöglicht es, dass sich der Verband langfristig auch für explizite LGBTIQ-Organisationen öffnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Unterstützung neuer sozialer Bewegungen und die Förderung der Selbsthilfe entwickelt sich der Paritätische in Bayern in dieser Zeit zu einem Verband, der auf neue Weise Vielfalt und gesellschaftliches Engagement fördert. Dazu gehört auch, dass der Paritätische in Bayern zu einem wichtigen Unterstützer des [[Ein besonderes Nachwuchsprogramm: Das Freiwillige Soziale Jahr im Paritätischen in Bayern|Freiwilligen Sozialen Jahres]] wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahren durchläuft der Paritätische in Bayern Veränderungen und Anpassungen, die durch interne Herausforderungen und gesellschaftliche Entwicklungen herbeigeführt werden. Ein Wendepunkt ist der Ruhestand von Geschäftsführer [[Für mehr Gemeinsinn und Sichtbarkeit: Bernhard Uffrecht|Bernhard Uffrecht]] 1988. Mit ihm verlässt eine Person den Verband, die ihn jahrelang geprägt und ihm nach innen und außen Profil verliehen hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung unterstützt der Paritätische in Bayern engagierte Menschen dabei, in Sachsen [[Aufbau Ost: Der Paritätische in Sachsen entsteht – mit Unterstützung aus Bayern|einen eigenen Landesverband]] des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands aufzubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gleichstellungspolitische Ausrichtung im Verband===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit der Gründung des Verbands in den 1920er Jahren haben Frauen im Paritätischen in Bayern entscheidende Arbeit geleistet. Nach [[Der „Mittelpunkt der paritätischen Wohlfahrtspflege in München und in Bayern“: Luise Kiesselbach|Luise Kiesselbach]] gab es jedoch in der jüngsten Vergangenheit keine Frau mehr an der Spitze des Verbands. Mit der Einsetzung einer Referentin für Frauen und Familie hat deshalb eine systematische [[„Vom frauenbewegten Sozialverband zum männergeführten Frauenbetrieb“? Die Debatte um Gleichstellung im Paritätischen in Bayern|Untersuchung der Geschlechterverhältnisse]] im Paritätischen in Bayern begonnen, die 1994 in einer ausführlichen Studie veröffentlicht wird. Diese Studie zeigt gravierende Ungleichheiten. Die Ergebnisse der Studie führen zu konkreten Maßnahmen zur Verbesserung der Geschlechtergerechtigkeit im Verband. Der Paritätische in Bayern setzt das Konzept des Gender Mainstreamings um. Durch diese Strategie wird Geschlechtergerechtigkeit bald bei allen Entscheidungen und Maßnahmen des Verbands berücksichtigt. Ab 2010 wird es eine Doppelspitze geben, bestehend aus einer Frau und einem Mann im Vorstand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neue Verbandsstrukturen in den 2000er Jahren===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren durchläuft der Verband zugleich eine [[Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern|finanzielle und strukturelle Krise]]. Er ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen und muss seine Strukturen dringend diesen neuen Umständen anpassen. Umfassende Umstrukturierungen können den Paritätischen in Bayern stabilisieren. Der Verband führt ein strenges Finanzcontrolling ein und wandelt eigene Einrichtungen in GmbHs um. Ab den 2000er Jahren trägt ein hauptamtlicher Vorstand die operative Verantwortung für den Verband: Je ein Vorstand für Verbands- und Sozialpolitik sowie Wirtschaft und Finanzen fungieren gleichberechtigt als Doppelspitze. Kontrolliert werden die beiden Vorstände von einem ehrenamtlichen Verbandsrat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lauf der 2000er Jahre kann der Verband, neben seiner gestärkten Position als [[Der Paritätische in Bayern wird zum Anbieter sozialer Dienstleistungen&amp;lt;Anbieter sozialer Dienstleistungen]], auch wieder stärker sozialpolitisch wirken. Das Thema der Gleichstellung von Frauen und Männern sowie die Inklusion von Menschen mit Behinderungen werden in neuer Weise zu einem Schwerpunkt der Verbandsarbeit. Die Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention 2006 ist ein wichtiger behindertenpolitischer Meilenstein. Der Paritätische in Bayern engagiert sich jetzt in neuem Maß in der Eingliederungshilfe. Die große Verbandskrise ist überwunden, die Arbeit kann mit vollem Elan weitergeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===2010er Jahre bis heute: Toleranz, Offenheit und Vielfalt=== &lt;br /&gt;
[[Datei:Klimaschutz.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Der Paritätische in Bayern stellt sich verstärkt neuen Herausforderungen, zum Beispiel dem Klimaschutz.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
In den 2010er Jahren kommen gesellschaftliche Herausforderungen auf: Als ab 2014 immer mehr [[Der Paritätische in Bayern in der „Flüchtlingskrise“|Geflüchtete]] auf der Suche nach Sicherheit nach Bayern kommen, packen der Paritätische in Bayern und seine Mitgliedsorganisationen entschlossen mit an. Paritätische Träger richten Bayerns erste Flüchtlingsunterkunft für Frauen mit und ohne Kinder ein. Hier sollen sie einen sicheren Ort finden, der ihnen Stabilität gibt und an dem sie Vertrauen fassen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angetrieben durch die Klimaschutzbewegung beginnt der Verband jetzt außerdem, ökologische Nachhaltigkeit als Teil seiner sozialen Verantwortung zu verstehen. Die Verbindung von sozialer und ökologischer Gerechtigkeit steht dabei im Mittelpunkt. Die Forderung nach einer [[Ein neuer Schwerpunkt: Gemeinsam gegen die Klimakrise|sozialökologischen Transformation]] wird zu einem neuen Schwerpunkt der Verbandsarbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in den etablierten Arbeitsschwerpunkten des Verbands steht die Entwicklung nicht still. Aus der Unterstützung für queere Menschen folgt, dass das Referat Frauen 2021 um die Themen Gleichstellung und LGBTIQ erweitert wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn der 2020er Jahre stehen die Mitgliedsorganisationen des Paritätischen in Bayern vor großen Herausforderungen: Der massive Arbeits- und Fachkräftemangel, durch den Träger ihre Angebote teilweise einschränken oder ganz einstellen müssen, gefährdet die Verlässlichkeit der sozialen Daseinsvorsorge und verunsichert Teile der Bevölkerung. Die daraus resultierenden quantitativen wie qualitativen Lücken, wenn zum Beispiel Kita- oder Pflegeplätze fehlen, sind für die Gesellschaft spürbar. Der Paritätische in Bayern sieht es damals wie heute als seine Verantwortung, sich für optimale Rahmenbedingungen für seine Mitglieder einzusetzen. Er wird als Verband auch in Zukunft gegenüber Politik und Gesellschaft aufzeigen, dass die Finanzierung einer verlässlichen sozialen Daseinsvorsorge auch eine Investition in eine stabile Demokratie ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Menschen aus 100 Jahren Verbandsgeschichte==&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=200px&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Bablok.JPG|link=Knapp 20 Jahre lang im Einsatz für Regensburger Freiwillige: Ursula Bablok|[[Knapp 20 Jahre lang im Einsatz für Regensburger Freiwillige: Ursula Bablok|Ursula Bablok (*1955)]]&lt;br /&gt;
Datei:Bamberger.jpg|link=„Meisterin der Jugendhilfe“ und Täterin: Elisabeth Bamberger|[[„Meisterin der Jugendhilfe“ und Täterin: Elisabeth Bamberger|Elisabeth Bamberger (1890-1984)]]&lt;br /&gt;
Datei:Doll.jpg|link=Humorvoll und kreativ im Einsatz für Mittelfranken: Ekkehard Doll|[[Humorvoll und kreativ im Einsatz für Mittelfranken: Ekkehard Doll|Ekkehard Doll (*1941)]]&lt;br /&gt;
Datei:Eberth.jpg|link=Aus der Drogenhilfe zum Verbandsvorsitzenden: Alexander Eberth|[[Aus der Drogenhilfe zum Verbandsvorsitzenden: Alexander Eberth|Alexander Eberth (*1944)]]&lt;br /&gt;
Datei:Geiling.jpg|link=Die „kleine Frau mit dem gewaltig großen Herzen“: Betty Geiling|[[Die „kleine Frau mit dem gewaltig großen Herzen“: Betty Geiling|Betty Geiling (1926-2021)]]&lt;br /&gt;
Datei:Geppert PFH Ausschnitt.jpg|link=Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert|[[Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert|Lotte Geppert (1883-1968)]]&lt;br /&gt;
Datei:Heim-Pohlmann.jpg|link=Die treibende Kraft: Anna Heim-Pohlmann|[[Die treibende Kraft: Anna Heim-Pohlmann|Anna Heim-Pohlmann (1885-1983)]]&lt;br /&gt;
Datei:Hellbruegge.jpg|link=Ein besonderer Kinderarzt: Theodor Hellbrügge|[[Ein besonderer Kinderarzt: Theodor Hellbrügge|Theodor Hellbrügge (1919-2014)]]&lt;br /&gt;
Datei:Hilsenbeck.jpg|link=„Energie, Gestaltungswillen, Hartnäckigkeit“ für Frauenrechte in Krisensituationen: Polina Hilsenbeck|[[„Energie, Gestaltungswillen, Hartnäckigkeit“ für Frauenrechte in Krisensituationen: Polina Hilsenbeck|Polina Hilsenbeck (*1951)]]&lt;br /&gt;
Datei:Kiesselbach Detail.jpg|link=Der „Mittelpunkt der paritätischen Wohlfahrtspflege in München und in Bayern“: Luise Kiesselbach|[[Der „Mittelpunkt der paritätischen Wohlfahrtspflege in München und in Bayern“: Luise Kiesselbach|Luise Kiesselbach (1863-1929)]]&lt;br /&gt;
Datei:Leitner.jpeg|link=Für ein barrierefreies München und ein Leben auf Augenhöhe: Ingrid Leitner|[[Für ein barrierefreies München und ein Leben auf Augenhöhe: Ingrid Leitner|Ingrid Leitner (1942-2017)]]&lt;br /&gt;
Datei:Obermair-Schoch.jpg|link=Eine Ausnahmesenatorin: Hilde Obermair-Schoch|[[Eine Ausnahmesenatorin: Hilde Obermair-Schoch|Hilde Obermair-Schoch (1897-1970)]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:1929 Pechmann Stadtkommandant Ausschnitt Detail.jpg|link=Der letzte Verbandsvorsitzende vor der Auflösung: Albrecht Freiherr von Pechmann|[[Der letzte Verbandsvorsitzende vor der Auflösung: Albrecht Freiherr von Pechmann|Albrecht Freiherr von Pechmann (1879-1949)]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Straubinger Portrait.jpg|link=Unermüdlich im Einsatz für ihre taubblinden „Schicksalsgefährten“: Fini Straubinger|[[Unermüdlich im Einsatz für ihre taubblinden „Schicksalsgefährten“: Fini Straubinger|Fini Straubinger (1914-1981)]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Uffrecht.jpeg|link=Für mehr Gemeinsinn und Sichtbarkeit: Bernhard Uffrecht|[[Für mehr Gemeinsinn und Sichtbarkeit: Bernhard Uffrecht|Bernhard Uffrecht (1923-1997)]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Zimmermann.jpg|link=Begleiter durch die Verbandskrise: Heinz-Dieter Zimmermann|[[Begleiter durch die Verbandskrise: Heinz-Dieter Zimmermann|Heinz-Dieter Zimmermann (*1934)]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Themenseiten im Überblick==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[„Dem Alter zum Schutze, der Jugend zu Nutze“: Das erste Projekt des Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Altenhilfe&#039;&#039;&#039;, „Dem Alter zum Schutze, der Jugend zu Nutze“: Das erste Projekt des Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Vom Paritätischen Wohlfahrtsverband zur Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt|&#039;&#039;&#039;Auflösung&#039;&#039;&#039;, Vom Paritätischen Wohlfahrtsverband zur Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Für ein selbstbestimmtes Leben: Menschen mit Behinderungen verändern den Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Behinderung&#039;&#039;&#039;, Für ein selbstbestimmtes Leben: Menschen mit Behinderungen verändern den Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Aufbau Ost: Der Paritätische in Sachsen entsteht – mit Unterstützung aus Bayern|&#039;&#039;&#039;DDR&#039;&#039;&#039;, Aufbau Ost: Der Paritätische in Sachsen entsteht – mit Unterstützung aus Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Der Paritätische in Bayern wird zum Anbieter sozialer Dienstleistungen|&#039;&#039;&#039;Dienstleistungen&#039;&#039;&#039;, Der Paritätische in Bayern wird zum Anbieter sozialer Dienstleistungen]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Eltern ergreifen die Initiative: Neue Formen der Kinderbetreuung erobern den Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Elterninitiativen&#039;&#039;&#039;, Eltern ergreifen die Initiative: Neue Formen der Kinderbetreuung erobern den Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Ein Netzwerk engagierter Frauen: Der Verein für Fraueninteressen und das Umfeld des Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Entstehung&#039;&#039;&#039;, Ein Netzwerk engagierter Frauen: Der Verein für Fraueninteressen und das Umfeld des Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Frauenbewegung&#039;&#039;&#039;, Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Ein besonderes Nachwuchsprogramm: Das Freiwillige Soziale Jahr im Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Freiwillige&#039;&#039;&#039;, Ein besonderes Nachwuchsprogramm: Das Freiwillige Soziale Jahr im Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[ Der Paritätische in Bayern in der „Flüchtlingskrise“|&#039;&#039;&#039;Geflüchtete&#039;&#039;&#039;, Der Paritätische in Bayern in der „Flüchtlingskrise“]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[„Vom frauenbewegten Sozialverband zum männergeführten Frauenbetrieb“? Die Debatte um Gleichstellung im Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Gleichstellung&#039;&#039;&#039;, „Vom frauenbewegten Sozialverband zum männergeführten Frauenbetrieb“? Die Debatte um Gleichstellung im Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Gründung&#039;&#039;&#039;, Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[„Jugendnot“ und Heimerziehung im Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Jugend&#039;&#039;&#039;, „Jugendnot“ und Heimerziehung im Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Ein neuer Schwerpunkt: Gemeinsam gegen die Klimakrise|&#039;&#039;&#039;Klimaschutz&#039;&#039;&#039;, Ein neuer Schwerpunkt: Gemeinsam gegen die Klimakrise]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Ein steiniger Weg zur Akzeptanz: Queerer Aktivismus im Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;LGBTIQ&#039;&#039;&#039;, Ein steiniger Weg zur Akzeptanz: Queerer Aktivismus im Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[„Nachbarn helfen sich selbst“: Kreative Lösungen für neue Wohn- und Lebensverhältnisse|&#039;&#039;&#039;Nachbarschaftshilfen&#039;&#039;&#039;, „Nachbarn helfen sich selbst“: Kreative Lösungen für neue Wohn- und Lebensverhältnisse]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[ Unterstützung für Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg|&#039;&#039;&#039;Nachkriegszeit&#039;&#039;&#039;, Unterstützung für Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Menschen, Organisationen und Einrichtungen des Paritätischen in Bayern während der Zeit des Nationalsozialismus|&#039;&#039;&#039;Nationalsozialismus&#039;&#039;&#039;, Menschen, Organisationen und Einrichtungen des Paritätischen in Bayern während der Zeit des Nationalsozialismus]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Eine wechselvolle Geschichte: Selbsthilfe im Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Selbsthilfe&#039;&#039;&#039;, Eine wechselvolle Geschichte: Selbsthilfe im Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Verbandsstruktur&#039;&#039;&#039;, Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[„Grüß Gott, liebe Freunde aus Vietnam“ – Eine neue Aufgabe für den Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Vietnam&#039;&#039;&#039;, „Grüß Gott, liebe Freunde aus Vietnam“ – Eine neue Aufgabe für den Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg|&#039;&#039;&#039;Wiedergründung&#039;&#039;&#039;, „Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
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		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Ein_Einschnitt_im_%E2%80%9Ekulturellen_Ged%C3%A4chtnis_der_Organisation%E2%80%9C:_Die_Krise_und_Umstrukturierung_des_Parit%C3%A4tischen_in_Bayern&amp;diff=1259</id>
		<title>Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern</title>
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		<updated>2025-03-03T15:59:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* Das Schlimmste ist überstanden */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Zu Beginn der 1990er Jahre steht der Paritätische in Bayern vor einem finanziellen Scherbenhaufen. Die Strukturen des Verbands müssen angepasst werden – bevor es zu spät ist.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
==Das Ende einer Ära==&lt;br /&gt;
[[Datei:Uffrecht.jpeg|300px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Bernhard Uffrecht war jahrzentelang im Verband präsent und beliebt. Er hinterlässt eine Lücke, die schwer zu schließen ist.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Zum Jahresende 1988 geht [[Für mehr Gemeinsinn und Sichtbarkeit: Bernhard Uffrecht|Bernhard Uffrecht]] in den Ruhestand. 24 Jahre lang war er Geschäftsführer des Paritätischen in Bayern. In dieser Zeit hat er den Verband geprägt. Der ist stark gewachsen, seitdem er 1948 [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg|wiedergegründet]] wurde. 1988 sind über 550 Organisationen Mitglied im Paritätischen in Bayern.&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e. V., Broschüre „DPWV Bayern Information: Partner in freier, sozialer Arbeit“, November 1988.&amp;lt;/ref&amp;gt; Viele davon sind kleine Vereine, die aus der [[Eine wechselvolle Geschichte: Selbsthilfe im Paritätischen in Bayern|Selbsthilfebewegung]] entstanden sind. Bernhard Uffrecht war lange das Gesicht und die Stimme des Verbands. Er hat ihn nach innen zusammengehalten und nach außen vertreten. Andrea Müller-Stoy, Referentin für Frauen und Familie im Paritätischen in Bayern, wird sich später erinnern: „Herr Uffrecht hatte Charisma. Er hat uns durch seine Ideen beflügelt und uns dann in der Umsetzung unterstützt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Andrea Müller-Stoy am 20. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Besonderheiten von Bernhard Uffrecht: Er verbindet den sozialpolitischen Blick mit einem Auge auf das Geld. Bald zeigt sich: So jemanden findet man nicht alle Tage. Deswegen hat der Paritätische in Bayern jetzt ständig wechselnde Geschäftsführer. Ehrenamtlicher Vorsitzender des Verbands ist seit 1975 Klaus Zeitler. Er ist SPD-Politiker und Oberbürgermeister von Würzburg. Das bedeutet: Er ist nicht oft in München. Von hier aus wird der Paritätische in Bayern zentral verwaltet. Klaus Zeitler ist als Vorsitzender kaum präsent.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeug*innengespräche mit Gabriele Krommer am 29. Januar 2024 und Klaus Cardocus am 26. Januar 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ohne Bernhard Uffrecht hat der Paritätische in Bayern – zum ersten Mal seit Jahrzehnten – keine stark präsente Führungsfigur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Finanzielle Nöte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird unruhig im Verband. Das liegt auch daran, dass der Paritätische in Bayern immer mehr in Geldnot gerät. Das fällt auch den anderen Wohlfahrtsverbänden auf. Wilfried Mück arbeitet ab 1992 beim Landes-Caritasverband Bayern. Rückblickend wird er sagen: „Man hat das mitbekommen, weil immer wieder vor allen Dingen kleinere Einrichtungen in Schwierigkeiten geraten sind, weil ihnen das Polster von Rücklagen gefehlt hat, die zur Verfügung stehen. Da haben sich konfessionelle Verbände leichter getan, weil die jeweilige Kirche im Hintergrund gestanden ist, oder auch bei anderen Verbänden eine relativ hohe Mitgliederzahl, also Einzelpersonen, zahlende Mitglieder.“&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Wilfried Mück am 21. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; All das hat der Paritätische in Bayern nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1990 hat der Paritätische in Bayern aber wieder einen charismatischen und tatkräftigen Mann an seiner Spitze: [[Aus der Drogenhilfe zum Verbandsvorsitzenden: Alexander Eberth|Alexander Eberth]] hat Klaus Zeitler als Vorstandsvorsitzenden abgelöst. Er verkörpert mit seiner Person den Willen des Verbandes, engagiert und hartnäckig Sozialpolitik in Bayern mitzugestalten und sich aktuellen sozialen Problem zu stellen. Als Vorsitzender trifft Alexander Eberth aber auch viele Entscheidungen, die finanziell riskant sind. Er schließt Verträge ab, die den Verband am Ende viel Geld kosten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Mittler, Dietrich: Eberth als DPWV-Vorsitzender abgewählt. In: Süddeutsche Zeitung, 27.11.1999, S. 63.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Mitarbeitenden in der Geschäftsstelle erleben ihn als „wenig greifbar“: Vieles macht er im Alleingang.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Klaus Cardocus.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Geschäftsführer wechseln derweil weiterhin häufig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Verwaltung gibt es bald einen Einstellungsstopp.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Gabriele Krommer.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einzelne Stellen werden darüber hinaus gestrichen. Andrea Müller-Stoy, damals Landesfachreferentin für Frauen und Familie im Paritätischen in Bayern, wird später berichten: „Auch unser Referentenkreis, wir vier oder fünf Referenten und Referentinnen, die wir waren, konnten vom Paritätischen nicht weiter finanziert werden. Ein Teil von uns wurde dann in die Einrichtungen versetzt. Ich übernahm die Geschäftsführung der [[Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;Frauenhaus München GmbH&#039;&#039;]] in Teilzeit und führte, ebenfalls in Teilzeit, das Landesfachreferat Frauenfragen und Frauenpolitik weiter, weil das Thema Frauen weiterhin von den Vorstandsfrauen als notwendig erachtet wurde.“&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Andrea Müller-Stoy am 20. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Andrea Müller-Stoy hat Glück: Sie ist verheiratet, ihre Kinder sind schon groß. Trotz finanzieller Einbußen kann sie es sich deshalb leisten, weiter für den Verband zu arbeiten.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:1986 Finanzen.jpg|mini|700px|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;„Finanzielle Engpässe“ sind für den Paritätischen in Bayern nichts Neues. Schon in den 1980er Jahren konnte er sich nur durch Spenden über Wasser halten. In den 1990er Jahren bekommt das Problem aber eine neue Dimension.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Eine Strukturkommission und ein neuer Vorsitzender==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1999 steht der Paritätische in Bayern vor einem Defizit von 1,7 Millionen Mark.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O.A.: Gleichbehandlung durch Bezirke gefordert. In: Main Post, 25.11.2000, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bei der Mitgliederversammlung 1999 wird der Antrag gestellt, eine Strukturkommission einzurichten. Die soll herausfinden, wie man die Probleme des Verbands lösen kann. Der Antrag wird angenommen. Eine der Antragstellenden ist Antje Krüger vom [[Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;FrauenTherapieZentrum&#039;&#039;]] in München. Diese Mitgliedseinrichtung des Paritätischen in Bayern ist – genau wie der Verband – mit der Zeit immer größer geworden. Teile der Einrichtung werden deshalb jetzt von einer ehrenamtlichen Struktur in eine GmbH überführt, um sich den veränderten Umständen anzupassen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Polina Hilsenbeck am 3. April 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; So etwas soll auch mit dem Paritätischen in Bayern passieren. Antje Krüger wird Vorsitzende der Strukturkommission.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Antje Krüger am 18. Dezember 2023.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bald gibt es noch eine große Veränderung: Alexander Eberth wird nach 9 Jahren nicht wieder zum Vorsitzenden gewählt. Der neue Vorsitzende des Paritätischen in Bayern heißt [[Begleiter durch die Verbandskrise: Heinz-Dieter Zimmermann|Heinz-Dieter Zimmermann]]. Der ist kein Unbekannter. Gabriele Krommer, langjährige Sekretärin der Geschäftsführung des Verbands, wird sich später erinnern: „Man kannte ihn. Er war Geschäftsführer vom Studentenwerk in Erlangen/Nürnberg und er war lange Zeit im Beirat vom Paritätischen. Zu den Haushalten musste ja immer der Beirat eine Empfehlung abgeben und diese Kommission hat immer der Herr Zimmermann geleitet. Da wurde jemand gewählt, denke ich, der im finanziellen Bereich den Verband wieder nach oben führt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeug*innengespräche mit Gabriele Krommer.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Hoffnung teilen viele. Das Vertrauen in Heinz-Dieter Zimmermann ist groß.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Klaus Cardocus am 26. Januar 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Arbeit der Strukturkommission==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Strukturkommission beschließt schnell: Die eigenen Einrichtungen des Verbands müssen in GmbHs ausgegliedert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Antje Krüger am 18. Dezember 2023.&amp;lt;/ref&amp;gt; Außerdem sieht sich die Kommission die Bezirksverbände näher an: Manche von ihnen verlieren mehr Mitglieder, als sie dazugewinnen.&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e. V., Jahresbericht des Bezirksverbands Oberbayern 1999/2000, 2.10.2000.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Jahr 2000 stehen fast alle Bezirksverbände im Minus.&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv des Paritätischen in Bayern, Kostenstellen Bezirksverbände für 2000 und 2001, o.D.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Strukturkommission überlegt deshalb, Bezirksverbände zusammenzulegen und die Berichtspflicht zu verschärfen. Die Bezirksverbände sind dagegen.&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv des Paritätischen in Bayern, Erika Simm an den Paritätischen in Bayern, Resolution des Bezirksausschusses des Bezirksverbands Ndb./Opf. des Paritätischen, 11.4.2002.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie wollen eine größere finanzielle Eigenständigkeit. Zwischen der Strukturkommission und den Bezirksverbänden entstehen tiefe Gräben.&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e. V., Ziele des Bezirksausschusses Oberbayern, 2.10.2000.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wichtigste Ergebnis der Strukturkommission: Es soll keinen ehrenamtlichen Vorstand mehr geben. Die Führung des Verbands sollen zwei hauptamtliche geschäftsführende Vorstände als Entscheidungsträger*innen übernehmen. Die Aufsichtsratsfunktion bekommt ein ehrenamtlicher Verbandsrat. Der soll auch vermehrt aus externen Personen bestehen, zum Beispiel aus den Bereichen Wissenschaft, Politik oder Wirtschaft. Nach knapp eineinhalb Jahren Arbeit stellt die Strukturkommission ihre Ergebnisse im Herbst 2001 auf einer Mitgliederversammlung vor. Die Vorschläge werden abgelehnt.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Antje Krüger am 18. Dezember 2023.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Bank schaltet sich ein==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt stellt die Bank für Sozialwirtschaft Forderungen an den Paritätischen in Bayern: Sie verlangt ein unabhängiges Wirtschaftsgutachten. So entsteht die „Task-Force“ aus Mitarbeitenden des Wirtschaftsprüfungsunternehmens KPMG und des Paritätischen in Bayern. Die Lage ist ernst: „Eine erneute Chance wird es nicht geben“, heißt es.&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv des Paritätischen in Bayern, Heinz-Dieter Zimmermann an die Mitgliedsorganisationen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch in Frankfurt am Main hört man jetzt von den Problemen in Bayern. Ulrich Schneider, der Vorsitzende des Paritätischen Gesamtverbands, wird sich später erinnern: „Erfahren habe ich davon durch unseren Finanzdirektor. Der war damals auch im Aufsichtsrat der Bank für Sozialwirtschaft und hatte in dieser Eigenschaft davon erfahren. Im Aufsichtsrat bekommt man mit, wenn große Kunden in Schwierigkeiten sind. Der hat dann gleich mit dem Landesverband Kontakt aufgenommen und sich die Erlaubnis geholt, dass er mir davon berichten darf.“&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Ulrich Schneider am 9. Januar 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; So führt die Krise des Paritätischen in Bayern auch zu bundesweiten Veränderungen: „Wir hatten vorher von Bayern keine Signale erhalten. Wir kriegten die ersten Signale von der Bank. Nach diesem Erlebnis hat der gesamte Verband ein gemeinsames Risikomanagement eingeführt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KPMG kommt zu ähnlichen Ergebnissen wie die Strukturkommission. Nur die Zusammenlegung von Bezirksverbänden ist vom Tisch.&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv des Paritätischen in Bayern, Satzungsänderung des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Landesverband Bayern e.V., Entwurf des Vorstands, 23.4.2002.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 21. Juni 2002 sollen die Veränderungen auf einer Mitgliederversammlung beschlossen werden. Auch Ulrich Schneider reist an. Er soll schlichten, falls es hitzige Diskussionen gibt. Die gibt es aber nicht mehr. Die Umstrukturierung kann beginnen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. u.a. Zeitzeugengespräch mit Ulrich Schneider am 9. Januar 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:2002 WM.jpg|700px|mini|center|&amp;lt;center&amp;gt;Am Ende der Mitgliederversammlung freuen sich alle auf den Fernsehabend: Es ist das Viertelfinale der Fußball-WM, Deutschland spielt gegen die USA. Dass die Mitgliederversammlung des Paritätischen in Bayern und dieses Fußballspiel zufällig am selben Tag stattfinden, wird vielen Beteiligten lange im Gedächtnis bleiben.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Schlimmste ist überstanden==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bald tritt endlich Ruhe ein. Der Paritätische in Bayern hat mit einem Kraftakt die Insolvenz verhindert. Der Verband kann sich finanziell festigen. Dafür sorgt unter anderem ein von KPMG betriebenes Finanzcontrolling. Das empfinden viele Mitarbeitende noch einige Zeit als „Fremdkörper“.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Antje Krüger am 18. Dezember 2023.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch in der neuen Struktur des Verbands läuft nicht alles sofort reibungslos: Im Verbandsrat sitzen unter anderem Geschäftsführende von großen Sozialunternehmen. Die sind es gewohnt, in ihren eigenen Unternehmen den Ton anzugeben. Dass im Paritätischen in Bayern zwei Vorstände das Geschäft verantworten und nicht an die Weisung des Verbandsrats gebunden sind, ist für viele nicht leicht zu akzeptieren. Es muss immer wieder neu vermittelt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Christa Weigl-Schneider am 22. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern ist „eine Zäsur mit Wirkung auf das kulturelle Gedächtnis der Organisation“.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Margit Berndl am 28. September 2023.&amp;lt;/ref&amp;gt; Über Jahre hält sich eine „Grundangst“, Referate oder Bezirksverbände könnten bei Schwierigkeiten geschlossen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch Menschen, die erst nach der Krise zum Verband stoßen, hören von ihr.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Michael Wächter am 28. September 2023.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem hauptamtlichen Vorstand hat der Paritätische in Bayern jetzt eine Doppelspitze: Je eine Person kümmert sich um Verbands- und Sozialpolitik und um Wirtschaft und Finanzen. Das gibt dem Verband wieder Profil. Mit den eigenen GmbHs kann sich der Paritätische in Bayern auf neue Weise als [[Der Paritätische in Bayern wird zum Anbieter sozialer Dienstleistungen|Anbieter sozialer Dienstleistungen]] positionieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Archiv des Paritätischen in Bayern, Kostenstellen Bezirksverbände für 2000 und 2001, o.D.&lt;br /&gt;
*Archiv des Paritätischen in Bayern, Erika Simm an den Paritätischen in Bayern, Resolution des Bezirksausschusses des Bezirksverbands Ndb./Opf. des Paritätischen, 11.4.2002.&lt;br /&gt;
*Archiv des Paritätischen in Bayern, Heinz-Dieter Zimmermann an die Mitgliedsorganisationen.&lt;br /&gt;
*Archiv des Paritätischen in Bayern, Satzungsänderung des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Landesverband Bayern e.V., Entwurf des Vorstands, 23.4.2002.&lt;br /&gt;
*Archiv Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e. V., Broschüre „DPWV Bayern Information: Partner in freier, sozialer Arbeit“, November 1988.&lt;br /&gt;
*Archiv Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e. V., Jahresbericht des Bezirksverbands Oberbayern 1999/2000, 2.10.2000.&lt;br /&gt;
*Archiv Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e. V., Ziele des Bezirksausschusses Oberbayern, 2.10.2000.&lt;br /&gt;
*Mittler, Dietrich: Eberth als DPWV-Vorsitzender abgewählt. In: Süddeutsche Zeitung, 27.11.1999, S. 63.&lt;br /&gt;
*Zeitzeuginnengespräch mit Margit Berndl am 28. September 2023.&lt;br /&gt;
*Zeitzeugengespräch mit Klaus Cardocus am 26. Januar 2024.&lt;br /&gt;
*Zeitzeuginnengespräch mit Polina Hilsenbeck am 3. April 2024.&lt;br /&gt;
*Zeitzeuginnengespräch mit Gabriele Krommer am 29. Januar 2024.&lt;br /&gt;
*Zeitzeuginnengespräch mit Antje Krüger am 18. Dezember 2023.&lt;br /&gt;
*Zeitzeugengespräch mit Wilfried Mück am 21. März 2024.&lt;br /&gt;
*Zeitzeuginnengespräch mit Andrea Müller-Stoy am 20. März 2024.&lt;br /&gt;
*Zeitzeugengespräch mit Ulrich Schneider am 9. Januar 2024.&lt;br /&gt;
*Zeitzeugengespräch mit Michael Wächter am 28. September 2023.&lt;br /&gt;
*Zeitzeuginnengespräch mit Christa Weigl-Schneider am 22. März 2024.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Der_Parit%C3%A4tische_in_Bayern_wird_zum_Anbieter_sozialer_Dienstleistungen&amp;diff=1258</id>
		<title>Der Paritätische in Bayern wird zum Anbieter sozialer Dienstleistungen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Der_Parit%C3%A4tische_in_Bayern_wird_zum_Anbieter_sozialer_Dienstleistungen&amp;diff=1258"/>
		<updated>2025-03-03T15:58:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* Neue Impulse aus den Bezirksverbänden */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Der Paritätische in Bayern wurde in den 1920er Jahren als Dachverband konfessionell und politisch unabhängiger sozialer Organisationen gegründet. Ab den 1950er Jahren beginnt der Verband, sich weiterzuentwickeln: Er bietet zusätzlich immer mehr eigene soziale Dienstleistungen an.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Eine neue Form der Verantwortung: Das &#039;&#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; in München==&lt;br /&gt;
Nach der Wiedergründung des Paritätischen in Bayern verändert sich das Selbstverständnis des Verbands allmählich. Den ersten Schritt in diese Richtung geht der Paritätische in Bayern Anfang der 1950er Jahre: Er übernimmt die Verwaltung des neuen &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; in München. In dieser Einrichtung soll Frauen in verschiedenen Lebenslagen geholfen werden. Gerade unverheiratete Frauen mit Kindern sind in München während der Nachkriegszeit besonders stark von Armut und sozialem Abstieg bedroht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Angermair, Elisabeth: Die Illusion des Regenbogens. Perspektiven für Frauen in der Nachkriegsgesellschaft, München 2007, S. 22 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Teutoburger 1953.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Das Städtische Frauen- und Mütterheim in der Teutoburger Straße in München am 9. September 1953, dem Tag seiner feierlichen Eröffnung.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; gibt es Platz für 50 Mütter mit je einem Kind von bis zu sechs Jahren. Die Einrichtung ist besonders für Frauen gedacht, die gerade entbunden, aber keine Unterkunft für sich und ihr Kind haben. Im &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; gibt es für sie möblierte Wohnräume auf Zeit. „Jede Mutter hat für sich und ihr Kind einen in schönen lichten Farben gehaltenen Raum mit Couch, Tisch, Stuhl, Kommode und einem Kinderbett zur Verfügung. […] Da die meisten der Mütter berufstätig sein werden, ist eine Krippe wie auch ein Kindergarten vorhanden. Auch hier ist alles licht, sonnig und farbenfroh. Im anschließenden Gartengelände befinden sich Sandkiste, Planschbecken und Kletterbaum.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heim-Pohlmann, Anna: In der Verwaltung des DPWV. Städtisches Frauen- und Mütterheim in München, Teutoburgerstraße 8, in: DPWV-Nachrichten (1953) Heft 11, S. 9.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Mütter müssen eine kleine monatliche Miete von 39 DM zahlen. Zusätzlich fallen die in München geltenden Gebühren für Kindergarten und Krippe an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im anderen Flügel des Gebäudes können bis zu 200 „obdachlose, hilfsbedürftige weibliche Personen“ unterkommen, „die bisher in Bunkern oder sonstigen Elendsquartieren“ gelebt haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einige der Frauen gehen zwar arbeiten, verdienen aber sehr wenig. Im Städtischen Frauen- und Mütterheim zahlen sie 50 Pfennig pro Nacht für ein Bett. 5 Pfennig kostet ein Kaffee, mittags bekommen sie für 20 Pfennig eine Suppe. Weil Hilfsstrukturen in der Stadt fehlen, haben viele der Frauen jahrelang unter schlechten Bedingungen leben müssen. „Es ist ein großes Anliegen der Heimleitung, den Frauen nicht nur ein menschenwürdiges Wohnen zu ermöglichen, sondern darüber hinaus ihrem Leben wieder einen Sinn zu geben“.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Teutoburger Innenraum.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Ein Einblick in einen Schlafraum für obdachlose Frauen im Städtischen Frauen- und Mütterheim in der Teutoburger Straße. Hier teilen sich mehrere Bewohnerinnen ein Zimmer. &amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; soll zu einem Hilfe- und Beratungszentrum für möglichst viele Frauen werden und die umliegende Nachbarschaft einbeziehen. Deswegen ist auch die [[Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert#Die Münchner Mütterschule|Münchner Mütterschule]] in dem Gebäude untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zurück zu alten Schwerpunkten: Paritätische Hilfe für Senior*innen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Jahre nach der Eröffnung des &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; 1953 beginnt der Verband mit den Planungen für seine erste vollkommen eigene Einrichtung. Ähnlich wie [[„Dem Alter zum Schutze, der Jugend zu Nutze“: Das erste Projekt des Paritätischen in Bayern|Ende der 1920er Jahre]] entsteht so im Raum München ein Altenheim mit besonderem Konzept: Das &#039;&#039;Altersheim für geistig Schaffende&#039;&#039; in Pullach im Isartal. Es öffnet 1958 und wird im bundesweiten Paritätischen Gesamtverband und in den Medien [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg#Entwicklung, auch über Bayern hinaus|in den Medien]] mit Interesse verfolgt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. auch DPWV-Nachrichen (1958) Heft 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den 1960er Jahren beginnt der Paritätische in Bayern außerdem damit, den Mahlzeitendienst &#039;&#039;Essen auf Rädern&#039;&#039; anzubieten, sowie mit der Einrichtung von Sozialstationen und anderen [[„Nachbarn helfen sich selbst“: Kreative Lösungen für neue Wohn- und Lebensverhältnisse#Sozialstationen und „Essen auf Rädern“|ambulanten Angeboten]], die es ermöglichen, hilfsbedürftige Menschen in ihrer gewohnten Umgebung zu versorgen. Viele der Angebote und Einrichtungen, die der Paritätische in Bayern selbst aufbaut, richten sich zu dieser Zeit vor allem an ältere Menschen. Sie werden eine wichtige Zielgruppe der sozialen Dienstleistungen des Verbands bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen&#039;&#039; in Nürnberg geht mit seinem innovativen Konzept neue Wege. Das Heim wurde vom Verein Frauenwohl mitbegründet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Untere Mitgliedseinrichtung. Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen in Nürnberg, in: DPWV-Nachrichten (1962) Heft 6, S. 70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Mitgliedsorganisation des Paritätischen in Bayern war an der [[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|Entstehung des Verbands]] in den 1920er Jahren beteiligt. Das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Wohnheim&#039;&#039; ist ein Beispiel für Mitgliedseinrichtungen des Paritätischen in Bayern, die später zu verbandseigenen Einrichtungen werden. Besonders ist hier, wie stark die Bewohner*innen der Einrichtung das Leben und den Alltag mitgestalten und sich persönlich einbringen können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu auch O. A.: 20 Jahre Albert-Schweitzer-Heim, in: DPWV-Nachrichten (1981) Heft 1-2, S. 18 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den 1970er Jahren wird der Verband das Heim übernehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Albert-Schweitzer-Heim in Nürnberg besteht 20 Jahre, in: parität aktuell (1980) Nr. 2, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zunehmend breit aufgestellt==&lt;br /&gt;
[[Datei:Mutter-Kind-Kur 1979.jpg|400px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Auch das sogenannte &#039;&#039;Haus am Kurpark&#039;&#039; gehört ab Ende der 1970er Jahre zu den eigenen Einrichtungen des Paritätischen in Bayern. Es gehört zu den Angeboten des Verbands, die sich explizit an Frauen richten.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Im Lauf der Jahre zeigt sich, dass das Konzept des &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; in München nicht aufgeht: Aus der gemeinsamen Unterbringung von Müttern mit kleinen Kindern und Frauen, die alleinstehend sind und bisher obdachlos waren, entstehen für die beiden Bewohner*innen-Gruppen nicht die erhofften Vorteile. Sie unterstützen sich nicht gegenseitig. Im September 1963 richtet die Stadt daher ein reines &#039;&#039;Heim für Mutter und Kind&#039;&#039; an einem anderen Standort ein. Die Verwaltung wird wieder dem Paritätischen in Bayern anvertraut.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Von unserem Landesverband Bayern geführt. Heim für Mutter und Kind in München, in: DPWV-Nachrichten (1964) Heft 4, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im sogenannten Haus an der Teutoburger Straße entsteht etwas Neues: 1970 eröffnet der Paritätische in Bayern im ehemaligen &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; eine eigene Einrichtung für „psychisch belastete Frauen“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: 38 Frauen finden den Weg zurück in die Berufswelt, in: parität aktuell (1974) Nr. 1, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bald wird das Angebot ausgeweitet und richtet sich an alle psychisch Erkrankten, die Unterstützung bei der Wiedereingliederung in Gesellschaft und Alltag benötigen. Das Haus an der Teutoburger Straße wird zum &#039;&#039;Sozialpsychiatrischen Zentrum&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. O. A.: Unsere Mitgliedseinrichtung. Sozialpsychiatrisches Zentrum München, in: DPWV-Nachrichten (1980) Heft 6, S. 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Psychiatrie werden zu dieser Zeit, wie in vielen gesellschaftlichen Bereichen, neue Wege beschritten. Lange hatten psychiatrische Einrichtungen in Deutschland in erster Linie die Aufgabe, ihre sogenannten Insassen zu verwahren. Jetzt wird verstärkt gefordert, Psychiatrie und Soziale Arbeit zusammenzudenken und neue Konzepte zur Unterstützung von Erkrankten zu entwickeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Brückner, Burkhart: Geschichte der psychiatrischen Sozialarbeit in Deutschland im 20. Jahrhundert – ein Überblick, in: Dörr, Margret (Hg.): Sozialpsychiatrie im Fokus Sozialer Arbeit, Hohengehren 2015, S. 21-30.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern kann mit seinem &#039;&#039;Sozialpsychiatrischen Zentrum&#039;&#039; für den gesamten Freistaat Maßstäbe setzen: 1975 organisiert der Verband einen „Tag der Sozialpsychiatrie“. Bei der Veranstaltung lobt der bayerische Sozialminister Fritz Pirkl das &#039;&#039;Sozialpsychiatrische Zentrum&#039;&#039; als „ein beispielhaftes Modell für das von der Bayerischen Staatsregierung [jetzt] angekündigte ‚Aktionsprogramm psychiatrischer Versorgung in Bayern‘“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Offen für Sozialpsychiatrie, in: DPWV-Nachrichten (1975) Heft 6, S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verband wird in den folgenden Jahren Träger weiterer eigener Einrichtungen. Viele von ihnen richten sich vor allem an [[Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern|Frauen]]. Zwischenzeitlich betreibt der Paritätische in Bayern außerdem eine Unterkunft für [[„Grüß Gott, liebe Freunde aus Vietnam“ – Eine neue Aufgabe für den Paritätischen in Bayern|Geflüchtete aus Vietnam]]. Wie viele eigene Einrichtungen des Verbands geht sie aus einer Kooperation zwischen der Stadt München und dem Paritätischen in Bayern hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Neue Impulse aus den Bezirksverbänden==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren weitet der Paritätische in Bayern seine eigenen Angebote in der Kinderbetreuung aus. Besonders in [[Die „kleine Frau mit dem gewaltig großen Herzen“: Betty Geiling|Unterfranken]] sind schon seit den 1970er Jahren vereinzelte eigene Angebote für Familien mit Kindern entstanden. Wieder gehen die neuen Angebote jetzt von den Bezirksverbänden aus. So entstehen besonders in [[Humorvoll und kreativ im Einsatz für Mittelfranken: Ekkehard Doll|Mittelfranken]] viele neue Kindergärten und -tagesstätten. Sie tragen Namen wie &#039;&#039;Die Kuschelecke&#039;&#039; oder &#039;&#039;Die Regenbogenkinder&#039;&#039;. Einige der Einrichtungen erfüllen auch den Zweck, Pflegepersonal zu entlasten: In Nürnberg und Erlangen betreibt der Paritätische eine Krippe und einen Kindergarten, die direkt an eine örtliche Klinik angegliedert sind und Kinder des dortigen Personals aufnehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern Bezirksverband Mittelfranken (Hg.): 25 Jahre Arbeit, S. 32-35.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Wiesenweg 1985.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Während der Paritätische in Bayern neue Einrichtungen eröffnet und übernimmt, entwickeln sich auch die bestehenden Angebote des Verbands weiter. Das ehemalige &#039;&#039;Altersheim für geistig Schaffende&#039;&#039; in Pullach kann 1985 sein 25-jähriges Bestehen feiern.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aus eigenen Einrichtungen werden Tochtergesellschaften==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren erlebt die freie Wohlfahrtspflege einen Umbruch. Der Fokus liegt zunehmend auf Fragen der Finanzierung – auch beim Paritätischen in Bayern. Einigen innerhalb der Verbandsstrukturen fällt es schwer, das zu akzeptieren. Auch manche Mitgliedsorganisationen müssen diese Erfahrung machen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Christa Weigl-Schneider am 22. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern beteiligt sich jetzt auch an riskanten Projekten. Dazu gehört vor allem die Finanzierung eines sozial-ökologischen Jugendgästehauses, das in München in einem baufälligen Hotelgebäude aufgebaut wird. „Die finanzielle Seite dieser Angelegenheit ist bedrohlich und [...] für den Paritätischen von existenzieller Bedeutung“, warnt im Dezember 1997 ein Mitglied des Verbandsbeirats.&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Akten-Notiz von Ewald Geiger, 17.12.1997, S. 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern hat sich auf die falschen Partner eingelassen und mehrere Millionen DM Schulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Schriftwechsel 1993-1997.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch andere Einrichtungen bereiten dem Verband finanzielle Schwierigkeiten. Strukturprobleme verschärfen die Lage zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern rettet sich durch eine [[Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern|Umstrukturierung]] aus dieser Situation. Die eigenen Einrichtungen des Verbands werden in diesem Zuge zu Tochtergesellschaften, um das wirtschaftliche Risiko für den Verband in Zukunft zu verringern. Die Geschäftsführungen der Tochtergesellschaften sind mit dem Verband in engem Austausch und ständiger Abstimmung und können von seiner Struktur profitieren: Personal, IT, Versicherungen, Fuhrpark – für vieles hält der Paritätische in Bayern zentrale Abteilungen und Lösungen bereit.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Michael Wächter am 28. September 2023.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus den vereinzelten eigenen Einrichtungen des Paritätischen in Bayern wird so ein umfassendes Netzwerk sozialer Unternehmen. Das Jugendgästehaus, das &#039;&#039;Sozialpsychiatrische Zentrum&#039;&#039;, das &#039;&#039;Haus für Mutter und Kind&#039;&#039; in der Münchner Bleyerstraße, das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Seniorenstift&#039;&#039; in Nürnberg und viele weitere Einrichtungen haben diese Entwicklung begleitet und geprägt – und so nicht zuletzt zur Finanzierung der Verbandsarbeit beigetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Akten-Notiz von Ewald Geiger, 17.12.1997, S. 4.&lt;br /&gt;
*Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Schriftwechsel 1993-1997.&lt;br /&gt;
*Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern Bezirksverband Mittelfranken (Hg.): 25 Jahre Arbeit.&lt;br /&gt;
*DPWV-Nachrichen (1958) Heft 2.&lt;br /&gt;
*Heim-Pohlmann, Anna: In der Verwaltung des DPWV. Städtisches Frauen- und Mütterheim in München, Teutoburgerstraße 8, in: DPWV-Nachrichten (1953) Heft 11, S. 9.&lt;br /&gt;
*O. A.: Untere Mitgliedseinrichtung. Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen in Nürnberg, in: DPWV-Nachrichten (1962) Heft 6, S. 70.&lt;br /&gt;
*O. A.: 20 Jahre Albert-Schweitzer-Heim, in: DPWV-Nachrichten (1981) Heft 1-2, S. 18 f.&lt;br /&gt;
*O. A.: Albert-Schweitzer-Heim in Nürnberg besteht 20 Jahre, in: parität aktuell (1980) Nr. 2, o. S.&lt;br /&gt;
*O. A.: Von unserem Landesverband Bayern geführt. Heim für Mutter und Kind in München, in: DPWV-Nachrichten (1964) Heft 4, S. 1.&lt;br /&gt;
*O. A.: 38 Frauen finden den Weg zurück in die Berufswelt, in: parität aktuell (1974) Nr. 1, o. S.&lt;br /&gt;
*O. A.: Unsere Mitgliedseinrichtung. Sozialpsychiatrisches Zentrum München, in: DPWV-Nachrichten (1980) Heft 6, S. 87.&lt;br /&gt;
*Zeitzeuginnengespräch mit Christa Weigl-Schneider am 22. März 2024.&lt;br /&gt;
*Zeitzeugengespräch mit Michael Wächter am 28. September 2023.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Angermair, Elisabeth: Die Illusion des Regenbogens. Perspektiven für Frauen in der Nachkriegsgesellschaft, München 2007.&lt;br /&gt;
*Brückner, Burkhart: Geschichte der psychiatrischen Sozialarbeit in Deutschland im 20. Jahrhundert – ein Überblick, in: Dörr, Margret (Hg.): Sozialpsychiatrie im Fokus Sozialer Arbeit, Hohengehren 2015, S. 21-30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Der_Parit%C3%A4tische_in_Bayern_wird_zum_Anbieter_sozialer_Dienstleistungen&amp;diff=1257</id>
		<title>Der Paritätische in Bayern wird zum Anbieter sozialer Dienstleistungen</title>
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		<updated>2025-03-03T15:58:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* Eine neue Form der Verantwortung: Das Städtische Frauen- und Mütterheim in München */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Der Paritätische in Bayern wurde in den 1920er Jahren als Dachverband konfessionell und politisch unabhängiger sozialer Organisationen gegründet. Ab den 1950er Jahren beginnt der Verband, sich weiterzuentwickeln: Er bietet zusätzlich immer mehr eigene soziale Dienstleistungen an.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Eine neue Form der Verantwortung: Das &#039;&#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; in München==&lt;br /&gt;
Nach der Wiedergründung des Paritätischen in Bayern verändert sich das Selbstverständnis des Verbands allmählich. Den ersten Schritt in diese Richtung geht der Paritätische in Bayern Anfang der 1950er Jahre: Er übernimmt die Verwaltung des neuen &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; in München. In dieser Einrichtung soll Frauen in verschiedenen Lebenslagen geholfen werden. Gerade unverheiratete Frauen mit Kindern sind in München während der Nachkriegszeit besonders stark von Armut und sozialem Abstieg bedroht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Angermair, Elisabeth: Die Illusion des Regenbogens. Perspektiven für Frauen in der Nachkriegsgesellschaft, München 2007, S. 22 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Teutoburger 1953.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Das Städtische Frauen- und Mütterheim in der Teutoburger Straße in München am 9. September 1953, dem Tag seiner feierlichen Eröffnung.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; gibt es Platz für 50 Mütter mit je einem Kind von bis zu sechs Jahren. Die Einrichtung ist besonders für Frauen gedacht, die gerade entbunden, aber keine Unterkunft für sich und ihr Kind haben. Im &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; gibt es für sie möblierte Wohnräume auf Zeit. „Jede Mutter hat für sich und ihr Kind einen in schönen lichten Farben gehaltenen Raum mit Couch, Tisch, Stuhl, Kommode und einem Kinderbett zur Verfügung. […] Da die meisten der Mütter berufstätig sein werden, ist eine Krippe wie auch ein Kindergarten vorhanden. Auch hier ist alles licht, sonnig und farbenfroh. Im anschließenden Gartengelände befinden sich Sandkiste, Planschbecken und Kletterbaum.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heim-Pohlmann, Anna: In der Verwaltung des DPWV. Städtisches Frauen- und Mütterheim in München, Teutoburgerstraße 8, in: DPWV-Nachrichten (1953) Heft 11, S. 9.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Mütter müssen eine kleine monatliche Miete von 39 DM zahlen. Zusätzlich fallen die in München geltenden Gebühren für Kindergarten und Krippe an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im anderen Flügel des Gebäudes können bis zu 200 „obdachlose, hilfsbedürftige weibliche Personen“ unterkommen, „die bisher in Bunkern oder sonstigen Elendsquartieren“ gelebt haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einige der Frauen gehen zwar arbeiten, verdienen aber sehr wenig. Im Städtischen Frauen- und Mütterheim zahlen sie 50 Pfennig pro Nacht für ein Bett. 5 Pfennig kostet ein Kaffee, mittags bekommen sie für 20 Pfennig eine Suppe. Weil Hilfsstrukturen in der Stadt fehlen, haben viele der Frauen jahrelang unter schlechten Bedingungen leben müssen. „Es ist ein großes Anliegen der Heimleitung, den Frauen nicht nur ein menschenwürdiges Wohnen zu ermöglichen, sondern darüber hinaus ihrem Leben wieder einen Sinn zu geben“.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Teutoburger Innenraum.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Ein Einblick in einen Schlafraum für obdachlose Frauen im Städtischen Frauen- und Mütterheim in der Teutoburger Straße. Hier teilen sich mehrere Bewohnerinnen ein Zimmer. &amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; soll zu einem Hilfe- und Beratungszentrum für möglichst viele Frauen werden und die umliegende Nachbarschaft einbeziehen. Deswegen ist auch die [[Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert#Die Münchner Mütterschule|Münchner Mütterschule]] in dem Gebäude untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zurück zu alten Schwerpunkten: Paritätische Hilfe für Senior*innen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Jahre nach der Eröffnung des &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; 1953 beginnt der Verband mit den Planungen für seine erste vollkommen eigene Einrichtung. Ähnlich wie [[„Dem Alter zum Schutze, der Jugend zu Nutze“: Das erste Projekt des Paritätischen in Bayern|Ende der 1920er Jahre]] entsteht so im Raum München ein Altenheim mit besonderem Konzept: Das &#039;&#039;Altersheim für geistig Schaffende&#039;&#039; in Pullach im Isartal. Es öffnet 1958 und wird im bundesweiten Paritätischen Gesamtverband und in den Medien [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg#Entwicklung, auch über Bayern hinaus|in den Medien]] mit Interesse verfolgt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. auch DPWV-Nachrichen (1958) Heft 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den 1960er Jahren beginnt der Paritätische in Bayern außerdem damit, den Mahlzeitendienst &#039;&#039;Essen auf Rädern&#039;&#039; anzubieten, sowie mit der Einrichtung von Sozialstationen und anderen [[„Nachbarn helfen sich selbst“: Kreative Lösungen für neue Wohn- und Lebensverhältnisse#Sozialstationen und „Essen auf Rädern“|ambulanten Angeboten]], die es ermöglichen, hilfsbedürftige Menschen in ihrer gewohnten Umgebung zu versorgen. Viele der Angebote und Einrichtungen, die der Paritätische in Bayern selbst aufbaut, richten sich zu dieser Zeit vor allem an ältere Menschen. Sie werden eine wichtige Zielgruppe der sozialen Dienstleistungen des Verbands bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen&#039;&#039; in Nürnberg geht mit seinem innovativen Konzept neue Wege. Das Heim wurde vom Verein Frauenwohl mitbegründet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Untere Mitgliedseinrichtung. Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen in Nürnberg, in: DPWV-Nachrichten (1962) Heft 6, S. 70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Mitgliedsorganisation des Paritätischen in Bayern war an der [[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|Entstehung des Verbands]] in den 1920er Jahren beteiligt. Das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Wohnheim&#039;&#039; ist ein Beispiel für Mitgliedseinrichtungen des Paritätischen in Bayern, die später zu verbandseigenen Einrichtungen werden. Besonders ist hier, wie stark die Bewohner*innen der Einrichtung das Leben und den Alltag mitgestalten und sich persönlich einbringen können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu auch O. A.: 20 Jahre Albert-Schweitzer-Heim, in: DPWV-Nachrichten (1981) Heft 1-2, S. 18 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den 1970er Jahren wird der Verband das Heim übernehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Albert-Schweitzer-Heim in Nürnberg besteht 20 Jahre, in: parität aktuell (1980) Nr. 2, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zunehmend breit aufgestellt==&lt;br /&gt;
[[Datei:Mutter-Kind-Kur 1979.jpg|400px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Auch das sogenannte &#039;&#039;Haus am Kurpark&#039;&#039; gehört ab Ende der 1970er Jahre zu den eigenen Einrichtungen des Paritätischen in Bayern. Es gehört zu den Angeboten des Verbands, die sich explizit an Frauen richten.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Im Lauf der Jahre zeigt sich, dass das Konzept des &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; in München nicht aufgeht: Aus der gemeinsamen Unterbringung von Müttern mit kleinen Kindern und Frauen, die alleinstehend sind und bisher obdachlos waren, entstehen für die beiden Bewohner*innen-Gruppen nicht die erhofften Vorteile. Sie unterstützen sich nicht gegenseitig. Im September 1963 richtet die Stadt daher ein reines &#039;&#039;Heim für Mutter und Kind&#039;&#039; an einem anderen Standort ein. Die Verwaltung wird wieder dem Paritätischen in Bayern anvertraut.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Von unserem Landesverband Bayern geführt. Heim für Mutter und Kind in München, in: DPWV-Nachrichten (1964) Heft 4, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im sogenannten Haus an der Teutoburger Straße entsteht etwas Neues: 1970 eröffnet der Paritätische in Bayern im ehemaligen &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; eine eigene Einrichtung für „psychisch belastete Frauen“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: 38 Frauen finden den Weg zurück in die Berufswelt, in: parität aktuell (1974) Nr. 1, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bald wird das Angebot ausgeweitet und richtet sich an alle psychisch Erkrankten, die Unterstützung bei der Wiedereingliederung in Gesellschaft und Alltag benötigen. Das Haus an der Teutoburger Straße wird zum &#039;&#039;Sozialpsychiatrischen Zentrum&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. O. A.: Unsere Mitgliedseinrichtung. Sozialpsychiatrisches Zentrum München, in: DPWV-Nachrichten (1980) Heft 6, S. 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Psychiatrie werden zu dieser Zeit, wie in vielen gesellschaftlichen Bereichen, neue Wege beschritten. Lange hatten psychiatrische Einrichtungen in Deutschland in erster Linie die Aufgabe, ihre sogenannten Insassen zu verwahren. Jetzt wird verstärkt gefordert, Psychiatrie und Soziale Arbeit zusammenzudenken und neue Konzepte zur Unterstützung von Erkrankten zu entwickeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Brückner, Burkhart: Geschichte der psychiatrischen Sozialarbeit in Deutschland im 20. Jahrhundert – ein Überblick, in: Dörr, Margret (Hg.): Sozialpsychiatrie im Fokus Sozialer Arbeit, Hohengehren 2015, S. 21-30.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern kann mit seinem &#039;&#039;Sozialpsychiatrischen Zentrum&#039;&#039; für den gesamten Freistaat Maßstäbe setzen: 1975 organisiert der Verband einen „Tag der Sozialpsychiatrie“. Bei der Veranstaltung lobt der bayerische Sozialminister Fritz Pirkl das &#039;&#039;Sozialpsychiatrische Zentrum&#039;&#039; als „ein beispielhaftes Modell für das von der Bayerischen Staatsregierung [jetzt] angekündigte ‚Aktionsprogramm psychiatrischer Versorgung in Bayern‘“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Offen für Sozialpsychiatrie, in: DPWV-Nachrichten (1975) Heft 6, S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verband wird in den folgenden Jahren Träger weiterer eigener Einrichtungen. Viele von ihnen richten sich vor allem an [[Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern|Frauen]]. Zwischenzeitlich betreibt der Paritätische in Bayern außerdem eine Unterkunft für [[„Grüß Gott, liebe Freunde aus Vietnam“ – Eine neue Aufgabe für den Paritätischen in Bayern|Geflüchtete aus Vietnam]]. Wie viele eigene Einrichtungen des Verbands geht sie aus einer Kooperation zwischen der Stadt München und dem Paritätischen in Bayern hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Neue Impulse aus den Bezirksverbänden==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren weitet der Paritätische in Bayern seine eigenen Angebote in der Kinderbetreuung aus. Besonders in [[Die „kleine Frau mit dem gewaltig großen Herzen“: Betty Geiling|Unterfranken]] sind schon seit den 1970er Jahren vereinzelte eigene Angebote für Familien mit Kindern entstanden. Wieder gehen die neuen Angebote jetzt von den Bezirksverbänden aus. So entstehen besonders in [[Humorvoll und kreativ im Einsatz für Mittelfranken: Ekkehard Doll|Mittelfranken]] viele neue Kindergärten und -tagesstätten. Sie tragen Namen wie &#039;&#039;Die Kuschelecke&#039;&#039; oder &#039;&#039;Die Regenbogenkinder&#039;&#039;. Einige der Einrichtungen erfüllen auch den Zweck, Pflegepersonal zu entlasten: In Nürnberg und Erlangen betreibt der Paritätische eine Krippe und einen Kindergarten, die direkt an eine örtliche Klinik angegliedert sind und Kinder des dortigen Personals aufnehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern Bezirksverband Mittelfranken (Hg.): 25 Jahre Arbeit, S. 32-35.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Wiesenweg 1985.jpg|801px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Während der Paritätische in Bayern neue Einrichtungen eröffnet und übernimmt, entwickeln sich auch die bestehenden Angebote des Verbands weiter. Das ehemalige &#039;&#039;Altersheim für geistig Schaffende&#039;&#039; in Pullach kann 1985 sein 25-jähriges Bestehen feiern.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aus eigenen Einrichtungen werden Tochtergesellschaften==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren erlebt die freie Wohlfahrtspflege einen Umbruch. Der Fokus liegt zunehmend auf Fragen der Finanzierung – auch beim Paritätischen in Bayern. Einigen innerhalb der Verbandsstrukturen fällt es schwer, das zu akzeptieren. Auch manche Mitgliedsorganisationen müssen diese Erfahrung machen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Christa Weigl-Schneider am 22. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern beteiligt sich jetzt auch an riskanten Projekten. Dazu gehört vor allem die Finanzierung eines sozial-ökologischen Jugendgästehauses, das in München in einem baufälligen Hotelgebäude aufgebaut wird. „Die finanzielle Seite dieser Angelegenheit ist bedrohlich und [...] für den Paritätischen von existenzieller Bedeutung“, warnt im Dezember 1997 ein Mitglied des Verbandsbeirats.&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Akten-Notiz von Ewald Geiger, 17.12.1997, S. 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern hat sich auf die falschen Partner eingelassen und mehrere Millionen DM Schulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Schriftwechsel 1993-1997.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch andere Einrichtungen bereiten dem Verband finanzielle Schwierigkeiten. Strukturprobleme verschärfen die Lage zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern rettet sich durch eine [[Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern|Umstrukturierung]] aus dieser Situation. Die eigenen Einrichtungen des Verbands werden in diesem Zuge zu Tochtergesellschaften, um das wirtschaftliche Risiko für den Verband in Zukunft zu verringern. Die Geschäftsführungen der Tochtergesellschaften sind mit dem Verband in engem Austausch und ständiger Abstimmung und können von seiner Struktur profitieren: Personal, IT, Versicherungen, Fuhrpark – für vieles hält der Paritätische in Bayern zentrale Abteilungen und Lösungen bereit.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Michael Wächter am 28. September 2023.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus den vereinzelten eigenen Einrichtungen des Paritätischen in Bayern wird so ein umfassendes Netzwerk sozialer Unternehmen. Das Jugendgästehaus, das &#039;&#039;Sozialpsychiatrische Zentrum&#039;&#039;, das &#039;&#039;Haus für Mutter und Kind&#039;&#039; in der Münchner Bleyerstraße, das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Seniorenstift&#039;&#039; in Nürnberg und viele weitere Einrichtungen haben diese Entwicklung begleitet und geprägt – und so nicht zuletzt zur Finanzierung der Verbandsarbeit beigetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Akten-Notiz von Ewald Geiger, 17.12.1997, S. 4.&lt;br /&gt;
*Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Schriftwechsel 1993-1997.&lt;br /&gt;
*Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern Bezirksverband Mittelfranken (Hg.): 25 Jahre Arbeit.&lt;br /&gt;
*DPWV-Nachrichen (1958) Heft 2.&lt;br /&gt;
*Heim-Pohlmann, Anna: In der Verwaltung des DPWV. Städtisches Frauen- und Mütterheim in München, Teutoburgerstraße 8, in: DPWV-Nachrichten (1953) Heft 11, S. 9.&lt;br /&gt;
*O. A.: Untere Mitgliedseinrichtung. Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen in Nürnberg, in: DPWV-Nachrichten (1962) Heft 6, S. 70.&lt;br /&gt;
*O. A.: 20 Jahre Albert-Schweitzer-Heim, in: DPWV-Nachrichten (1981) Heft 1-2, S. 18 f.&lt;br /&gt;
*O. A.: Albert-Schweitzer-Heim in Nürnberg besteht 20 Jahre, in: parität aktuell (1980) Nr. 2, o. S.&lt;br /&gt;
*O. A.: Von unserem Landesverband Bayern geführt. Heim für Mutter und Kind in München, in: DPWV-Nachrichten (1964) Heft 4, S. 1.&lt;br /&gt;
*O. A.: 38 Frauen finden den Weg zurück in die Berufswelt, in: parität aktuell (1974) Nr. 1, o. S.&lt;br /&gt;
*O. A.: Unsere Mitgliedseinrichtung. Sozialpsychiatrisches Zentrum München, in: DPWV-Nachrichten (1980) Heft 6, S. 87.&lt;br /&gt;
*Zeitzeuginnengespräch mit Christa Weigl-Schneider am 22. März 2024.&lt;br /&gt;
*Zeitzeugengespräch mit Michael Wächter am 28. September 2023.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Angermair, Elisabeth: Die Illusion des Regenbogens. Perspektiven für Frauen in der Nachkriegsgesellschaft, München 2007.&lt;br /&gt;
*Brückner, Burkhart: Geschichte der psychiatrischen Sozialarbeit in Deutschland im 20. Jahrhundert – ein Überblick, in: Dörr, Margret (Hg.): Sozialpsychiatrie im Fokus Sozialer Arbeit, Hohengehren 2015, S. 21-30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Der_Parit%C3%A4tische_in_Bayern_wird_zum_Anbieter_sozialer_Dienstleistungen&amp;diff=1256</id>
		<title>Der Paritätische in Bayern wird zum Anbieter sozialer Dienstleistungen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Der_Parit%C3%A4tische_in_Bayern_wird_zum_Anbieter_sozialer_Dienstleistungen&amp;diff=1256"/>
		<updated>2025-03-03T15:58:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* Neue Impulse aus den Bezirksverbänden */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Der Paritätische in Bayern wurde in den 1920er Jahren als Dachverband konfessionell und politisch unabhängiger sozialer Organisationen gegründet. Ab den 1950er Jahren beginnt der Verband, sich weiterzuentwickeln: Er bietet zusätzlich immer mehr eigene soziale Dienstleistungen an.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Eine neue Form der Verantwortung: Das &#039;&#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; in München==&lt;br /&gt;
Nach der Wiedergründung des Paritätischen in Bayern verändert sich das Selbstverständnis des Verbands allmählich. Den ersten Schritt in diese Richtung geht der Paritätische in Bayern Anfang der 1950er Jahre: Er übernimmt die Verwaltung des neuen &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; in München. In dieser Einrichtung soll Frauen in verschiedenen Lebenslagen geholfen werden. Gerade unverheiratete Frauen mit Kindern sind in München während der Nachkriegszeit besonders stark von Armut und sozialem Abstieg bedroht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Angermair, Elisabeth: Die Illusion des Regenbogens. Perspektiven für Frauen in der Nachkriegsgesellschaft, München 2007, S. 22 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Teutoburger 1953.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Das Städtische Frauen- und Mütterheim in der Teutoburger Straße in München am 9. September 1953, dem Tag seiner feierlichen Eröffnung.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; gibt es Platz für 50 Mütter mit je einem Kind von bis zu sechs Jahren. Die Einrichtung ist besonders für Frauen gedacht, die gerade entbunden, aber keine Unterkunft für sich und ihr Kind haben. Im &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; gibt es für sie möblierte Wohnräume auf Zeit. „Jede Mutter hat für sich und ihr Kind einen in schönen lichten Farben gehaltenen Raum mit Couch, Tisch, Stuhl, Kommode und einem Kinderbett zur Verfügung. […] Da die meisten der Mütter berufstätig sein werden, ist eine Krippe wie auch ein Kindergarten vorhanden. Auch hier ist alles licht, sonnig und farbenfroh. Im anschließenden Gartengelände befinden sich Sandkiste, Planschbecken und Kletterbaum.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heim-Pohlmann, Anna: In der Verwaltung des DPWV. Städtisches Frauen- und Mütterheim in München, Teutoburgerstraße 8, in: DPWV-Nachrichten (1953) Heft 11, S. 9.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Mütter müssen eine kleine monatliche Miete von 39 DM zahlen. Zusätzlich fallen die in München geltenden Gebühren für Kindergarten und Krippe an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im anderen Flügel des Gebäudes können bis zu 200 „obdachlose, hilfsbedürftige weibliche Personen“ unterkommen, „die bisher in Bunkern oder sonstigen Elendsquartieren“ gelebt haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einige der Frauen gehen zwar arbeiten, verdienen aber sehr wenig. Im Städtischen Frauen- und Mütterheim zahlen sie 50 Pfennig pro Nacht für ein Bett. 5 Pfennig kostet ein Kaffee, mittags bekommen sie für 20 Pfennig eine Suppe. Weil Hilfsstrukturen in der Stadt fehlen, haben viele der Frauen jahrelang unter schlechten Bedingungen leben müssen. „Es ist ein großes Anliegen der Heimleitung, den Frauen nicht nur ein menschenwürdiges Wohnen zu ermöglichen, sondern darüber hinaus ihrem Leben wieder einen Sinn zu geben“.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Teutoburger Innenraum.jpg|799px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Ein Einblick in einen Schlafraum für obdachlose Frauen im Städtischen Frauen- und Mütterheim in der Teutoburger Straße. Hier teilen sich mehrere Bewohnerinnen ein Zimmer. &amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; soll zu einem Hilfe- und Beratungszentrum für möglichst viele Frauen werden und die umliegende Nachbarschaft einbeziehen. Deswegen ist auch die [[Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert#Die Münchner Mütterschule|Münchner Mütterschule]] in dem Gebäude untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zurück zu alten Schwerpunkten: Paritätische Hilfe für Senior*innen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Jahre nach der Eröffnung des &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; 1953 beginnt der Verband mit den Planungen für seine erste vollkommen eigene Einrichtung. Ähnlich wie [[„Dem Alter zum Schutze, der Jugend zu Nutze“: Das erste Projekt des Paritätischen in Bayern|Ende der 1920er Jahre]] entsteht so im Raum München ein Altenheim mit besonderem Konzept: Das &#039;&#039;Altersheim für geistig Schaffende&#039;&#039; in Pullach im Isartal. Es öffnet 1958 und wird im bundesweiten Paritätischen Gesamtverband und in den Medien [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg#Entwicklung, auch über Bayern hinaus|in den Medien]] mit Interesse verfolgt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. auch DPWV-Nachrichen (1958) Heft 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den 1960er Jahren beginnt der Paritätische in Bayern außerdem damit, den Mahlzeitendienst &#039;&#039;Essen auf Rädern&#039;&#039; anzubieten, sowie mit der Einrichtung von Sozialstationen und anderen [[„Nachbarn helfen sich selbst“: Kreative Lösungen für neue Wohn- und Lebensverhältnisse#Sozialstationen und „Essen auf Rädern“|ambulanten Angeboten]], die es ermöglichen, hilfsbedürftige Menschen in ihrer gewohnten Umgebung zu versorgen. Viele der Angebote und Einrichtungen, die der Paritätische in Bayern selbst aufbaut, richten sich zu dieser Zeit vor allem an ältere Menschen. Sie werden eine wichtige Zielgruppe der sozialen Dienstleistungen des Verbands bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen&#039;&#039; in Nürnberg geht mit seinem innovativen Konzept neue Wege. Das Heim wurde vom Verein Frauenwohl mitbegründet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Untere Mitgliedseinrichtung. Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen in Nürnberg, in: DPWV-Nachrichten (1962) Heft 6, S. 70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Mitgliedsorganisation des Paritätischen in Bayern war an der [[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|Entstehung des Verbands]] in den 1920er Jahren beteiligt. Das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Wohnheim&#039;&#039; ist ein Beispiel für Mitgliedseinrichtungen des Paritätischen in Bayern, die später zu verbandseigenen Einrichtungen werden. Besonders ist hier, wie stark die Bewohner*innen der Einrichtung das Leben und den Alltag mitgestalten und sich persönlich einbringen können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu auch O. A.: 20 Jahre Albert-Schweitzer-Heim, in: DPWV-Nachrichten (1981) Heft 1-2, S. 18 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den 1970er Jahren wird der Verband das Heim übernehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Albert-Schweitzer-Heim in Nürnberg besteht 20 Jahre, in: parität aktuell (1980) Nr. 2, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zunehmend breit aufgestellt==&lt;br /&gt;
[[Datei:Mutter-Kind-Kur 1979.jpg|400px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Auch das sogenannte &#039;&#039;Haus am Kurpark&#039;&#039; gehört ab Ende der 1970er Jahre zu den eigenen Einrichtungen des Paritätischen in Bayern. Es gehört zu den Angeboten des Verbands, die sich explizit an Frauen richten.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Im Lauf der Jahre zeigt sich, dass das Konzept des &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; in München nicht aufgeht: Aus der gemeinsamen Unterbringung von Müttern mit kleinen Kindern und Frauen, die alleinstehend sind und bisher obdachlos waren, entstehen für die beiden Bewohner*innen-Gruppen nicht die erhofften Vorteile. Sie unterstützen sich nicht gegenseitig. Im September 1963 richtet die Stadt daher ein reines &#039;&#039;Heim für Mutter und Kind&#039;&#039; an einem anderen Standort ein. Die Verwaltung wird wieder dem Paritätischen in Bayern anvertraut.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Von unserem Landesverband Bayern geführt. Heim für Mutter und Kind in München, in: DPWV-Nachrichten (1964) Heft 4, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im sogenannten Haus an der Teutoburger Straße entsteht etwas Neues: 1970 eröffnet der Paritätische in Bayern im ehemaligen &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; eine eigene Einrichtung für „psychisch belastete Frauen“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: 38 Frauen finden den Weg zurück in die Berufswelt, in: parität aktuell (1974) Nr. 1, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bald wird das Angebot ausgeweitet und richtet sich an alle psychisch Erkrankten, die Unterstützung bei der Wiedereingliederung in Gesellschaft und Alltag benötigen. Das Haus an der Teutoburger Straße wird zum &#039;&#039;Sozialpsychiatrischen Zentrum&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. O. A.: Unsere Mitgliedseinrichtung. Sozialpsychiatrisches Zentrum München, in: DPWV-Nachrichten (1980) Heft 6, S. 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Psychiatrie werden zu dieser Zeit, wie in vielen gesellschaftlichen Bereichen, neue Wege beschritten. Lange hatten psychiatrische Einrichtungen in Deutschland in erster Linie die Aufgabe, ihre sogenannten Insassen zu verwahren. Jetzt wird verstärkt gefordert, Psychiatrie und Soziale Arbeit zusammenzudenken und neue Konzepte zur Unterstützung von Erkrankten zu entwickeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Brückner, Burkhart: Geschichte der psychiatrischen Sozialarbeit in Deutschland im 20. Jahrhundert – ein Überblick, in: Dörr, Margret (Hg.): Sozialpsychiatrie im Fokus Sozialer Arbeit, Hohengehren 2015, S. 21-30.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern kann mit seinem &#039;&#039;Sozialpsychiatrischen Zentrum&#039;&#039; für den gesamten Freistaat Maßstäbe setzen: 1975 organisiert der Verband einen „Tag der Sozialpsychiatrie“. Bei der Veranstaltung lobt der bayerische Sozialminister Fritz Pirkl das &#039;&#039;Sozialpsychiatrische Zentrum&#039;&#039; als „ein beispielhaftes Modell für das von der Bayerischen Staatsregierung [jetzt] angekündigte ‚Aktionsprogramm psychiatrischer Versorgung in Bayern‘“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Offen für Sozialpsychiatrie, in: DPWV-Nachrichten (1975) Heft 6, S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verband wird in den folgenden Jahren Träger weiterer eigener Einrichtungen. Viele von ihnen richten sich vor allem an [[Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern|Frauen]]. Zwischenzeitlich betreibt der Paritätische in Bayern außerdem eine Unterkunft für [[„Grüß Gott, liebe Freunde aus Vietnam“ – Eine neue Aufgabe für den Paritätischen in Bayern|Geflüchtete aus Vietnam]]. Wie viele eigene Einrichtungen des Verbands geht sie aus einer Kooperation zwischen der Stadt München und dem Paritätischen in Bayern hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Neue Impulse aus den Bezirksverbänden==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren weitet der Paritätische in Bayern seine eigenen Angebote in der Kinderbetreuung aus. Besonders in [[Die „kleine Frau mit dem gewaltig großen Herzen“: Betty Geiling|Unterfranken]] sind schon seit den 1970er Jahren vereinzelte eigene Angebote für Familien mit Kindern entstanden. Wieder gehen die neuen Angebote jetzt von den Bezirksverbänden aus. So entstehen besonders in [[Humorvoll und kreativ im Einsatz für Mittelfranken: Ekkehard Doll|Mittelfranken]] viele neue Kindergärten und -tagesstätten. Sie tragen Namen wie &#039;&#039;Die Kuschelecke&#039;&#039; oder &#039;&#039;Die Regenbogenkinder&#039;&#039;. Einige der Einrichtungen erfüllen auch den Zweck, Pflegepersonal zu entlasten: In Nürnberg und Erlangen betreibt der Paritätische eine Krippe und einen Kindergarten, die direkt an eine örtliche Klinik angegliedert sind und Kinder des dortigen Personals aufnehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern Bezirksverband Mittelfranken (Hg.): 25 Jahre Arbeit, S. 32-35.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Wiesenweg 1985.jpg|801px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Während der Paritätische in Bayern neue Einrichtungen eröffnet und übernimmt, entwickeln sich auch die bestehenden Angebote des Verbands weiter. Das ehemalige &#039;&#039;Altersheim für geistig Schaffende&#039;&#039; in Pullach kann 1985 sein 25-jähriges Bestehen feiern.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aus eigenen Einrichtungen werden Tochtergesellschaften==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren erlebt die freie Wohlfahrtspflege einen Umbruch. Der Fokus liegt zunehmend auf Fragen der Finanzierung – auch beim Paritätischen in Bayern. Einigen innerhalb der Verbandsstrukturen fällt es schwer, das zu akzeptieren. Auch manche Mitgliedsorganisationen müssen diese Erfahrung machen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Christa Weigl-Schneider am 22. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern beteiligt sich jetzt auch an riskanten Projekten. Dazu gehört vor allem die Finanzierung eines sozial-ökologischen Jugendgästehauses, das in München in einem baufälligen Hotelgebäude aufgebaut wird. „Die finanzielle Seite dieser Angelegenheit ist bedrohlich und [...] für den Paritätischen von existenzieller Bedeutung“, warnt im Dezember 1997 ein Mitglied des Verbandsbeirats.&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Akten-Notiz von Ewald Geiger, 17.12.1997, S. 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern hat sich auf die falschen Partner eingelassen und mehrere Millionen DM Schulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Schriftwechsel 1993-1997.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch andere Einrichtungen bereiten dem Verband finanzielle Schwierigkeiten. Strukturprobleme verschärfen die Lage zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern rettet sich durch eine [[Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern|Umstrukturierung]] aus dieser Situation. Die eigenen Einrichtungen des Verbands werden in diesem Zuge zu Tochtergesellschaften, um das wirtschaftliche Risiko für den Verband in Zukunft zu verringern. Die Geschäftsführungen der Tochtergesellschaften sind mit dem Verband in engem Austausch und ständiger Abstimmung und können von seiner Struktur profitieren: Personal, IT, Versicherungen, Fuhrpark – für vieles hält der Paritätische in Bayern zentrale Abteilungen und Lösungen bereit.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Michael Wächter am 28. September 2023.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus den vereinzelten eigenen Einrichtungen des Paritätischen in Bayern wird so ein umfassendes Netzwerk sozialer Unternehmen. Das Jugendgästehaus, das &#039;&#039;Sozialpsychiatrische Zentrum&#039;&#039;, das &#039;&#039;Haus für Mutter und Kind&#039;&#039; in der Münchner Bleyerstraße, das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Seniorenstift&#039;&#039; in Nürnberg und viele weitere Einrichtungen haben diese Entwicklung begleitet und geprägt – und so nicht zuletzt zur Finanzierung der Verbandsarbeit beigetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Akten-Notiz von Ewald Geiger, 17.12.1997, S. 4.&lt;br /&gt;
*Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Schriftwechsel 1993-1997.&lt;br /&gt;
*Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern Bezirksverband Mittelfranken (Hg.): 25 Jahre Arbeit.&lt;br /&gt;
*DPWV-Nachrichen (1958) Heft 2.&lt;br /&gt;
*Heim-Pohlmann, Anna: In der Verwaltung des DPWV. Städtisches Frauen- und Mütterheim in München, Teutoburgerstraße 8, in: DPWV-Nachrichten (1953) Heft 11, S. 9.&lt;br /&gt;
*O. A.: Untere Mitgliedseinrichtung. Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen in Nürnberg, in: DPWV-Nachrichten (1962) Heft 6, S. 70.&lt;br /&gt;
*O. A.: 20 Jahre Albert-Schweitzer-Heim, in: DPWV-Nachrichten (1981) Heft 1-2, S. 18 f.&lt;br /&gt;
*O. A.: Albert-Schweitzer-Heim in Nürnberg besteht 20 Jahre, in: parität aktuell (1980) Nr. 2, o. S.&lt;br /&gt;
*O. A.: Von unserem Landesverband Bayern geführt. Heim für Mutter und Kind in München, in: DPWV-Nachrichten (1964) Heft 4, S. 1.&lt;br /&gt;
*O. A.: 38 Frauen finden den Weg zurück in die Berufswelt, in: parität aktuell (1974) Nr. 1, o. S.&lt;br /&gt;
*O. A.: Unsere Mitgliedseinrichtung. Sozialpsychiatrisches Zentrum München, in: DPWV-Nachrichten (1980) Heft 6, S. 87.&lt;br /&gt;
*Zeitzeuginnengespräch mit Christa Weigl-Schneider am 22. März 2024.&lt;br /&gt;
*Zeitzeugengespräch mit Michael Wächter am 28. September 2023.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Angermair, Elisabeth: Die Illusion des Regenbogens. Perspektiven für Frauen in der Nachkriegsgesellschaft, München 2007.&lt;br /&gt;
*Brückner, Burkhart: Geschichte der psychiatrischen Sozialarbeit in Deutschland im 20. Jahrhundert – ein Überblick, in: Dörr, Margret (Hg.): Sozialpsychiatrie im Fokus Sozialer Arbeit, Hohengehren 2015, S. 21-30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Der_Parit%C3%A4tische_in_Bayern_wird_zum_Anbieter_sozialer_Dienstleistungen&amp;diff=1255</id>
		<title>Der Paritätische in Bayern wird zum Anbieter sozialer Dienstleistungen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Der_Parit%C3%A4tische_in_Bayern_wird_zum_Anbieter_sozialer_Dienstleistungen&amp;diff=1255"/>
		<updated>2025-03-03T15:57:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* Neue Impulse aus den Bezirksverbänden */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Der Paritätische in Bayern wurde in den 1920er Jahren als Dachverband konfessionell und politisch unabhängiger sozialer Organisationen gegründet. Ab den 1950er Jahren beginnt der Verband, sich weiterzuentwickeln: Er bietet zusätzlich immer mehr eigene soziale Dienstleistungen an.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Eine neue Form der Verantwortung: Das &#039;&#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; in München==&lt;br /&gt;
Nach der Wiedergründung des Paritätischen in Bayern verändert sich das Selbstverständnis des Verbands allmählich. Den ersten Schritt in diese Richtung geht der Paritätische in Bayern Anfang der 1950er Jahre: Er übernimmt die Verwaltung des neuen &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; in München. In dieser Einrichtung soll Frauen in verschiedenen Lebenslagen geholfen werden. Gerade unverheiratete Frauen mit Kindern sind in München während der Nachkriegszeit besonders stark von Armut und sozialem Abstieg bedroht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Angermair, Elisabeth: Die Illusion des Regenbogens. Perspektiven für Frauen in der Nachkriegsgesellschaft, München 2007, S. 22 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Teutoburger 1953.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Das Städtische Frauen- und Mütterheim in der Teutoburger Straße in München am 9. September 1953, dem Tag seiner feierlichen Eröffnung.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; gibt es Platz für 50 Mütter mit je einem Kind von bis zu sechs Jahren. Die Einrichtung ist besonders für Frauen gedacht, die gerade entbunden, aber keine Unterkunft für sich und ihr Kind haben. Im &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; gibt es für sie möblierte Wohnräume auf Zeit. „Jede Mutter hat für sich und ihr Kind einen in schönen lichten Farben gehaltenen Raum mit Couch, Tisch, Stuhl, Kommode und einem Kinderbett zur Verfügung. […] Da die meisten der Mütter berufstätig sein werden, ist eine Krippe wie auch ein Kindergarten vorhanden. Auch hier ist alles licht, sonnig und farbenfroh. Im anschließenden Gartengelände befinden sich Sandkiste, Planschbecken und Kletterbaum.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heim-Pohlmann, Anna: In der Verwaltung des DPWV. Städtisches Frauen- und Mütterheim in München, Teutoburgerstraße 8, in: DPWV-Nachrichten (1953) Heft 11, S. 9.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Mütter müssen eine kleine monatliche Miete von 39 DM zahlen. Zusätzlich fallen die in München geltenden Gebühren für Kindergarten und Krippe an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im anderen Flügel des Gebäudes können bis zu 200 „obdachlose, hilfsbedürftige weibliche Personen“ unterkommen, „die bisher in Bunkern oder sonstigen Elendsquartieren“ gelebt haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einige der Frauen gehen zwar arbeiten, verdienen aber sehr wenig. Im Städtischen Frauen- und Mütterheim zahlen sie 50 Pfennig pro Nacht für ein Bett. 5 Pfennig kostet ein Kaffee, mittags bekommen sie für 20 Pfennig eine Suppe. Weil Hilfsstrukturen in der Stadt fehlen, haben viele der Frauen jahrelang unter schlechten Bedingungen leben müssen. „Es ist ein großes Anliegen der Heimleitung, den Frauen nicht nur ein menschenwürdiges Wohnen zu ermöglichen, sondern darüber hinaus ihrem Leben wieder einen Sinn zu geben“.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Teutoburger Innenraum.jpg|799px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Ein Einblick in einen Schlafraum für obdachlose Frauen im Städtischen Frauen- und Mütterheim in der Teutoburger Straße. Hier teilen sich mehrere Bewohnerinnen ein Zimmer. &amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; soll zu einem Hilfe- und Beratungszentrum für möglichst viele Frauen werden und die umliegende Nachbarschaft einbeziehen. Deswegen ist auch die [[Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert#Die Münchner Mütterschule|Münchner Mütterschule]] in dem Gebäude untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zurück zu alten Schwerpunkten: Paritätische Hilfe für Senior*innen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Jahre nach der Eröffnung des &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; 1953 beginnt der Verband mit den Planungen für seine erste vollkommen eigene Einrichtung. Ähnlich wie [[„Dem Alter zum Schutze, der Jugend zu Nutze“: Das erste Projekt des Paritätischen in Bayern|Ende der 1920er Jahre]] entsteht so im Raum München ein Altenheim mit besonderem Konzept: Das &#039;&#039;Altersheim für geistig Schaffende&#039;&#039; in Pullach im Isartal. Es öffnet 1958 und wird im bundesweiten Paritätischen Gesamtverband und in den Medien [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg#Entwicklung, auch über Bayern hinaus|in den Medien]] mit Interesse verfolgt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. auch DPWV-Nachrichen (1958) Heft 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den 1960er Jahren beginnt der Paritätische in Bayern außerdem damit, den Mahlzeitendienst &#039;&#039;Essen auf Rädern&#039;&#039; anzubieten, sowie mit der Einrichtung von Sozialstationen und anderen [[„Nachbarn helfen sich selbst“: Kreative Lösungen für neue Wohn- und Lebensverhältnisse#Sozialstationen und „Essen auf Rädern“|ambulanten Angeboten]], die es ermöglichen, hilfsbedürftige Menschen in ihrer gewohnten Umgebung zu versorgen. Viele der Angebote und Einrichtungen, die der Paritätische in Bayern selbst aufbaut, richten sich zu dieser Zeit vor allem an ältere Menschen. Sie werden eine wichtige Zielgruppe der sozialen Dienstleistungen des Verbands bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen&#039;&#039; in Nürnberg geht mit seinem innovativen Konzept neue Wege. Das Heim wurde vom Verein Frauenwohl mitbegründet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Untere Mitgliedseinrichtung. Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen in Nürnberg, in: DPWV-Nachrichten (1962) Heft 6, S. 70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Mitgliedsorganisation des Paritätischen in Bayern war an der [[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|Entstehung des Verbands]] in den 1920er Jahren beteiligt. Das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Wohnheim&#039;&#039; ist ein Beispiel für Mitgliedseinrichtungen des Paritätischen in Bayern, die später zu verbandseigenen Einrichtungen werden. Besonders ist hier, wie stark die Bewohner*innen der Einrichtung das Leben und den Alltag mitgestalten und sich persönlich einbringen können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu auch O. A.: 20 Jahre Albert-Schweitzer-Heim, in: DPWV-Nachrichten (1981) Heft 1-2, S. 18 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den 1970er Jahren wird der Verband das Heim übernehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Albert-Schweitzer-Heim in Nürnberg besteht 20 Jahre, in: parität aktuell (1980) Nr. 2, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zunehmend breit aufgestellt==&lt;br /&gt;
[[Datei:Mutter-Kind-Kur 1979.jpg|400px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Auch das sogenannte &#039;&#039;Haus am Kurpark&#039;&#039; gehört ab Ende der 1970er Jahre zu den eigenen Einrichtungen des Paritätischen in Bayern. Es gehört zu den Angeboten des Verbands, die sich explizit an Frauen richten.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Im Lauf der Jahre zeigt sich, dass das Konzept des &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; in München nicht aufgeht: Aus der gemeinsamen Unterbringung von Müttern mit kleinen Kindern und Frauen, die alleinstehend sind und bisher obdachlos waren, entstehen für die beiden Bewohner*innen-Gruppen nicht die erhofften Vorteile. Sie unterstützen sich nicht gegenseitig. Im September 1963 richtet die Stadt daher ein reines &#039;&#039;Heim für Mutter und Kind&#039;&#039; an einem anderen Standort ein. Die Verwaltung wird wieder dem Paritätischen in Bayern anvertraut.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Von unserem Landesverband Bayern geführt. Heim für Mutter und Kind in München, in: DPWV-Nachrichten (1964) Heft 4, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im sogenannten Haus an der Teutoburger Straße entsteht etwas Neues: 1970 eröffnet der Paritätische in Bayern im ehemaligen &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; eine eigene Einrichtung für „psychisch belastete Frauen“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: 38 Frauen finden den Weg zurück in die Berufswelt, in: parität aktuell (1974) Nr. 1, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bald wird das Angebot ausgeweitet und richtet sich an alle psychisch Erkrankten, die Unterstützung bei der Wiedereingliederung in Gesellschaft und Alltag benötigen. Das Haus an der Teutoburger Straße wird zum &#039;&#039;Sozialpsychiatrischen Zentrum&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. O. A.: Unsere Mitgliedseinrichtung. Sozialpsychiatrisches Zentrum München, in: DPWV-Nachrichten (1980) Heft 6, S. 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Psychiatrie werden zu dieser Zeit, wie in vielen gesellschaftlichen Bereichen, neue Wege beschritten. Lange hatten psychiatrische Einrichtungen in Deutschland in erster Linie die Aufgabe, ihre sogenannten Insassen zu verwahren. Jetzt wird verstärkt gefordert, Psychiatrie und Soziale Arbeit zusammenzudenken und neue Konzepte zur Unterstützung von Erkrankten zu entwickeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Brückner, Burkhart: Geschichte der psychiatrischen Sozialarbeit in Deutschland im 20. Jahrhundert – ein Überblick, in: Dörr, Margret (Hg.): Sozialpsychiatrie im Fokus Sozialer Arbeit, Hohengehren 2015, S. 21-30.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern kann mit seinem &#039;&#039;Sozialpsychiatrischen Zentrum&#039;&#039; für den gesamten Freistaat Maßstäbe setzen: 1975 organisiert der Verband einen „Tag der Sozialpsychiatrie“. Bei der Veranstaltung lobt der bayerische Sozialminister Fritz Pirkl das &#039;&#039;Sozialpsychiatrische Zentrum&#039;&#039; als „ein beispielhaftes Modell für das von der Bayerischen Staatsregierung [jetzt] angekündigte ‚Aktionsprogramm psychiatrischer Versorgung in Bayern‘“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Offen für Sozialpsychiatrie, in: DPWV-Nachrichten (1975) Heft 6, S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verband wird in den folgenden Jahren Träger weiterer eigener Einrichtungen. Viele von ihnen richten sich vor allem an [[Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern|Frauen]]. Zwischenzeitlich betreibt der Paritätische in Bayern außerdem eine Unterkunft für [[„Grüß Gott, liebe Freunde aus Vietnam“ – Eine neue Aufgabe für den Paritätischen in Bayern|Geflüchtete aus Vietnam]]. Wie viele eigene Einrichtungen des Verbands geht sie aus einer Kooperation zwischen der Stadt München und dem Paritätischen in Bayern hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Neue Impulse aus den Bezirksverbänden==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren weitet der Paritätische in Bayern seine eigenen Angebote in der Kinderbetreuung aus. Besonders in [[Die „kleine Frau mit dem gewaltig großen Herzen“: Betty Geiling|Unterfranken]] sind schon seit den 1970er Jahren vereinzelte eigene Angebote für Familien mit Kindern entstanden. Wieder gehen die neuen Angebote jetzt von den Bezirksverbänden aus. So entstehen besonders in [[Humorvoll und kreativ im Einsatz für Mittelfranken: Ekkehard Doll|Mittelfranken]] viele neue Kindergärten und -tagesstätten. Sie tragen Namen wie &#039;&#039;Die Kuschelecke&#039;&#039; oder &#039;&#039;Die Regenbogenkinder&#039;&#039;. Einige der Einrichtungen erfüllen auch den Zweck, Pflegepersonal zu entlasten: In Nürnberg und Erlangen betreibt der Paritätische eine Krippe und einen Kindergarten, die direkt an eine örtliche Klinik angegliedert sind und Kinder des dortigen Personals aufnehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern Bezirksverband Mittelfranken (Hg.): 25 Jahre Arbeit, S. 32-35.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Wiesenweg 1985.jpg|799px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Während der Paritätische in Bayern neue Einrichtungen eröffnet und übernimmt, entwickeln sich auch die bestehenden Angebote des Verbands weiter. Das ehemalige &#039;&#039;Altersheim für geistig Schaffende&#039;&#039; in Pullach kann 1985 sein 25-jähriges Bestehen feiern.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aus eigenen Einrichtungen werden Tochtergesellschaften==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren erlebt die freie Wohlfahrtspflege einen Umbruch. Der Fokus liegt zunehmend auf Fragen der Finanzierung – auch beim Paritätischen in Bayern. Einigen innerhalb der Verbandsstrukturen fällt es schwer, das zu akzeptieren. Auch manche Mitgliedsorganisationen müssen diese Erfahrung machen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Christa Weigl-Schneider am 22. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern beteiligt sich jetzt auch an riskanten Projekten. Dazu gehört vor allem die Finanzierung eines sozial-ökologischen Jugendgästehauses, das in München in einem baufälligen Hotelgebäude aufgebaut wird. „Die finanzielle Seite dieser Angelegenheit ist bedrohlich und [...] für den Paritätischen von existenzieller Bedeutung“, warnt im Dezember 1997 ein Mitglied des Verbandsbeirats.&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Akten-Notiz von Ewald Geiger, 17.12.1997, S. 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern hat sich auf die falschen Partner eingelassen und mehrere Millionen DM Schulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Schriftwechsel 1993-1997.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch andere Einrichtungen bereiten dem Verband finanzielle Schwierigkeiten. Strukturprobleme verschärfen die Lage zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern rettet sich durch eine [[Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern|Umstrukturierung]] aus dieser Situation. Die eigenen Einrichtungen des Verbands werden in diesem Zuge zu Tochtergesellschaften, um das wirtschaftliche Risiko für den Verband in Zukunft zu verringern. Die Geschäftsführungen der Tochtergesellschaften sind mit dem Verband in engem Austausch und ständiger Abstimmung und können von seiner Struktur profitieren: Personal, IT, Versicherungen, Fuhrpark – für vieles hält der Paritätische in Bayern zentrale Abteilungen und Lösungen bereit.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Michael Wächter am 28. September 2023.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus den vereinzelten eigenen Einrichtungen des Paritätischen in Bayern wird so ein umfassendes Netzwerk sozialer Unternehmen. Das Jugendgästehaus, das &#039;&#039;Sozialpsychiatrische Zentrum&#039;&#039;, das &#039;&#039;Haus für Mutter und Kind&#039;&#039; in der Münchner Bleyerstraße, das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Seniorenstift&#039;&#039; in Nürnberg und viele weitere Einrichtungen haben diese Entwicklung begleitet und geprägt – und so nicht zuletzt zur Finanzierung der Verbandsarbeit beigetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Akten-Notiz von Ewald Geiger, 17.12.1997, S. 4.&lt;br /&gt;
*Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Schriftwechsel 1993-1997.&lt;br /&gt;
*Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern Bezirksverband Mittelfranken (Hg.): 25 Jahre Arbeit.&lt;br /&gt;
*DPWV-Nachrichen (1958) Heft 2.&lt;br /&gt;
*Heim-Pohlmann, Anna: In der Verwaltung des DPWV. Städtisches Frauen- und Mütterheim in München, Teutoburgerstraße 8, in: DPWV-Nachrichten (1953) Heft 11, S. 9.&lt;br /&gt;
*O. A.: Untere Mitgliedseinrichtung. Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen in Nürnberg, in: DPWV-Nachrichten (1962) Heft 6, S. 70.&lt;br /&gt;
*O. A.: 20 Jahre Albert-Schweitzer-Heim, in: DPWV-Nachrichten (1981) Heft 1-2, S. 18 f.&lt;br /&gt;
*O. A.: Albert-Schweitzer-Heim in Nürnberg besteht 20 Jahre, in: parität aktuell (1980) Nr. 2, o. S.&lt;br /&gt;
*O. A.: Von unserem Landesverband Bayern geführt. Heim für Mutter und Kind in München, in: DPWV-Nachrichten (1964) Heft 4, S. 1.&lt;br /&gt;
*O. A.: 38 Frauen finden den Weg zurück in die Berufswelt, in: parität aktuell (1974) Nr. 1, o. S.&lt;br /&gt;
*O. A.: Unsere Mitgliedseinrichtung. Sozialpsychiatrisches Zentrum München, in: DPWV-Nachrichten (1980) Heft 6, S. 87.&lt;br /&gt;
*Zeitzeuginnengespräch mit Christa Weigl-Schneider am 22. März 2024.&lt;br /&gt;
*Zeitzeugengespräch mit Michael Wächter am 28. September 2023.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Angermair, Elisabeth: Die Illusion des Regenbogens. Perspektiven für Frauen in der Nachkriegsgesellschaft, München 2007.&lt;br /&gt;
*Brückner, Burkhart: Geschichte der psychiatrischen Sozialarbeit in Deutschland im 20. Jahrhundert – ein Überblick, in: Dörr, Margret (Hg.): Sozialpsychiatrie im Fokus Sozialer Arbeit, Hohengehren 2015, S. 21-30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Der_Parit%C3%A4tische_in_Bayern_wird_zum_Anbieter_sozialer_Dienstleistungen&amp;diff=1254</id>
		<title>Der Paritätische in Bayern wird zum Anbieter sozialer Dienstleistungen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Der_Parit%C3%A4tische_in_Bayern_wird_zum_Anbieter_sozialer_Dienstleistungen&amp;diff=1254"/>
		<updated>2025-03-03T15:57:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* Eine neue Form der Verantwortung: Das Städtische Frauen- und Mütterheim in München */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Der Paritätische in Bayern wurde in den 1920er Jahren als Dachverband konfessionell und politisch unabhängiger sozialer Organisationen gegründet. Ab den 1950er Jahren beginnt der Verband, sich weiterzuentwickeln: Er bietet zusätzlich immer mehr eigene soziale Dienstleistungen an.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Eine neue Form der Verantwortung: Das &#039;&#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; in München==&lt;br /&gt;
Nach der Wiedergründung des Paritätischen in Bayern verändert sich das Selbstverständnis des Verbands allmählich. Den ersten Schritt in diese Richtung geht der Paritätische in Bayern Anfang der 1950er Jahre: Er übernimmt die Verwaltung des neuen &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; in München. In dieser Einrichtung soll Frauen in verschiedenen Lebenslagen geholfen werden. Gerade unverheiratete Frauen mit Kindern sind in München während der Nachkriegszeit besonders stark von Armut und sozialem Abstieg bedroht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Angermair, Elisabeth: Die Illusion des Regenbogens. Perspektiven für Frauen in der Nachkriegsgesellschaft, München 2007, S. 22 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Teutoburger 1953.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Das Städtische Frauen- und Mütterheim in der Teutoburger Straße in München am 9. September 1953, dem Tag seiner feierlichen Eröffnung.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; gibt es Platz für 50 Mütter mit je einem Kind von bis zu sechs Jahren. Die Einrichtung ist besonders für Frauen gedacht, die gerade entbunden, aber keine Unterkunft für sich und ihr Kind haben. Im &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; gibt es für sie möblierte Wohnräume auf Zeit. „Jede Mutter hat für sich und ihr Kind einen in schönen lichten Farben gehaltenen Raum mit Couch, Tisch, Stuhl, Kommode und einem Kinderbett zur Verfügung. […] Da die meisten der Mütter berufstätig sein werden, ist eine Krippe wie auch ein Kindergarten vorhanden. Auch hier ist alles licht, sonnig und farbenfroh. Im anschließenden Gartengelände befinden sich Sandkiste, Planschbecken und Kletterbaum.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heim-Pohlmann, Anna: In der Verwaltung des DPWV. Städtisches Frauen- und Mütterheim in München, Teutoburgerstraße 8, in: DPWV-Nachrichten (1953) Heft 11, S. 9.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Mütter müssen eine kleine monatliche Miete von 39 DM zahlen. Zusätzlich fallen die in München geltenden Gebühren für Kindergarten und Krippe an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im anderen Flügel des Gebäudes können bis zu 200 „obdachlose, hilfsbedürftige weibliche Personen“ unterkommen, „die bisher in Bunkern oder sonstigen Elendsquartieren“ gelebt haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einige der Frauen gehen zwar arbeiten, verdienen aber sehr wenig. Im Städtischen Frauen- und Mütterheim zahlen sie 50 Pfennig pro Nacht für ein Bett. 5 Pfennig kostet ein Kaffee, mittags bekommen sie für 20 Pfennig eine Suppe. Weil Hilfsstrukturen in der Stadt fehlen, haben viele der Frauen jahrelang unter schlechten Bedingungen leben müssen. „Es ist ein großes Anliegen der Heimleitung, den Frauen nicht nur ein menschenwürdiges Wohnen zu ermöglichen, sondern darüber hinaus ihrem Leben wieder einen Sinn zu geben“.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Teutoburger Innenraum.jpg|799px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Ein Einblick in einen Schlafraum für obdachlose Frauen im Städtischen Frauen- und Mütterheim in der Teutoburger Straße. Hier teilen sich mehrere Bewohnerinnen ein Zimmer. &amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; soll zu einem Hilfe- und Beratungszentrum für möglichst viele Frauen werden und die umliegende Nachbarschaft einbeziehen. Deswegen ist auch die [[Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert#Die Münchner Mütterschule|Münchner Mütterschule]] in dem Gebäude untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zurück zu alten Schwerpunkten: Paritätische Hilfe für Senior*innen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Jahre nach der Eröffnung des &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; 1953 beginnt der Verband mit den Planungen für seine erste vollkommen eigene Einrichtung. Ähnlich wie [[„Dem Alter zum Schutze, der Jugend zu Nutze“: Das erste Projekt des Paritätischen in Bayern|Ende der 1920er Jahre]] entsteht so im Raum München ein Altenheim mit besonderem Konzept: Das &#039;&#039;Altersheim für geistig Schaffende&#039;&#039; in Pullach im Isartal. Es öffnet 1958 und wird im bundesweiten Paritätischen Gesamtverband und in den Medien [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg#Entwicklung, auch über Bayern hinaus|in den Medien]] mit Interesse verfolgt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. auch DPWV-Nachrichen (1958) Heft 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den 1960er Jahren beginnt der Paritätische in Bayern außerdem damit, den Mahlzeitendienst &#039;&#039;Essen auf Rädern&#039;&#039; anzubieten, sowie mit der Einrichtung von Sozialstationen und anderen [[„Nachbarn helfen sich selbst“: Kreative Lösungen für neue Wohn- und Lebensverhältnisse#Sozialstationen und „Essen auf Rädern“|ambulanten Angeboten]], die es ermöglichen, hilfsbedürftige Menschen in ihrer gewohnten Umgebung zu versorgen. Viele der Angebote und Einrichtungen, die der Paritätische in Bayern selbst aufbaut, richten sich zu dieser Zeit vor allem an ältere Menschen. Sie werden eine wichtige Zielgruppe der sozialen Dienstleistungen des Verbands bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen&#039;&#039; in Nürnberg geht mit seinem innovativen Konzept neue Wege. Das Heim wurde vom Verein Frauenwohl mitbegründet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Untere Mitgliedseinrichtung. Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen in Nürnberg, in: DPWV-Nachrichten (1962) Heft 6, S. 70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Mitgliedsorganisation des Paritätischen in Bayern war an der [[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|Entstehung des Verbands]] in den 1920er Jahren beteiligt. Das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Wohnheim&#039;&#039; ist ein Beispiel für Mitgliedseinrichtungen des Paritätischen in Bayern, die später zu verbandseigenen Einrichtungen werden. Besonders ist hier, wie stark die Bewohner*innen der Einrichtung das Leben und den Alltag mitgestalten und sich persönlich einbringen können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu auch O. A.: 20 Jahre Albert-Schweitzer-Heim, in: DPWV-Nachrichten (1981) Heft 1-2, S. 18 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den 1970er Jahren wird der Verband das Heim übernehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Albert-Schweitzer-Heim in Nürnberg besteht 20 Jahre, in: parität aktuell (1980) Nr. 2, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zunehmend breit aufgestellt==&lt;br /&gt;
[[Datei:Mutter-Kind-Kur 1979.jpg|400px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Auch das sogenannte &#039;&#039;Haus am Kurpark&#039;&#039; gehört ab Ende der 1970er Jahre zu den eigenen Einrichtungen des Paritätischen in Bayern. Es gehört zu den Angeboten des Verbands, die sich explizit an Frauen richten.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Im Lauf der Jahre zeigt sich, dass das Konzept des &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; in München nicht aufgeht: Aus der gemeinsamen Unterbringung von Müttern mit kleinen Kindern und Frauen, die alleinstehend sind und bisher obdachlos waren, entstehen für die beiden Bewohner*innen-Gruppen nicht die erhofften Vorteile. Sie unterstützen sich nicht gegenseitig. Im September 1963 richtet die Stadt daher ein reines &#039;&#039;Heim für Mutter und Kind&#039;&#039; an einem anderen Standort ein. Die Verwaltung wird wieder dem Paritätischen in Bayern anvertraut.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Von unserem Landesverband Bayern geführt. Heim für Mutter und Kind in München, in: DPWV-Nachrichten (1964) Heft 4, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im sogenannten Haus an der Teutoburger Straße entsteht etwas Neues: 1970 eröffnet der Paritätische in Bayern im ehemaligen &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; eine eigene Einrichtung für „psychisch belastete Frauen“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: 38 Frauen finden den Weg zurück in die Berufswelt, in: parität aktuell (1974) Nr. 1, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bald wird das Angebot ausgeweitet und richtet sich an alle psychisch Erkrankten, die Unterstützung bei der Wiedereingliederung in Gesellschaft und Alltag benötigen. Das Haus an der Teutoburger Straße wird zum &#039;&#039;Sozialpsychiatrischen Zentrum&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. O. A.: Unsere Mitgliedseinrichtung. Sozialpsychiatrisches Zentrum München, in: DPWV-Nachrichten (1980) Heft 6, S. 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Psychiatrie werden zu dieser Zeit, wie in vielen gesellschaftlichen Bereichen, neue Wege beschritten. Lange hatten psychiatrische Einrichtungen in Deutschland in erster Linie die Aufgabe, ihre sogenannten Insassen zu verwahren. Jetzt wird verstärkt gefordert, Psychiatrie und Soziale Arbeit zusammenzudenken und neue Konzepte zur Unterstützung von Erkrankten zu entwickeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Brückner, Burkhart: Geschichte der psychiatrischen Sozialarbeit in Deutschland im 20. Jahrhundert – ein Überblick, in: Dörr, Margret (Hg.): Sozialpsychiatrie im Fokus Sozialer Arbeit, Hohengehren 2015, S. 21-30.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern kann mit seinem &#039;&#039;Sozialpsychiatrischen Zentrum&#039;&#039; für den gesamten Freistaat Maßstäbe setzen: 1975 organisiert der Verband einen „Tag der Sozialpsychiatrie“. Bei der Veranstaltung lobt der bayerische Sozialminister Fritz Pirkl das &#039;&#039;Sozialpsychiatrische Zentrum&#039;&#039; als „ein beispielhaftes Modell für das von der Bayerischen Staatsregierung [jetzt] angekündigte ‚Aktionsprogramm psychiatrischer Versorgung in Bayern‘“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Offen für Sozialpsychiatrie, in: DPWV-Nachrichten (1975) Heft 6, S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verband wird in den folgenden Jahren Träger weiterer eigener Einrichtungen. Viele von ihnen richten sich vor allem an [[Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern|Frauen]]. Zwischenzeitlich betreibt der Paritätische in Bayern außerdem eine Unterkunft für [[„Grüß Gott, liebe Freunde aus Vietnam“ – Eine neue Aufgabe für den Paritätischen in Bayern|Geflüchtete aus Vietnam]]. Wie viele eigene Einrichtungen des Verbands geht sie aus einer Kooperation zwischen der Stadt München und dem Paritätischen in Bayern hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Neue Impulse aus den Bezirksverbänden==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren weitet der Paritätische in Bayern seine eigenen Angebote in der Kinderbetreuung aus. Besonders in [[Die „kleine Frau mit dem gewaltig großen Herzen“: Betty Geiling|Unterfranken]] sind schon seit den 1970er Jahren vereinzelte eigene Angebote für Familien mit Kindern entstanden. Wieder gehen die neuen Angebote jetzt von den Bezirksverbänden aus. So entstehen besonders in [[Humorvoll und kreativ im Einsatz für Mittelfranken: Ekkehard Doll|Mittelfranken]] viele neue Kindergärten und -tagesstätten. Sie tragen Namen wie &#039;&#039;Die Kuschelecke&#039;&#039; oder &#039;&#039;Die Regenbogenkinder&#039;&#039;. Einige der Einrichtungen erfüllen auch den Zweck, Pflegepersonal zu entlasten: In Nürnberg und Erlangen betreibt der Paritätische eine Krippe und einen Kindergarten, die direkt an eine örtliche Klinik angegliedert sind und Kinder des dortigen Personals aufnehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern Bezirksverband Mittelfranken (Hg.): 25 Jahre Arbeit, S. 32-35.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Wiesenweg 1985.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Während der Paritätische in Bayern neue Einrichtungen eröffnet und übernimmt, entwickeln sich auch die bestehenden Angebote des Verbands weiter. Das ehemalige &#039;&#039;Altersheim für geistig Schaffende&#039;&#039; in Pullach kann 1985 sein 25-jähriges Bestehen feiern.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aus eigenen Einrichtungen werden Tochtergesellschaften==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren erlebt die freie Wohlfahrtspflege einen Umbruch. Der Fokus liegt zunehmend auf Fragen der Finanzierung – auch beim Paritätischen in Bayern. Einigen innerhalb der Verbandsstrukturen fällt es schwer, das zu akzeptieren. Auch manche Mitgliedsorganisationen müssen diese Erfahrung machen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Christa Weigl-Schneider am 22. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern beteiligt sich jetzt auch an riskanten Projekten. Dazu gehört vor allem die Finanzierung eines sozial-ökologischen Jugendgästehauses, das in München in einem baufälligen Hotelgebäude aufgebaut wird. „Die finanzielle Seite dieser Angelegenheit ist bedrohlich und [...] für den Paritätischen von existenzieller Bedeutung“, warnt im Dezember 1997 ein Mitglied des Verbandsbeirats.&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Akten-Notiz von Ewald Geiger, 17.12.1997, S. 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern hat sich auf die falschen Partner eingelassen und mehrere Millionen DM Schulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Schriftwechsel 1993-1997.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch andere Einrichtungen bereiten dem Verband finanzielle Schwierigkeiten. Strukturprobleme verschärfen die Lage zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern rettet sich durch eine [[Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern|Umstrukturierung]] aus dieser Situation. Die eigenen Einrichtungen des Verbands werden in diesem Zuge zu Tochtergesellschaften, um das wirtschaftliche Risiko für den Verband in Zukunft zu verringern. Die Geschäftsführungen der Tochtergesellschaften sind mit dem Verband in engem Austausch und ständiger Abstimmung und können von seiner Struktur profitieren: Personal, IT, Versicherungen, Fuhrpark – für vieles hält der Paritätische in Bayern zentrale Abteilungen und Lösungen bereit.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Michael Wächter am 28. September 2023.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus den vereinzelten eigenen Einrichtungen des Paritätischen in Bayern wird so ein umfassendes Netzwerk sozialer Unternehmen. Das Jugendgästehaus, das &#039;&#039;Sozialpsychiatrische Zentrum&#039;&#039;, das &#039;&#039;Haus für Mutter und Kind&#039;&#039; in der Münchner Bleyerstraße, das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Seniorenstift&#039;&#039; in Nürnberg und viele weitere Einrichtungen haben diese Entwicklung begleitet und geprägt – und so nicht zuletzt zur Finanzierung der Verbandsarbeit beigetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Akten-Notiz von Ewald Geiger, 17.12.1997, S. 4.&lt;br /&gt;
*Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Schriftwechsel 1993-1997.&lt;br /&gt;
*Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern Bezirksverband Mittelfranken (Hg.): 25 Jahre Arbeit.&lt;br /&gt;
*DPWV-Nachrichen (1958) Heft 2.&lt;br /&gt;
*Heim-Pohlmann, Anna: In der Verwaltung des DPWV. Städtisches Frauen- und Mütterheim in München, Teutoburgerstraße 8, in: DPWV-Nachrichten (1953) Heft 11, S. 9.&lt;br /&gt;
*O. A.: Untere Mitgliedseinrichtung. Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen in Nürnberg, in: DPWV-Nachrichten (1962) Heft 6, S. 70.&lt;br /&gt;
*O. A.: 20 Jahre Albert-Schweitzer-Heim, in: DPWV-Nachrichten (1981) Heft 1-2, S. 18 f.&lt;br /&gt;
*O. A.: Albert-Schweitzer-Heim in Nürnberg besteht 20 Jahre, in: parität aktuell (1980) Nr. 2, o. S.&lt;br /&gt;
*O. A.: Von unserem Landesverband Bayern geführt. Heim für Mutter und Kind in München, in: DPWV-Nachrichten (1964) Heft 4, S. 1.&lt;br /&gt;
*O. A.: 38 Frauen finden den Weg zurück in die Berufswelt, in: parität aktuell (1974) Nr. 1, o. S.&lt;br /&gt;
*O. A.: Unsere Mitgliedseinrichtung. Sozialpsychiatrisches Zentrum München, in: DPWV-Nachrichten (1980) Heft 6, S. 87.&lt;br /&gt;
*Zeitzeuginnengespräch mit Christa Weigl-Schneider am 22. März 2024.&lt;br /&gt;
*Zeitzeugengespräch mit Michael Wächter am 28. September 2023.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Angermair, Elisabeth: Die Illusion des Regenbogens. Perspektiven für Frauen in der Nachkriegsgesellschaft, München 2007.&lt;br /&gt;
*Brückner, Burkhart: Geschichte der psychiatrischen Sozialarbeit in Deutschland im 20. Jahrhundert – ein Überblick, in: Dörr, Margret (Hg.): Sozialpsychiatrie im Fokus Sozialer Arbeit, Hohengehren 2015, S. 21-30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Die_%E2%80%9Ekleine_Frau_mit_dem_gewaltig_gro%C3%9Fen_Herzen%E2%80%9C:_Betty_Geiling&amp;diff=1253</id>
		<title>Die „kleine Frau mit dem gewaltig großen Herzen“: Betty Geiling</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Die_%E2%80%9Ekleine_Frau_mit_dem_gewaltig_gro%C3%9Fen_Herzen%E2%80%9C:_Betty_Geiling&amp;diff=1253"/>
		<updated>2025-03-03T15:55:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* Die Kreisgruppe entsteht */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Die Pädagogin Betty Geiling baut in den 1960er Jahren die erste Kreisgruppe des Paritätischen in Bayern auf. Die wird später zum Bezirksverband Unterfranken werden. Betty Geiling begleitet die Kreisgruppe jahrzehntelang als Geschäftsführerin und kann in Unterfranken in dieser Zeit einiges bewegen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Geiling 1983.jpeg|mini|800px|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Betty Geiling (ganz rechts) mit ihrem Team der Kreisgruppe Unterfranken 1983.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Eine unbekannte Jugend==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betty Geiling wird am 9. März 1926 in Gelchsheim bei Würzburg geboren.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. o. A.: Betty Geiling wurde 60, in: parität aktuell (1986) Nr. 2, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als der Zweite Weltkrieg endet, ist sie 19 Jahre alt. Auch wenn Betty Geiling in Zukunft viele Interviews geben wird, wird sie über ihre Kindheit und Jugend kaum sprechen. Eine spätere Weggefährtin wird sich später daran erinnern, dass da „ein Kriegsschicksal“ war: „Ich glaube, ihr Verlobter ist gefallen. Aber [...] man hat über die Kriegszeit damals nicht gesprochen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Andrea Müller-Stoy am 20. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nachkriegsjahre==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Jahre nach dem Krieg verbringt Betty Geiling damit, Geflüchteten aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten zu helfen, die jetzt in ihrer Heimatregion ankommen. Unterfranken ist plötzlich Grenzland zwischen Ost und West. Ende der 1940er Jahre übernimmt Betty Geiling die Leitung eines Kindergartens in Schweinfurt. Knapp 10 Jahre lang arbeitet sie in verschiedenen Städten als Erzieherin. Zuletzt leitet sie eine Kindertagesstätte in Hannover.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. o. A.: Betty Geiling wurde 60.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es zieht sie zurück nach Unterfranken. 1957 erhält Betty Geiling von den örtlichen Behörden und dem Paritätischen in Bayern einen Auftrag. Die 31-Jährige soll sich um die Menschen im [[Unterstützung für Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg|Flüchtlingslager]] Gelchsheim kümmern. Dabei geht es nicht um Fürsorge im materiellen Sinn. Die haben die kirchlichen Verbände übernommen. Betty Geiling soll die Menschen sozialpädagogisch betreuen. Durch Bildungsangebote sollen die „negativen Erscheinungsbilder und Verhaltensweisen von ‚Lagerleuten‘ in Massenlagern“ verhindert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;BayHStA, Slg Flüchtlingswesen 592, Betty Geiling an Martin Kornrumpf, 25.10.1976.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Kreisgruppe entsteht==&lt;br /&gt;
[[Datei:Geiling 1980.jpg|320px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Während ihrer Zeit als Geschäftsführerin wird Betty Geiling immer wieder die Chance nutzen, in der Öffentlichkeit auf die schwierige Situation der Wohlfahrtspflege aufmerksam zu machen, wie hier 1980.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern sitzt in München. In Unterfranken gibt es viele Mitgliedsorganisationen des Verbands. Aber: „Sie haben untereinander kaum Kontakt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Geiling, Betty: München ist weit weg! Unterfranken am Ende von Bayern, in: 60 Jahre Bezirksverband Unterfranken, S. 7.&amp;lt;/ref&amp;gt; Viele der Mitarbeitenden der Mitgliedsorganisationen wissen gar nicht, dass sie zum Verband gehören. Er ist kaum bekannt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Herbst 1963 wird in Würzburg die erste Kreisgruppe des Paritätischen in Bayern ins Leben gerufen. Betty Geiling wird Geschäftsführerin. Sie arbeitet ja schon seit Jahren in Unterfranken für den Paritätischen in Bayern. Monate bevor im November 1964 die offizielle Gründungsversammlung stattfinden kann, beginnt die Kreisgruppe mit ihrer Arbeit. Sie hat Vorbildcharakter: Auch in München und Augsburg werden bald eigene Kreisgruppen des Paritätischen in Bayern gegründet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. BayHStA, SdA Sudetendt. Sozialwerk 468, Arbeitsbericht für die Zeit vom 1.1.63—31.12.63, Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband, Landesverband Bayern e.V., 3.7.1964.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betty Geiling wird später erzählen: „Mit der Gründung der ‚Kreisgruppe‘ in Würzburg für Unterfranken begann das Aufhorchen. Die unterschiedlichen Initiativen wurden miteinander bekannt, informierten sich und erklärten ihre Bereitschaft auf Bezirksebene im Paritätischen mitzuwirken.“&amp;lt;ref&amp;gt;Geiling: München ist weit weg!&amp;lt;/ref&amp;gt; 1968 wird eine erste Außenstelle in Schweinfurt eingerichtet. 1976 entsteht eine weitere in Aschaffenburg.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. o. A.: Der Paritätische in Unterfranken 1964—2014, in: 50 Jahre Bezirksverband Unterfranken, S. 5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==„Geachtet und geliebt“==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andrea Müller-Stoy ist Referentin für Frauen und Familie im Paritätischen in Bayern, als sie Betty Geiling in den 1980er Jahren kennenlernt. Ihr Eindruck von der Geschäftsstelle in Würzburg: „Die Kreisgruppe hatte Wohnzimmercharakter“.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Andrea Müller-Stoy am 20. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Über Betty Geiling selbst wird sie später sagen: „Ich habe sie geachtet und geliebt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betty Geiling gibt immer wieder Interviews und wirbt für Unterstützung. Sie erkennt, was den Menschen fehlt, und entwickelt neuartige Projekte, um ihnen zu helfen. So entsteht unter anderem eine Kinderspielstube am Bahnhof in Würzburg. Hier können Kinder stundenweise betreut werden, während ihre Eltern Erledigungen machen, zum Beispiel einkaufen oder zum Arzt gehen. Auch die erste Sozialstation Unterfrankens geht auf die Initiative von Betty Geiling zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Lokalzeitung werden Betty Geilings Geburtstage gerne zum Anlass genommen, sie zu porträtieren – auch als sie schon im Ruhestand ist. Betty Geiling stirbt 2021 im Alter von 95 Jahren.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Grimm, Hannelore: Unermüdlicher Einsatz für den Nächsten, in: Main Post, 10.9.2021.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Geiling 1986.jpg|mini|600px|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Auch der Paritätische in Bayern feiert mit Betty Geiling Geburtstag: Zu ihrem 60. wird sie 1986 in der bundesweiten Verbandszeitung vorgestellt. Hier werden ihre größten Erfolge und Auszeichnungen aufgezählt.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Slg Flüchtlingswesen 592, Betty Geiling an Martin Kornrumpf, 25.10.1976.&lt;br /&gt;
*Bayerisches Hauptstaatsarchiv, SdA Sudetendt. Sozialwerk 468, Arbeitsbericht für die Zeit vom 1.1.63—31.12.63, Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband, Landesverband Bayern e.V., 3.7.1964.&lt;br /&gt;
*Geiling, Betty: München ist weit weg! Unterfranken am Ende von Bayern, in: 60 Jahre Bezirksverband Unterfranken, S. 7.&lt;br /&gt;
*Grimm, Hannelore: Unermüdlicher Einsatz für den Nächsten, in: Main Post, 10.9.2021.&lt;br /&gt;
*o. A.: Betty Geiling wurde 60, in: parität aktuell (1986) Nr. 2, o. S.&lt;br /&gt;
*o. A.: Der Paritätische in Unterfranken 1964—2014, in: 50 Jahre Bezirksverband Unterfranken, S. 5.&lt;br /&gt;
*Zeitzeuginnengespräch mit Andrea Müller-Stoy am 20. März 2024.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Humorvoll_und_kreativ_im_Einsatz_f%C3%BCr_Mittelfranken:_Ekkehard_Doll&amp;diff=1252</id>
		<title>Humorvoll und kreativ im Einsatz für Mittelfranken: Ekkehard Doll</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Humorvoll_und_kreativ_im_Einsatz_f%C3%BCr_Mittelfranken:_Ekkehard_Doll&amp;diff=1252"/>
		<updated>2025-03-03T15:53:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* Geschäftsführer mit Weitsicht */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Ekkehard Doll ist etwa 30 Jahre lang die treibende Kraft hinter der Entwicklung des Bezirksverbands Mittelfranken des Paritätischen in Bayern. Über viele Jahre liegt sein Fokus auf der Hilfe für Aussiedler*innen. Dann macht er den Bezirksverband zu einem wichtigen Anbieter vielseitiger Kinderbetreuung im Raum Nürnberg.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aus Bayern nach Berlin==&lt;br /&gt;
[[Datei:Doll 1997.jpg|360px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Ekkehard Doll 1997 in der Geschäftsstelle des Bezirksverbands Mittelfranken des Paritätischen in Bayern.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Ekkehard Doll wird am 5. März 1941 in Halle an der Saale geboren. Nach der Schule geht er zum Studium nach Bochum, an die Höhere Fachschule für Sozialarbeit. Das ist eine evangelische Hochschule. Hier wird er seine zukünftige Ehefrau Wilhelmine kennenlernen. Die studiert auch an einer evangelischen Hochschule, aber in Berlin, in einem reinen Frauenkurs. Ihr Kurs kommt für ein Wochenende nach Bochum, um sich mit dem Kurs auszutauschen, den Ekkehard Doll besucht. Der besteht wiederum nur aus jungen Männern. Ekkehard Doll wird sich noch Jahrzehnte später daran erinnern, dass bei dieser Gelegenheit „heiß diskutiert“ wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Ekkehard Doll am 8. März 2022.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem theoretischen Teil seines Studiums steht für Ekkehard Doll eine Praktikumsphase an. Er entscheidet sich, dafür nach Berlin zu ziehen – zu Wilhelmine. In Berlin-Zehlendorf macht er ein sechsmonatiges Praktikum in der Jugendgerichtshilfe. Es ist das Jahr 1967, viele junge Menschen gehen in Berlin und der gesamten Bundesrepublik auf die Straße. Dazu gehört auch Peter Brandt, dessen Vater der frühere Westberliner Bürgermeister und Außenminister Willy Brandt ist. An einem der Gerichtsverfahren gegen Peter Brandt ist Ekkehard Doll im Rahmen der Jugendgerichtshilfe beteiligt. Er muss einen Bericht über den jungen Aktivisten schreiben.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Ekkehard Doll am 8. März 2022. Das Verfahren ist teilweise dokumentiert in: Schivelbusch, Wolfgang: Urteil des Amtsgerichts Berlin-Tiergarten gegen Peter Brandt. In: Kritische Justiz, Bd. 1, Nr. 1 (1968), S. 68–73.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aussiedlerarbeit in Mittelfranken==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Studentenproteste und gesellschaftlichen Veränderungen dieser Zeit machen sich auch auf andere Weise bemerkbar: Viele Menschen werden aktiv und schließen sich zu [[Eine wechselvolle Geschichte: Selbsthilfe im Paritätischen in Bayern|Selbsthilfeorganisationen]] zusammen. Das prägt auch den Paritätischen in Bayern. Der Verband wächst und muss seine Strukturen anpassen. Die erste Kreisgruppe des Verbands wird Mitte der 1960er Jahre um die Pädagogin [[Die „kleine Frau mit dem gewaltig großen Herzen“: Betty Geiling|Betty Geiling]] in Würzburg gegründet. Mittelfranken bekommt 1972 eine eigene Kreisgruppe. Vier Jahre später wird Ekkehard Doll ihr Geschäftsführer.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern Bezirksverband Mittelfranken (Hg.): 25 Jahre Arbeit, S. 24.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er wird später sagen: Es ist den Selbsthilfegruppen zu verdanken, dass in Mittelfranken eine eigene Kreisgruppe des Paritätischen in Bayern entstanden ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Ekkehard Doll am 8. März 2022.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren nach seinem Studium hat Ekkehard Doll angefangen, mit sogenannten Aussiedler*innen zu arbeiten.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Ekkehard Doll am 8. März 2022.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Schwerpunkt macht sich jetzt auch in Mittelfranken bemerkbar: Direkt nach seinem Einstieg als Geschäftsführer der Kreisgruppe werden in Nürnberg mehrere Maßnahmen zur Integration von Aussiedler*innen eingeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern Bezirksverband Mittelfranken (Hg.): 25 Jahre Arbeit, S. 24.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Aussiedler*innen sind Menschen, die erst mit Verzögerung [[Unterstützung für Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg|aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten in die Bundesrepublik umsiedeln]]. Ekkehard Doll wird sich über viele Jahre sehr für sie einsetzen und selbst viele Seminare für Aussiedler*innen leiten – gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau Brigitte, mit der er inzwischen verheiratet ist. Die Mission des Paares: „Die Aussiedler sollen in der Bundesrepublik Fuß fassen können und eine Arbeit bekommen, der sie gewachsen sind. Dazu gehört neben versicherungsrechtlichen Fragen auch der Deutschunterricht und die Einführung in das Geldwesen“, erklärt Ekkehard Doll.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Seminare für Eingliederung von Spätaussiedlergruppen, in: parität aktuell (1988) Nr. 2, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:1977 Aussiedler.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;1977 stellt der Paritätische in Bayern seine Arbeit mit Spätaussiedler*innen in der bundesweiten Verbandszeitung vor. Neben Ekkehard Doll ist es [[Die „kleine Frau mit dem gewaltig großen Herzen“: Betty Geiling|Betty Geiling]] in Würzburg, die sich sehr für dieses Thema einsetzt.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschäftsführer mit Weitsicht==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Geschäftsführer der Kreisgruppe Mittelfranken des Paritätischen in Bayern hat Ekkehard Doll auch die Finanzen immer im Blick. Er ist bekannt für seinen Humor – auch über die Verbandsgrenzen hinaus.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Wilfried Mück am 21. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aber wenn es sein muss, kann Ekkehard Doll auch anders. Später wird er sich erinnern: „Bei einem Verein – ich weiß nicht mehr, wie er heißt – bin ich sehr krass aufgetreten. Die haben Gelder veruntreut. Das wurde auch öffentlich. Schon im Interesse aller anderen Mitgliedsorganisationen, wollte ich das nicht unterstützen. Die haben sich dann aufgelöst.“&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Ekkehard Doll am 8. März 2022.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1990 beendet der Kreisverband Mittelfranken seine Seminare für Aussiedler*innen. Es gibt in der Region nicht mehr genug Bedarf. Seit 1976 hat der Verband 98 Seminare mit insgesamt etwa 4000 Teilnehmenden organisiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern Bezirksverband Mittelfranken (Hg.): 25 Jahre Arbeit, S. 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ekkehard Doll beschäftigt sich weiter mit dem Thema, geht aber auch dazu über, dem Kreisverband einen neuen Schwerpunkt zu geben: Kinderbetreuung. In den 1990er Jahren entstehen in Mittelfranken viele Kindergärten und -tagesstätten unter Trägerschaft des Paritätischen in Bayern.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. ebd., S. 32-35.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie werden später zu einem der Ausgangspunkte der Gemeinnützigen Paritätischen Kindertagesbetreuung GmbH in Nord- und Südbayern. So trägt Ekkehard Doll mit seiner Arbeit dazu bei, dass der Verband in Mittelfranken in neuer Weise als [[Der Paritätische in Bayern wird zum Anbieter sozialer Dienstleistungen|Anbieter sozialer Dienstleistungen]] auftritt. In den 2000er Jahren, der Zeit der [[Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern|Umstrukturierung]] des Paritätischen in Bayern, geht Ekkehard Doll in den Ruhestand. Sein Kreisverband, der mittlerweile Bezirksverband Mittelfranken heißt, hat ihm viel zu verdanken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern Bezirksverband Mittelfranken (Hg.): 25 Jahre Arbeit, S. 24.&lt;br /&gt;
*O. A.: Seminare für Eingliederung von Spätaussiedlergruppen, in: parität aktuell (1988) Nr. 2, o. S.&lt;br /&gt;
*Zeitzeugengespräch mit Ekkehard Doll am 8. März 2022.&lt;br /&gt;
*Zeitzeugengespräch mit Wilfried Mück am 21. März 2024.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Schivelbusch, Wolfgang: Urteil des Amtsgerichts Berlin-Tiergarten gegen Peter Brandt. In: Kritische Justiz, Bd. 1, Nr. 1 (1968), S. 68–73.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Der_Parit%C3%A4tische_in_Bayern_wird_zum_Anbieter_sozialer_Dienstleistungen&amp;diff=1251</id>
		<title>Der Paritätische in Bayern wird zum Anbieter sozialer Dienstleistungen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Der_Parit%C3%A4tische_in_Bayern_wird_zum_Anbieter_sozialer_Dienstleistungen&amp;diff=1251"/>
		<updated>2025-03-03T15:49:38Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Der Paritätische in Bayern wurde in den 1920er Jahren als Dachverband konfessionell und politisch unabhängiger sozialer Organisationen gegründet. Ab den 1950er Jahren beginnt der Verband, sich weiterzuentwickeln: Er bietet zusätzlich immer mehr eigene soziale Dienstleistungen an.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Eine neue Form der Verantwortung: Das &#039;&#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; in München==&lt;br /&gt;
Nach der Wiedergründung des Paritätischen in Bayern verändert sich das Selbstverständnis des Verbands allmählich. Den ersten Schritt in diese Richtung geht der Paritätische in Bayern Anfang der 1950er Jahre: Er übernimmt die Verwaltung des neuen &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; in München. In dieser Einrichtung soll Frauen in verschiedenen Lebenslagen geholfen werden. Gerade unverheiratete Frauen mit Kindern sind in München während der Nachkriegszeit besonders stark von Armut und sozialem Abstieg bedroht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Angermair, Elisabeth: Die Illusion des Regenbogens. Perspektiven für Frauen in der Nachkriegsgesellschaft, München 2007, S. 22 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Teutoburger 1953.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Das Städtische Frauen- und Mütterheim in der Teutoburger Straße in München am 9. September 1953, dem Tag seiner feierlichen Eröffnung.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; gibt es Platz für 50 Mütter mit je einem Kind von bis zu sechs Jahren. Die Einrichtung ist besonders für Frauen gedacht, die gerade entbunden, aber keine Unterkunft für sich und ihr Kind haben. Im &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; gibt es für sie möblierte Wohnräume auf Zeit. „Jede Mutter hat für sich und ihr Kind einen in schönen lichten Farben gehaltenen Raum mit Couch, Tisch, Stuhl, Kommode und einem Kinderbett zur Verfügung. […] Da die meisten der Mütter berufstätig sein werden, ist eine Krippe wie auch ein Kindergarten vorhanden. Auch hier ist alles licht, sonnig und farbenfroh. Im anschließenden Gartengelände befinden sich Sandkiste, Planschbecken und Kletterbaum.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heim-Pohlmann, Anna: In der Verwaltung des DPWV. Städtisches Frauen- und Mütterheim in München, Teutoburgerstraße 8, in: DPWV-Nachrichten (1953) Heft 11, S. 9.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Mütter müssen eine kleine monatliche Miete von 39 DM zahlen. Zusätzlich fallen die in München geltenden Gebühren für Kindergarten und Krippe an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im anderen Flügel des Gebäudes können bis zu 200 „obdachlose, hilfsbedürftige weibliche Personen“ unterkommen, „die bisher in Bunkern oder sonstigen Elendsquartieren“ gelebt haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einige der Frauen gehen zwar arbeiten, verdienen aber sehr wenig. Im Städtischen Frauen- und Mütterheim zahlen sie 50 Pfennig pro Nacht für ein Bett. 5 Pfennig kostet ein Kaffee, mittags bekommen sie für 20 Pfennig eine Suppe. Weil Hilfsstrukturen in der Stadt fehlen, haben viele der Frauen jahrelang unter schlechten Bedingungen leben müssen. „Es ist ein großes Anliegen der Heimleitung, den Frauen nicht nur ein menschenwürdiges Wohnen zu ermöglichen, sondern darüber hinaus ihrem Leben wieder einen Sinn zu geben“.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Teutoburger Innenraum.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Ein Einblick in einen Schlafraum für obdachlose Frauen im Städtischen Frauen- und Mütterheim in der Teutoburger Straße. Hier teilen sich mehrere Bewohnerinnen ein Zimmer. &amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; soll zu einem Hilfe- und Beratungszentrum für möglichst viele Frauen werden und die umliegende Nachbarschaft einbeziehen. Deswegen ist auch die [[Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert#Die Münchner Mütterschule|Münchner Mütterschule]] in dem Gebäude untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zurück zu alten Schwerpunkten: Paritätische Hilfe für Senior*innen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Jahre nach der Eröffnung des &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; 1953 beginnt der Verband mit den Planungen für seine erste vollkommen eigene Einrichtung. Ähnlich wie [[„Dem Alter zum Schutze, der Jugend zu Nutze“: Das erste Projekt des Paritätischen in Bayern|Ende der 1920er Jahre]] entsteht so im Raum München ein Altenheim mit besonderem Konzept: Das &#039;&#039;Altersheim für geistig Schaffende&#039;&#039; in Pullach im Isartal. Es öffnet 1958 und wird im bundesweiten Paritätischen Gesamtverband und in den Medien [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg#Entwicklung, auch über Bayern hinaus|in den Medien]] mit Interesse verfolgt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. auch DPWV-Nachrichen (1958) Heft 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den 1960er Jahren beginnt der Paritätische in Bayern außerdem damit, den Mahlzeitendienst &#039;&#039;Essen auf Rädern&#039;&#039; anzubieten, sowie mit der Einrichtung von Sozialstationen und anderen [[„Nachbarn helfen sich selbst“: Kreative Lösungen für neue Wohn- und Lebensverhältnisse#Sozialstationen und „Essen auf Rädern“|ambulanten Angeboten]], die es ermöglichen, hilfsbedürftige Menschen in ihrer gewohnten Umgebung zu versorgen. Viele der Angebote und Einrichtungen, die der Paritätische in Bayern selbst aufbaut, richten sich zu dieser Zeit vor allem an ältere Menschen. Sie werden eine wichtige Zielgruppe der sozialen Dienstleistungen des Verbands bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen&#039;&#039; in Nürnberg geht mit seinem innovativen Konzept neue Wege. Das Heim wurde vom Verein Frauenwohl mitbegründet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Untere Mitgliedseinrichtung. Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen in Nürnberg, in: DPWV-Nachrichten (1962) Heft 6, S. 70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Mitgliedsorganisation des Paritätischen in Bayern war an der [[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|Entstehung des Verbands]] in den 1920er Jahren beteiligt. Das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Wohnheim&#039;&#039; ist ein Beispiel für Mitgliedseinrichtungen des Paritätischen in Bayern, die später zu verbandseigenen Einrichtungen werden. Besonders ist hier, wie stark die Bewohner*innen der Einrichtung das Leben und den Alltag mitgestalten und sich persönlich einbringen können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu auch O. A.: 20 Jahre Albert-Schweitzer-Heim, in: DPWV-Nachrichten (1981) Heft 1-2, S. 18 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den 1970er Jahren wird der Verband das Heim übernehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Albert-Schweitzer-Heim in Nürnberg besteht 20 Jahre, in: parität aktuell (1980) Nr. 2, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zunehmend breit aufgestellt==&lt;br /&gt;
[[Datei:Mutter-Kind-Kur 1979.jpg|400px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Auch das sogenannte &#039;&#039;Haus am Kurpark&#039;&#039; gehört ab Ende der 1970er Jahre zu den eigenen Einrichtungen des Paritätischen in Bayern. Es gehört zu den Angeboten des Verbands, die sich explizit an Frauen richten.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Im Lauf der Jahre zeigt sich, dass das Konzept des &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; in München nicht aufgeht: Aus der gemeinsamen Unterbringung von Müttern mit kleinen Kindern und Frauen, die alleinstehend sind und bisher obdachlos waren, entstehen für die beiden Bewohner*innen-Gruppen nicht die erhofften Vorteile. Sie unterstützen sich nicht gegenseitig. Im September 1963 richtet die Stadt daher ein reines &#039;&#039;Heim für Mutter und Kind&#039;&#039; an einem anderen Standort ein. Die Verwaltung wird wieder dem Paritätischen in Bayern anvertraut.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Von unserem Landesverband Bayern geführt. Heim für Mutter und Kind in München, in: DPWV-Nachrichten (1964) Heft 4, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im sogenannten Haus an der Teutoburger Straße entsteht etwas Neues: 1970 eröffnet der Paritätische in Bayern im ehemaligen &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; eine eigene Einrichtung für „psychisch belastete Frauen“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: 38 Frauen finden den Weg zurück in die Berufswelt, in: parität aktuell (1974) Nr. 1, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bald wird das Angebot ausgeweitet und richtet sich an alle psychisch Erkrankten, die Unterstützung bei der Wiedereingliederung in Gesellschaft und Alltag benötigen. Das Haus an der Teutoburger Straße wird zum &#039;&#039;Sozialpsychiatrischen Zentrum&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. O. A.: Unsere Mitgliedseinrichtung. Sozialpsychiatrisches Zentrum München, in: DPWV-Nachrichten (1980) Heft 6, S. 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Psychiatrie werden zu dieser Zeit, wie in vielen gesellschaftlichen Bereichen, neue Wege beschritten. Lange hatten psychiatrische Einrichtungen in Deutschland in erster Linie die Aufgabe, ihre sogenannten Insassen zu verwahren. Jetzt wird verstärkt gefordert, Psychiatrie und Soziale Arbeit zusammenzudenken und neue Konzepte zur Unterstützung von Erkrankten zu entwickeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Brückner, Burkhart: Geschichte der psychiatrischen Sozialarbeit in Deutschland im 20. Jahrhundert – ein Überblick, in: Dörr, Margret (Hg.): Sozialpsychiatrie im Fokus Sozialer Arbeit, Hohengehren 2015, S. 21-30.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern kann mit seinem &#039;&#039;Sozialpsychiatrischen Zentrum&#039;&#039; für den gesamten Freistaat Maßstäbe setzen: 1975 organisiert der Verband einen „Tag der Sozialpsychiatrie“. Bei der Veranstaltung lobt der bayerische Sozialminister Fritz Pirkl das &#039;&#039;Sozialpsychiatrische Zentrum&#039;&#039; als „ein beispielhaftes Modell für das von der Bayerischen Staatsregierung [jetzt] angekündigte ‚Aktionsprogramm psychiatrischer Versorgung in Bayern‘“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Offen für Sozialpsychiatrie, in: DPWV-Nachrichten (1975) Heft 6, S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verband wird in den folgenden Jahren Träger weiterer eigener Einrichtungen. Viele von ihnen richten sich vor allem an [[Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern|Frauen]]. Zwischenzeitlich betreibt der Paritätische in Bayern außerdem eine Unterkunft für [[„Grüß Gott, liebe Freunde aus Vietnam“ – Eine neue Aufgabe für den Paritätischen in Bayern|Geflüchtete aus Vietnam]]. Wie viele eigene Einrichtungen des Verbands geht sie aus einer Kooperation zwischen der Stadt München und dem Paritätischen in Bayern hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Neue Impulse aus den Bezirksverbänden==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren weitet der Paritätische in Bayern seine eigenen Angebote in der Kinderbetreuung aus. Besonders in [[Die „kleine Frau mit dem gewaltig großen Herzen“: Betty Geiling|Unterfranken]] sind schon seit den 1970er Jahren vereinzelte eigene Angebote für Familien mit Kindern entstanden. Wieder gehen die neuen Angebote jetzt von den Bezirksverbänden aus. So entstehen besonders in [[Humorvoll und kreativ im Einsatz für Mittelfranken: Ekkehard Doll|Mittelfranken]] viele neue Kindergärten und -tagesstätten. Sie tragen Namen wie &#039;&#039;Die Kuschelecke&#039;&#039; oder &#039;&#039;Die Regenbogenkinder&#039;&#039;. Einige der Einrichtungen erfüllen auch den Zweck, Pflegepersonal zu entlasten: In Nürnberg und Erlangen betreibt der Paritätische eine Krippe und einen Kindergarten, die direkt an eine örtliche Klinik angegliedert sind und Kinder des dortigen Personals aufnehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern Bezirksverband Mittelfranken (Hg.): 25 Jahre Arbeit, S. 32-35.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Wiesenweg 1985.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Während der Paritätische in Bayern neue Einrichtungen eröffnet und übernimmt, entwickeln sich auch die bestehenden Angebote des Verbands weiter. Das ehemalige &#039;&#039;Altersheim für geistig Schaffende&#039;&#039; in Pullach kann 1985 sein 25-jähriges Bestehen feiern.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aus eigenen Einrichtungen werden Tochtergesellschaften==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren erlebt die freie Wohlfahrtspflege einen Umbruch. Der Fokus liegt zunehmend auf Fragen der Finanzierung – auch beim Paritätischen in Bayern. Einigen innerhalb der Verbandsstrukturen fällt es schwer, das zu akzeptieren. Auch manche Mitgliedsorganisationen müssen diese Erfahrung machen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Christa Weigl-Schneider am 22. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern beteiligt sich jetzt auch an riskanten Projekten. Dazu gehört vor allem die Finanzierung eines sozial-ökologischen Jugendgästehauses, das in München in einem baufälligen Hotelgebäude aufgebaut wird. „Die finanzielle Seite dieser Angelegenheit ist bedrohlich und [...] für den Paritätischen von existenzieller Bedeutung“, warnt im Dezember 1997 ein Mitglied des Verbandsbeirats.&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Akten-Notiz von Ewald Geiger, 17.12.1997, S. 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern hat sich auf die falschen Partner eingelassen und mehrere Millionen DM Schulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Schriftwechsel 1993-1997.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch andere Einrichtungen bereiten dem Verband finanzielle Schwierigkeiten. Strukturprobleme verschärfen die Lage zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern rettet sich durch eine [[Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern|Umstrukturierung]] aus dieser Situation. Die eigenen Einrichtungen des Verbands werden in diesem Zuge zu Tochtergesellschaften, um das wirtschaftliche Risiko für den Verband in Zukunft zu verringern. Die Geschäftsführungen der Tochtergesellschaften sind mit dem Verband in engem Austausch und ständiger Abstimmung und können von seiner Struktur profitieren: Personal, IT, Versicherungen, Fuhrpark – für vieles hält der Paritätische in Bayern zentrale Abteilungen und Lösungen bereit.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Michael Wächter am 28. September 2023.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus den vereinzelten eigenen Einrichtungen des Paritätischen in Bayern wird so ein umfassendes Netzwerk sozialer Unternehmen. Das Jugendgästehaus, das &#039;&#039;Sozialpsychiatrische Zentrum&#039;&#039;, das &#039;&#039;Haus für Mutter und Kind&#039;&#039; in der Münchner Bleyerstraße, das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Seniorenstift&#039;&#039; in Nürnberg und viele weitere Einrichtungen haben diese Entwicklung begleitet und geprägt – und so nicht zuletzt zur Finanzierung der Verbandsarbeit beigetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Akten-Notiz von Ewald Geiger, 17.12.1997, S. 4.&lt;br /&gt;
*Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Schriftwechsel 1993-1997.&lt;br /&gt;
*Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern Bezirksverband Mittelfranken (Hg.): 25 Jahre Arbeit.&lt;br /&gt;
*DPWV-Nachrichen (1958) Heft 2.&lt;br /&gt;
*Heim-Pohlmann, Anna: In der Verwaltung des DPWV. Städtisches Frauen- und Mütterheim in München, Teutoburgerstraße 8, in: DPWV-Nachrichten (1953) Heft 11, S. 9.&lt;br /&gt;
*O. A.: Untere Mitgliedseinrichtung. Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen in Nürnberg, in: DPWV-Nachrichten (1962) Heft 6, S. 70.&lt;br /&gt;
*O. A.: 20 Jahre Albert-Schweitzer-Heim, in: DPWV-Nachrichten (1981) Heft 1-2, S. 18 f.&lt;br /&gt;
*O. A.: Albert-Schweitzer-Heim in Nürnberg besteht 20 Jahre, in: parität aktuell (1980) Nr. 2, o. S.&lt;br /&gt;
*O. A.: Von unserem Landesverband Bayern geführt. Heim für Mutter und Kind in München, in: DPWV-Nachrichten (1964) Heft 4, S. 1.&lt;br /&gt;
*O. A.: 38 Frauen finden den Weg zurück in die Berufswelt, in: parität aktuell (1974) Nr. 1, o. S.&lt;br /&gt;
*O. A.: Unsere Mitgliedseinrichtung. Sozialpsychiatrisches Zentrum München, in: DPWV-Nachrichten (1980) Heft 6, S. 87.&lt;br /&gt;
*Zeitzeuginnengespräch mit Christa Weigl-Schneider am 22. März 2024.&lt;br /&gt;
*Zeitzeugengespräch mit Michael Wächter am 28. September 2023.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Angermair, Elisabeth: Die Illusion des Regenbogens. Perspektiven für Frauen in der Nachkriegsgesellschaft, München 2007.&lt;br /&gt;
*Brückner, Burkhart: Geschichte der psychiatrischen Sozialarbeit in Deutschland im 20. Jahrhundert – ein Überblick, in: Dörr, Margret (Hg.): Sozialpsychiatrie im Fokus Sozialer Arbeit, Hohengehren 2015, S. 21-30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Der_Parit%C3%A4tische_in_Bayern_wird_zum_Anbieter_sozialer_Dienstleistungen&amp;diff=1250</id>
		<title>Der Paritätische in Bayern wird zum Anbieter sozialer Dienstleistungen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Der_Parit%C3%A4tische_in_Bayern_wird_zum_Anbieter_sozialer_Dienstleistungen&amp;diff=1250"/>
		<updated>2025-03-03T15:47:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Der Paritätische in Bayern wurde in den 1920er Jahren als Dachverband konfessionell und politisch unabhängiger sozialer Organisationen gegründet. Ab den 1950er Jahren beginnt der Verband, sich weiterzuentwickeln: Er bietet zusätzlich immer mehr eigene soziale Dienstleistungen an.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;[Seite in Bearbeitung]&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Eine neue Form der Verantwortung: Das &#039;&#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; in München==&lt;br /&gt;
Nach der Wiedergründung des Paritätischen in Bayern verändert sich das Selbstverständnis des Verbands allmählich. Den ersten Schritt in diese Richtung geht der Paritätische in Bayern Anfang der 1950er Jahre: Er übernimmt die Verwaltung des neuen &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; in München. In dieser Einrichtung soll Frauen in verschiedenen Lebenslagen geholfen werden. Gerade unverheiratete Frauen mit Kindern sind in München während der Nachkriegszeit besonders stark von Armut und sozialem Abstieg bedroht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Angermair, Elisabeth: Die Illusion des Regenbogens. Perspektiven für Frauen in der Nachkriegsgesellschaft, München 2007, S. 22 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Teutoburger 1953.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Das Städtische Frauen- und Mütterheim in der Teutoburger Straße in München am 9. September 1953, dem Tag seiner feierlichen Eröffnung.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; gibt es Platz für 50 Mütter mit je einem Kind von bis zu sechs Jahren. Die Einrichtung ist besonders für Frauen gedacht, die gerade entbunden, aber keine Unterkunft für sich und ihr Kind haben. Im &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; gibt es für sie möblierte Wohnräume auf Zeit. „Jede Mutter hat für sich und ihr Kind einen in schönen lichten Farben gehaltenen Raum mit Couch, Tisch, Stuhl, Kommode und einem Kinderbett zur Verfügung. […] Da die meisten der Mütter berufstätig sein werden, ist eine Krippe wie auch ein Kindergarten vorhanden. Auch hier ist alles licht, sonnig und farbenfroh. Im anschließenden Gartengelände befinden sich Sandkiste, Planschbecken und Kletterbaum.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heim-Pohlmann, Anna: In der Verwaltung des DPWV. Städtisches Frauen- und Mütterheim in München, Teutoburgerstraße 8, in: DPWV-Nachrichten (1953) Heft 11, S. 9.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Mütter müssen eine kleine monatliche Miete von 39 DM zahlen. Zusätzlich fallen die in München geltenden Gebühren für Kindergarten und Krippe an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im anderen Flügel des Gebäudes können bis zu 200 „obdachlose, hilfsbedürftige weibliche Personen“ unterkommen, „die bisher in Bunkern oder sonstigen Elendsquartieren“ gelebt haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einige der Frauen gehen zwar arbeiten, verdienen aber sehr wenig. Im Städtischen Frauen- und Mütterheim zahlen sie 50 Pfennig pro Nacht für ein Bett. 5 Pfennig kostet ein Kaffee, mittags bekommen sie für 20 Pfennig eine Suppe. Weil Hilfsstrukturen in der Stadt fehlen, haben viele der Frauen jahrelang unter schlechten Bedingungen leben müssen. „Es ist ein großes Anliegen der Heimleitung, den Frauen nicht nur ein menschenwürdiges Wohnen zu ermöglichen, sondern darüber hinaus ihrem Leben wieder einen Sinn zu geben“.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Teutoburger Innenraum.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Ein Einblick in einen Schlafraum für obdachlose Frauen im Städtischen Frauen- und Mütterheim in der Teutoburger Straße. Hier teilen sich mehrere Bewohnerinnen ein Zimmer. &amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; soll zu einem Hilfe- und Beratungszentrum für möglichst viele Frauen werden und die umliegende Nachbarschaft einbeziehen. Deswegen ist auch die [[Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert#Die Münchner Mütterschule|Münchner Mütterschule]] in dem Gebäude untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zurück zu alten Schwerpunkten: Paritätische Hilfe für Senior*innen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Jahre nach der Eröffnung des &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; 1953 beginnt der Verband mit den Planungen für seine erste vollkommen eigene Einrichtung. Ähnlich wie [[„Dem Alter zum Schutze, der Jugend zu Nutze“: Das erste Projekt des Paritätischen in Bayern|Ende der 1920er Jahre]] entsteht so im Raum München ein Altenheim mit besonderem Konzept: Das &#039;&#039;Altersheim für geistig Schaffende&#039;&#039; in Pullach im Isartal. Es öffnet 1958 und wird im bundesweiten Paritätischen Gesamtverband und in den Medien [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg#Entwicklung, auch über Bayern hinaus|in den Medien]] mit Interesse verfolgt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. auch DPWV-Nachrichen (1958) Heft 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den 1960er Jahren beginnt der Paritätische in Bayern außerdem damit, den Mahlzeitendienst &#039;&#039;Essen auf Rädern&#039;&#039; anzubieten, sowie mit der Einrichtung von Sozialstationen und anderen [[„Nachbarn helfen sich selbst“: Kreative Lösungen für neue Wohn- und Lebensverhältnisse#Sozialstationen und „Essen auf Rädern“|ambulanten Angeboten]], die es ermöglichen, hilfsbedürftige Menschen in ihrer gewohnten Umgebung zu versorgen. Viele der Angebote und Einrichtungen, die der Paritätische in Bayern selbst aufbaut, richten sich zu dieser Zeit vor allem an ältere Menschen. Sie werden eine wichtige Zielgruppe der sozialen Dienstleistungen des Verbands bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen&#039;&#039; in Nürnberg geht mit seinem innovativen Konzept neue Wege. Das Heim wurde vom Verein Frauenwohl mitbegründet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Untere Mitgliedseinrichtung. Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen in Nürnberg, in: DPWV-Nachrichten (1962) Heft 6, S. 70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Mitgliedsorganisation des Paritätischen in Bayern war an der [[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|Entstehung des Verbands]] in den 1920er Jahren beteiligt. Das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Wohnheim&#039;&#039; ist ein Beispiel für Mitgliedseinrichtungen des Paritätischen in Bayern, die später zu verbandseigenen Einrichtungen werden. Besonders ist hier, wie stark die Bewohner*innen der Einrichtung das Leben und den Alltag mitgestalten und sich persönlich einbringen können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu auch O. A.: 20 Jahre Albert-Schweitzer-Heim, in: DPWV-Nachrichten (1981) Heft 1-2, S. 18 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den 1970er Jahren wird der Verband das Heim übernehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Albert-Schweitzer-Heim in Nürnberg besteht 20 Jahre, in: parität aktuell (1980) Nr. 2, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zunehmend breit aufgestellt==&lt;br /&gt;
[[Datei:Mutter-Kind-Kur 1979.jpg|400px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Auch das sogenannte &#039;&#039;Haus am Kurpark&#039;&#039; gehört ab Ende der 1970er Jahre zu den eigenen Einrichtungen des Paritätischen in Bayern. Es gehört zu den Angeboten des Verbands, die sich explizit an Frauen richten.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Im Lauf der Jahre zeigt sich, dass das Konzept des &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; in München nicht aufgeht: Aus der gemeinsamen Unterbringung von Müttern mit kleinen Kindern und Frauen, die alleinstehend sind und bisher obdachlos waren, entstehen für die beiden Bewohner*innen-Gruppen nicht die erhofften Vorteile. Sie unterstützen sich nicht gegenseitig. Im September 1963 richtet die Stadt daher ein reines &#039;&#039;Heim für Mutter und Kind&#039;&#039; an einem anderen Standort ein. Die Verwaltung wird wieder dem Paritätischen in Bayern anvertraut.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Von unserem Landesverband Bayern geführt. Heim für Mutter und Kind in München, in: DPWV-Nachrichten (1964) Heft 4, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im sogenannten Haus an der Teutoburger Straße entsteht etwas Neues: 1970 eröffnet der Paritätische in Bayern im ehemaligen &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; eine eigene Einrichtung für „psychisch belastete Frauen“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: 38 Frauen finden den Weg zurück in die Berufswelt, in: parität aktuell (1974) Nr. 1, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bald wird das Angebot ausgeweitet und richtet sich an alle psychisch Erkrankten, die Unterstützung bei der Wiedereingliederung in Gesellschaft und Alltag benötigen. Das Haus an der Teutoburger Straße wird zum &#039;&#039;Sozialpsychiatrischen Zentrum&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. O. A.: Unsere Mitgliedseinrichtung. Sozialpsychiatrisches Zentrum München, in: DPWV-Nachrichten (1980) Heft 6, S. 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Psychiatrie werden zu dieser Zeit, wie in vielen gesellschaftlichen Bereichen, neue Wege beschritten. Lange hatten psychiatrische Einrichtungen in Deutschland in erster Linie die Aufgabe, ihre sogenannten Insassen zu verwahren. Jetzt wird verstärkt gefordert, Psychiatrie und Soziale Arbeit zusammenzudenken und neue Konzepte zur Unterstützung von Erkrankten zu entwickeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Brückner, Burkhart: Geschichte der psychiatrischen Sozialarbeit in Deutschland im 20. Jahrhundert – ein Überblick, in: Dörr, Margret (Hg.): Sozialpsychiatrie im Fokus Sozialer Arbeit, Hohengehren 2015, S. 21-30.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern kann mit seinem &#039;&#039;Sozialpsychiatrischen Zentrum&#039;&#039; für den gesamten Freistaat Maßstäbe setzen: 1975 organisiert der Verband einen „Tag der Sozialpsychiatrie“. Bei der Veranstaltung lobt der bayerische Sozialminister Fritz Pirkl das &#039;&#039;Sozialpsychiatrische Zentrum&#039;&#039; als „ein beispielhaftes Modell für das von der Bayerischen Staatsregierung [jetzt] angekündigte ‚Aktionsprogramm psychiatrischer Versorgung in Bayern‘“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Offen für Sozialpsychiatrie, in: DPWV-Nachrichten (1975) Heft 6, S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verband wird in den folgenden Jahren Träger weiterer eigener Einrichtungen. Viele von ihnen richten sich vor allem an [[Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern|Frauen]]. Zwischenzeitlich betreibt der Paritätische in Bayern außerdem eine Unterkunft für [[„Grüß Gott, liebe Freunde aus Vietnam“ – Eine neue Aufgabe für den Paritätischen in Bayern|Geflüchtete aus Vietnam]]. Wie viele eigene Einrichtungen des Verbands geht sie aus einer Kooperation zwischen der Stadt München und dem Paritätischen in Bayern hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Neue Impulse aus den Bezirksverbänden==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren weitet der Paritätische in Bayern seine eigenen Angebote in der Kinderbetreuung aus. Besonders in [[Die „kleine Frau mit dem gewaltig großen Herzen“: Betty Geiling|Unterfranken]] sind schon seit den 1970er Jahren vereinzelte eigene Angebote für Familien mit Kindern entstanden. Wieder gehen die neuen Angebote jetzt von den Bezirksverbänden aus. So entstehen besonders in [[Humorvoll und kreativ im Einsatz für Mittelfranken: Ekkehard Doll|Mittelfranken]] viele neue Kindergärten und -tagesstätten. Sie tragen Namen wie &#039;&#039;Die Kuschelecke&#039;&#039; oder &#039;&#039;Die Regenbogenkinder&#039;&#039;. Einige der Einrichtungen erfüllen auch den Zweck, Pflegepersonal zu entlasten: In Nürnberg und Erlangen betreibt der Paritätische eine Krippe und einen Kindergarten, die direkt an eine örtliche Klinik angegliedert sind und Kinder des dortigen Personals aufnehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern Bezirksverband Mittelfranken (Hg.): 25 Jahre Arbeit, S. 32-35.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Wiesenweg 1985.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Während der Paritätische in Bayern neue Einrichtungen eröffnet und übernimmt, entwickeln sich auch die bestehenden Angebote des Verbands weiter. Das ehemalige &#039;&#039;Altersheim für geistig Schaffende&#039;&#039; in Pullach kann 1985 sein 25-jähriges Bestehen feiern.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aus eigenen Einrichtungen werden Tochtergesellschaften==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren erlebt die freie Wohlfahrtspflege einen Umbruch. Der Fokus liegt zunehmend auf Fragen der Finanzierung – auch beim Paritätischen in Bayern. Einigen innerhalb der Verbandsstrukturen fällt es schwer, das zu akzeptieren. Auch manche Mitgliedsorganisationen müssen diese Erfahrung machen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Christa Weigl-Schneider am 22. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern beteiligt sich jetzt auch an riskanten Projekten. Dazu gehört vor allem die Finanzierung eines sozial-ökologischen Jugendgästehauses, das in München in einem baufälligen Hotelgebäude aufgebaut wird. „Die finanzielle Seite dieser Angelegenheit ist bedrohlich und [...] für den Paritätischen von existenzieller Bedeutung“, warnt im Dezember 1997 ein Mitglied des Verbandsbeirats.&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Akten-Notiz von Ewald Geiger, 17.12.1997, S. 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern hat sich auf die falschen Partner eingelassen und mehrere Millionen DM Schulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Schriftwechsel 1993-1997.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch andere Einrichtungen bereiten dem Verband finanzielle Schwierigkeiten. Strukturprobleme verschärfen die Lage zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern rettet sich durch eine [[Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern|Umstrukturierung]] aus dieser Situation. Die eigenen Einrichtungen des Verbands werden in diesem Zuge zu Tochtergesellschaften, um das wirtschaftliche Risiko für den Verband in Zukunft zu verringern. Die Geschäftsführungen der Tochtergesellschaften sind mit dem Verband in engem Austausch und ständiger Abstimmung und können von seiner Struktur profitieren: Personal, IT, Versicherungen, Fuhrpark – für vieles hält der Paritätische in Bayern zentrale Abteilungen und Lösungen bereit.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Michael Wächter am 28. September 2023.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus den vereinzelten eigenen Einrichtungen des Paritätischen in Bayern wird so ein umfassendes Netzwerk sozialer Unternehmen. Das Jugendgästehaus, das &#039;&#039;Sozialpsychiatrische Zentrum&#039;&#039;, das &#039;&#039;Haus für Mutter und Kind&#039;&#039; in der Münchner Bleyerstraße, das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Seniorenstift&#039;&#039; in Nürnberg und viele weitere Einrichtungen haben diese Entwicklung begleitet und geprägt – und so nicht zuletzt zur Finanzierung der Verbandsarbeit beigetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Akten-Notiz von Ewald Geiger, 17.12.1997, S. 4.&lt;br /&gt;
*Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Schriftwechsel 1993-1997.&lt;br /&gt;
*Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern Bezirksverband Mittelfranken (Hg.): 25 Jahre Arbeit.&lt;br /&gt;
*DPWV-Nachrichen (1958) Heft 2.&lt;br /&gt;
*Heim-Pohlmann, Anna: In der Verwaltung des DPWV. Städtisches Frauen- und Mütterheim in München, Teutoburgerstraße 8, in: DPWV-Nachrichten (1953) Heft 11, S. 9.&lt;br /&gt;
*O. A.: Untere Mitgliedseinrichtung. Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen in Nürnberg, in: DPWV-Nachrichten (1962) Heft 6, S. 70.&lt;br /&gt;
*O. A.: 20 Jahre Albert-Schweitzer-Heim, in: DPWV-Nachrichten (1981) Heft 1-2, S. 18 f.&lt;br /&gt;
*O. A.: Albert-Schweitzer-Heim in Nürnberg besteht 20 Jahre, in: parität aktuell (1980) Nr. 2, o. S.&lt;br /&gt;
*O. A.: Von unserem Landesverband Bayern geführt. Heim für Mutter und Kind in München, in: DPWV-Nachrichten (1964) Heft 4, S. 1.&lt;br /&gt;
*O. A.: 38 Frauen finden den Weg zurück in die Berufswelt, in: parität aktuell (1974) Nr. 1, o. S.&lt;br /&gt;
*O. A.: Unsere Mitgliedseinrichtung. Sozialpsychiatrisches Zentrum München, in: DPWV-Nachrichten (1980) Heft 6, S. 87.&lt;br /&gt;
*Zeitzeuginnengespräch mit Christa Weigl-Schneider am 22. März 2024.&lt;br /&gt;
*Zeitzeugengespräch mit Michael Wächter am 28. September 2023.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Angermair, Elisabeth: Die Illusion des Regenbogens. Perspektiven für Frauen in der Nachkriegsgesellschaft, München 2007.&lt;br /&gt;
*Brückner, Burkhart: Geschichte der psychiatrischen Sozialarbeit in Deutschland im 20. Jahrhundert – ein Überblick, in: Dörr, Margret (Hg.): Sozialpsychiatrie im Fokus Sozialer Arbeit, Hohengehren 2015, S. 21-30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Der_Parit%C3%A4tische_in_Bayern_wird_zum_Anbieter_sozialer_Dienstleistungen&amp;diff=1249</id>
		<title>Der Paritätische in Bayern wird zum Anbieter sozialer Dienstleistungen</title>
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		<updated>2025-03-03T15:39:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Der Paritätische in Bayern wurde in den 1920er Jahren als Dachverband konfessionell und politisch unabhängiger sozialer Organisationen gegründet. Ab den 1950er Jahren beginnt der Verband, sich weiterzuentwickeln: Er bietet zusätzlich immer mehr eigene soziale Dienstleistungen an.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;[Seite in Bearbeitung]&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Eine neue Form der Verantwortung: Das &#039;&#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; in München==&lt;br /&gt;
Nach der Wiedergründung des Paritätischen in Bayern verändert sich das Selbstverständnis des Verbands allmählich. Den ersten Schritt in diese Richtung geht der Paritätische in Bayern Anfang der 1950er Jahre: Er übernimmt die Verwaltung des neuen &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; in München. In dieser Einrichtung soll Frauen in verschiedenen Lebenslagen geholfen werden. Gerade unverheiratete Frauen mit Kindern sind in München während der Nachkriegszeit besonders stark von Armut und sozialem Abstieg bedroht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Angermair, Elisabeth: Die Illusion des Regenbogens. Perspektiven für Frauen in der Nachkriegsgesellschaft, München 2007, S. 22 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Teutoburger 1953.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Das Städtische Frauen- und Mütterheim in der Teutoburger Straße in München am 9. September 1953, dem Tag seiner feierlichen Eröffnung.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; gibt es Platz für 50 Mütter mit je einem Kind von bis zu sechs Jahren. Die Einrichtung ist besonders für Frauen gedacht, die gerade entbunden, aber keine Unterkunft für sich und ihr Kind haben. Im &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; gibt es für sie möblierte Wohnräume auf Zeit. „Jede Mutter hat für sich und ihr Kind einen in schönen lichten Farben gehaltenen Raum mit Couch, Tisch, Stuhl, Kommode und einem Kinderbett zur Verfügung. […] Da die meisten der Mütter berufstätig sein werden, ist eine Krippe wie auch ein Kindergarten vorhanden. Auch hier ist alles licht, sonnig und farbenfroh. Im anschließenden Gartengelände befinden sich Sandkiste, Planschbecken und Kletterbaum.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heim-Pohlmann, Anna: In der Verwaltung des DPWV. Städtisches Frauen- und Mütterheim in München, Teutoburgerstraße 8, in: DPWV-Nachrichten (1953) Heft 11, S. 9.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Mütter müssen eine kleine monatliche Miete von 39 DM zahlen. Zusätzlich fallen die in München geltenden Gebühren für Kindergarten und Krippe an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im anderen Flügel des Gebäudes können bis zu 200 „obdachlose, hilfsbedürftige weibliche Personen“ unterkommen, „die bisher in Bunkern oder sonstigen Elendsquartieren“ gelebt haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einige der Frauen gehen zwar arbeiten, verdienen aber sehr wenig. Im Städtischen Frauen- und Mütterheim zahlen sie 50 Pfennig pro Nacht für ein Bett. 5 Pfennig kostet ein Kaffee, mittags bekommen sie für 20 Pfennig eine Suppe. Weil Hilfsstrukturen in der Stadt fehlen, haben viele der Frauen jahrelang unter schlechten Bedingungen leben müssen. „Es ist ein großes Anliegen der Heimleitung, den Frauen nicht nur ein menschenwürdiges Wohnen zu ermöglichen, sondern darüber hinaus ihrem Leben wieder einen Sinn zu geben“.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Teutoburger Innenraum.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Ein Einblick in einen Schlafraum für obdachlose Frauen im Städtischen Frauen- und Mütterheim in der Teutoburger Straße. Hier teilen sich mehrere Bewohnerinnen ein Zimmer. &amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; soll zu einem Hilfe- und Beratungszentrum für möglichst viele Frauen werden und die umliegende Nachbarschaft einbeziehen. Deswegen ist auch die [[Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert#Die Münchner Mütterschule|Münchner Mütterschule]] in dem Gebäude untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zurück zu alten Schwerpunkten: Paritätische Hilfe für Senior*innen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Jahre nach der Eröffnung des &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; 1953 beginnt der Verband mit den Planungen für seine erste vollkommen eigene Einrichtung. Ähnlich wie [[„Dem Alter zum Schutze, der Jugend zu Nutze“: Das erste Projekt des Paritätischen in Bayern|Ende der 1920er Jahre]] entsteht so im Raum München ein Altenheim mit besonderem Konzept: Das &#039;&#039;Altersheim für geistig Schaffende&#039;&#039; in Pullach im Isartal. Es öffnet 1958 und wird im bundesweiten Paritätischen Gesamtverband und in den Medien [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg#Entwicklung, auch über Bayern hinaus|in den Medien]] mit Interesse verfolgt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. auch DPWV-Nachrichen (1958) Heft 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den 1960er Jahren beginnt der Paritätische in Bayern außerdem damit, den Mahlzeitendienst &#039;&#039;Essen auf Rädern&#039;&#039; anzubieten, sowie mit der Einrichtung von Sozialstationen und anderen [[„Nachbarn helfen sich selbst“: Kreative Lösungen für neue Wohn- und Lebensverhältnisse#Sozialstationen und „Essen auf Rädern“|ambulanten Angeboten]], die es ermöglichen, hilfsbedürftige Menschen in ihrer gewohnten Umgebung zu versorgen. Viele der Angebote und Einrichtungen, die der Paritätische in Bayern selbst aufbaut, richten sich zu dieser Zeit vor allem an ältere Menschen. Sie werden eine wichtige Zielgruppe der sozialen Dienstleistungen des Verbands bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen&#039;&#039; in Nürnberg geht mit seinem innovativen Konzept neue Wege. Das Heim wurde vom Verein Frauenwohl mitbegründet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Untere Mitgliedseinrichtung. Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen in Nürnberg, in: DPWV-Nachrichten (1962) Heft 6, S. 70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Mitgliedsorganisation des Paritätischen in Bayern war an der [[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|Entstehung des Verbands]] in den 1920er Jahren beteiligt. Das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Wohnheim&#039;&#039; ist ein Beispiel für Mitgliedseinrichtungen des Paritätischen in Bayern, die später zu verbandseigenen Einrichtungen werden. Besonders ist hier, wie stark die Bewohner*innen der Einrichtung das Leben und den Alltag mitgestalten und sich persönlich einbringen können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu auch O. A.: 20 Jahre Albert-Schweitzer-Heim, in: DPWV-Nachrichten (1981) Heft 1-2, S. 18 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den 1970er Jahren wird der Verband das Heim übernehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Albert-Schweitzer-Heim in Nürnberg besteht 20 Jahre, in: parität aktuell (1980) Nr. 2, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zunehmend breit aufgestellt==&lt;br /&gt;
[[Datei:Mutter-Kind-Kur 1979.jpg|400px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Auch das sogenannte &#039;&#039;Haus am Kurpark&#039;&#039; gehört ab Ende der 1970er Jahre zu den eigenen Einrichtungen des Paritätischen in Bayern. Es gehört zu den Angeboten des Verbands, die sich explizit an Frauen richten.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Im Lauf der Jahre zeigt sich, dass das Konzept des &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; in München nicht aufgeht: Aus der gemeinsamen Unterbringung von Müttern mit kleinen Kindern und Frauen, die alleinstehend sind und bisher obdachlos waren, entstehen für die beiden Bewohner*innen-Gruppen nicht die erhofften Vorteile. Sie unterstützen sich nicht gegenseitig. Im September 1963 richtet die Stadt daher ein reines &#039;&#039;Heim für Mutter und Kind&#039;&#039; an einem anderen Standort ein. Die Verwaltung wird wieder dem Paritätischen in Bayern anvertraut.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Von unserem Landesverband Bayern geführt. Heim für Mutter und Kind in München, in: DPWV-Nachrichten (1964) Heft 4, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im sogenannten Haus an der Teutoburger Straße entsteht etwas Neues: 1970 eröffnet der Paritätische in Bayern im ehemaligen &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; eine eigene Einrichtung für „psychisch belastete Frauen“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: 38 Frauen finden den Weg zurück in die Berufswelt, in: parität aktuell (1974) Nr. 1, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bald wird das Angebot ausgeweitet und richtet sich an alle psychisch Erkrankten, die Unterstützung bei der Wiedereingliederung in Gesellschaft und Alltag benötigen. Das Haus an der Teutoburger Straße wird zum &#039;&#039;Sozialpsychiatrischen Zentrum&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. O. A.: Unsere Mitgliedseinrichtung. Sozialpsychiatrisches Zentrum München, in: DPWV-Nachrichten (1980) Heft 6, S. 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Psychiatrie werden zu dieser Zeit, wie in vielen gesellschaftlichen Bereichen, neue Wege beschritten. Lange hatten psychiatrische Einrichtungen in Deutschland in erster Linie die Aufgabe, ihre sogenannten Insassen zu verwahren. Jetzt wird verstärkt gefordert, Psychiatrie und Soziale Arbeit zusammenzudenken und neue Konzepte zur Unterstützung von Erkrankten zu entwickeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Brückner, Burkhart: Geschichte der psychiatrischen Sozialarbeit in Deutschland im 20. Jahrhundert – ein Überblick, in: Dörr, Margret (Hg.): Sozialpsychiatrie im Fokus Sozialer Arbeit, Hohengehren 2015, S. 21-30.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern kann mit seinem &#039;&#039;Sozialpsychiatrischen Zentrum&#039;&#039; für den gesamten Freistaat Maßstäbe setzen: 1975 organisiert der Verband einen „Tag der Sozialpsychiatrie“. Bei der Veranstaltung lobt der bayerische Sozialminister Fritz Pirkl das &#039;&#039;Sozialpsychiatrische Zentrum&#039;&#039; als „ein beispielhaftes Modell für das von der Bayerischen Staatsregierung [jetzt] angekündigte ‚Aktionsprogramm psychiatrischer Versorgung in Bayern‘“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Offen für Sozialpsychiatrie, in: DPWV-Nachrichten (1975) Heft 6, S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verband wird in den folgenden Jahren Träger weiterer eigener Einrichtungen. Viele von ihnen richten sich vor allem an [[Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern|Frauen]]. Zwischenzeitlich betreibt der Paritätische in Bayern außerdem eine Unterkunft für [[„Grüß Gott, liebe Freunde aus Vietnam“ – Eine neue Aufgabe für den Paritätischen in Bayern|Geflüchtete aus Vietnam]]. Wie viele eigene Einrichtungen des Verbands geht sie aus einer Kooperation zwischen der Stadt München und dem Paritätischen in Bayern hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Neue Impulse aus den Bezirksverbänden==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren weitet der Paritätische in Bayern seine eigenen Angebote in der Kinderbetreuung aus. Besonders in [[Die „kleine Frau mit dem gewaltig großen Herzen“: Betty Geiling|Unterfranken]] sind schon seit den 1970er Jahren vereinzelte eigene Angebote für Familien mit Kindern entstanden. Wieder gehen die neuen Angebote jetzt von den Bezirksverbänden aus. So entstehen besonders in [[Humorvoll und kreativ im Einsatz für Mittelfranken: Ekkehard Doll|Mittelfranken]] viele neue Kindergärten und -tagesstätten. Sie tragen Namen wie &#039;&#039;Die Kuschelecke&#039;&#039; oder &#039;&#039;Die Regenbogenkinder&#039;&#039;. Einige der Einrichtungen erfüllen auch den Zweck, Pflegepersonal zu entlasten: In Nürnberg und Erlangen betreibt der Paritätische eine Krippe und einen Kindergarten, die direkt an eine örtliche Klinik angegliedert sind und Kinder des dortigen Personals aufnehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern Bezirksverband Mittelfranken (Hg.): 25 Jahre Arbeit, S. 32-35.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Wiesenweg 1985.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Während der Paritätische in Bayern neue Einrichtungen eröffnet und übernimmt, entwickeln sich auch die bestehenden Angebote des Verbands weiter. Das ehemalige &#039;&#039;Altersheim für geistig Schaffende&#039;&#039; in Pullach kann 1985 sein 25-jähriges Bestehen feiern.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aus eigenen Einrichtungen werden Tochtergesellschaften==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren erlebt die freie Wohlfahrtspflege einen Umbruch. Der Fokus liegt zunehmend auf Fragen der Finanzierung – auch beim Paritätischen in Bayern. Einigen innerhalb der Verbandsstrukturen fällt es schwer, das zu akzeptieren. Auch manche Mitgliedsorganisationen müssen diese Erfahrung machen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Christa Weigl-Schneider am 22. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern beteiligt sich jetzt auch an riskanten Projekten. Dazu gehört vor allem die Finanzierung eines sozial-ökologischen Jugendgästehauses, das in München in einem baufälligen Hotelgebäude aufgebaut wird. „Die finanzielle Seite dieser Angelegenheit ist bedrohlich und [...] für den Paritätischen von existenzieller Bedeutung“, warnt im Dezember 1997 ein Mitglied des Verbandsbeirats.&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Akten-Notiz von Ewald Geiger, 17.12.1997, S. 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern hat sich auf die falschen Partner eingelassen und mehrere Millionen DM Schulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Schriftwechsel 1993-1997.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch andere Einrichtungen bereiten dem Verband finanzielle Schwierigkeiten. Strukturprobleme verschärfen die Lage zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern rettet sich durch eine [[Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern|Umstrukturierung]] aus dieser Situation. Die eigenen Einrichtungen des Verbands werden in diesem Zuge zu Tochtergesellschaften, um das wirtschaftliche Risiko für den Verband in Zukunft zu verringern. Die Geschäftsführungen der Tochtergesellschaften sind mit dem Verband in engem Austausch und ständiger Abstimmung und können von seiner Struktur profitieren: Personal, IT, Versicherungen, Fuhrpark – für vieles hält der Paritätische in Bayern zentrale Abteilungen und Lösungen bereit.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Michael Wächter am 28. September 2023.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus den vereinzelten eigenen Einrichtungen des Paritätischen in Bayern wird so ein umfassendes Netzwerk sozialer Unternehmen. Das Jugendgästehaus, das &#039;&#039;Sozialpsychiatrische Zentrum&#039;&#039;, das &#039;&#039;Haus für Mutter und Kind&#039;&#039; in der Münchner Bleyerstraße, das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Seniorenstift&#039;&#039; in Nürnberg und viele weitere Einrichtungen haben diese Entwicklung begleitet und geprägt – und so nicht zuletzt zur Finanzierung der Verbandsarbeit beigetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Der_Parit%C3%A4tische_in_Bayern_wird_zum_Anbieter_sozialer_Dienstleistungen&amp;diff=1248</id>
		<title>Der Paritätische in Bayern wird zum Anbieter sozialer Dienstleistungen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Der_Parit%C3%A4tische_in_Bayern_wird_zum_Anbieter_sozialer_Dienstleistungen&amp;diff=1248"/>
		<updated>2025-03-03T15:39:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Der Paritätische in Bayern wurde in den 1920er Jahren als Dachverband konfessionell und politisch unabhängiger sozialer Organisationen gegründet. Ab den 1950er Jahren beginnt der Verband, sich weiterzuentwickeln: Er bietet zusätzlich immer mehr eigene soziale Dienstleistungen an.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;[Seite in Bearbeitung]&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Eine neue Form der Verantwortung: Das &#039;&#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; in München==&lt;br /&gt;
Nach der Wiedergründung des Paritätischen in Bayern verändert sich das Selbstverständnis des Verbands allmählich. Den ersten Schritt in diese Richtung geht der Paritätische in Bayern Anfang der 1950er Jahre: Er übernimmt die Verwaltung des neuen &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; in München. In dieser Einrichtung soll Frauen in verschiedenen Lebenslagen geholfen werden. Gerade unverheiratete Frauen mit Kindern sind in München während der Nachkriegszeit besonders stark von Armut und sozialem Abstieg bedroht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Angermair, Elisabeth: Die Illusion des Regenbogens. Perspektiven für Frauen in der Nachkriegsgesellschaft, München 2007, S. 22 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Teutoburger 1953.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Das Städtische Frauen- und Mütterheim in der Teutoburger Straße in München am 9. September 1953, dem Tag seiner feierlichen Eröffnung.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; gibt es Platz für 50 Mütter mit je einem Kind von bis zu sechs Jahren. Die Einrichtung ist besonders für Frauen gedacht, die gerade entbunden, aber keine Unterkunft für sich und ihr Kind haben. Im &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; gibt es für sie möblierte Wohnräume auf Zeit. „Jede Mutter hat für sich und ihr Kind einen in schönen lichten Farben gehaltenen Raum mit Couch, Tisch, Stuhl, Kommode und einem Kinderbett zur Verfügung. […] Da die meisten der Mütter berufstätig sein werden, ist eine Krippe wie auch ein Kindergarten vorhanden. Auch hier ist alles licht, sonnig und farbenfroh. Im anschließenden Gartengelände befinden sich Sandkiste, Planschbecken und Kletterbaum.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heim-Pohlmann, Anna: In der Verwaltung des DPWV. Städtisches Frauen- und Mütterheim in München, Teutoburgerstraße 8, in: DPWV-Nachrichten (1953) Heft 11, S. 9.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Mütter müssen eine kleine monatliche Miete von 39 DM zahlen. Zusätzlich fallen die in München geltenden Gebühren für Kindergarten und Krippe an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im anderen Flügel des Gebäudes können bis zu 200 „obdachlose, hilfsbedürftige weibliche Personen“ unterkommen, „die bisher in Bunkern oder sonstigen Elendsquartieren“ gelebt haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einige der Frauen gehen zwar arbeiten, verdienen aber sehr wenig. Im Städtischen Frauen- und Mütterheim zahlen sie 50 Pfennig pro Nacht für ein Bett. 5 Pfennig kostet ein Kaffee, mittags bekommen sie für 20 Pfennig eine Suppe. Weil Hilfsstrukturen in der Stadt fehlen, haben viele der Frauen jahrelang unter schlechten Bedingungen leben müssen. „Es ist ein großes Anliegen der Heimleitung, den Frauen nicht nur ein menschenwürdiges Wohnen zu ermöglichen, sondern darüber hinaus ihrem Leben wieder einen Sinn zu geben“.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Teutoburger Innenraum.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Ein Einblick in einen Schlafraum für obdachlose Frauen im Städtischen Frauen- und Mütterheim in der Teutoburger Straße. Hier teilen sich mehrere Bewohnerinnen ein Zimmer. &amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; soll zu einem Hilfe- und Beratungszentrum für möglichst viele Frauen werden und die umliegende Nachbarschaft einbeziehen. Deswegen ist auch die [[Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert#Die Münchner Mütterschule|Münchner Mütterschule]] in dem Gebäude untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zurück zu alten Schwerpunkten: Paritätische Hilfe für Senior*innen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Jahre nach der Eröffnung des &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; 1953 beginnt der Verband mit den Planungen für seine erste vollkommen eigene Einrichtung. Ähnlich wie [[„Dem Alter zum Schutze, der Jugend zu Nutze“: Das erste Projekt des Paritätischen in Bayern|Ende der 1920er Jahre]] entsteht so im Raum München ein Altenheim mit besonderem Konzept: Das &#039;&#039;Altersheim für geistig Schaffende&#039;&#039; in Pullach im Isartal. Es öffnet 1958 und wird im bundesweiten Paritätischen Gesamtverband und in den Medien [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg#Entwicklung, auch über Bayern hinaus|in den Medien]] mit Interesse verfolgt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. auch DPWV-Nachrichen (1958) Heft 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den 1960er Jahren beginnt der Paritätische in Bayern außerdem damit, den Mahlzeitendienst &#039;&#039;Essen auf Rädern&#039;&#039; anzubieten, sowie mit der Einrichtung von Sozialstationen und anderen [[„Nachbarn helfen sich selbst“: Kreative Lösungen für neue Wohn- und Lebensverhältnisse#Sozialstationen und „Essen auf Rädern“|ambulanten Angeboten]], die es ermöglichen, hilfsbedürftige Menschen in ihrer gewohnten Umgebung zu versorgen. Viele der Angebote und Einrichtungen, die der Paritätische in Bayern selbst aufbaut, richten sich zu dieser Zeit vor allem an ältere Menschen. Sie werden eine wichtige Zielgruppe der sozialen Dienstleistungen des Verbands bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen&#039;&#039; in Nürnberg geht mit seinem innovativen Konzept neue Wege. Das Heim wurde vom Verein Frauenwohl mitbegründet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Untere Mitgliedseinrichtung. Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen in Nürnberg, in: DPWV-Nachrichten (1962) Heft 6, S. 70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Mitgliedsorganisation des Paritätischen in Bayern war an der [[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|Entstehung des Verbands]] in den 1920er Jahren beteiligt. Das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Wohnheim&#039;&#039; ist ein Beispiel für Mitgliedseinrichtungen des Paritätischen in Bayern, die später zu verbandseigenen Einrichtungen werden. Besonders ist hier, wie stark die Bewohner*innen der Einrichtung das Leben und den Alltag mitgestalten und sich persönlich einbringen können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu auch O. A.: 20 Jahre Albert-Schweitzer-Heim, in: DPWV-Nachrichten (1981) Heft 1-2, S. 18 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den 1970er Jahren wird der Verband das Heim übernehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Albert-Schweitzer-Heim in Nürnberg besteht 20 Jahre, in: parität aktuell (1980) Nr. 2, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zunehmend breit aufgestellt==&lt;br /&gt;
[[Datei:Mutter-Kind-Kur 1979.jpg|360px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Auch das sogenannte &#039;&#039;Haus am Kurpark&#039;&#039; gehört ab Ende der 1970er Jahre zu den eigenen Einrichtungen des Paritätischen in Bayern. Es gehört zu den Angeboten des Verbands, die sich explizit an Frauen richten.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Im Lauf der Jahre zeigt sich, dass das Konzept des &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; in München nicht aufgeht: Aus der gemeinsamen Unterbringung von Müttern mit kleinen Kindern und Frauen, die alleinstehend sind und bisher obdachlos waren, entstehen für die beiden Bewohner*innen-Gruppen nicht die erhofften Vorteile. Sie unterstützen sich nicht gegenseitig. Im September 1963 richtet die Stadt daher ein reines &#039;&#039;Heim für Mutter und Kind&#039;&#039; an einem anderen Standort ein. Die Verwaltung wird wieder dem Paritätischen in Bayern anvertraut.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Von unserem Landesverband Bayern geführt. Heim für Mutter und Kind in München, in: DPWV-Nachrichten (1964) Heft 4, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im sogenannten Haus an der Teutoburger Straße entsteht etwas Neues: 1970 eröffnet der Paritätische in Bayern im ehemaligen &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; eine eigene Einrichtung für „psychisch belastete Frauen“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: 38 Frauen finden den Weg zurück in die Berufswelt, in: parität aktuell (1974) Nr. 1, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bald wird das Angebot ausgeweitet und richtet sich an alle psychisch Erkrankten, die Unterstützung bei der Wiedereingliederung in Gesellschaft und Alltag benötigen. Das Haus an der Teutoburger Straße wird zum &#039;&#039;Sozialpsychiatrischen Zentrum&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. O. A.: Unsere Mitgliedseinrichtung. Sozialpsychiatrisches Zentrum München, in: DPWV-Nachrichten (1980) Heft 6, S. 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Psychiatrie werden zu dieser Zeit, wie in vielen gesellschaftlichen Bereichen, neue Wege beschritten. Lange hatten psychiatrische Einrichtungen in Deutschland in erster Linie die Aufgabe, ihre sogenannten Insassen zu verwahren. Jetzt wird verstärkt gefordert, Psychiatrie und Soziale Arbeit zusammenzudenken und neue Konzepte zur Unterstützung von Erkrankten zu entwickeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Brückner, Burkhart: Geschichte der psychiatrischen Sozialarbeit in Deutschland im 20. Jahrhundert – ein Überblick, in: Dörr, Margret (Hg.): Sozialpsychiatrie im Fokus Sozialer Arbeit, Hohengehren 2015, S. 21-30.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern kann mit seinem &#039;&#039;Sozialpsychiatrischen Zentrum&#039;&#039; für den gesamten Freistaat Maßstäbe setzen: 1975 organisiert der Verband einen „Tag der Sozialpsychiatrie“. Bei der Veranstaltung lobt der bayerische Sozialminister Fritz Pirkl das &#039;&#039;Sozialpsychiatrische Zentrum&#039;&#039; als „ein beispielhaftes Modell für das von der Bayerischen Staatsregierung [jetzt] angekündigte ‚Aktionsprogramm psychiatrischer Versorgung in Bayern‘“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Offen für Sozialpsychiatrie, in: DPWV-Nachrichten (1975) Heft 6, S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verband wird in den folgenden Jahren Träger weiterer eigener Einrichtungen. Viele von ihnen richten sich vor allem an [[Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern|Frauen]]. Zwischenzeitlich betreibt der Paritätische in Bayern außerdem eine Unterkunft für [[„Grüß Gott, liebe Freunde aus Vietnam“ – Eine neue Aufgabe für den Paritätischen in Bayern|Geflüchtete aus Vietnam]]. Wie viele eigene Einrichtungen des Verbands geht sie aus einer Kooperation zwischen der Stadt München und dem Paritätischen in Bayern hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Neue Impulse aus den Bezirksverbänden==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren weitet der Paritätische in Bayern seine eigenen Angebote in der Kinderbetreuung aus. Besonders in [[Die „kleine Frau mit dem gewaltig großen Herzen“: Betty Geiling|Unterfranken]] sind schon seit den 1970er Jahren vereinzelte eigene Angebote für Familien mit Kindern entstanden. Wieder gehen die neuen Angebote jetzt von den Bezirksverbänden aus. So entstehen besonders in [[Humorvoll und kreativ im Einsatz für Mittelfranken: Ekkehard Doll|Mittelfranken]] viele neue Kindergärten und -tagesstätten. Sie tragen Namen wie &#039;&#039;Die Kuschelecke&#039;&#039; oder &#039;&#039;Die Regenbogenkinder&#039;&#039;. Einige der Einrichtungen erfüllen auch den Zweck, Pflegepersonal zu entlasten: In Nürnberg und Erlangen betreibt der Paritätische eine Krippe und einen Kindergarten, die direkt an eine örtliche Klinik angegliedert sind und Kinder des dortigen Personals aufnehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern Bezirksverband Mittelfranken (Hg.): 25 Jahre Arbeit, S. 32-35.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Wiesenweg 1985.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Während der Paritätische in Bayern neue Einrichtungen eröffnet und übernimmt, entwickeln sich auch die bestehenden Angebote des Verbands weiter. Das ehemalige &#039;&#039;Altersheim für geistig Schaffende&#039;&#039; in Pullach kann 1985 sein 25-jähriges Bestehen feiern.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aus eigenen Einrichtungen werden Tochtergesellschaften==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren erlebt die freie Wohlfahrtspflege einen Umbruch. Der Fokus liegt zunehmend auf Fragen der Finanzierung – auch beim Paritätischen in Bayern. Einigen innerhalb der Verbandsstrukturen fällt es schwer, das zu akzeptieren. Auch manche Mitgliedsorganisationen müssen diese Erfahrung machen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Christa Weigl-Schneider am 22. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern beteiligt sich jetzt auch an riskanten Projekten. Dazu gehört vor allem die Finanzierung eines sozial-ökologischen Jugendgästehauses, das in München in einem baufälligen Hotelgebäude aufgebaut wird. „Die finanzielle Seite dieser Angelegenheit ist bedrohlich und [...] für den Paritätischen von existenzieller Bedeutung“, warnt im Dezember 1997 ein Mitglied des Verbandsbeirats.&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Akten-Notiz von Ewald Geiger, 17.12.1997, S. 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern hat sich auf die falschen Partner eingelassen und mehrere Millionen DM Schulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Schriftwechsel 1993-1997.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch andere Einrichtungen bereiten dem Verband finanzielle Schwierigkeiten. Strukturprobleme verschärfen die Lage zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern rettet sich durch eine [[Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern|Umstrukturierung]] aus dieser Situation. Die eigenen Einrichtungen des Verbands werden in diesem Zuge zu Tochtergesellschaften, um das wirtschaftliche Risiko für den Verband in Zukunft zu verringern. Die Geschäftsführungen der Tochtergesellschaften sind mit dem Verband in engem Austausch und ständiger Abstimmung und können von seiner Struktur profitieren: Personal, IT, Versicherungen, Fuhrpark – für vieles hält der Paritätische in Bayern zentrale Abteilungen und Lösungen bereit.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Michael Wächter am 28. September 2023.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus den vereinzelten eigenen Einrichtungen des Paritätischen in Bayern wird so ein umfassendes Netzwerk sozialer Unternehmen. Das Jugendgästehaus, das &#039;&#039;Sozialpsychiatrische Zentrum&#039;&#039;, das &#039;&#039;Haus für Mutter und Kind&#039;&#039; in der Münchner Bleyerstraße, das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Seniorenstift&#039;&#039; in Nürnberg und viele weitere Einrichtungen haben diese Entwicklung begleitet und geprägt – und so nicht zuletzt zur Finanzierung der Verbandsarbeit beigetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
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		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Datei:Wiesenweg_1985.jpg&amp;diff=1247</id>
		<title>Datei:Wiesenweg 1985.jpg</title>
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		<updated>2025-03-03T15:37:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: aus: parität aktuell (1985) Nr. 1, o. S.&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
aus: parität aktuell (1985) Nr. 1, o. S.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
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		<title>Der Paritätische in Bayern wird zum Anbieter sozialer Dienstleistungen</title>
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		<updated>2025-03-03T15:34:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* Zunehmend breit aufgestellt */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Der Paritätische in Bayern wurde in den 1920er Jahren als Dachverband konfessionell und politisch unabhängiger sozialer Organisationen gegründet. Ab den 1950er Jahren beginnt der Verband, sich weiterzuentwickeln: Er bietet zusätzlich immer mehr eigene soziale Dienstleistungen an.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;[Seite in Bearbeitung]&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Eine neue Form der Verantwortung: Das &#039;&#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; in München==&lt;br /&gt;
Nach der Wiedergründung des Paritätischen in Bayern verändert sich das Selbstverständnis des Verbands allmählich. Den ersten Schritt in diese Richtung geht der Paritätische in Bayern Anfang der 1950er Jahre: Er übernimmt die Verwaltung des neuen &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; in München. In dieser Einrichtung soll Frauen in verschiedenen Lebenslagen geholfen werden. Gerade unverheiratete Frauen mit Kindern sind in München während der Nachkriegszeit besonders stark von Armut und sozialem Abstieg bedroht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Angermair, Elisabeth: Die Illusion des Regenbogens. Perspektiven für Frauen in der Nachkriegsgesellschaft, München 2007, S. 22 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Teutoburger 1953.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Das Städtische Frauen- und Mütterheim in der Teutoburger Straße in München am 9. September 1953, dem Tag seiner feierlichen Eröffnung.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; gibt es Platz für 50 Mütter mit je einem Kind von bis zu sechs Jahren. Die Einrichtung ist besonders für Frauen gedacht, die gerade entbunden, aber keine Unterkunft für sich und ihr Kind haben. Im &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; gibt es für sie möblierte Wohnräume auf Zeit. „Jede Mutter hat für sich und ihr Kind einen in schönen lichten Farben gehaltenen Raum mit Couch, Tisch, Stuhl, Kommode und einem Kinderbett zur Verfügung. […] Da die meisten der Mütter berufstätig sein werden, ist eine Krippe wie auch ein Kindergarten vorhanden. Auch hier ist alles licht, sonnig und farbenfroh. Im anschließenden Gartengelände befinden sich Sandkiste, Planschbecken und Kletterbaum.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heim-Pohlmann, Anna: In der Verwaltung des DPWV. Städtisches Frauen- und Mütterheim in München, Teutoburgerstraße 8, in: DPWV-Nachrichten (1953) Heft 11, S. 9.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Mütter müssen eine kleine monatliche Miete von 39 DM zahlen. Zusätzlich fallen die in München geltenden Gebühren für Kindergarten und Krippe an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im anderen Flügel des Gebäudes können bis zu 200 „obdachlose, hilfsbedürftige weibliche Personen“ unterkommen, „die bisher in Bunkern oder sonstigen Elendsquartieren“ gelebt haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einige der Frauen gehen zwar arbeiten, verdienen aber sehr wenig. Im Städtischen Frauen- und Mütterheim zahlen sie 50 Pfennig pro Nacht für ein Bett. 5 Pfennig kostet ein Kaffee, mittags bekommen sie für 20 Pfennig eine Suppe. Weil Hilfsstrukturen in der Stadt fehlen, haben viele der Frauen jahrelang unter schlechten Bedingungen leben müssen. „Es ist ein großes Anliegen der Heimleitung, den Frauen nicht nur ein menschenwürdiges Wohnen zu ermöglichen, sondern darüber hinaus ihrem Leben wieder einen Sinn zu geben“.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Teutoburger Innenraum.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Ein Einblick in einen Schlafraum für obdachlose Frauen im Städtischen Frauen- und Mütterheim in der Teutoburger Straße. Hier teilen sich mehrere Bewohnerinnen ein Zimmer. &amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; soll zu einem Hilfe- und Beratungszentrum für möglichst viele Frauen werden und die umliegende Nachbarschaft einbeziehen. Deswegen ist auch die [[Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert#Die Münchner Mütterschule|Münchner Mütterschule]] in dem Gebäude untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zurück zu alten Schwerpunkten: Paritätische Hilfe für Senior*innen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Jahre nach der Eröffnung des &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; 1953 beginnt der Verband mit den Planungen für seine erste vollkommen eigene Einrichtung. Ähnlich wie [[„Dem Alter zum Schutze, der Jugend zu Nutze“: Das erste Projekt des Paritätischen in Bayern|Ende der 1920er Jahre]] entsteht so im Raum München ein Altenheim mit besonderem Konzept: Das &#039;&#039;Altersheim für geistig Schaffende&#039;&#039; in Pullach im Isartal. Es öffnet 1958 und wird im bundesweiten Paritätischen Gesamtverband und in den Medien [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg#Entwicklung, auch über Bayern hinaus|in den Medien]] mit Interesse verfolgt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. auch DPWV-Nachrichen (1958) Heft 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den 1960er Jahren beginnt der Paritätische in Bayern außerdem damit, den Mahlzeitendienst &#039;&#039;Essen auf Rädern&#039;&#039; anzubieten, sowie mit der Einrichtung von Sozialstationen und anderen [[„Nachbarn helfen sich selbst“: Kreative Lösungen für neue Wohn- und Lebensverhältnisse#Sozialstationen und „Essen auf Rädern“|ambulanten Angeboten]], die es ermöglichen, hilfsbedürftige Menschen in ihrer gewohnten Umgebung zu versorgen. Viele der Angebote und Einrichtungen, die der Paritätische in Bayern selbst aufbaut, richten sich zu dieser Zeit vor allem an ältere Menschen. Sie werden eine wichtige Zielgruppe der sozialen Dienstleistungen des Verbands bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen&#039;&#039; in Nürnberg geht mit seinem innovativen Konzept neue Wege. Das Heim wurde vom Verein Frauenwohl mitbegründet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Untere Mitgliedseinrichtung. Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen in Nürnberg, in: DPWV-Nachrichten (1962) Heft 6, S. 70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Mitgliedsorganisation des Paritätischen in Bayern war an der [[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|Entstehung des Verbands]] in den 1920er Jahren beteiligt. Das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Wohnheim&#039;&#039; ist ein Beispiel für Mitgliedseinrichtungen des Paritätischen in Bayern, die später zu verbandseigenen Einrichtungen werden. Besonders ist hier, wie stark die Bewohner*innen der Einrichtung das Leben und den Alltag mitgestalten und sich persönlich einbringen können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu auch O. A.: 20 Jahre Albert-Schweitzer-Heim, in: DPWV-Nachrichten (1981) Heft 1-2, S. 18 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den 1970er Jahren wird der Verband das Heim übernehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Albert-Schweitzer-Heim in Nürnberg besteht 20 Jahre, in: parität aktuell (1980) Nr. 2, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zunehmend breit aufgestellt==&lt;br /&gt;
[[Datei:Mutter-Kind-Kur 1979.jpg|330px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Auch das sogenannte &#039;&#039;Haus am Kurpark&#039;&#039; gehört ab Ende der 1970er Jahre zu den eigenen Einrichtungen des Paritätischen in Bayern. Es gehört zu den Angeboten des Verbands, die sich explizit an Frauen richten.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Im Lauf der Jahre zeigt sich, dass das Konzept des &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; in München nicht aufgeht: Aus der gemeinsamen Unterbringung von Müttern mit kleinen Kindern und Frauen, die alleinstehend sind und bisher obdachlos waren, entstehen für die beiden Bewohner*innen-Gruppen nicht die erhofften Vorteile. Sie unterstützen sich nicht gegenseitig. Im September 1963 richtet die Stadt daher ein reines &#039;&#039;Heim für Mutter und Kind&#039;&#039; an einem anderen Standort ein. Die Verwaltung wird wieder dem Paritätischen in Bayern anvertraut.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Von unserem Landesverband Bayern geführt. Heim für Mutter und Kind in München, in: DPWV-Nachrichten (1964) Heft 4, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im sogenannten Haus an der Teutoburger Straße entsteht etwas Neues: 1970 eröffnet der Paritätische in Bayern im ehemaligen &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; eine eigene Einrichtung für „psychisch belastete Frauen“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: 38 Frauen finden den Weg zurück in die Berufswelt, in: parität aktuell (1974) Nr. 1, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bald wird das Angebot ausgeweitet und richtet sich an alle psychisch Erkrankten, die Unterstützung bei der Wiedereingliederung in Gesellschaft und Alltag benötigen. Das Haus an der Teutoburger Straße wird zum &#039;&#039;Sozialpsychiatrischen Zentrum&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. O. A.: Unsere Mitgliedseinrichtung. Sozialpsychiatrisches Zentrum München, in: DPWV-Nachrichten (1980) Heft 6, S. 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Psychiatrie werden zu dieser Zeit, wie in vielen gesellschaftlichen Bereichen, neue Wege beschritten. Lange hatten psychiatrische Einrichtungen in Deutschland in erster Linie die Aufgabe, ihre sogenannten Insassen zu verwahren. Jetzt wird verstärkt gefordert, Psychiatrie und Soziale Arbeit zusammenzudenken und neue Konzepte zur Unterstützung von Erkrankten zu entwickeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Brückner, Burkhart: Geschichte der psychiatrischen Sozialarbeit in Deutschland im 20. Jahrhundert – ein Überblick, in: Dörr, Margret (Hg.): Sozialpsychiatrie im Fokus Sozialer Arbeit, Hohengehren 2015, S. 21-30.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern kann mit seinem &#039;&#039;Sozialpsychiatrischen Zentrum&#039;&#039; für den gesamten Freistaat Maßstäbe setzen: 1975 organisiert der Verband einen „Tag der Sozialpsychiatrie“. Bei der Veranstaltung lobt der bayerische Sozialminister Fritz Pirkl das &#039;&#039;Sozialpsychiatrische Zentrum&#039;&#039; als „ein beispielhaftes Modell für das von der Bayerischen Staatsregierung [jetzt] angekündigte ‚Aktionsprogramm psychiatrischer Versorgung in Bayern‘“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Offen für Sozialpsychiatrie, in: DPWV-Nachrichten (1975) Heft 6, S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verband wird in den folgenden Jahren Träger weiterer eigener Einrichtungen. Viele von ihnen richten sich vor allem an [[Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern|Frauen]]. Zwischenzeitlich betreibt der Paritätische in Bayern außerdem eine Unterkunft für [[„Grüß Gott, liebe Freunde aus Vietnam“ – Eine neue Aufgabe für den Paritätischen in Bayern|Geflüchtete aus Vietnam]]. Wie viele eigene Einrichtungen des Verbands geht sie aus einer Kooperation zwischen der Stadt München und dem Paritätischen in Bayern hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Neue Impulse aus den Bezirksverbänden==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren weitet der Paritätische in Bayern seine eigenen Angebote in der Kinderbetreuung aus. Besonders in [[Die „kleine Frau mit dem gewaltig großen Herzen“: Betty Geiling|Unterfranken]] sind schon seit den 1970er Jahren vereinzelte eigene Angebote für Familien mit Kindern entstanden. Wieder gehen die neuen Angebote jetzt von den Bezirksverbänden aus. So entstehen besonders in [[Humorvoll und kreativ im Einsatz für Mittelfranken: Ekkehard Doll|Mittelfranken]] viele neue Kindergärten und -tagesstätten. Sie tragen Namen wie &#039;&#039;Die Kuschelecke&#039;&#039; oder &#039;&#039;Die Regenbogenkinder&#039;&#039;. Einige der Einrichtungen erfüllen auch den Zweck, Pflegepersonal zu entlasten: In Nürnberg und Erlangen betreibt der Paritätische eine Krippe und einen Kindergarten, die direkt an eine örtliche Klinik angegliedert sind und Kinder des dortigen Personals aufnehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern Bezirksverband Mittelfranken (Hg.): 25 Jahre Arbeit, S. 32-35.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aus eigenen Einrichtungen werden Tochtergesellschaften==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren erlebt die freie Wohlfahrtspflege einen Umbruch. Der Fokus liegt zunehmend auf Fragen der Finanzierung – auch beim Paritätischen in Bayern. Einigen innerhalb der Verbandsstrukturen fällt es schwer, das zu akzeptieren. Auch manche Mitgliedsorganisationen müssen diese Erfahrung machen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Christa Weigl-Schneider am 22. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern beteiligt sich jetzt auch an riskanten Projekten. Dazu gehört vor allem die Finanzierung eines sozial-ökologischen Jugendgästehauses, das in München in einem baufälligen Hotelgebäude aufgebaut wird. „Die finanzielle Seite dieser Angelegenheit ist bedrohlich und [...] für den Paritätischen von existenzieller Bedeutung“, warnt im Dezember 1997 ein Mitglied des Verbandsbeirats.&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Akten-Notiz von Ewald Geiger, 17.12.1997, S. 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern hat sich auf die falschen Partner eingelassen und mehrere Millionen DM Schulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Schriftwechsel 1993-1997.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch andere Einrichtungen bereiten dem Verband finanzielle Schwierigkeiten. Strukturprobleme verschärfen die Lage zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern rettet sich durch eine [[Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern|Umstrukturierung]] aus dieser Situation. Die eigenen Einrichtungen des Verbands werden in diesem Zuge zu Tochtergesellschaften, um das wirtschaftliche Risiko für den Verband in Zukunft zu verringern. Die Geschäftsführungen der Tochtergesellschaften sind mit dem Verband in engem Austausch und ständiger Abstimmung und können von seiner Struktur profitieren: Personal, IT, Versicherungen, Fuhrpark – für vieles hält der Paritätische in Bayern zentrale Abteilungen und Lösungen bereit.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Michael Wächter am 28. September 2023.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus den vereinzelten eigenen Einrichtungen des Paritätischen in Bayern wird so ein umfassendes Netzwerk sozialer Unternehmen. Das Jugendgästehaus, das &#039;&#039;Sozialpsychiatrische Zentrum&#039;&#039;, das &#039;&#039;Haus für Mutter und Kind&#039;&#039; in der Münchner Bleyerstraße, das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Seniorenstift&#039;&#039; in Nürnberg und viele weitere Einrichtungen haben diese Entwicklung begleitet und geprägt – und so nicht zuletzt zur Finanzierung der Verbandsarbeit beigetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Der_Parit%C3%A4tische_in_Bayern_wird_zum_Anbieter_sozialer_Dienstleistungen&amp;diff=1245</id>
		<title>Der Paritätische in Bayern wird zum Anbieter sozialer Dienstleistungen</title>
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		<updated>2025-03-03T15:34:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Der Paritätische in Bayern wurde in den 1920er Jahren als Dachverband konfessionell und politisch unabhängiger sozialer Organisationen gegründet. Ab den 1950er Jahren beginnt der Verband, sich weiterzuentwickeln: Er bietet zusätzlich immer mehr eigene soziale Dienstleistungen an.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;[Seite in Bearbeitung]&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Eine neue Form der Verantwortung: Das &#039;&#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; in München==&lt;br /&gt;
Nach der Wiedergründung des Paritätischen in Bayern verändert sich das Selbstverständnis des Verbands allmählich. Den ersten Schritt in diese Richtung geht der Paritätische in Bayern Anfang der 1950er Jahre: Er übernimmt die Verwaltung des neuen &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; in München. In dieser Einrichtung soll Frauen in verschiedenen Lebenslagen geholfen werden. Gerade unverheiratete Frauen mit Kindern sind in München während der Nachkriegszeit besonders stark von Armut und sozialem Abstieg bedroht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Angermair, Elisabeth: Die Illusion des Regenbogens. Perspektiven für Frauen in der Nachkriegsgesellschaft, München 2007, S. 22 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Teutoburger 1953.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Das Städtische Frauen- und Mütterheim in der Teutoburger Straße in München am 9. September 1953, dem Tag seiner feierlichen Eröffnung.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; gibt es Platz für 50 Mütter mit je einem Kind von bis zu sechs Jahren. Die Einrichtung ist besonders für Frauen gedacht, die gerade entbunden, aber keine Unterkunft für sich und ihr Kind haben. Im &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; gibt es für sie möblierte Wohnräume auf Zeit. „Jede Mutter hat für sich und ihr Kind einen in schönen lichten Farben gehaltenen Raum mit Couch, Tisch, Stuhl, Kommode und einem Kinderbett zur Verfügung. […] Da die meisten der Mütter berufstätig sein werden, ist eine Krippe wie auch ein Kindergarten vorhanden. Auch hier ist alles licht, sonnig und farbenfroh. Im anschließenden Gartengelände befinden sich Sandkiste, Planschbecken und Kletterbaum.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heim-Pohlmann, Anna: In der Verwaltung des DPWV. Städtisches Frauen- und Mütterheim in München, Teutoburgerstraße 8, in: DPWV-Nachrichten (1953) Heft 11, S. 9.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Mütter müssen eine kleine monatliche Miete von 39 DM zahlen. Zusätzlich fallen die in München geltenden Gebühren für Kindergarten und Krippe an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im anderen Flügel des Gebäudes können bis zu 200 „obdachlose, hilfsbedürftige weibliche Personen“ unterkommen, „die bisher in Bunkern oder sonstigen Elendsquartieren“ gelebt haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einige der Frauen gehen zwar arbeiten, verdienen aber sehr wenig. Im Städtischen Frauen- und Mütterheim zahlen sie 50 Pfennig pro Nacht für ein Bett. 5 Pfennig kostet ein Kaffee, mittags bekommen sie für 20 Pfennig eine Suppe. Weil Hilfsstrukturen in der Stadt fehlen, haben viele der Frauen jahrelang unter schlechten Bedingungen leben müssen. „Es ist ein großes Anliegen der Heimleitung, den Frauen nicht nur ein menschenwürdiges Wohnen zu ermöglichen, sondern darüber hinaus ihrem Leben wieder einen Sinn zu geben“.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Teutoburger Innenraum.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Ein Einblick in einen Schlafraum für obdachlose Frauen im Städtischen Frauen- und Mütterheim in der Teutoburger Straße. Hier teilen sich mehrere Bewohnerinnen ein Zimmer. &amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; soll zu einem Hilfe- und Beratungszentrum für möglichst viele Frauen werden und die umliegende Nachbarschaft einbeziehen. Deswegen ist auch die [[Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert#Die Münchner Mütterschule|Münchner Mütterschule]] in dem Gebäude untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zurück zu alten Schwerpunkten: Paritätische Hilfe für Senior*innen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Jahre nach der Eröffnung des &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; 1953 beginnt der Verband mit den Planungen für seine erste vollkommen eigene Einrichtung. Ähnlich wie [[„Dem Alter zum Schutze, der Jugend zu Nutze“: Das erste Projekt des Paritätischen in Bayern|Ende der 1920er Jahre]] entsteht so im Raum München ein Altenheim mit besonderem Konzept: Das &#039;&#039;Altersheim für geistig Schaffende&#039;&#039; in Pullach im Isartal. Es öffnet 1958 und wird im bundesweiten Paritätischen Gesamtverband und in den Medien [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg#Entwicklung, auch über Bayern hinaus|in den Medien]] mit Interesse verfolgt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. auch DPWV-Nachrichen (1958) Heft 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den 1960er Jahren beginnt der Paritätische in Bayern außerdem damit, den Mahlzeitendienst &#039;&#039;Essen auf Rädern&#039;&#039; anzubieten, sowie mit der Einrichtung von Sozialstationen und anderen [[„Nachbarn helfen sich selbst“: Kreative Lösungen für neue Wohn- und Lebensverhältnisse#Sozialstationen und „Essen auf Rädern“|ambulanten Angeboten]], die es ermöglichen, hilfsbedürftige Menschen in ihrer gewohnten Umgebung zu versorgen. Viele der Angebote und Einrichtungen, die der Paritätische in Bayern selbst aufbaut, richten sich zu dieser Zeit vor allem an ältere Menschen. Sie werden eine wichtige Zielgruppe der sozialen Dienstleistungen des Verbands bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen&#039;&#039; in Nürnberg geht mit seinem innovativen Konzept neue Wege. Das Heim wurde vom Verein Frauenwohl mitbegründet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Untere Mitgliedseinrichtung. Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen in Nürnberg, in: DPWV-Nachrichten (1962) Heft 6, S. 70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Mitgliedsorganisation des Paritätischen in Bayern war an der [[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|Entstehung des Verbands]] in den 1920er Jahren beteiligt. Das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Wohnheim&#039;&#039; ist ein Beispiel für Mitgliedseinrichtungen des Paritätischen in Bayern, die später zu verbandseigenen Einrichtungen werden. Besonders ist hier, wie stark die Bewohner*innen der Einrichtung das Leben und den Alltag mitgestalten und sich persönlich einbringen können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu auch O. A.: 20 Jahre Albert-Schweitzer-Heim, in: DPWV-Nachrichten (1981) Heft 1-2, S. 18 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den 1970er Jahren wird der Verband das Heim übernehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Albert-Schweitzer-Heim in Nürnberg besteht 20 Jahre, in: parität aktuell (1980) Nr. 2, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zunehmend breit aufgestellt==&lt;br /&gt;
[[Datei:Mutter-Kind-Kur 1979.jpg|320px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Auch das sogenannte &#039;&#039;Haus am Kurpark&#039;&#039; gehört ab Ende der 1970er Jahre zu den eigenen Einrichtungen des Paritätischen in Bayern. Es gehört zu den Angeboten des Verbands, die sich explizit an Frauen richten.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Im Lauf der Jahre zeigt sich, dass das Konzept des &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; in München nicht aufgeht: Aus der gemeinsamen Unterbringung von Müttern mit kleinen Kindern und Frauen, die alleinstehend sind und bisher obdachlos waren, entstehen für die beiden Bewohner*innen-Gruppen nicht die erhofften Vorteile. Sie unterstützen sich nicht gegenseitig. Im September 1963 richtet die Stadt daher ein reines &#039;&#039;Heim für Mutter und Kind&#039;&#039; an einem anderen Standort ein. Die Verwaltung wird wieder dem Paritätischen in Bayern anvertraut.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Von unserem Landesverband Bayern geführt. Heim für Mutter und Kind in München, in: DPWV-Nachrichten (1964) Heft 4, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im sogenannten Haus an der Teutoburger Straße entsteht etwas Neues: 1970 eröffnet der Paritätische in Bayern im ehemaligen &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; eine eigene Einrichtung für „psychisch belastete Frauen“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: 38 Frauen finden den Weg zurück in die Berufswelt, in: parität aktuell (1974) Nr. 1, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bald wird das Angebot ausgeweitet und richtet sich an alle psychisch Erkrankten, die Unterstützung bei der Wiedereingliederung in Gesellschaft und Alltag benötigen. Das Haus an der Teutoburger Straße wird zum &#039;&#039;Sozialpsychiatrischen Zentrum&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. O. A.: Unsere Mitgliedseinrichtung. Sozialpsychiatrisches Zentrum München, in: DPWV-Nachrichten (1980) Heft 6, S. 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Psychiatrie werden zu dieser Zeit, wie in vielen gesellschaftlichen Bereichen, neue Wege beschritten. Lange hatten psychiatrische Einrichtungen in Deutschland in erster Linie die Aufgabe, ihre sogenannten Insassen zu verwahren. Jetzt wird verstärkt gefordert, Psychiatrie und Soziale Arbeit zusammenzudenken und neue Konzepte zur Unterstützung von Erkrankten zu entwickeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Brückner, Burkhart: Geschichte der psychiatrischen Sozialarbeit in Deutschland im 20. Jahrhundert – ein Überblick, in: Dörr, Margret (Hg.): Sozialpsychiatrie im Fokus Sozialer Arbeit, Hohengehren 2015, S. 21-30.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern kann mit seinem &#039;&#039;Sozialpsychiatrischen Zentrum&#039;&#039; für den gesamten Freistaat Maßstäbe setzen: 1975 organisiert der Verband einen „Tag der Sozialpsychiatrie“. Bei der Veranstaltung lobt der bayerische Sozialminister Fritz Pirkl das &#039;&#039;Sozialpsychiatrische Zentrum&#039;&#039; als „ein beispielhaftes Modell für das von der Bayerischen Staatsregierung [jetzt] angekündigte ‚Aktionsprogramm psychiatrischer Versorgung in Bayern‘“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Offen für Sozialpsychiatrie, in: DPWV-Nachrichten (1975) Heft 6, S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verband wird in den folgenden Jahren Träger weiterer eigener Einrichtungen. Viele von ihnen richten sich vor allem an [[Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern|Frauen]]. Zwischenzeitlich betreibt der Paritätische in Bayern außerdem eine Unterkunft für [[„Grüß Gott, liebe Freunde aus Vietnam“ – Eine neue Aufgabe für den Paritätischen in Bayern|Geflüchtete aus Vietnam]]. Wie viele eigene Einrichtungen des Verbands geht sie aus einer Kooperation zwischen der Stadt München und dem Paritätischen in Bayern hervor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Neue Impulse aus den Bezirksverbänden==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren weitet der Paritätische in Bayern seine eigenen Angebote in der Kinderbetreuung aus. Besonders in [[Die „kleine Frau mit dem gewaltig großen Herzen“: Betty Geiling|Unterfranken]] sind schon seit den 1970er Jahren vereinzelte eigene Angebote für Familien mit Kindern entstanden. Wieder gehen die neuen Angebote jetzt von den Bezirksverbänden aus. So entstehen besonders in [[Humorvoll und kreativ im Einsatz für Mittelfranken: Ekkehard Doll|Mittelfranken]] viele neue Kindergärten und -tagesstätten. Sie tragen Namen wie &#039;&#039;Die Kuschelecke&#039;&#039; oder &#039;&#039;Die Regenbogenkinder&#039;&#039;. Einige der Einrichtungen erfüllen auch den Zweck, Pflegepersonal zu entlasten: In Nürnberg und Erlangen betreibt der Paritätische eine Krippe und einen Kindergarten, die direkt an eine örtliche Klinik angegliedert sind und Kinder des dortigen Personals aufnehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern Bezirksverband Mittelfranken (Hg.): 25 Jahre Arbeit, S. 32-35.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aus eigenen Einrichtungen werden Tochtergesellschaften==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren erlebt die freie Wohlfahrtspflege einen Umbruch. Der Fokus liegt zunehmend auf Fragen der Finanzierung – auch beim Paritätischen in Bayern. Einigen innerhalb der Verbandsstrukturen fällt es schwer, das zu akzeptieren. Auch manche Mitgliedsorganisationen müssen diese Erfahrung machen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Christa Weigl-Schneider am 22. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern beteiligt sich jetzt auch an riskanten Projekten. Dazu gehört vor allem die Finanzierung eines sozial-ökologischen Jugendgästehauses, das in München in einem baufälligen Hotelgebäude aufgebaut wird. „Die finanzielle Seite dieser Angelegenheit ist bedrohlich und [...] für den Paritätischen von existenzieller Bedeutung“, warnt im Dezember 1997 ein Mitglied des Verbandsbeirats.&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Akten-Notiz von Ewald Geiger, 17.12.1997, S. 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern hat sich auf die falschen Partner eingelassen und mehrere Millionen DM Schulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Schriftwechsel 1993-1997.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch andere Einrichtungen bereiten dem Verband finanzielle Schwierigkeiten. Strukturprobleme verschärfen die Lage zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern rettet sich durch eine [[Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern|Umstrukturierung]] aus dieser Situation. Die eigenen Einrichtungen des Verbands werden in diesem Zuge zu Tochtergesellschaften, um das wirtschaftliche Risiko für den Verband in Zukunft zu verringern. Die Geschäftsführungen der Tochtergesellschaften sind mit dem Verband in engem Austausch und ständiger Abstimmung und können von seiner Struktur profitieren: Personal, IT, Versicherungen, Fuhrpark – für vieles hält der Paritätische in Bayern zentrale Abteilungen und Lösungen bereit.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Michael Wächter am 28. September 2023.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus den vereinzelten eigenen Einrichtungen des Paritätischen in Bayern wird so ein umfassendes Netzwerk sozialer Unternehmen. Das Jugendgästehaus, das &#039;&#039;Sozialpsychiatrische Zentrum&#039;&#039;, das &#039;&#039;Haus für Mutter und Kind&#039;&#039; in der Münchner Bleyerstraße, das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Seniorenstift&#039;&#039; in Nürnberg und viele weitere Einrichtungen haben diese Entwicklung begleitet und geprägt – und so nicht zuletzt zur Finanzierung der Verbandsarbeit beigetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: aus: parität aktuell (1979) Nr. 1, o. S.&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
aus: parität aktuell (1979) Nr. 1, o. S.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
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		<updated>2025-03-03T15:28:38Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: Stadtarchiv München, DE-1992-FS-STB-5946, städtisches Frauen- und Mütterheim in der Teutoburgerstraße 8, Innenansicht eines Schlafraumes, aufgenommen von Johann Meyer, 9.9.1953.&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Stadtarchiv München, DE-1992-FS-STB-5946, städtisches Frauen- und Mütterheim in der Teutoburgerstraße 8, Innenansicht eines Schlafraumes, aufgenommen von Johann Meyer, 9.9.1953.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* Beschreibung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Stadtarchiv München, DE-1992-FS-STB-5947, städtisches Frauen- und Mütterheim in der Teutoburgerstraße 8, Außenansicht, aufgenommen von Johann Meyer, 9.9.1953.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
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		<updated>2025-03-03T15:24:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: Stadtarchiv München, DE-1992-FS-STB-5947, städtisches Frauen- und Mütterheim in der Teutoburgerstraße 8, aufgenommen von Johann Meyer, 9.9.1953.&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Stadtarchiv München, DE-1992-FS-STB-5947, städtisches Frauen- und Mütterheim in der Teutoburgerstraße 8, aufgenommen von Johann Meyer, 9.9.1953.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
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		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Der_Parit%C3%A4tische_in_Bayern_wird_zum_Anbieter_sozialer_Dienstleistungen&amp;diff=1240</id>
		<title>Der Paritätische in Bayern wird zum Anbieter sozialer Dienstleistungen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Der_Parit%C3%A4tische_in_Bayern_wird_zum_Anbieter_sozialer_Dienstleistungen&amp;diff=1240"/>
		<updated>2025-03-03T15:17:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: Die Seite wurde neu angelegt: „&amp;#039;&amp;#039;Der Paritätische in Bayern wurde in den 1920er Jahren als Dachverband konfessionell und politisch unabhängiger sozialer Organisationen gegründet. Ab den 1950er Jahren beginnt der Verband, sich weiterzuentwickeln: Er bietet zusätzlich immer mehr eigene soziale Dienstleistungen an.&amp;#039;&amp;#039;  &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;[Seite in Bearbeitung]&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;  ==Eine neue Form der Verantwortung: Das &amp;#039;&amp;#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&amp;#039;&amp;#039; in München== Nach der Wiedergründung des Paritätischen i…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Der Paritätische in Bayern wurde in den 1920er Jahren als Dachverband konfessionell und politisch unabhängiger sozialer Organisationen gegründet. Ab den 1950er Jahren beginnt der Verband, sich weiterzuentwickeln: Er bietet zusätzlich immer mehr eigene soziale Dienstleistungen an.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;[Seite in Bearbeitung]&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Eine neue Form der Verantwortung: Das &#039;&#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; in München==&lt;br /&gt;
Nach der Wiedergründung des Paritätischen in Bayern verändert sich das Selbstverständnis des Verbands allmählich. Den ersten Schritt in diese Richtung geht der Paritätische in Bayern Anfang der 1950er Jahre: Er übernimmt die Verwaltung des neuen &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; in München. In dieser Einrichtung soll Frauen in verschiedenen Lebenslagen geholfen werden. Gerade unverheiratete Frauen mit Kindern sind in München während der Nachkriegszeit besonders stark von Armut und sozialem Abstieg bedroht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Angermair, Elisabeth: Die Illusion des Regenbogens. Perspektiven für Frauen in der Nachkriegsgesellschaft, München 2007, S. 22 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; gibt es Platz für 50 Mütter mit je einem Kind von bis zu sechs Jahren. Die Einrichtung ist besonders für Frauen gedacht, die gerade entbunden, aber keine Unterkunft für sich und ihr Kind haben. Im &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; gibt es für sie möblierte Wohnräume auf Zeit. „Jede Mutter hat für sich und ihr Kind einen in schönen lichten Farben gehaltenen Raum mit Couch, Tisch, Stuhl, Kommode und einem Kinderbett zur Verfügung. […] Da die meisten der Mütter berufstätig sein werden, ist eine Krippe wie auch ein Kindergarten vorhanden. Auch hier ist alles licht, sonnig und farbenfroh. Im anschließenden Gartengelände befinden sich Sandkiste, Planschbecken und Kletterbaum.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heim-Pohlmann, Anna: In der Verwaltung des DPWV. Städtisches Frauen- und Mütterheim in München, Teutoburgerstraße 8, in: DPWV-Nachrichten (1953) Heft 11, S. 9.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Mütter müssen eine kleine monatliche Miete von 39 DM zahlen. Zusätzlich fallen die in München geltenden Gebühren für Kindergarten und Krippe an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im anderen Flügel des Gebäudes können bis zu 200 „obdachlose, hilfsbedürftige weibliche Personen“ unterkommen, „die bisher in Bunkern oder sonstigen Elendsquartieren“ gelebt haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einige der Frauen gehen zwar arbeiten, verdienen aber sehr wenig. Im Städtischen Frauen- und Mütterheim zahlen sie 50 Pfennig pro Nacht für ein Bett. 5 Pfennig kostet ein Kaffee, mittags bekommen sie für 20 Pfennig eine Suppe. Weil Hilfsstrukturen in der Stadt fehlen, haben viele der Frauen jahrelang unter schlechten Bedingungen leben müssen. „Es ist ein großes Anliegen der Heimleitung, den Frauen nicht nur ein menschenwürdiges Wohnen zu ermöglichen, sondern darüber hinaus ihrem Leben wieder einen Sinn zu geben“.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;Städtische Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; soll zu einem Hilfe- und Beratungszentrum für möglichst viele Frauen werden und die umliegende Nachbarschaft einbeziehen. Deswegen ist auch die [[Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert#Die Münchner Mütterschule|Münchner Mütterschule]] in dem Gebäude untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zurück zu alten Schwerpunkten: Paritätische Hilfe für Senior*innen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Jahre nach der Eröffnung des &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; 1953 beginnt der Verband mit den Planungen für seine erste vollkommen eigene Einrichtung. Ähnlich wie [[„Dem Alter zum Schutze, der Jugend zu Nutze“: Das erste Projekt des Paritätischen in Bayern|Ende der 1920er Jahre]] entsteht so im Raum München ein Altenheim mit besonderem Konzept: Das &#039;&#039;Altersheim für geistig Schaffende&#039;&#039; in Pullach im Isartal. Es öffnet 1958 und wird im bundesweiten Paritätischen Gesamtverband und in den Medien [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg#Entwicklung, auch über Bayern hinaus|in den Medien]] mit Interesse verfolgt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. auch DPWV-Nachrichen (1958) Heft 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den 1960er Jahren beginnt der Paritätische in Bayern außerdem damit, den Mahlzeitendienst &#039;&#039;Essen auf Rädern&#039;&#039; anzubieten, sowie mit der Einrichtung von Sozialstationen und anderen [[„Nachbarn helfen sich selbst“: Kreative Lösungen für neue Wohn- und Lebensverhältnisse#Sozialstationen und „Essen auf Rädern“|ambulanten Angeboten]], die es ermöglichen, hilfsbedürftige Menschen in ihrer gewohnten Umgebung zu versorgen. Viele der Angebote und Einrichtungen, die der Paritätische in Bayern selbst aufbaut, richten sich zu dieser Zeit vor allem an ältere Menschen. Sie werden eine wichtige Zielgruppe der sozialen Dienstleistungen des Verbands bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen&#039;&#039; in Nürnberg geht mit seinem innovativen Konzept neue Wege. Das Heim wurde vom Verein Frauenwohl mitbegründet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Untere Mitgliedseinrichtung. Albert-Schweitzer-Wohnheim für alte Menschen in Nürnberg, in: DPWV-Nachrichten (1962) Heft 6, S. 70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Mitgliedsorganisation des Paritätischen in Bayern war an der [[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|Entstehung des Verbands]] in den 1920er Jahren beteiligt. Das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Wohnheim&#039;&#039; ist ein Beispiel für Mitgliedseinrichtungen des Paritätischen in Bayern, die später zu verbandseigenen Einrichtungen werden. Besonders ist hier, wie stark die Bewohner*innen der Einrichtung das Leben und den Alltag mitgestalten und sich persönlich einbringen können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu auch O. A.: 20 Jahre Albert-Schweitzer-Heim, in: DPWV-Nachrichten (1981) Heft 1-2, S. 18 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den 1970er Jahren wird der Verband das Heim übernehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Albert-Schweitzer-Heim in Nürnberg besteht 20 Jahre, in: parität aktuell (1980) Nr. 2, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zunehmend breit aufgestellt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lauf der Jahre zeigt sich, dass das Konzept des &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheims&#039;&#039; in München nicht aufgeht: Aus der gemeinsamen Unterbringung von Müttern mit kleinen Kindern und Frauen, die alleinstehend sind und bisher obdachlos waren, entstehen für die beiden Bewohner*innen-Gruppen nicht die erhofften Vorteile. Sie unterstützen sich nicht gegenseitig. Im September 1963 richtet die Stadt daher ein reines &#039;&#039;Heim für Mutter und Kind&#039;&#039; an einem anderen Standort ein. Die Verwaltung wird wieder dem Paritätischen in Bayern anvertraut.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Von unserem Landesverband Bayern geführt. Heim für Mutter und Kind in München, in: DPWV-Nachrichten (1964) Heft 4, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im sogenannten Haus an der Teutoburger Straße entsteht etwas Neues: 1970 eröffnet der Paritätische in Bayern im ehemaligen &#039;&#039;Städtischen Frauen- und Mütterheim&#039;&#039; eine eigene Einrichtung für „psychisch belastete Frauen“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: 38 Frauen finden den Weg zurück in die Berufswelt, in: parität aktuell (1974) Nr. 1, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bald wird das Angebot ausgeweitet und richtet sich an alle psychisch Erkrankten, die Unterstützung bei der Wiedereingliederung in Gesellschaft und Alltag benötigen. Das Haus an der Teutoburger Straße wird zum &#039;&#039;Sozialpsychiatrischen Zentrum&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. O. A.: Unsere Mitgliedseinrichtung. Sozialpsychiatrisches Zentrum München, in: DPWV-Nachrichten (1980) Heft 6, S. 87.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Psychiatrie werden zu dieser Zeit, wie in vielen gesellschaftlichen Bereichen, neue Wege beschritten. Lange hatten psychiatrische Einrichtungen in Deutschland in erster Linie die Aufgabe, ihre sogenannten Insassen zu verwahren. Jetzt wird verstärkt gefordert, Psychiatrie und Soziale Arbeit zusammenzudenken und neue Konzepte zur Unterstützung von Erkrankten zu entwickeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Brückner, Burkhart: Geschichte der psychiatrischen Sozialarbeit in Deutschland im 20. Jahrhundert – ein Überblick, in: Dörr, Margret (Hg.): Sozialpsychiatrie im Fokus Sozialer Arbeit, Hohengehren 2015, S. 21-30.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern kann mit seinem &#039;&#039;Sozialpsychiatrischen Zentrum&#039;&#039; für den gesamten Freistaat Maßstäbe setzen: 1975 organisiert der Verband einen „Tag der Sozialpsychiatrie“. Bei der Veranstaltung lobt der bayerische Sozialminister Fritz Pirkl das &#039;&#039;Sozialpsychiatrische Zentrum&#039;&#039; als „ein beispielhaftes Modell für das von der Bayerischen Staatsregierung [jetzt] angekündigte ‚Aktionsprogramm psychiatrischer Versorgung in Bayern‘“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Offen für Sozialpsychiatrie, in: DPWV-Nachrichten (1975) Heft 6, S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verband wird in den folgenden Jahren Träger weiterer eigener Einrichtungen. Viele von ihnen richten sich vor allem an [[Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern|Frauen]]. Zwischenzeitlich betreibt der Paritätische in Bayern außerdem eine Unterkunft für [[„Grüß Gott, liebe Freunde aus Vietnam“ – Eine neue Aufgabe für den Paritätischen in Bayern|Geflüchtete aus Vietnam]]. Wie viele eigene Einrichtungen des Verbands geht sie aus einer Kooperation zwischen der Stadt München und dem Paritätischen in Bayern hervor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Neue Impulse aus den Bezirksverbänden==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren weitet der Paritätische in Bayern seine eigenen Angebote in der Kinderbetreuung aus. Besonders in [[Die „kleine Frau mit dem gewaltig großen Herzen“: Betty Geiling|Unterfranken]] sind schon seit den 1970er Jahren vereinzelte eigene Angebote für Familien mit Kindern entstanden. Wieder gehen die neuen Angebote jetzt von den Bezirksverbänden aus. So entstehen besonders in [[Humorvoll und kreativ im Einsatz für Mittelfranken: Ekkehard Doll|Mittelfranken]] viele neue Kindergärten und -tagesstätten. Sie tragen Namen wie &#039;&#039;Die Kuschelecke&#039;&#039; oder &#039;&#039;Die Regenbogenkinder&#039;&#039;. Einige der Einrichtungen erfüllen auch den Zweck, Pflegepersonal zu entlasten: In Nürnberg und Erlangen betreibt der Paritätische eine Krippe und einen Kindergarten, die direkt an eine örtliche Klinik angegliedert sind und Kinder des dortigen Personals aufnehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern Bezirksverband Mittelfranken (Hg.): 25 Jahre Arbeit, S. 32-35.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aus eigenen Einrichtungen werden Tochtergesellschaften==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren erlebt die freie Wohlfahrtspflege einen Umbruch. Der Fokus liegt zunehmend auf Fragen der Finanzierung – auch beim Paritätischen in Bayern. Einigen innerhalb der Verbandsstrukturen fällt es schwer, das zu akzeptieren. Auch manche Mitgliedsorganisationen müssen diese Erfahrung machen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Christa Weigl-Schneider am 22. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern beteiligt sich jetzt auch an riskanten Projekten. Dazu gehört vor allem die Finanzierung eines sozial-ökologischen Jugendgästehauses, das in München in einem baufälligen Hotelgebäude aufgebaut wird. „Die finanzielle Seite dieser Angelegenheit ist bedrohlich und [...] für den Paritätischen von existenzieller Bedeutung“, warnt im Dezember 1997 ein Mitglied des Verbandsbeirats.&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Akten-Notiz von Ewald Geiger, 17.12.1997, S. 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern hat sich auf die falschen Partner eingelassen und mehrere Millionen DM Schulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Archiv Gemeinnützige Paritätische Jugendgästehaus GmbH München, Schriftwechsel 1993-1997.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch andere Einrichtungen bereiten dem Verband finanzielle Schwierigkeiten. Strukturprobleme verschärfen die Lage zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern rettet sich durch eine [[Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern|Umstrukturierung]] aus dieser Situation. Die eigenen Einrichtungen des Verbands werden in diesem Zuge zu Tochtergesellschaften, um das wirtschaftliche Risiko für den Verband in Zukunft zu verringern. Die Geschäftsführungen der Tochtergesellschaften sind mit dem Verband in engem Austausch und ständiger Abstimmung und können von seiner Struktur profitieren: Personal, IT, Versicherungen, Fuhrpark – für vieles hält der Paritätische in Bayern zentrale Abteilungen und Lösungen bereit.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Michael Wächter am 28. September 2023.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus den vereinzelten eigenen Einrichtungen des Paritätischen in Bayern wird so ein umfassendes Netzwerk sozialer Unternehmen. Das Jugendgästehaus, das &#039;&#039;Sozialpsychiatrische Zentrum&#039;&#039;, das &#039;&#039;Haus für Mutter und Kind&#039;&#039; in der Münchner Bleyerstraße, das &#039;&#039;Albert-Schweitzer-Seniorenstift&#039;&#039; in Nürnberg und viele weitere Einrichtungen haben diese Entwicklung begleitet und geprägt – und so nicht zuletzt zur Finanzierung der Verbandsarbeit beigetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Hauptseite&amp;diff=1239</id>
		<title>Hauptseite</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Hauptseite&amp;diff=1239"/>
		<updated>2025-03-03T11:27:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* Die Themenseiten im Überblick */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Herzlich Willkommen im Geschichts-Wiki des Paritätischen in Bayern!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über ein Jahr lang hat der Paritätische in Bayern seine 100-jährige Geschichte von externen Historiker*innen der Agentur &#039;&#039;Neumann &amp;amp; Kamp Historische Projekte&#039;&#039; erforschen lassen. Sie haben Archive aufgesucht, historische Dokumente und Fachliteratur gesichtet und mit vielen Zeitzeug*innen gesprochen. Dieses Wiki ist das Ergebnis des Projekts. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dieser Seite finden Sie eine chronologische Zusammenfassung der 100-jährigen Geschichte des Verbands. Die blau hervorgehobenen Links im Text führen zu thematischen Schwerpunktseiten. Hier können Sie mehr über verschiedene Aspekte der Verbandsgeschichte erfahren: Wie sind bestimmte Schwerpunkte der Verbandsarbeit entstanden? Was musste passieren, damit sich der Verband zu dem entwickeln konnte, was er heute ist? Die Schwerpunktseiten geben jeweils Einblick in einen prägenden Abschnitt in der Geschichte des Paritätischen in Bayern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterhalb der chronologischen Darstellung finden Sie eine Personengalerie, die unterschiedliche Menschen aus der 100-jährigen Geschichte des Verbands vorstellt. Die Porträts zeigen, wie vielfältig die Wege sind, die zum Paritätischen in Bayern führen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Seiten des Wikis sind an passenden Stellen miteinander verlinkt. Folgen Sie Ihrer Neugier und stöbern Sie durch die Verbandsgeschichte! Der Paritätische in Bayern wünscht Ihnen eine interessante Lektüre. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Meilensteine der Geschichte des Paritätischen in Bayern==&lt;br /&gt;
===Vor der Verbandsgründung: Frauen engagieren sich gegen die herrschende Not===&lt;br /&gt;
[[Datei:Wohlfahrtskarte 1920er.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Der Münchner &#039;&#039;Verein für öffentliche Speisehallen&#039;&#039; ist eine der ersten Mitgliedsorganisationen des Paritätischen in Bayern. Er bietet in der Weimarer Republik warme Mahlzeiten für Bedürftige an.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Keimzelle des Paritätischen in Bayern ist die [[Ein Netzwerk engagierter Frauen: Der Verein für Fraueninteressen und das Umfeld des Paritätischen in Bayern|bürgerliche Frauenbewegung]]. Wohlhabende Frauen schließen sich zur Zeit des deutschen Kaiserreichs zusammen, um Bildungsmöglichkeiten für Mädchen und Frauen zu schaffen. In diesem Kontext entsteht in München der &#039;&#039;Verein für Fraueninteressen&#039;&#039;. Er setzt sich dafür ein, dass Mädchen und Frauen zukünftig die gleichen Bildungschancen erhalten wie Jungen und Männer. Durch Vorträge, Bildungsangebote und soziale Projekte unterstützt der Verein Frauen dabei, unabhängig zu werden und sich gesellschaftlich zu engagieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine dieser Frauen ist Luise Kiesselbach. Nach dem frühen Tod ihres Mannes findet [[Der „Mittelpunkt der paritätischen Wohlfahrtspflege in München und in Bayern“: Luise Kiesselbach|Luise Kiesselbach]] in sozialer Arbeit eine neue Lebensaufgabe. 1912 wird sie Vorsitzende des &#039;&#039;Vereins für Fraueninteressen&#039;&#039; in München. Sie setzt sich unermüdlich für soziale Initiativen ein. Das ist bald wichtiger denn je, denn der Erste Weltkrieg und die Wirtschaftskrisen der 1920er Jahre bringen viele Menschen in eine prekäre Lebenssituation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn der 1920er Jahre ist die Fürsorge durch verschiedene Gesetze, die in den vorangegangenen Jahren überstürzt erlassen wurden, unübersichtlich organisiert. Doch viele Menschen brauchen Hilfe. Bald kommt es daher zu einer Reorganisation des Fürsorgewesens. Ein wesentlicher Baustein der Reformen ist die Reichsverordnung über die Fürsorgepflicht, die am 13. Februar 1924 beschlossen wird. Dieses und andere neue Gesetze stärken die freie Wohlfahrtspflege. Ihre Spitzenverbände bekommen jetzt finanzielle Zuschüsse, die sie an ihre Mitgliedsorganisationen verteilen können. Problem hierbei: Wer keinem Dachverband angehört, geht leer aus. Davon sind vor allem die politisch und kirchlich unabhängigen Einrichtungen und Vereine bedroht. Luise Kiesselbach hat das Problem frühzeitig erkannt: Schon 1922 hat sie eine „Arbeitsgemeinschaft paritätischer Wohlfahrtsanstalten, Einrichtungen und Vereine“ im Stadtbund Münchner Frauenvereine gegründet, um die unabhängige Wohlfahrtspflege in München zu stärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===1924: Der Paritätische in Bayern entsteht===&lt;br /&gt;
[[Datei:Vortrag Altenhilfe.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;„Altersnot und Altersfürsorge“ wird zum ersten Schwerpunktthema der Verbandsarbeit. Luise Kiesselbach setzt sich auch dafür ein, dass es reichsweit Aufmerksamkeit bekommt.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Vom 11. bis 14. Juni 1924 veranstaltet der Hauptverband Bayerischer Frauenvereine seinen 10. Bayerischen Frauentag in München. Vorsitzende des Hauptverbands ist zu dieser Zeit Luise Kiesselbach. Bei der Tagung wird beschlossen, einen [[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|„Paritätischen Wohlfahrtsverband Bayern“]] zu gründen. Er steht nicht nur Frauenvereinen offen. Alle paritätisch arbeitenden Organisationen und Einrichtungen sind dazu eingeladen, Teil des neuen Verbands zu werden. Dafür wirbt Luise Kiesselbach in den folgenden Monaten. Sie wird in dieser Zeit zu einer Zentralgestalt des Paritätischen in Bayern und auch dessen erste Vorsitzende. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altersarmut ist ein auch in den 1920er Jahren bereits oft übersehenes Problemfeld. Von ihr sind alleinstehende Frauen aus der Mittelschicht besonders oft betroffen. Der Paritätische in Bayern beginnt, darauf aufmerksam zu machen, die Bekämpfung der [[„Dem Alter zum Schutze, der Jugend zu Nutze“: Das erste Projekt des Paritätischen in Bayern|„Altersnot“]] wird bald zum ersten Arbeitsschwerpunkt des Verbands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Luise Kiesselbach ist es wichtig, dass die Mitgliedsorganisationen des Paritätischen auf einer vom Gedanken der „paritas“, der Gleichheit und Gleichwertigkeit, getragenen Haltung zusammenarbeiteten. Sozialpolitisch setzt sie sich dafür ein, Armut zu bekämpfen, um die soziale Lebenslage der Menschen zu verbessern. Ebenso soll dieser Gedanke sich im Tätigkeitsprofil des Verbands widerspiegeln: Die soziale Hilfe, die der Verband mit seinen Mitgliedern leisten will, ist dem Leitbild verpflichtet, dass jeder Mensch gleichwertig ist und auch entsprechend behandelt werden muss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. Januar 1929 stirbt Luise Kiesselbach unerwartet. Den Verbandsvorsitz übernimmt daraufhin der bekannte Rechtsanwalt Dr. Christoph Schramm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Auflösung des Verbands in der Zeit des Nationalsozialismus===&lt;br /&gt;
[[Datei:Liquidation NS.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Am 23. Juni 1934 beschließt der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband, zu dem der Paritätische in Bayern gehört, offiziell seine Auflösung. Das ist zu diesem Zeitpunkt nur noch Formsache. Die Übernahme durch die NSV steht schon seit Monaten fest.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Zu Beginn der 1930er Jahre bestimmt die Weltwirtschaftskrise das Leben der Menschen. Die freien Wohlfahrtsverbände leiden darunter, dass sie keine Kredite und öffentlichen Zuschüsse mehr bekommen. Gleichzeitig sind immer mehr Menschen auf Unterstützung angewiesen. 1932 legt Christoph Schramm nach knapp drei Jahren den Verbandsvorsitz nieder. Sein Nachfolger wird Oberst a. D. [[Der letzte Verbandsvorsitzende vor der Auflösung: Albrecht Freiherr von Pechmann|Albrecht Freiherr von Pechmann]], der auf eine lange Militärkarriere zurückblicken kann. Wie genau es zu dieser Wahl kommt, wird sich später nicht mehr rekonstruieren lassen. Eine Verbindung zur paritätischen Wohlfahrtspflege hat er, den vorhandenen Quellen nach zu schließen, nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Januar 1933 wird Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Die Umgestaltung des Landes nach nationalsozialistischen Prinzipien nimmt Fahrt auf. Mit der Machtübertragung an die Nationalsozialisten bricht auch für die deutsche Wohlfahrtspflege eine neue Zeit an. Am 29. April 1933 beschließt der reichsweite Dachverband des Paritätischen in Bayern, der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband in Berlin, dass der Verband „seine paritätische Wohlfahrtsarbeit im Sinne der nationalen Erhebung weiter verfolgen soll“, also im Sinne des Nationalsozialismus. Der Vorsitzende des Gesamtverbands, der jüdische Kinderarzt Leo Langstein, tritt daraufhin zurück. Sein Nachfolger wird der bayerische Landesvorsitzende Albrecht von Pechmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Monate später steht fest, dass der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband im Zuge der Gleichschaltung mitsamt aller seiner Landesverbände von der [[Vom Paritätischen Wohlfahrtsverband zur Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt|Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV)]] übernommen wird. Die Landesverbände bekommen die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Mitgliedsorganisationen sich ruhig verhalten und die Entwicklung hinnehmen. Widerstand gegen die Gleichschaltungspolitik ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern fordert seine Mitgliedsorganisationen im Zuge dieser Bestrebungen dazu auf, alle „Mitarbeiter nicht-arischer Abstammung in bevorzugten Stellungen“ zu entlassen. Einige [[Menschen, Organisationen und Einrichtungen des Paritätischen in Bayern während der Zeit des Nationalsozialismus|Menschen und Organisationen]], die bisher im Rahmen des Paritätischen in Bayern soziale Arbeit geleistet haben, müssen diese jetzt aufgeben: Jüdinnen und Juden werden gezielt aus dem Verband gedrängt, Selbsthilfestrukturen bald zerschlagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Herbst 1933 bekommt der Paritätische reichsweit eine neue Satzung. Er ist jetzt offiziell Teil der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt und streng hierarchisch organisiert. Wer Mitglied werden möchte, muss nachweisen, dass er „nur im Sinne der national-sozialistischen Weltanschauung arbeiten wird.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1934 wird die endgültige Auflösung des Paritätischen angeordnet. Viele seiner Mitgliedsorganisationen bestehen unter dem Dach der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt weiter, andere werden aufgelöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wiedergründung nach 1945===&lt;br /&gt;
[[Datei:Mütterschule.jpeg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Durch die Arbeit in den Flüchtlingslagern der Nachkriegszeit entstehen langfristig neue Einrichtungen, wie zum Beispiel die [[Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert|&#039;&#039;Münchner Mütterschule&#039;&#039;]].&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Der Verein für Fraueninteressen übersteht die Zeit des Nationalsozialismus, wenngleich er seine Einrichtungen an die NSV verliert. So kann der Paritätische in Bayern direkt [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg|nach dem Zweiten Weltkrieg reaktiviert]] werden. Am 30. Juli 1948 kann der Paritätische in Bayern offiziell wiedergegründet werden. Er hat zu Beginn 20 Mitgliedsorganisationen und wird von der US-amerikanischen Militärregierung unterstützt. Bis in die 1950er Jahre kümmert sich der Verband vor allem um die Behebung der unmittelbaren Nachkriegsfolgen und die Versorgung von [[Unterstützung für Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg|Flüchtlingen und Vertriebenen]]. Auch die Linderung der [[„Jugendnot“ und Heimerziehung im Paritätischen in Bayern|„Jugendnot“]] wird jetzt zu einem wichtigen Themenfeld für den Paritätischen in Bayern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Verband öffnet sich neuen Themenfeldern===&lt;br /&gt;
[[Datei:Plakat 70er.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Altes Logo, neue Ausrichtung: Der Verband bemüht sich in den 1970er Jahren stärker denn je, freiwilliges Engagement und Selbsthilfe zu fördern.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Nachdem die unmittelbare Nachkriegsnot überstanden ist, beginnt für den Paritätischen in Bayern eine Zeit des Wachstums. Immer mehr Menschen, die besondere Lebenssituationen teilen, schließen sich zusammen, um sich gemeinsam für ihre Interessen einzusetzen. Den Anfang machen Eltern von Kindern mit [[Für ein selbstbestimmtes Leben: Menschen mit Behinderungen verändern den Paritätischen in Bayern|Behinderungen]]. Ab den 1950er Jahren schließen sie sich vermehrt zusammen. 1958 entsteht so zum Beispiel der &#039;&#039;Verein zur Förderung spastisch gelähmter Kinder&#039;&#039; in Augsburg, der bald Mitglied im Paritätischen in Bayern wird. Das ist etwas Besonderes, denn seitdem der Nationalsozialismus das Prinzip der Selbsthilfe systematisch bekämpft hat, gibt es sie auch im Paritätischen in Bayern nicht mehr. Das wird sich bald vollkommen ändern, als im Zuge gesellschaftlicher Veränderungen eine neue [[Eine wechselvolle Geschichte: Selbsthilfe im Paritätischen in Bayern|Selbsthilfebewegung]] entsteht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1964 wird [[Für mehr Gemeinsinn und Sichtbarkeit: Bernhard Uffrecht|Bernhard Uffrecht]] Geschäftsführer des Paritätischen in Bayern. Er wird den Verband über viele Jahre prägen. Mit ihm findet der Paritätische in Bayern bald mehr und mehr zu seinem ganz eigenen Profil. Der Paritätische in Bayern eröffnet Sozialstationen, die ambulante Pflege anbieten, und startet das Projekt &#039;&#039;Essen auf Rädern&#039;&#039;. Dieses Modell, das Mahlzeiten an Menschen liefert, die sich nicht selbst versorgen können, wird bald auf viele Städte in Bayern ausgeweitet. Bernhard Uffrecht setzt sich persönlich sehr für den Auf- und Ausbau neuer ambulanter Angebote ein. Besonders am Herzen liegt ihm die Förderung sogenannter [[„Nachbarn helfen sich selbst“: Kreative Lösungen für neue Wohn- und Lebensverhältnisse|Nachbarschaftshilfen]]. Bis 1977 werden in Bayern 44 Nachbarschaftshilfen entstehen, die über 120.000 Stunden nachbarschaftliche Hilfe im Jahr leisten. Die Hilfe zur Selbsthilfe wird wieder zu einem leitenden Prinzip des Paritätischen in Bayern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Arbeit jenseits traditioneller Strukturen===&lt;br /&gt;
[[Datei:Düsseldorfer Str.jpeg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Ab 1975 hat der Paritätische in Bayern ein neues Verwaltungsgebäude in München. Von hier wird unter anderem &#039;&#039;Essen auf Rädern&#039;&#039; ausgeliefert.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern öffnet sich jetzt besonders für Zusammenschlüsse von marginalisierten Menschen, die von der staatlichen Sozialpolitik im traditionell geprägten Bayern kaum beachtet werden. Die Unterstützung der sogenannten [[Für ein selbstbestimmtes Leben: Menschen mit Behinderungen verändern den Paritätischen in Bayern|Behindertenbewegung]], die sich aus den Initiativen für Kinder mit Beeinträchtigungen entwickelt hat, ist nur der Anfang. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1970er Jahren hält die [[Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern|Neue Frauenbewegung]] Einzug in den Paritätischen in Bayern. Frauenhäuser werden gegründet, um Frauen Schutz vor Gewalt zu bieten. Dabei unterstützt der Verband auch autonome Frauenhäuser, obwohl sie ansonsten in Politik und Gesellschaft auf großen Widerstand stoßen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur selben Zeit entstehen als Antwort auf fehlende Betreuungsangebote [[Eltern ergreifen die Initiative: Neue Formen der Kinderbetreuung erobern den Paritätischen in Bayern|Elterninitiativen]], die alternative Formen der Kinderbetreuung ausprobieren und selbst organisieren. Auch das ermöglicht es vielen Frauen, ein selbstbestimmteres Leben zu führen, das nicht allein durch ihre Rolle als Mutter geprägt ist. Ab 1980 gibt es eine eigene Fachreferentin für Frauen und Familie im Paritätischen in Bayern. Der Verband fördert vielfältige Projekte von und für Frauen und Familien und unterstützt ihre politischen Forderungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende der 1970er Jahre macht der Paritätische in Bayern seine ersten Erfahrungen mit der Betreuung sogenannter Ausländer: Er übernimmt die Trägerschaft einer Einrichtung für [[„Grüß Gott, liebe Freunde aus Vietnam“ – Eine neue Aufgabe für den Paritätischen in Bayern|Geflüchtete aus Vietnam]]. Auch das führt zur Einrichtung eines neuen Fachreferats im Verband.&lt;br /&gt;
[[Datei:Verbandsgrundsätze.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;„Auf die Gleichheit aller bedacht sein“: 1989 bekommt der Paritätische neue Verbandsgrundsätze. Bald folgt auch ein neues Logo.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
In den 1980er Jahren findet die [[Ein steiniger Weg zur Akzeptanz: Queerer Aktivismus im Paritätischen in Bayern|Schwulenbewegung]] ihren Weg in den Paritätischen in Bayern. Explizite Organisationen von und für Homosexuelle hat der Verband zuvor lange nicht aufnehmen wollen. Die ab Mitte der 1980er entstehenden Aids-Hilfen kümmern sich um alle von der Krankheit betroffenen Menschen, darunter Homosexuelle, aber auch Drogenabhängige und Prostituierte. Das eröffnet ihnen den Weg in den Paritätischen in Bayern und ermöglicht es, dass sich der Verband langfristig auch für explizite LGBTIQ-Organisationen öffnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Unterstützung neuer sozialer Bewegungen und die Förderung der Selbsthilfe entwickelt sich der Paritätische in Bayern in dieser Zeit zu einem Verband, der auf neue Weise Vielfalt und gesellschaftliches Engagement fördert. Dazu gehört auch, dass der Paritätische in Bayern zu einem wichtigen Unterstützer des [[Ein besonderes Nachwuchsprogramm: Das Freiwillige Soziale Jahr im Paritätischen in Bayern|Freiwilligen Sozialen Jahres]] wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahren durchläuft der Paritätische in Bayern Veränderungen und Anpassungen, die durch interne Herausforderungen und gesellschaftliche Entwicklungen herbeigeführt werden. Ein Wendepunkt ist der Ruhestand von Geschäftsführer [[Für mehr Gemeinsinn und Sichtbarkeit: Bernhard Uffrecht|Bernhard Uffrecht]] 1988. Mit ihm verlässt eine Person den Verband, die ihn jahrelang geprägt und ihm nach innen und außen Profil verliehen hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung unterstützt der Paritätische in Bayern engagierte Menschen dabei, in Sachsen [[Aufbau Ost: Der Paritätische in Sachsen entsteht – mit Unterstützung aus Bayern|einen eigenen Landesverband]] des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands aufzubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gleichstellungspolitische Ausrichtung im Verband===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit der Gründung des Verbands in den 1920er Jahren haben Frauen im Paritätischen in Bayern entscheidende Arbeit geleistet. Nach [[Der „Mittelpunkt der paritätischen Wohlfahrtspflege in München und in Bayern“: Luise Kiesselbach|Luise Kiesselbach]] gab es jedoch in der jüngsten Vergangenheit keine Frau mehr an der Spitze des Verbands. Mit der Einsetzung einer Referentin für Frauen und Familie hat deshalb eine systematische [[„Vom frauenbewegten Sozialverband zum männergeführten Frauenbetrieb“? Die Debatte um Gleichstellung im Paritätischen in Bayern|Untersuchung der Geschlechterverhältnisse]] im Paritätischen in Bayern begonnen, die 1994 in einer ausführlichen Studie veröffentlicht wird. Diese Studie zeigt gravierende Ungleichheiten. Die Ergebnisse der Studie führen zu konkreten Maßnahmen zur Verbesserung der Geschlechtergerechtigkeit im Verband. Der Paritätische in Bayern setzt das Konzept des Gender Mainstreamings um. Durch diese Strategie wird Geschlechtergerechtigkeit bald bei allen Entscheidungen und Maßnahmen des Verbands berücksichtigt. Ab 2010 wird es eine Doppelspitze geben, bestehend aus einer Frau und einem Mann im Vorstand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neue Verbandsstrukturen in den 2000er Jahren===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren durchläuft der Verband zugleich eine [[Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern|finanzielle und strukturelle Krise]]. Er ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen und muss seine Strukturen dringend diesen neuen Umständen anpassen. Umfassende Umstrukturierungen können den Paritätischen in Bayern stabilisieren. Der Verband führt ein strenges Finanzcontrolling ein und wandelt eigene Einrichtungen in GmbHs um. Ab den 2000er Jahren trägt ein hauptamtlicher Vorstand die operative Verantwortung für den Verband: Je ein Vorstand für Verbands- und Sozialpolitik sowie Wirtschaft und Finanzen fungieren gleichberechtigt als Doppelspitze. Kontrolliert werden die beiden Vorstände von einem ehrenamtlichen Verbandsrat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lauf der 2000er Jahre kann der Verband, neben seiner gestärkten Position als Anbieter sozialer Dienstleistungen, auch wieder stärker sozialpolitisch wirken. Das Thema der Gleichstellung von Frauen und Männern sowie die Inklusion von Menschen mit Behinderungen werden in neuer Weise zu einem Schwerpunkt der Verbandsarbeit. Die Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention 2006 ist ein wichtiger behindertenpolitischer Meilenstein. Der Paritätische in Bayern engagiert sich jetzt in neuem Maß in der Eingliederungshilfe. Die große Verbandskrise ist überwunden, die Arbeit kann mit vollem Elan weitergeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===2010er Jahre bis heute: Toleranz, Offenheit und Vielfalt=== &lt;br /&gt;
[[Datei:Klimaschutz.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Der Paritätische in Bayern stellt sich verstärkt neuen Herausforderungen, zum Beispiel dem Klimaschutz.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
In den 2010er Jahren kommen gesellschaftliche Herausforderungen auf: Als ab 2014 immer mehr [[Der Paritätische in Bayern in der „Flüchtlingskrise“|Geflüchtete]] auf der Suche nach Sicherheit nach Bayern kommen, packen der Paritätische in Bayern und seine Mitgliedsorganisationen entschlossen mit an. Paritätische Träger richten Bayerns erste Flüchtlingsunterkunft für Frauen mit und ohne Kinder ein. Hier sollen sie einen sicheren Ort finden, der ihnen Stabilität gibt und an dem sie Vertrauen fassen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angetrieben durch die Klimaschutzbewegung beginnt der Verband jetzt außerdem, ökologische Nachhaltigkeit als Teil seiner sozialen Verantwortung zu verstehen. Die Verbindung von sozialer und ökologischer Gerechtigkeit steht dabei im Mittelpunkt. Die Forderung nach einer [[Ein neuer Schwerpunkt: Gemeinsam gegen die Klimakrise|sozialökologischen Transformation]] wird zu einem neuen Schwerpunkt der Verbandsarbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in den etablierten Arbeitsschwerpunkten des Verbands steht die Entwicklung nicht still. Aus der Unterstützung für queere Menschen folgt, dass das Referat Frauen 2021 um die Themen Gleichstellung und LGBTIQ erweitert wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn der 2020er Jahre stehen die Mitgliedsorganisationen des Paritätischen in Bayern vor großen Herausforderungen: Der massive Arbeits- und Fachkräftemangel, durch den Träger ihre Angebote teilweise einschränken oder ganz einstellen müssen, gefährdet die Verlässlichkeit der sozialen Daseinsvorsorge und verunsichert Teile der Bevölkerung. Die daraus resultierenden quantitativen wie qualitativen Lücken, wenn zum Beispiel Kita- oder Pflegeplätze fehlen, sind für die Gesellschaft spürbar. Der Paritätische in Bayern sieht es damals wie heute als seine Verantwortung, sich für optimale Rahmenbedingungen für seine Mitglieder einzusetzen. Er wird als Verband auch in Zukunft gegenüber Politik und Gesellschaft aufzeigen, dass die Finanzierung einer verlässlichen sozialen Daseinsvorsorge auch eine Investition in eine stabile Demokratie ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Menschen aus 100 Jahren Verbandsgeschichte==&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=200px&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Bablok.JPG|link=Knapp 20 Jahre lang im Einsatz für Regensburger Freiwillige: Ursula Bablok|[[Knapp 20 Jahre lang im Einsatz für Regensburger Freiwillige: Ursula Bablok|Ursula Bablok (*1955)]]&lt;br /&gt;
Datei:Bamberger.jpg|link=„Meisterin der Jugendhilfe“ und Täterin: Elisabeth Bamberger|[[„Meisterin der Jugendhilfe“ und Täterin: Elisabeth Bamberger|Elisabeth Bamberger (1890-1984)]]&lt;br /&gt;
Datei:Doll.jpg|link=Humorvoll und kreativ im Einsatz für Mittelfranken: Ekkehard Doll|[[Humorvoll und kreativ im Einsatz für Mittelfranken: Ekkehard Doll|Ekkehard Doll (*1941)]]&lt;br /&gt;
Datei:Eberth.jpg|link=Aus der Drogenhilfe zum Verbandsvorsitzenden: Alexander Eberth|[[Aus der Drogenhilfe zum Verbandsvorsitzenden: Alexander Eberth|Alexander Eberth (*1944)]]&lt;br /&gt;
Datei:Geiling.jpg|link=Die „kleine Frau mit dem gewaltig großen Herzen“: Betty Geiling|[[Die „kleine Frau mit dem gewaltig großen Herzen“: Betty Geiling|Betty Geiling (1926-2021)]]&lt;br /&gt;
Datei:Geppert PFH Ausschnitt.jpg|link=Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert|[[Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert|Lotte Geppert (1883-1968)]]&lt;br /&gt;
Datei:Heim-Pohlmann.jpg|link=Die treibende Kraft: Anna Heim-Pohlmann|[[Die treibende Kraft: Anna Heim-Pohlmann|Anna Heim-Pohlmann (1885-1983)]]&lt;br /&gt;
Datei:Hellbruegge.jpg|link=Ein besonderer Kinderarzt: Theodor Hellbrügge|[[Ein besonderer Kinderarzt: Theodor Hellbrügge|Theodor Hellbrügge (1919-2014)]]&lt;br /&gt;
Datei:Hilsenbeck.jpg|link=„Energie, Gestaltungswillen, Hartnäckigkeit“ für Frauenrechte in Krisensituationen: Polina Hilsenbeck|[[„Energie, Gestaltungswillen, Hartnäckigkeit“ für Frauenrechte in Krisensituationen: Polina Hilsenbeck|Polina Hilsenbeck (*1951)]]&lt;br /&gt;
Datei:Kiesselbach Detail.jpg|link=Der „Mittelpunkt der paritätischen Wohlfahrtspflege in München und in Bayern“: Luise Kiesselbach|[[Der „Mittelpunkt der paritätischen Wohlfahrtspflege in München und in Bayern“: Luise Kiesselbach|Luise Kiesselbach (1863-1929)]]&lt;br /&gt;
Datei:Leitner.jpeg|link=Für ein barrierefreies München und ein Leben auf Augenhöhe: Ingrid Leitner|[[Für ein barrierefreies München und ein Leben auf Augenhöhe: Ingrid Leitner|Ingrid Leitner (1942-2017)]]&lt;br /&gt;
Datei:Obermair-Schoch.jpg|link=Eine Ausnahmesenatorin: Hilde Obermair-Schoch|[[Eine Ausnahmesenatorin: Hilde Obermair-Schoch|Hilde Obermair-Schoch (1897-1970)]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:1929 Pechmann Stadtkommandant Ausschnitt Detail.jpg|link=Der letzte Verbandsvorsitzende vor der Auflösung: Albrecht Freiherr von Pechmann|[[Der letzte Verbandsvorsitzende vor der Auflösung: Albrecht Freiherr von Pechmann|Albrecht Freiherr von Pechmann (1879-1949)]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Straubinger Portrait.jpg|link=Unermüdlich im Einsatz für ihre taubblinden „Schicksalsgefährten“: Fini Straubinger|[[Unermüdlich im Einsatz für ihre taubblinden „Schicksalsgefährten“: Fini Straubinger|Fini Straubinger (1914-1981)]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Uffrecht.jpeg|link=Für mehr Gemeinsinn und Sichtbarkeit: Bernhard Uffrecht|[[Für mehr Gemeinsinn und Sichtbarkeit: Bernhard Uffrecht|Bernhard Uffrecht (1923-1997)]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Zimmermann.jpg|link=Begleiter durch die Verbandskrise: Heinz-Dieter Zimmermann|[[Begleiter durch die Verbandskrise: Heinz-Dieter Zimmermann|Heinz-Dieter Zimmermann (*1934)]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Themenseiten im Überblick==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[„Dem Alter zum Schutze, der Jugend zu Nutze“: Das erste Projekt des Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Altenhilfe&#039;&#039;&#039;, „Dem Alter zum Schutze, der Jugend zu Nutze“: Das erste Projekt des Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Vom Paritätischen Wohlfahrtsverband zur Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt|&#039;&#039;&#039;Auflösung&#039;&#039;&#039;, Vom Paritätischen Wohlfahrtsverband zur Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Für ein selbstbestimmtes Leben: Menschen mit Behinderungen verändern den Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Behinderung&#039;&#039;&#039;, Für ein selbstbestimmtes Leben: Menschen mit Behinderungen verändern den Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Aufbau Ost: Der Paritätische in Sachsen entsteht – mit Unterstützung aus Bayern|&#039;&#039;&#039;DDR&#039;&#039;&#039;, Aufbau Ost: Der Paritätische in Sachsen entsteht – mit Unterstützung aus Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Der Paritätische in Bayern wird zum Anbieter sozialer Dienstleistungen|&#039;&#039;&#039;Dienstleistungen&#039;&#039;&#039;, Der Paritätische in Bayern wird zum Anbieter sozialer Dienstleistungen]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Eltern ergreifen die Initiative: Neue Formen der Kinderbetreuung erobern den Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Elterninitiativen&#039;&#039;&#039;, Eltern ergreifen die Initiative: Neue Formen der Kinderbetreuung erobern den Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Ein Netzwerk engagierter Frauen: Der Verein für Fraueninteressen und das Umfeld des Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Entstehung&#039;&#039;&#039;, Ein Netzwerk engagierter Frauen: Der Verein für Fraueninteressen und das Umfeld des Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Frauenbewegung&#039;&#039;&#039;, Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Ein besonderes Nachwuchsprogramm: Das Freiwillige Soziale Jahr im Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Freiwillige&#039;&#039;&#039;, Ein besonderes Nachwuchsprogramm: Das Freiwillige Soziale Jahr im Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[ Der Paritätische in Bayern in der „Flüchtlingskrise“|&#039;&#039;&#039;Geflüchtete&#039;&#039;&#039;, Der Paritätische in Bayern in der „Flüchtlingskrise“]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[„Vom frauenbewegten Sozialverband zum männergeführten Frauenbetrieb“? Die Debatte um Gleichstellung im Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Gleichstellung&#039;&#039;&#039;, „Vom frauenbewegten Sozialverband zum männergeführten Frauenbetrieb“? Die Debatte um Gleichstellung im Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Gründung&#039;&#039;&#039;, Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[„Jugendnot“ und Heimerziehung im Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Jugend&#039;&#039;&#039;, „Jugendnot“ und Heimerziehung im Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
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[[„Nachbarn helfen sich selbst“: Kreative Lösungen für neue Wohn- und Lebensverhältnisse|&#039;&#039;&#039;Nachbarschaftshilfen&#039;&#039;&#039;, „Nachbarn helfen sich selbst“: Kreative Lösungen für neue Wohn- und Lebensverhältnisse]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[ Unterstützung für Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg|&#039;&#039;&#039;Nachkriegszeit&#039;&#039;&#039;, Unterstützung für Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Menschen, Organisationen und Einrichtungen des Paritätischen in Bayern während der Zeit des Nationalsozialismus|&#039;&#039;&#039;Nationalsozialismus&#039;&#039;&#039;, Menschen, Organisationen und Einrichtungen des Paritätischen in Bayern während der Zeit des Nationalsozialismus]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Eine wechselvolle Geschichte: Selbsthilfe im Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Selbsthilfe&#039;&#039;&#039;, Eine wechselvolle Geschichte: Selbsthilfe im Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Verbandsstruktur&#039;&#039;&#039;, Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[„Grüß Gott, liebe Freunde aus Vietnam“ – Eine neue Aufgabe für den Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Vietnam&#039;&#039;&#039;, „Grüß Gott, liebe Freunde aus Vietnam“ – Eine neue Aufgabe für den Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg|&#039;&#039;&#039;Wiedergründung&#039;&#039;&#039;, „Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Unterst%C3%BCtzung_f%C3%BCr_Fl%C3%BCchtlinge_und_Vertriebene_nach_dem_Zweiten_Weltkrieg&amp;diff=1238</id>
		<title>Unterstützung für Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Unterst%C3%BCtzung_f%C3%BCr_Fl%C3%BCchtlinge_und_Vertriebene_nach_dem_Zweiten_Weltkrieg&amp;diff=1238"/>
		<updated>2025-02-12T16:06:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Noch bevor der Paritätische in Bayern nach dem Ende des Krieges wiedergegründet wird, geht es an die Arbeit: Viele Menschen sind heimatlos und brauchen Hilfe. Die leistet der Paritätische in Bayern auf ganz verschiedenen Ebenen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
==Erste Hilfe nach dem Krieg: „Ausländische Liebesgaben“==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Flüchtlingslager Bayreuth.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Im Flüchtlingslager in Bayreuth trennen nur dünne Vorhänge die Wohnbereiche der vielen Geflüchteten in den Baracken. Es ist eines der Lager, in denen der Paritätische in Bayern aktiv ist.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 23. August 1946 schreibt [[Die treibende Kraft: Anna Heim-Pohlmann|Anna Heim-Pohlmann]] einen Bericht. Sie listet auf, was der Paritätische in Bayern in den letzten zwei Monaten geleistet hat. Offiziell gibt es den Verband gerade gar nicht. [[Vom Paritätischen Wohlfahrtsverband zur Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt|Er wurde 1934 aufgelöst]]. Das ist zwölf Jahre her. Jetzt, da der Zweite Weltkrieg beendet ist, kann die Arbeit endlich weitergehen. Der [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg|Wiederaufbau des Verbands]] läuft auf Hochtouren. In dem Bericht von Anna Heim-Pohlmann geht es vor allem darum, welche „Auslands-Liebesgaben“ der Paritätische in Bayern bekommen hat.&amp;lt;ref&amp;gt;BayHStA, OMGB 10/050-2/015, Statistical and Narrative Reports on Foreign Supplies - Paritätischer Wohlfahrtsverband, 1946.&amp;lt;/ref&amp;gt; Damit sind Spenden aus anderen Ländern gemeint. Anna Heim-Pohlmann schreibt: Der Paritätische in Bayern hat Zucker, Kakaopulver, Trockenmilch, Eipulver, Haferflocken, Fleisch- und Gemüsekonserven, Kondensmilch, Männer- und Kinderschuhe und 6 Ballen Kleider – Anzüge, Wollwesten, Männerhemden und Frauenkleidung – bekommen. All das soll bald an „Flüchtlinge und Heimkehrer“ verteilt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Viele Wege führen ins Flüchtlingslager==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind viele Menschen irgendwo in Deutschland gestrandet. Sie sind heimatlos und auf Hilfe angewiesen. Sie haben aus ganz unterschiedlichen Gründen ihren Wohnort verlassen – manche freiwillig, andere weil sie verschleppt oder vertrieben wurden. Von den sogenannten Displaced Persons (DP) gibt es jetzt mindestens 10,8 Millionen in Europa.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Jacobmeyer, Wolfgang: Vom Zwangsarbeiter zum Heimatlosen Ausländer. Die Displaced Persons in Westdeutschland 1945-1951, Göttingen 1985, S. 42.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es sind zum Beispiel ehemalige Gefangene der Konzentrationslager, Zwangsarbeiter*innen und zivile Kriegsgefangene. Manche von ihnen können bald wieder in ihre Heimat zurückkehren.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Jacobmeyer: Vom Zwangsarbeiter zum Heimatlosen Ausländer, S. 59 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Andere möchten oder können das nicht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Jacobmeyer: Vom Zwangsarbeiter zum Heimatlosen AusländerS. 74 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie leben ohne Perspektive in Flüchtlingslagern. &lt;br /&gt;
[[Datei:Bayern ruft um Hilfe.jpeg|360px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Der Paritätische in Bayern veröffentlicht 1950 gemeinsam mit den anderen Wohlfahrtsverbänden diese Broschüre mit Eindrücken aus den Flüchtlingslagern. Sie soll zeigen: Bayern braucht mehr Unterstützung von den anderen Bundesländern.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
In denen leben auch viele sogenannte Kriegsheimkehrer. Das sind zum Beispiel ehemalige Wehrmachtssoldaten, Rotkreuzschwestern oder Mitarbeitende der NS-Behörden und ihre Familien. Sie können oft nicht nach Hause zurückkehren, weil ihre Heimat im Krieg zerstört wurde oder nicht mehr auf deutschem Gebiet liegt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Schießl, Sascha: „Das Tor zur Freiheit“. Kriegsfolgen, Erinnerungspolitik und humanitärer Anspruch im Lager Friedland (1945—1970), Göttingen 2016, S. 70 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu kommen die Menschen, die aus den ehemaligen Ostgebieten des Deutschen Reiches oder den während der NS-Herrschaft besetzten Gebieten in Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn und Rumänien kommen. Von hier werden etwa 12 Millionen Deutsche vertrieben oder zwangsumgesiedelt. 1,9 Millionen von ihnen kommen nach Bayern.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Ziegler, Walter: Flüchtlinge und Vertriebene, in: Historisches Lexikon Bayerns (https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Fl%C3%BCchtlinge_und_Vertriebene, aufgerufen 6.5.2024).&amp;lt;/ref&amp;gt; Für diese Menschen gibt es immer neue Bezeichnungen: Sie werden unter anderem Flüchtlinge, Heimatvertriebene oder Evakuierte genannt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Beer, Mathias: Flüchtlinge – Ausgewiesene – Neubürger – Heimatvertriebene. Flüchtlingspolitik und Flüchtlingsintegration in Deutschland nach 1945, begriffsgeschichtlich betrachtet, in: Beer, Mathias/Kintzinger, Martin/Krauss, Marita (Hg.): Migration und Integration. Aufnahme und Eingliederung im historischen Wandel, Stuttgart 1997, S. 145-167.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Evakuierte sind aber auch die Menschen, die während des Krieges aus ganz Deutschland in bayerische Kleinstädte evakuiert worden sind – zum Schutz vor Bombenangriffen. Bayern war während des Zweiten Weltkriegs der „Luftschutzkeller des Reiches“: Weil es hier viele ländliche Gebiete gibt, war es in Bayern sicherer als anderswo.&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach: Kuller, Christiane: „Stiefkind der Gesellschaft&amp;quot; oder „Trägerin der Erneuerung&amp;quot;? Familien und Familienpolitik in Bayern 1945 bis 1974, in: Gesellschaft im Wandel 1949 bis 1973. Bayern im Bund Bd. 2, München 2002, S. 275.&amp;lt;/ref&amp;gt; Große Städte und Industrieanlagen waren beliebtere Ziele für Angriffe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1946, als Anna Heim-Pohlmann ihren Bericht schreibt, leben in Bayern über 150.000 Menschen in Flüchtlingslagern. Die Lager sind überfüllt. Es gibt viele Krankheiten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Lindner, Ulrike: Wir unterhalten uns ständig über den Milchpfennig, aber auf die Gesundheit wird sehr wenig geachtet. Gesundheitspolitik und medizinische Versorgung 1945 bis 1975. In: Thomas Schlemmer (Hg.): Bayern im Bund, Bd. 1, Die Erschließung des Landes 1949 bis 1973, München 2001, S. 222-224.&amp;lt;/ref&amp;gt; Drei Jahre später gibt es immer noch 465 staatliche Flüchtlingslager in Bayern. In ihnen leben über 90.000 Menschen. Der Grund: Es gibt zu wenig Wohnungen. Deswegen sitzen die Menschen in den Lagern fest.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Ziegler: Flüchtlinge und Vertriebene.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern hilft in Flüchtlingslagern in München, Nürnberg, Bayreuth, Coburg, Schweinfurt und Würzburg und in Heimen für Flüchtlingskinder in Bad Tölz, Dachau und am Schliersee.&amp;lt;ref&amp;gt;Kornrumpf, Martin: In Bayern angekommen. Die Eingliederung der Vertriebenen. Zahlen – Daten – Namen, München 1979, S. 211.&amp;lt;/ref&amp;gt; Obwohl der Verband erst 1948 [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg|wieder offiziell als Verein gegründet]] wird, ist er seit November 1945 für die „Behebung der Flüchtlingsnot“ mitverantwortlich: In der &#039;&#039;Verordnung Nr. 3 über das Flüchtlingswesen&#039;&#039; wird der Paritätische in Bayern vom Bayerischen Staatsminister des Innern dazu in einer Reihe mit den anderen Wohlfahrtsverbänden genannt.&amp;lt;ref&amp;gt;Verordnung Nr. 3 über das Flüchtlingswesen, zitiert nach: Kornrumpf: In Bayern angekommen, S. 17.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Streitpunkt &#039;&#039;Sudetendeutsches Sozialwerk&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die meisten der Menschen, die so in Lagern in Bayern betreut werden, sind Flüchtlinge und Vertriebene.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Renghart, Martin: Flüchtlingslager, in: Historisches Lexikon Bayerns (https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Fl%C3%BCchtlingslager, aufgerufen 6.5.2024).&amp;lt;/ref&amp;gt; Viele von ihnen sind Sudetendeutsche. Die kommen aus Böhmen, Mähren und Schlesien. Von dort wurden sie vertrieben. Denn: Die Gebiete gehören nach dem Krieg wieder zur Tschechoslowakei. Etwa eine Million Sudetendeutsche sind deswegen jetzt in Bayern. Sie sind die erste Gruppe von Vertriebenen, die sich „landsmannschaftlich“ organisiert: Sie schließen sich als geschlossene Gruppe von Sudetendeutschen in Deutschland zusammen. So entsteht 1950 die Sudetendeutsche Landsmannschaft. Die soll die gemeinsamen Interessen vertreten und die sudetendeutsche Kultur bewahren.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Stickler, Matthias: Sudetendeutsche Landsmannschaft, in: Historisches Lexikon Bayerns (https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Sudetendeutsche_Landsmannschaft, aufgerufen 7.5.2024).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Jahr nach der Gründung entsteht die Idee, eine eigene Wohlfahrtsorganisation ins Leben zu rufen. 1952 ist es soweit: In München wird das &#039;&#039;Sudetendeutsche Sozialwerk&#039;&#039; (SSW) gegründet. Es soll „als Wohlfahrtsverband der sudetendeutschen Volksgruppe [...] der Jugend, der Familie, den alten Menschen sowie der landsmannschaftlichen Gemeinschaft“ dienen.&amp;lt;ref&amp;gt;Sudetendeutsches Sozialwerk e.V. (Hg.): 30 Jahre Sudetendeutsches Sozialwerk 1952-1982, München 1982, S. 9.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;center&amp;gt;&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;slideshow&amp;quot; style=&amp;quot;max-width:800px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Heiligenhof 1.jpg|1952 kauft das SSW den Heiligenhof in Bad Kissingen. In den folgenden Jahrzehnten wird das Gebäude mehrmals umgebaut und erweitert. Finanziert wird das durch Spenden. Die kommen auch vom Paritätischen in Bayern.&amp;lt;ref&amp;gt;30 Jahre Sudetendeutsches Sozialwerk, S. 13.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Heiligenhof 2.jpg|Der Heiligenhof wird zur „staats- und heimatpolitische[n] Bildungsstätte“.&amp;lt;ref&amp;gt;30 Jahre Sudetendeutsches Sozialwerk, S. 11.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier finden Seminare und Tagungen, Zeltlager und Kinderfreizeiten statt. Auch andere Organisationen dürfen den Heiligenhof nutzen.&amp;lt;ref&amp;gt;30 Jahre Sudetendeutsches Sozialwerk, S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/gallery&amp;gt;&amp;lt;/center&amp;gt;Das SSW kümmert sich vor allem darum, die sudetendeutschen Vertriebenen mit Essen, Wäsche und Kleidung zu versorgen. Für diese Aufgabe wird eine Verwaltung in Landshut eingerichtet. Von hier aus wird die Hilfe organisiert. In der ganzen Bundesrepublik hat das SSW sogenannte Packstellen – insgesamt 242. Hier werden Essen, Wäsche und Kleidung von Freiwilligen in Hilfspakete gepackt. 134.000 solcher Pakete finden den Weg zu sudetendeutschen Vertriebenen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. 30 Jahre Sudetendeutsches Sozialwerk, S. 17&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Motto: „Hilfe zur Selbsthilfe“ – von Sudetendeutschen für Sudetendeutsche.&amp;lt;ref&amp;gt;30 Jahre Sudetendeutsches Sozialwerk, S. 11.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dem Paritätischen Gesamtverband in Frankfurt am Main passt das gar nicht. Sein Vorstand findet: [[Eine wechselvolle Geschichte: Selbsthilfe im Paritätischen in Bayern|Selbsthilfe]] hat im Verband nichts zu suchen. Das wird sich erst einige Jahre später grundlegend ändern. Dass der Paritätische in Bayern das SSW als Mitglied aufgenommen hat, ohne vorher mit dem Gesamtverband zu sprechen, kann dessen Vorstand nicht verstehen. Aber: Der Paritätische in Bayern hat Fakten geschaffen. Der Gesamtverband kann das SSW nicht mehr grundsätzlich ablehnen – es ist ja schon Mitglied in einem seiner Landesverbände. Und jetzt? Darüber wird im Vorstand diskutiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Archiv Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e. V., Niederschrift über die Vorstands- und Beitratssitzung des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, 27.4.1956, S. 5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Anna Heim-Pohlmann  kämpft für das SSW. Sie sagt: „Es werde dort zweifelsohne einwandfreie Wohlfahrtsarbeit geleistet.“&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e. V., Niederschrift über die Vorstandssitzung des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, 9.8.1956, S. 8.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dagegen kann der Rest des Vorstands nichts sagen. In seinem Beschluss betont er aber: „Gegen die Aufnahme des Sudetendeutschen Sozialwerkes in Landesverbände des DPWV bestehen keine Bedenken, falls nachgewiesenermaßen der Schwerpunkt der Arbeit nicht auf landsmannschaftlicher Betreuung, sondern auf einwandfreier Wohlfahrtsarbeit liegt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Neue Arbeitsfelder==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Situation in den Flüchtlingslagern entstehen auch direkt im Paritätischen in Bayern Organisationen und Einrichtungen. Zum Beispiel die &#039;&#039;Münchner Mütterschule&#039;&#039;. Sie entsteht aus Mütterkursen, die [[Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert|Lotte Geppert]] für Frauen in den Flüchtlingslagern anbietet. Mit der Zeit verschiebt sich der Schwerpunkt der Arbeit des Paritätischen in Bayern in den Lagern: Es fliehen immer mehr Menschen aus dem Osten in die Bundesrepublik. [[Die „kleine Frau mit dem gewaltig großen Herzen“: Betty Geiling|Betty Geiling]] und [[Humorvoll und kreativ im Einsatz für Mittelfranken: Ekkehard Doll|Ekkehard Doll]] werden sich in den folgenden Jahrzehnten besonders für sie einsetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Archiv Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e. V., Niederschrift über die Vorstands- und Beitratssitzung des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, 27.4.1956.&lt;br /&gt;
*Archiv Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e. V., Niederschrift über die Vorstandssitzung des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, 9.8.1956.&lt;br /&gt;
*Bayerisches Hauptstaatsarchiv, OMGB 10/050-2/015, Statistical and Narrative Reports on Foreign Supplies - Paritätischer Wohlfahrtsverband, 1946.&lt;br /&gt;
*Kornrumpf, Martin: In Bayern angekommen. Die Eingliederung der Vertriebenen. Zahlen – Daten – Namen, München 1979.&lt;br /&gt;
*Sudetendeutsches Sozialwerk e.V. (Hg.): 30 Jahre Sudetendeutsches Sozialwerk 1952-1982, München 1982.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Beer, Mathias: Flüchtlinge – Ausgewiesene – Neubürger – Heimatvertriebene. Flüchtlingspolitik und Flüchtlingsintegration in Deutschland nach 1945, begriffsgeschichtlich betrachtet, in: Beer, Mathias/Kintzinger, Martin/Krauss, Marita (Hg.): Migration und Integration. Aufnahme und Eingliederung im historischen Wandel, Stuttgart 1997, S. 145-167.&lt;br /&gt;
*Jacobmeyer, Wolfgang: Vom Zwangsarbeiter zum Heimatlosen Ausländer. Die Displaced Persons in Westdeutschland 1945-1951, Göttingen 1985.&lt;br /&gt;
*Kuller, Christiane: „Stiefkind der Gesellschaft“ oder „Trägerin der Erneuerung“? Familien und Familienpolitik in Bayern 1945 bis 1974, in: Schlemmer, Thomas/Woller, Hans: Gesellschaft im Wandel 1949 bis 1973. Bayern im Bund Bd. 2, München 2002, S. 269-346.&lt;br /&gt;
*Lindner, Ulrike: „Wir unterhalten uns ständig über den Milchpfennig, aber auf die Gesundheit wird sehr wenig geachtet.“ Gesundheitspolitik und medizinische Versorgung 1945 bis 1975. In: Thomas Schlemmer (Hg.): Bayern im Bund, Bd. 1, Die Erschließung des Landes 1949 bis 1973, München 2001, S. 205-272.&lt;br /&gt;
*Renghart, Martin: Flüchtlingslager, in: Historisches Lexikon Bayerns (https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Fl%C3%BCchtlingslager, aufgerufen 6.5.2024).&lt;br /&gt;
*Schießl, Sascha: „Das Tor zur Freiheit“. Kriegsfolgen, Erinnerungspolitik und humanitärer Anspruch im Lager Friedland (1945—1970), Göttingen 2016.&lt;br /&gt;
*Stickler, Matthias: Sudetendeutsche Landsmannschaft, in: Historisches Lexikon Bayerns (https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Sudetendeutsche_Landsmannschaft, aufgerufen 7.5.2024).&lt;br /&gt;
*Ziegler, Walter: Flüchtlinge und Vertriebene, in: Historisches Lexikon Bayerns (https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Fl%C3%BCchtlinge_und_Vertriebene, aufgerufen 6.5.2024).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Knapp_20_Jahre_lang_im_Einsatz_f%C3%BCr_Regensburger_Freiwillige:_Ursula_Bablok&amp;diff=1237</id>
		<title>Knapp 20 Jahre lang im Einsatz für Regensburger Freiwillige: Ursula Bablok</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Knapp_20_Jahre_lang_im_Einsatz_f%C3%BCr_Regensburger_Freiwillige:_Ursula_Bablok&amp;diff=1237"/>
		<updated>2025-02-12T11:57:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* Anerkennung und Abschied */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Von 1998 bis 2018 arbeitet die Pädagogin Ursula Bablok unermüdlich daran, dass Menschen ein für sie passendes Ehrenamt finden. Damit kann sie viel bewirken – in Regensburg und darüber hinaus. Mit ihrem persönlichen Einsatz hilft sie dabei, freiwilligem Engagement einen neuen Stellenwert zu geben.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:FreiwilligenAgentur Regensburg 2003.JPG|mini|700px|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Ursula Bablok in ihrem Element: Im Büro der &#039;&#039;FreiwilligenAgentur Regensburg&#039;&#039;, hier im Jahr 2003, begrüßt und berät sie jahrelang alle Freiwilligen persönlich. Das Computerprogramm, das ihr hilft, die Ehrenamtlichen mit passenden Einsatzstellen zusammenzubringen, hat ihr Mann Erhard programmiert.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Ausgangspunkt Jobsuche==&lt;br /&gt;
Regensburg 1998: Seit Jahren versucht Ursula Bablok wieder im Berufsleben Fuß zu fassen.&amp;lt;ref&amp;gt;Die folgenden Informationen und Zitate stammen, wenn nicht anders angegeben, aus einem Zeitzeuginnengespräch mit Ursula Bablok, geführt am 16. Januar 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Vier Jahre lang hat die Diplompädagogin nach der Geburt ihrer Tochter zu Hause verbracht. Es ist die Zeit der sogenannten Ökonomisierung des Sozialen: Soziale Arbeit wird mehr und mehr nach marktwirtschaftlichen Prinzipien ausgerichtet. Um Kosten zu sparen, werden viele Vollzeitstellen abgebaut und durch Teilzeit- oder Minijobs ersetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Buestrich, Michael/Wohlfahrt, Norbert: Die Ökonomisierung der Sozialen Arbeit, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (2008) Heft 12/13, S. 23.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Stellensuche wird dadurch sehr erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geboren wurde Ursula Bablok am 22. Juni 1955 in Tegernheim, einem kleinen Ort bei Regensburg. Eigentlich hatte sie Lehrerin an einer Sonderschule werden wollen. Ein Unfall hat ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht. Lange stehen kann sie seitdem nicht mehr. Menschen, die sozial benachteiligt sind, haben Ursula Bablok früh interessiert: Schon als Schülerin hat sie sich in Wohngruppen für Menschen mit Behinderungen engagiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gründung und Aufbau der &#039;&#039;FreiwilligenAgentur Regensburg&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
[[Datei:Eröffnung FreiwilligenAgentur Regensburg.JPG|260px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Bei der Eröffnung der &#039;&#039;FreiwilligenAgentur Regensburg&#039;&#039; am 4. Dezember 1998 ist auch Margot Murr (rechts) dabei. Von ihr stammt die Idee.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Zurück ins Jahr 1998: Ursula Bablok wendet sich an KISS, die Kontakt- und Informationsstelle Selbsthilfe in Regensburg. Deren Träger ist der Paritätische in Bayern. Für dessen Mitgliedsorganisationen hat Ursula Bablok schon gearbeitet. Margot Murr, die Leiterin von KISS, kann ihr keine Stelle anbieten. Aber sie hat von einem neuen Konzept gehört: Sogenannte Freiwilligen-Agenturen vermitteln Menschen in ein für sie passendes Ehrenamt. So etwas könnte Ursula Bablok doch in Regensburg aufbauen. Der Paritätische Bezirksverband Niederbayern/Oberpfalz unterstützt die Idee. Bald bezieht Ursula Bablok ein Büro in dessen Geschäftsstelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erstes muss Ursula Bablok ein Netzwerk aufbauen: Sie kontaktiert viele Organisationen in Regensburg und stellt ihnen das Konzept der Freiwilligenagentur vor. Unter dem Schlagwort „Bürgerschaftliches Engagement“ werden ab den 1990er Jahren viele Ideen entwickelt, mit denen Menschen dazu motiviert werden sollen, sich gesellschaftlich einzubringen. Manche befürchten, dass so bezahlte Arbeitsplätze eingespart werden sollen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wendt, Wolf Rainer: Geschichte der Sozialen Arbeit Bd. 2. Die Profession im Wandel ihrer Verhältnisse, Stuttgart 2008, S. 365.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ursula Bablok schafft von Anfang an klare Verhältnisse: Die FreiwilligenAgentur Regensburg soll gleichermaßen ein Service für die beschäftigenden Organisationen und die Freiwilligen sein. Deshalb definiert sie für beide Seiten klare Anforderungen. Besonders wichtig ist ihr, dass die Freiwilligen und ihre Arbeit wertgeschätzt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In München gibt es seit 1980 eine Freiwilligenagentur unter dem Dach des Paritätischen in Bayern: Die &#039;&#039;Münchner Helfer Information&#039;&#039; (MHI) war die erste Freiwilligenagentur in Deutschland. Ihr Träger ist der &#039;&#039;Verein für Fraueninteressen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Verein für Fraueninteressen (Hg.): 100 Jahre Verein für Fraueninteressen, München 1994, S. 78.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ab 1998 heißt die MHI &#039;&#039;Freiwilligen-Agentur Tatendrang&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Freiwilligen-Agentur TATENDRANG (Hg.): Unsere Geschichte (https://tatendrang.de/ueber-uns/, aufgerufen am 18.3.2024).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die bayerischen Freiwilligenagenturen vernetzen sich bald. Sie gründen die &#039;&#039;lagfa&#039;&#039;, die Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligen-Agenturen in Bayern. Ursula Bablok ist Mitbegründerin und wird schließlich zur Sprecherin der &#039;&#039;lagfa&#039;&#039; gewählt. Das Konzept der Freiwilligenagenturen breitet sich aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Erhard Bablok.JPG|mini|700px|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Ursula Babloks Ehemann Erhard ist von Beginn an ein wichtiger Unterstützer der &#039;&#039;FreiwilligenAgentur Regensburg&#039;&#039;. Bei der Werbung in der Regensburger Innenstadt hilft er tatkräftig mit. Hier sieht man auch: Ursula Bablok ist als Gesicht der &#039;&#039;FreiwilligenAgentur Regensburg&#039;&#039; auf vielen Werbematerialien persönlich abgebildet.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anerkennung und Abschied==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Paritätischen Landesverband in München wird die &#039;&#039;FreiwilligenAgentur Regensburg&#039;&#039; damals wenig wahrgenommen. Ursula Babloks Eindruck ist: Die &#039;&#039;FreiwilligenAgentur Regensburg&#039;&#039; wird toleriert, solange sie kein Geld kostet. Der Paritätische in Bayern kämpft zu dieser Zeit mit einer [[Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern|Krise]]. Währenddessen baut Ursula Bablok mit der &#039;&#039;FreiwilligenAgentur&#039;&#039; eigene Projekte auf, zum Beispiel YOUNGAGEMENT, das Schüler*innen ermöglicht, ein Ehrenamt auf Zeit zu übernehmen und so das Konzept kennenzulernen. Das Verhältnis zum Verband ändert sich 2010 mit der Vorständin Margit Berndl: „Freiwilliges Engagement ist ein ganz wichtiger Bestandteil des Paritätischen. Das wirklich so auszusprechen und uns als wichtige Säule zu betrachten, verbinde ich mit der Person Frau Berndl. Die hat das ganz anders wahrgenommen, gesehen, beurteilt und dann auch gehandelt“, wird sich Ursula Bablok später erinnern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;FreiwilligenAgentur Regensburg&#039;&#039; entwickelt weitere preisgekrönte Projekte. Ursula Bablok wird zu einer gefragten Persönlichkeit in Regensburg. Die &#039;&#039;FreiwilligenAgentur Regensburg&#039;&#039; füllt große Teile ihres Lebens aus. Nur im Urlaub oder auf Wochenendtrips kann sie abschalten.  Mit 63 Jahren setzt sich Ursula Bablok 2018 zur Ruhe. Zum Abschied wird sie noch einmal von vielen Wegbegleiter*innen gefeiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:2018 Bablok Ruhestand.jpg|mini|700px|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Die Lokalmedien sind ein wichtiger Partner der &#039;&#039;FreiwilligenAgentur Regensburg&#039;&#039;. Fernsehen und Zeitungen haben immer wieder über die Arbeit von Ursula Bablok berichtet und Möglichkeiten des freiwilligen Engagements in Regensburg vorgestellt. 2018 wird über Ursula Babloks Verabschiedung berichtet.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Freiwilligen-Agentur TATENDRANG (Hg.): Unsere Geschichte (https://tatendrang.de/ueber-uns/, aufgerufen am 18.3.2024).&lt;br /&gt;
*Zeitzeuginnengespräch mit Ursula Bablok am 16. Januar 2024.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Buestrich, Michael/Wohlfahrt, Norbert: Die Ökonomisierung der Sozialen Arbeit, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (2008) Heft 12/13, S. 17-24.&lt;br /&gt;
*Verein für Fraueninteressen (Hg.): 100 Jahre Verein für Fraueninteressen, München 1994.&lt;br /&gt;
*Wendt, Wolf Rainer: Geschichte der Sozialen Arbeit Bd. 2. Die Profession im Wandel ihrer Verhältnisse, Stuttgart 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Datei:Kinderzentrum_LMU.jpg&amp;diff=1236</id>
		<title>Datei:Kinderzentrum LMU.jpg</title>
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		<updated>2025-01-08T13:46:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Im Kinderzentrum der Ludwig-Maximilians Universität in München bekommt dieses Baby eine physiotherapeutische Behandlung, 1974, Copyright:Alfred Strobel/Süddeutsche Zeitung Photo.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
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		<title>Datei:Hellbruegge.jpg</title>
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		<updated>2025-01-08T13:43:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* Beschreibung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prof. Theodor Hellbrügge, o. D., Copyright: Marlies Schnetzer/Süddeutsche Zeitung Photo.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=%E2%80%9EJetzt_gibt_es_keine_Fraueninteressen,_jetzt_gibt_es_nur_eine_gemeinsame_Not%E2%80%9C:_Die_Wiedergr%C3%BCndung_des_Parit%C3%A4tischen_in_Bayern_nach_dem_Zweiten_Weltkrieg&amp;diff=1234</id>
		<title>„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=%E2%80%9EJetzt_gibt_es_keine_Fraueninteressen,_jetzt_gibt_es_nur_eine_gemeinsame_Not%E2%80%9C:_Die_Wiedergr%C3%BCndung_des_Parit%C3%A4tischen_in_Bayern_nach_dem_Zweiten_Weltkrieg&amp;diff=1234"/>
		<updated>2025-01-07T11:00:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Den Paritätischen in Bayern gibt es 10 Jahre lang, bevor er im Nationalsozialismus aufgelöst wird. Nach Kriegsende kann die Arbeit des Verbands sofort wieder aufgenommen werden. Zu verdanken ist das vor allem den engagierten Frauen des Vereins für Fraueninteressen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Erneuter Anfangspunkt: Der Münchner &#039;&#039;Verein für Fraueninteressen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8. Mai 1945: Die Wehrmacht hat kapituliert, der Zweite Weltkrieg ist zu Ende. Bayern wird vorerst vom US-amerikanischen Militär verwaltet. Für den [[Ein Netzwerk engagierter Frauen: Der Verein für Fraueninteressen und das Umfeld des Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;Verein für Fraueninteressen&#039;&#039;]] bedeutet das: Die Arbeit kann endlich weitergehen. Der Verein wurde [[Vom Paritätischen Wohlfahrtsverband zur Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt|im Nationalsozialismus]] nicht aufgelöst. Ihm wurden aber alle seine sozialen Einrichtungen entzogen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Verein für Fraueninteressen (Hg.): 100 Jahre Verein für Fraueninteressen, München 1994, S. 63 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Verein ist für seine Mitglieder nur noch „eine letzte geistige Zuflucht gewesen [...], in deren Schutz man sich durch offene Aussprache das Herz erleichtern konnte“.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Original „in dessen Schutz“, s. 100 Jahre Verein für Fraueninteressen, S. 64.&amp;lt;/ref&amp;gt; Politische oder fürsorgliche Arbeit hat er nicht leisten dürfen. Der einzige Vorteil daran: In dieser Zeit wurde kein Geld ausgegeben. Die Einnahmen der Milchkioske, die der Verein betreibt, wurden über viele Jahre angespart.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. 100 Jahre Verein für Fraueninteressen, S. 85.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Milchkiosk 1929.jpg|800px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;In seinen sogenannten Milchkiosken verkauft der &#039;&#039;Verein für Fraueninteressen&#039;&#039; Milch und Buttermilch in Gläsern, Kakao, Kaffee, Tee, Joghurt, Butterbrote, Würstchen, Pudding, Waffeln und Eiscreme.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. IfZ, ED 898/585, Archiv des Vereins für Fraueninteressen, Korrespondenz vor 1945, Teil 1, 1933-1936, Jahresbericht des Vereins für Fraueninteressen und Frauenarbeit E.V. München 1. Oktober 1932 bis 30 September 1933, S. 9.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das ist eine wichtige Einnahmequelle für den Verein. Dieses Foto zeigt seinen Milchkiosk am Isartorplatz im Januar 1929.&amp;lt;ref&amp;gt;StdA München, DE-1992-FS-NL-PETT1-1361, Isartorplatz, 10.1.1929, [https://creativecommons.org/licenses/by-nd/4.0/deed.de CC BY-ND 4.0 DEED].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ende des Nationalsozialismus steht im &#039;&#039;Verein für Fraueninteressen&#039;&#039; ein Führungswechsel an. Zehn Jahre lang war Gisela Mauermayer-Schmidt Vorsitzende. Gleichzeitig war sie Mitglied der NSDAP. Das hat dazu beigetragen, dass der Verein nicht aufgelöst wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. 100 Jahre Verein für Fraueninteressen, S. 63.&amp;lt;/ref&amp;gt; Erste und zweite Vorsitzende werden jetzt Julie Gräfin Bothmer und [[Die treibende Kraft: Anna Heim-Pohlmann|Anna Heim-Pohlmann]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. 100 Jahre Verein für Fraueninteressen, S. 65.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die beiden Frauen setzen sich sofort dafür ein, dass auch der Paritätische in Bayern seine Arbeit wieder aufnehmen kann. Die [[Ein Netzwerk engagierter Frauen: Der Verein für Fraueninteressen und das Umfeld des Paritätischen in Bayern|enge Verbindung]] zwischen dem &#039;&#039;Verein für Fraueninteressen&#039;&#039; und seinem Dachverband ist ungebrochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der organisatorische Wiederaufbau beginnt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil so viel durch den Krieg zerstört wurde, ist es schwierig, von einer Stadt in die andere zu kommen. Deswegen soll der „Wiederaufbau“ des Paritätischen in Bayern zuerst in München stattfinden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. IfZ, ED 898/678, Schreiben von Julie Gräfin Bothmer an Karl Scharnagl, 24.7.1945.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 24. Juli schreibt Gräfin Bothmer einen Brief an den neuen Münchner Oberbürgermeister Karl Scharnagl. Sie berichtet ihm vom Schicksal des Paritätischen in Bayern: „Viele der ihm angehörenden Heime und Einrichtungen bestehen aber weiter fort und bedürfen mehr denn je der Zusammenfassung zwecks Beratung und Förderung in der Arbeit, Vertretung der rechtlichen und wirtschaftlichen Interessen und so fort“.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Bemühungen der Gräfin sind erfolgreich: Obwohl es den Paritätischen in Bayern offiziell gerade nicht gibt, wird ihm ein Sitz in der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege der Stadt zugesprochen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. IfZ, ED 898/678, Schreiben von Karola Lutz an Gisela Mauermayer-Schmidt, 21.9.1945.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die amerikanische Militärregierung hat nichts dagegen, dass der Paritätische in Bayern seine Arbeit wieder aufnimmt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. IfZ, ED 898/678.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im November ist ein neuer Vorsitzender für den Verband gefunden: Der ehemalige Rechtsanwalt und Rechtshistoriker Rudolf Düll. Eine Verbindung zum Paritätischen hat er nicht. Er interessiert sich aber für Fürsorge.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. IfZ, ED 898/678, Schreiben von Karola Lutz an Gisela Mauermayer-Schmidt, 16.11.1945.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zeit hat er auch, denn seine Karriere als Universitätsprofessor ist von der NSDAP gestoppt worden – wegen „seiner aufrechten Haltung“, heißt es.&amp;lt;ref&amp;gt;Nörr, Dieter: In memoriam. Rudolf Düll (1887-1979), in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte (1980) Heft 1, S. 544.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der gelebte Neustart==&lt;br /&gt;
[[Datei:Plakat 1948.jpg|400px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Im Herbst 1948 organisiert der Paritätische in Bayern gemeinsam mit anderen Wohlfahrtsverbänden eine Spendensammlung. Der Aufruf gibt einen Einblick in die Probleme in Bayern in der Nachkriegszeit und zeigt, warum der Paritätische dringend gebraucht wird.&amp;lt;ref&amp;gt;StdA Nürnberg, A 28 Nr. 1948_0756, Aufruf verschiedener Hilfswerke in Bayern zugunsten der Kleinrentner und Kleinsparer, der Heimatvertriebenen und total Fliegergeschädigten, der Kriegsheimkehrern und den Opfern der Ludwigshafener Explosionskatastrophe vom 28.7.1948, 1948.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die praktische Arbeit beim Wiederaufbau übernimmt vor allem die Zweite Vorsitzende des Verbands, [[Die treibende Kraft: Anna Heim-Pohlmann|Anna Heim-Pohlmann]]. Sie erstattet der US-amerikanischen Militärverwaltung regelmäßig Bericht über die Verbandsarbeit. Die Berichte tragen den Stempel: „Paritätischer Wohlfahrtsverband München“.&amp;lt;ref&amp;gt;BayHStA, OMGB 10/050-2/015, Statistical and Narrative Reports on Foreign Supplies - Paritätischer Wohlfahrtsverband, 1946.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ehemalige Mitgliedsorganisationen strömen zurück in den Verband. Sie möchten ihre Arbeit jetzt gemeinsam wieder aufnehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. IfZ, ED 898/678, Schreiben von Karola Lutz an Gisela Mauermayer-Schmidt, 16.11.1945.&amp;lt;/ref&amp;gt; Schon im Oktober 1947 kann berichtet werden: „Heute umfasst der Verband in Bayern Heime und Anstalten mit ungefähr 3000 Betten [in seinen Mitgliedsorganisationen]. [...] Es befinden sich darunter Kinder-Erziehungs- und Erholungsheime, Wohnheime für Jugendliche, Altersheime, Blindenheime, Entbindungsanstalten etc. auch Wohnheime für Studierende an den Hochschulen. Zu den weiteren fürsorgerischen Arbeiten gehört die Betreuung von Flüchtlings- und ähnlichen Lagern.“&amp;lt;ref&amp;gt;BayHStA, OMGB 10/115-2/003, Bericht des PWV über seine Arbeit, 24.10.1947.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Wiederaufbau läuft auf Hochtouren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber der Verband hat kein Geld und keine eigenen Räume. Die meisten seiner Unterlagen sind während des Krieges durch alliierte Bombenangriffe verbrannt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. BayHStA, OMGB 10/115-2/003, Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Juli 1946.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der &#039;&#039;Verein für Fraueninteressen&#039;&#039; hilft aus. Später wird es heißen: „Es dürfte kaum möglich sein, zu entscheiden, zu welchen Teilen die Bürokosten [...] vor 1948 dem Verein, und in welcher Höhe sie dem [Paritätischen Wohlfahrtsverband] PWV zuzuschreiben waren. Die Arbeit war damals so eng verflochten und wurde so sehr als &#039;&#039;eine&#039;&#039; Arbeit gesehen, dass Erörterungen darüber auch gar nicht stattfanden.“&amp;lt;ref&amp;gt;IfZ, ED 898/678, o. T. u. A.&amp;lt;/ref&amp;gt; Verein und Verband arbeiten gemeinsam unter einem Dach – genau wie vor der Zeit des Nationalsozialismus. Das ist nicht immer einfach: Der Platz in den Büroräumen in der Aldringenstraße ist begrenzt. Wenn der Paritätische eine Sitzung abhalten möchte, muss er damit bis zum Abend warten. Dann ist die Arbeit des &#039;&#039;Vereins für Fraueninteressen&#039;&#039; beendet und es gibt genug Platz.&amp;lt;ref&amp;gt;IfZ, ED 898/678, o. T. u. A.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Entwicklung, auch über Bayern hinaus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Juli 1948 findet in der Gaststätte Holzmüller in der Augustenstraße 10 in München eine Versammlung statt. Geleitet wird sie von Rudolf Düll. Endlich ist es so weit: Der Paritätische in Bayern wird offiziell wieder gegründet. 20 Mitgliedsorganisationen sind anwesend.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zeitler, Klaus: Wer hilft, hat recht, in: Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband Landesverband Bayern e.V. (Hg.): Festreden. 40 Jahre DPWV in Bayern, München 1989, S. 8 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; An der Spitze des Verbands stehen Menschen, die sich dem Nationalsozialismus nicht angepasst haben. Obwohl der Verband schon seit drei Jahren wieder unter seinem alten Namen arbeitet, wird die Vereinsgründung als besonderes Ereignis gefeiert: In den folgenden Jahrzehnten wird es dieses Datum sein, auf das der Verband seine Jubiläumsfeiern bezieht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch über die Grenzen Bayerns hinaus formiert sich wieder ein Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband: Am 2. April 1948 haben sich die Paritätischen Wohlfahrtsverbände aus dem von den USA verwalteten Teil Deutschlands zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen. Bald kommen auch die Verbände der englischen und der französischen Zone dazu.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vorstand des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes (Hg.): Die Wiedererstehung des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes E. V. am 7. Und 8. Oktober 1949 in Frankfurt am Main, Frankfurt am Main 1949, S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Oktober 1949 findet die offizielle Gründung des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands statt. Der Verband bekommt einen sechsköpfigen Vorstand. Zu dem gehört auch [[Die treibende Kraft: Anna Heim-Pohlmann|Anna Heim-Pohlmann]].&amp;lt;ref&amp;gt;Die Wiedererstehung des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, S. 28.&amp;lt;/ref&amp;gt; Damit ist wieder eine Frau aus Bayern in den vordersten Reihen des Gesamtverbands vertreten – wie schon in den 1920er Jahren. Anna Heim-Pohlmann wird für viele Jahre eine wichtige Figur im Gesamtverband und im Paritätischen in Bayern bleiben.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&amp;lt;html&amp;gt;&amp;lt;iframe src=&amp;quot;https://www.ardmediathek.de/embed/Y3JpZDovL2JyLmRlL3ZpZGVvLzgwMDdjZTliLTMyNTEtNDI1ZC04ZjJiLWQxNGUwNTY4OGNlZQ&amp;quot; width=&amp;quot;640&amp;quot; height=&amp;quot;360&amp;quot; allowfullscreen frameBorder=&amp;quot;0&amp;quot; scrolling=&amp;quot;no&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;/iframe&amp;gt;&amp;lt;/html&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
1958 vollendet der Paritätische in Bayern den Bau des ersten &amp;lt;i&amp;gt;Altersheims für geistig Schaffende&amp;lt;/i&amp;gt; in Pullach im Isartal. Es ist das erste große eigene Projekt des Verbands seit seiner Wiedergründung. Im Oktober 1959 stellt der Bayerische Rundfunk diese besondere Einrichtung und ihre Bewohner*innen in einem Fernsehbeitrag vor. Später werden hier auch Menschen ihren Lebensabend verbringen, die selbst am Wiederaufbau des Verbands beteiligt waren, darunter [[Die treibende Kraft: Anna Heim-Pohlmann|Anna Heim-Pohlmann]].&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Quellen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Archiv des Instituts für Zeitgeschichte, ED 898/678, Archiv des Vereins für Fraueninteressen, DPWV, LV Bayern, Teil 2, bis 1946.&lt;br /&gt;
*Bayerisches Hauptstaatsarchiv, OMGB 10/050-2/015, Statistical and Narrative Reports on Foreign Supplies - Paritätischer Wohlfahrtsverband, 1946.&lt;br /&gt;
*Bayerisches Hauptstaatsarchiv, OMGB 10/115-2/003, Bericht des PWV über seine Arbeit, 24.10.1947.&lt;br /&gt;
*Stadtarchiv München, DE-1992-FS-NL-PETT1-1361,  Isartorplatz, 10.1.1929, [https://creativecommons.org/licenses/by-nd/4.0/deed.de CC BY-ND 4.0 DEED].&lt;br /&gt;
*Stadtarchiv Nürnberg, A 28 Nr. 1948_0756, Aufruf verschiedener Hilfswerke in Bayern zugunsten der Kleinrentner und Kleinsparer, der Heimatvertriebenen und total Fliegergeschädigten, der Kriegsheimkehrern und den Opfern der Ludwigshafener Explosionskatastrophe vom 28.7.1948, 1948. &lt;br /&gt;
*Vorstand des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes (Hg.): Die Wiedererstehung des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes E. V. am 7. und 8. Oktober 1949 in Frankfurt am Main, Frankfurt am Main 1949.&lt;br /&gt;
*Zeitler, Klaus: Wer hilft, hat recht, in: Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband Landesverband Bayern e.V. (Hg.): Festreden. 40 Jahre DPWV in Bayern, München 1989, S. 7-16.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Nörr, Dieter: In memoriam. Rudolf Düll (1887-1979), in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte (1980) Heft 1, S. 543-552.&lt;br /&gt;
*Verein für Fraueninteressen (Hg.): 100 Jahre Verein für Fraueninteressen, München 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Die_%E2%80%9Ekleine_Frau_mit_dem_gewaltig_gro%C3%9Fen_Herzen%E2%80%9C:_Betty_Geiling&amp;diff=1233</id>
		<title>Die „kleine Frau mit dem gewaltig großen Herzen“: Betty Geiling</title>
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		<updated>2024-11-08T12:43:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* „Geachtet und geliebt“ */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Die Pädagogin Betty Geiling baut in den 1960er Jahren die erste Kreisgruppe des Paritätischen in Bayern auf. Die wird später zum Bezirksverband Unterfranken werden. Betty Geiling begleitet die Kreisgruppe jahrzehntelang als Geschäftsführerin und kann in Unterfranken in dieser Zeit einiges bewegen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Geiling 1983.jpeg|mini|800px|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Betty Geiling (ganz rechts) mit ihrem Team der Kreisgruppe Unterfranken 1983.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Eine unbekannte Jugend==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betty Geiling wird am 9. März 1926 in Gelchsheim bei Würzburg geboren.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. o. A.: Betty Geiling wurde 60, in: parität aktuell (1986) Nr. 2, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als der Zweite Weltkrieg endet, ist sie 19 Jahre alt. Auch wenn Betty Geiling in Zukunft viele Interviews geben wird, wird sie über ihre Kindheit und Jugend kaum sprechen. Eine spätere Weggefährtin wird sich später daran erinnern, dass da „ein Kriegsschicksal“ war: „Ich glaube, ihr Verlobter ist gefallen. Aber [...] man hat über die Kriegszeit damals nicht gesprochen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Andrea Müller-Stoy am 20. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nachkriegsjahre==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Jahre nach dem Krieg verbringt Betty Geiling damit, Geflüchteten aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten zu helfen, die jetzt in ihrer Heimatregion ankommen. Unterfranken ist plötzlich Grenzland zwischen Ost und West. Ende der 1940er Jahre übernimmt Betty Geiling die Leitung eines Kindergartens in Schweinfurt. Knapp 10 Jahre lang arbeitet sie in verschiedenen Städten als Erzieherin. Zuletzt leitet sie eine Kindertagesstätte in Hannover.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. o. A.: Betty Geiling wurde 60.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es zieht sie zurück nach Unterfranken. 1957 erhält Betty Geiling von den örtlichen Behörden und dem Paritätischen in Bayern einen Auftrag. Die 31-Jährige soll sich um die Menschen im [[Unterstützung für Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg|Flüchtlingslager]] Gelchsheim kümmern. Dabei geht es nicht um Fürsorge im materiellen Sinn. Die haben die kirchlichen Verbände übernommen. Betty Geiling soll die Menschen sozialpädagogisch betreuen. Durch Bildungsangebote sollen die „negativen Erscheinungsbilder und Verhaltensweisen von ‚Lagerleuten‘ in Massenlagern“ verhindert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;BayHStA, Slg Flüchtlingswesen 592, Betty Geiling an Martin Kornrumpf, 25.10.1976.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Kreisgruppe entsteht==&lt;br /&gt;
[[Datei:Geiling 1980.jpg|320px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Während ihrer Zeit als Geschäftsführerin wird Betty Geiling immer wieder die Chance nutzen, in der Öffentlichkeit auf die schwierige Situation der Wohlfahrtspflege aufmerksam zu machen, wie hier 1980.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern sitzt in München. In Unterfranken gibt es viele Mitgliedsorganisationen des Verbands. Aber: „Sie haben untereinander kaum Kontakt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Geiling, Betty: München ist weit weg! Unterfranken am Ende von Bayern, in: 60 Jahre Bezirksverband Unterfranken, S. 7.&amp;lt;/ref&amp;gt; Viele der Mitarbeitenden der Mitgliedsorganisationen wissen gar nicht, dass sie zum Verband gehören. Er ist kaum bekannt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Herbst 1963 wird in Würzburg die erste Kreisgruppe des Paritätischen in Bayern ins Leben gerufen. Betty Geiling wird Geschäftsführerin. Sie arbeitet ja schon seit Jahren in Unterfranken für den Paritätischen in Bayern. Monate bevor im November 1964 die offizielle Gründungsversammlung stattfinden kann, beginnt die Kreisgruppe mit ihrer Arbeit. Sie hat Vorbildcharakter: Auch in München und Augsburg werden bald eigene Kreisgruppen des Paritätischen in Bayern gegründet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. BayHStA, SdA Sudetendt. Sozialwerk 468, Arbeitsbericht für die Zeit vom 1.1.63—31.12.63, Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband, Landesverband Bayern e.V., 3.7.1964.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betty Geiling wird später erzählen: „Mit der Gründung der ‚Kreisgruppe‘ in Würzburg für Unterfranken begann das Aufhorchen. Die unterschiedlichen Initiativen wurden miteinander bekannt, informierten sich und erklärten ihre Bereitschaft auf Bezirksebene im Paritätischen mitzuwirken.“&amp;lt;ref&amp;gt;Geiling: München ist weit weg!&amp;lt;/ref&amp;gt; 1968 wird eine erste Außenstelle Schweinfurt eingerichtet. 1976 entsteht eine weitere in Aschaffenburg.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. o. A.: Der Paritätische in Unterfranken 1964—2014, in: 50 Jahre Bezirksverband Unterfranken, S. 5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==„Geachtet und geliebt“==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andrea Müller-Stoy ist Referentin für Frauen und Familie im Paritätischen in Bayern, als sie Betty Geiling in den 1980er Jahren kennenlernt. Ihr Eindruck von der Geschäftsstelle in Würzburg: „Die Kreisgruppe hatte Wohnzimmercharakter“.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Andrea Müller-Stoy am 20. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Über Betty Geiling selbst wird sie später sagen: „Ich habe sie geachtet und geliebt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betty Geiling gibt immer wieder Interviews und wirbt für Unterstützung. Sie erkennt, was den Menschen fehlt, und entwickelt neuartige Projekte, um ihnen zu helfen. So entsteht unter anderem eine Kinderspielstube am Bahnhof in Würzburg. Hier können Kinder stundenweise betreut werden, während ihre Eltern Erledigungen machen, zum Beispiel einkaufen oder zum Arzt gehen. Auch die erste Sozialstation Unterfrankens geht auf die Initiative von Betty Geiling zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Lokalzeitung werden Betty Geilings Geburtstage gerne zum Anlass genommen, sie zu porträtieren – auch als sie schon im Ruhestand ist. Betty Geiling stirbt 2021 im Alter von 95 Jahren.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Grimm, Hannelore: Unermüdlicher Einsatz für den Nächsten, in: Main Post, 10.9.2021.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Geiling 1986.jpg|mini|600px|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Auch der Paritätische in Bayern feiert mit Betty Geiling Geburtstag: Zu ihrem 60. wird sie 1986 in der bundesweiten Verbandszeitung vorgestellt. Hier werden ihre größten Erfolge und Auszeichnungen aufgezählt.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Slg Flüchtlingswesen 592, Betty Geiling an Martin Kornrumpf, 25.10.1976.&lt;br /&gt;
*Bayerisches Hauptstaatsarchiv, SdA Sudetendt. Sozialwerk 468, Arbeitsbericht für die Zeit vom 1.1.63—31.12.63, Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband, Landesverband Bayern e.V., 3.7.1964.&lt;br /&gt;
*Geiling, Betty: München ist weit weg! Unterfranken am Ende von Bayern, in: 60 Jahre Bezirksverband Unterfranken, S. 7.&lt;br /&gt;
*Grimm, Hannelore: Unermüdlicher Einsatz für den Nächsten, in: Main Post, 10.9.2021.&lt;br /&gt;
*o. A.: Betty Geiling wurde 60, in: parität aktuell (1986) Nr. 2, o. S.&lt;br /&gt;
*o. A.: Der Paritätische in Unterfranken 1964—2014, in: 50 Jahre Bezirksverband Unterfranken, S. 5.&lt;br /&gt;
*Zeitzeuginnengespräch mit Andrea Müller-Stoy am 20. März 2024.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=%E2%80%9EMeisterin_der_Jugendhilfe%E2%80%9C_und_T%C3%A4terin:_Elisabeth_Bamberger&amp;diff=1232</id>
		<title>„Meisterin der Jugendhilfe“ und Täterin: Elisabeth Bamberger</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=%E2%80%9EMeisterin_der_Jugendhilfe%E2%80%9C_und_T%C3%A4terin:_Elisabeth_Bamberger&amp;diff=1232"/>
		<updated>2024-10-21T14:02:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* Ungebremste Karriere */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Bamberger.jpg|300px|thumb|right|&amp;lt;center&amp;gt;Elisabeth Bamberger in ihrer Funktion als Leiterin des Münchner Jugendamts Anfang der 1950er Jahre.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Elisabeth Bamberger ist eine wichtige Figur in der Geschichte des Vereins für Fraueninteressen, des Paritätischen in Bayern und der Jugendhilfe in der jungen Bundesrepublik. Sie hat aber auch einen Anteil an der Verfolgung von Menschen in München während der Zeit des Nationalsozialismus.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
==Von der Universität ins Wohlfahrtsamt==&lt;br /&gt;
Elisabeth Bamberger, geboren am 13. Dezember 1890 im oberbayerischen Erding, promoviert 1922 über „Die Finanzverwaltung in den deutschen Territorien des Mittelalters“.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Angermair, Elisabeth: Die Illusion des Regenbogens. Perspektiven für Frauen in der Nachkriegsgesellschaft, München 2007, S. 75.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das ist etwas Besonderes: Frauen machen zu dieser Zeit nur etwa elf Prozent der Studierenden an der Münchner Universität aus.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach geht Elisabeth Bamberger zum Münchner Wohlfahrtsamt und wird Leiterin der neuen Abteilung „Familienfürsorge“. In dieser Position hat sie die Aufsicht über alle Wohlfahrtspflegerinnen der Stadt: Sie ist an ihrer Einstellung und Weiterbildung beteiligt und bespricht besonders schwierige Fürsorgefälle mit ihnen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Brunner, Claudia: Frauenarbeit im Männerstaat. Wohlfahrtspflegerinnen im Spannungsfeld kommunaler Sozialpolitik in München 1918—1938, Pfaffenweiler 1994, S. 35-37.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als promovierte Nationalökonomin ist sie überqualifiziert, aber Frauen haben auf dem Arbeitsmarkt wenig Spielraum.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Bergmeier, Monika: „Vom Lebenswunsch, sozial zu arbeiten“. Nationalökonominnen in München bis 1933, in: Häntzschel, Hiltrud/Bußmann, Hadumod (Hg.): Bedrohlich gescheit. Ein Jahrhundert Frauen und Wissenschaft in Bayern, München 1997, S. 185.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zwischen Stadtverwaltung und freier Wohlfahrtspflege==&lt;br /&gt;
[[Datei:Führer Wohlfahrtspflege.jpg|300px|thumb|right|&amp;lt;center&amp;gt;Elisabeth Bamberger erarbeitet unter anderem diesen Wegweiser durch die Münchner Fürsorgelandschaft, der 1929 erscheint.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Elisabeth Bamberger ist auch für Ehrenamtliche und für die Zusammenarbeit des Wohlfahrtsamtes mit der freien Wohlfahrtspflege zuständig.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Brunner, Claudia: Frauenarbeit im Männerstaat. Wohlfahrtspflegerinnen im Spannungsfeld kommunaler Sozialpolitik in München 1918-1938, Pfaffenweiler 1994, S. 37.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das passt gut: Sie ist selbst Mitglied im &amp;lt;i&amp;gt;[[Ein Netzwerk engagierter Frauen: Der Verein für Fraueninteressen und das Umfeld des Paritätischen in Bayern|Verein für Fraueninteressen]]&amp;lt;/i&amp;gt;. Bei Vorträgen und Lehrgängen wirbt sie für mehr ehrenamtliche Mitarbeit in der Fürsorge und hilft, neue Freiwillige auszubilden.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Die Mitarbeit ehrenamtlicher Kräfte, in: Münchner Neueste Nachrichten, 19.6.1927, S. 33.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Oktober 1932 übernimmt sie den Vorsitz des Akademikerinnenbundes, einer Ausgründung des &amp;lt;i&amp;gt;Vereins für Fraueninteressen&amp;lt;/i&amp;gt;. Er setzt sich für die Besserstellung von hochqualifizierten Frauen auf dem Arbeitsmarkt ein.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Jahresbericht des &amp;lt;i&amp;gt;Vereins für Fraueninteressen und Frauenarbeit&amp;lt;/i&amp;gt; vom 1. Oktober 1932 bis 30 September 1933, in: Archiv des Instituts für Zeitgeschichte, ED 898/585, Korrespondenz des Vereins für Fraueninteressen vor 1945, 1933-1936.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Elisabeth Bamberger im Nationalsozialismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch im Nationalsozialismus bleibt Elisabeth Bamberger Leiterin der Münchner Familienfürsorge. In die NSDAP tritt sie nicht ein. Ihre Arbeit wird im nationalsozialistischen System aber so positiv wahrgenommen, dass sie 1941 befördert wird. Die Hausbesuche und Berichte der Fürsorgerinnen dienen jetzt dazu, die vom Wohlfahrtsamt betreuten Menschen zu kontrollieren. Wer im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie als „asozial“, „arbeitsscheu“ oder „minderwertig“ eingestuft wird, dem drohen Zwangssterilisation, Zwangsarbeit oder das Konzentrationslager Dachau.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wimmer, Florian: Die völkische Ordnung von Armut. Kommunale Sozialpolitik im nationalsozialistischen München, Göttingen 2014, S. 113-114 sowie S. 125.&amp;lt;/ref&amp;gt; Elisabeth Bamberger setzt sich persönlich für eine strikte Verfolgung und Drangsalierung von Menschen im Sinne der NS-Ideologie ein. Sie beschwert sich zum Beispiel darüber, dass sich die Polizei zu oft durch vermeintlich faule Arbeitslose „an der Nase herum[führen]“ ließe.&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach Wimmer: Die völkische Ordnung von Armut, S. 286.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ungebremste Karriere==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1945 kann Elisabeth Bamberger ihre Karriere ungehindert fortsetzen. Sie wird Direktorin des Münchner Jugendamtes. Als formal unbelastete Person kann sie sich für frühere Kollegen einsetzen und ihnen bei der Entnazifizierung helfen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wimmer: Die völkische Ordnung von Armut, S. 415.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im &amp;lt;i&amp;gt;Verein für Fraueninteressen&amp;lt;/i&amp;gt;, von dem zu dieser Zeit der Paritätische in Bayern [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg|neu aufgebaut]] wird, sitzt sie weiter im Vorstand.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Archiv des Instituts für Zeitgeschichte, ED 898/ 18, Akten des Vorstands des Vereins für Fraueninteressen, 1946-1994.&amp;lt;/ref&amp;gt; Elisabeth Bamberger wird zu einer wichtigen und hoch geachteten Person in der [[„Jugendnot“ und Heimerziehung im Paritätischen in Bayern|Jugendhilfe]] der jungen Bundesrepublik. Sie stößt wichtige Reformen an und beteiligt sich rege am fachlichen Austausch.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Bamberger DPWV-Nachrichten.jpg|600px|thumb|center|&amp;lt;center&amp;gt;Elisabeth Bamberger ist bekannt dafür, dass sie sich lebhaft an allen öffentlichen Diskussionen beteiligt, die Jugendschutz und Jugendfürsorge betreffen. Für den Paritätischen ist sie eine wichtige Expertin. Im bundesweiten Verbandsmagazin wird 1952 dieser Vortrag abgedruckt, den sie bei einer Fachtagung gehalten hat.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Frau Dr. E. Bamberger, München, sprach zum Jugendschutzgesetz, in: DPWV-Nachrichten (1952) Heft 10, S. 4.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1955 wird Elisabeth Bamberger pensioniert. Die 65-Jährige übernimmt den Vorsitz des Münchner Vereins &amp;lt;i&amp;gt;Kinderschutz und Mutterschutz&amp;lt;/i&amp;gt;, einer der Gründungsorganisationen des Paritätischen in Bayern. [[Die treibende Kraft: Anna Heim-Pohlmann|Anna Heim-Pohlmann]] nennt sie wenig später in einem Brief „eine wertvolle Mitarbeiterin und gute Paritäterin“.&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e. V., Anna Heim-Pohlmann an Kurz Göbel, 12.12.1957.&amp;lt;/ref&amp;gt; Anlässlich ihres 80. Geburtstags wird Elisabeth Bamberger als „vielverehrte Meisterin der Jugendhilfe“ und „Kämpferin für ein lebendiges Jugendamt“ gefeiert.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Dr. Elisabeth Bamberger zum 80. Geburtstag, in: Bayerischer Wohlfahrtsdienst. Mitteilungsblatt der Arbeitsgemeinschaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege in Bayern (1971) Heft 6, S. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie stirbt am 23. September 1984 in München.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Elisabeth Bamberger, in: Bayerischer Wohlfahrtsdienst. Mitteilungsblatt der Arbeitsgemeinschaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege in Bayern (1984) Heft 12, S. 155.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Archiv des Instituts für Zeitgeschichte, ED 898/ 18, Akten des Vorstands des Vereins für Fraueninteressen, 1946-1994.&lt;br /&gt;
*Archiv Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e. V., Anna Heim-Pohlmann an Kurz Göbel, 12.12.1957.&lt;br /&gt;
*O. A.: Die Mitarbeit ehrenamtlicher Kräfte, in: Münchner Neueste Nachrichten, 19.6.1927, S. 33&lt;br /&gt;
*O. A.: Dr. Elisabeth Bamberger zum 80. Geburtstag, in: Bayerischer Wohlfahrtsdienst. Mitteilungsblatt der Arbeitsgemeinschaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege in Bayern (1971) Heft 6, S. 6.&lt;br /&gt;
*O. A.: Elisabeth Bamberger, in: Bayerischer Wohlfahrtsdienst. Mitteilungsblatt der Arbeitsgemeinschaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege in Bayern (1984) Heft 12, S. 155.&lt;br /&gt;
*O. A.: Frau Dr. E. Bamberger, München, sprach zum Jugendschutzgesetz, in: DPWV-Nachrichten (1952) Heft 10, S. 4. &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Angermair, Elisabeth: Die Illusion des Regenbogens. Perspektiven für Frauen in der Nachkriegsgesellschaft, München 2007.&lt;br /&gt;
*Bergmeier, Monika: „Vom Lebenswunsch, sozial zu arbeiten“. Nationalökonominnen in München bis 1933, in: Häntzschel, Hiltrud/Bußmann, Hadumod (Hg.): Bedrohlich gescheit. Ein Jahrhundert Frauen und Wissenschaft in Bayern, München 1997, S. 178-193.&lt;br /&gt;
*Brunner, Claudia: Frauenarbeit im Männerstaat. Wohlfahrtspflegerinnen im Spannungsfeld kommunaler Sozialpolitik in München 1918-1938, Pfaffenweiler 1994.&lt;br /&gt;
*Wimmer, Florian: Die völkische Ordnung von Armut. Kommunale Sozialpolitik im nationalsozialistischen München, Göttingen 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=%E2%80%9EMeisterin_der_Jugendhilfe%E2%80%9C_und_T%C3%A4terin:_Elisabeth_Bamberger&amp;diff=1231</id>
		<title>„Meisterin der Jugendhilfe“ und Täterin: Elisabeth Bamberger</title>
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		<updated>2024-10-21T11:00:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* Von der Universität ins Wohlfahrtsamt */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Bamberger.jpg|300px|thumb|right|&amp;lt;center&amp;gt;Elisabeth Bamberger in ihrer Funktion als Leiterin des Münchner Jugendamts Anfang der 1950er Jahre.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Elisabeth Bamberger ist eine wichtige Figur in der Geschichte des Vereins für Fraueninteressen, des Paritätischen in Bayern und der Jugendhilfe in der jungen Bundesrepublik. Sie hat aber auch einen Anteil an der Verfolgung von Menschen in München während der Zeit des Nationalsozialismus.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
==Von der Universität ins Wohlfahrtsamt==&lt;br /&gt;
Elisabeth Bamberger, geboren am 13. Dezember 1890 im oberbayerischen Erding, promoviert 1922 über „Die Finanzverwaltung in den deutschen Territorien des Mittelalters“.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Angermair, Elisabeth: Die Illusion des Regenbogens. Perspektiven für Frauen in der Nachkriegsgesellschaft, München 2007, S. 75.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das ist etwas Besonderes: Frauen machen zu dieser Zeit nur etwa elf Prozent der Studierenden an der Münchner Universität aus.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach geht Elisabeth Bamberger zum Münchner Wohlfahrtsamt und wird Leiterin der neuen Abteilung „Familienfürsorge“. In dieser Position hat sie die Aufsicht über alle Wohlfahrtspflegerinnen der Stadt: Sie ist an ihrer Einstellung und Weiterbildung beteiligt und bespricht besonders schwierige Fürsorgefälle mit ihnen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Brunner, Claudia: Frauenarbeit im Männerstaat. Wohlfahrtspflegerinnen im Spannungsfeld kommunaler Sozialpolitik in München 1918—1938, Pfaffenweiler 1994, S. 35-37.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als promovierte Nationalökonomin ist sie überqualifiziert, aber Frauen haben auf dem Arbeitsmarkt wenig Spielraum.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Bergmeier, Monika: „Vom Lebenswunsch, sozial zu arbeiten“. Nationalökonominnen in München bis 1933, in: Häntzschel, Hiltrud/Bußmann, Hadumod (Hg.): Bedrohlich gescheit. Ein Jahrhundert Frauen und Wissenschaft in Bayern, München 1997, S. 185.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zwischen Stadtverwaltung und freier Wohlfahrtspflege==&lt;br /&gt;
[[Datei:Führer Wohlfahrtspflege.jpg|300px|thumb|right|&amp;lt;center&amp;gt;Elisabeth Bamberger erarbeitet unter anderem diesen Wegweiser durch die Münchner Fürsorgelandschaft, der 1929 erscheint.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Elisabeth Bamberger ist auch für Ehrenamtliche und für die Zusammenarbeit des Wohlfahrtsamtes mit der freien Wohlfahrtspflege zuständig.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Brunner, Claudia: Frauenarbeit im Männerstaat. Wohlfahrtspflegerinnen im Spannungsfeld kommunaler Sozialpolitik in München 1918-1938, Pfaffenweiler 1994, S. 37.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das passt gut: Sie ist selbst Mitglied im &amp;lt;i&amp;gt;[[Ein Netzwerk engagierter Frauen: Der Verein für Fraueninteressen und das Umfeld des Paritätischen in Bayern|Verein für Fraueninteressen]]&amp;lt;/i&amp;gt;. Bei Vorträgen und Lehrgängen wirbt sie für mehr ehrenamtliche Mitarbeit in der Fürsorge und hilft, neue Freiwillige auszubilden.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Die Mitarbeit ehrenamtlicher Kräfte, in: Münchner Neueste Nachrichten, 19.6.1927, S. 33.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Oktober 1932 übernimmt sie den Vorsitz des Akademikerinnenbundes, einer Ausgründung des &amp;lt;i&amp;gt;Vereins für Fraueninteressen&amp;lt;/i&amp;gt;. Er setzt sich für die Besserstellung von hochqualifizierten Frauen auf dem Arbeitsmarkt ein.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Jahresbericht des &amp;lt;i&amp;gt;Vereins für Fraueninteressen und Frauenarbeit&amp;lt;/i&amp;gt; vom 1. Oktober 1932 bis 30 September 1933, in: Archiv des Instituts für Zeitgeschichte, ED 898/585, Korrespondenz des Vereins für Fraueninteressen vor 1945, 1933-1936.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Elisabeth Bamberger im Nationalsozialismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch im Nationalsozialismus bleibt Elisabeth Bamberger Leiterin der Münchner Familienfürsorge. In die NSDAP tritt sie nicht ein. Ihre Arbeit wird im nationalsozialistischen System aber so positiv wahrgenommen, dass sie 1941 befördert wird. Die Hausbesuche und Berichte der Fürsorgerinnen dienen jetzt dazu, die vom Wohlfahrtsamt betreuten Menschen zu kontrollieren. Wer im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie als „asozial“, „arbeitsscheu“ oder „minderwertig“ eingestuft wird, dem drohen Zwangssterilisation, Zwangsarbeit oder das Konzentrationslager Dachau.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wimmer, Florian: Die völkische Ordnung von Armut. Kommunale Sozialpolitik im nationalsozialistischen München, Göttingen 2014, S. 113-114 sowie S. 125.&amp;lt;/ref&amp;gt; Elisabeth Bamberger setzt sich persönlich für eine strikte Verfolgung und Drangsalierung von Menschen im Sinne der NS-Ideologie ein. Sie beschwert sich zum Beispiel darüber, dass sich die Polizei zu oft durch vermeintlich faule Arbeitslose „an der Nase herum[führen]“ ließe.&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach Wimmer: Die völkische Ordnung von Armut, S. 286.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ungebremste Karriere==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1945 kann Elisabeth Bamberger ihre Karriere ungehindert fortsetzen. Sie wird Direktorin des Münchner Jugendamtes. Als formal unbelastete Person kann sie sich für frühere Kollegen einsetzen und ihnen bei der Entnazifizierung helfen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wimmer: Die völkische Ordnung von Armut, S. 415.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im &amp;lt;i&amp;gt;Verein für Fraueninteressen&amp;lt;/i&amp;gt;, von dem zu dieser Zeit der Paritätische in Bayern [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg|neu aufgebaut]] wird, sitzt sie weiter im Vorstand.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Archiv des Instituts für Zeitgeschichte, ED 898/ 18, Akten des Vorstands des Vereins für Fraueninteressen, 1946-1994.&amp;lt;/ref&amp;gt; Elisabeth Bamberger wird zu einer wichtigen und hoch geachteten Person in der Jugendhilfe der jungen Bundesrepublik. Sie stößt wichtige Reformen an und beteiligt sich rege am fachlichen Austausch.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Bamberger DPWV-Nachrichten.jpg|600px|thumb|center|&amp;lt;center&amp;gt;Elisabeth Bamberger ist bekannt dafür, dass sie sich lebhaft an allen öffentlichen Diskussionen beteiligt, die Jugendschutz und Jugendfürsorge betreffen. Für den Paritätischen ist sie eine wichtige Expertin. Im bundesweiten Verbandsmagazin wird 1952 dieser Vortrag abgedruckt, den sie bei einer Fachtagung gehalten hat.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Frau Dr. E. Bamberger, München, sprach zum Jugendschutzgesetz, in: DPWV-Nachrichten (1952) Heft 10, S. 4.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1955 wird Elisabeth Bamberger pensioniert. Die 65-Jährige übernimmt den Vorsitz des Münchner Vereins &amp;lt;i&amp;gt;Kinderschutz und Mutterschutz&amp;lt;/i&amp;gt;, einer der Gründungsorganisationen des Paritätischen in Bayern. [[Die treibende Kraft: Anna Heim-Pohlmann|Anna Heim-Pohlmann]] nennt sie wenig später in einem Brief „eine wertvolle Mitarbeiterin und gute Paritäterin“.&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e. V., Anna Heim-Pohlmann an Kurz Göbel, 12.12.1957.&amp;lt;/ref&amp;gt; Anlässlich ihres 80. Geburtstags wird Elisabeth Bamberger als „vielverehrte Meisterin der Jugendhilfe“ und „Kämpferin für ein lebendiges Jugendamt“ gefeiert.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Dr. Elisabeth Bamberger zum 80. Geburtstag, in: Bayerischer Wohlfahrtsdienst. Mitteilungsblatt der Arbeitsgemeinschaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege in Bayern (1971) Heft 6, S. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie stirbt am 23. September 1984 in München.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Elisabeth Bamberger, in: Bayerischer Wohlfahrtsdienst. Mitteilungsblatt der Arbeitsgemeinschaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege in Bayern (1984) Heft 12, S. 155.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Archiv des Instituts für Zeitgeschichte, ED 898/ 18, Akten des Vorstands des Vereins für Fraueninteressen, 1946-1994.&lt;br /&gt;
*Archiv Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e. V., Anna Heim-Pohlmann an Kurz Göbel, 12.12.1957.&lt;br /&gt;
*O. A.: Die Mitarbeit ehrenamtlicher Kräfte, in: Münchner Neueste Nachrichten, 19.6.1927, S. 33&lt;br /&gt;
*O. A.: Dr. Elisabeth Bamberger zum 80. Geburtstag, in: Bayerischer Wohlfahrtsdienst. Mitteilungsblatt der Arbeitsgemeinschaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege in Bayern (1971) Heft 6, S. 6.&lt;br /&gt;
*O. A.: Elisabeth Bamberger, in: Bayerischer Wohlfahrtsdienst. Mitteilungsblatt der Arbeitsgemeinschaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege in Bayern (1984) Heft 12, S. 155.&lt;br /&gt;
*O. A.: Frau Dr. E. Bamberger, München, sprach zum Jugendschutzgesetz, in: DPWV-Nachrichten (1952) Heft 10, S. 4. &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Angermair, Elisabeth: Die Illusion des Regenbogens. Perspektiven für Frauen in der Nachkriegsgesellschaft, München 2007.&lt;br /&gt;
*Bergmeier, Monika: „Vom Lebenswunsch, sozial zu arbeiten“. Nationalökonominnen in München bis 1933, in: Häntzschel, Hiltrud/Bußmann, Hadumod (Hg.): Bedrohlich gescheit. Ein Jahrhundert Frauen und Wissenschaft in Bayern, München 1997, S. 178-193.&lt;br /&gt;
*Brunner, Claudia: Frauenarbeit im Männerstaat. Wohlfahrtspflegerinnen im Spannungsfeld kommunaler Sozialpolitik in München 1918-1938, Pfaffenweiler 1994.&lt;br /&gt;
*Wimmer, Florian: Die völkische Ordnung von Armut. Kommunale Sozialpolitik im nationalsozialistischen München, Göttingen 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Hauptseite&amp;diff=1230</id>
		<title>Hauptseite</title>
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		<updated>2024-10-18T07:44:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Herzlich Willkommen im Geschichts-Wiki des Paritätischen in Bayern!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über ein Jahr lang hat der Paritätische in Bayern seine 100-jährige Geschichte von externen Historiker*innen der Agentur &#039;&#039;Neumann &amp;amp; Kamp Historische Projekte&#039;&#039; erforschen lassen. Sie haben Archive aufgesucht, historische Dokumente und Fachliteratur gesichtet und mit vielen Zeitzeug*innen gesprochen. Dieses Wiki ist das Ergebnis des Projekts. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dieser Seite finden Sie eine chronologische Zusammenfassung der 100-jährigen Geschichte des Verbands. Die blau hervorgehobenen Links im Text führen zu thematischen Schwerpunktseiten. Hier können Sie mehr über verschiedene Aspekte der Verbandsgeschichte erfahren: Wie sind bestimmte Schwerpunkte der Verbandsarbeit entstanden? Was musste passieren, damit sich der Verband zu dem entwickeln konnte, was er heute ist? Die Schwerpunktseiten geben jeweils Einblick in einen prägenden Abschnitt in der Geschichte des Paritätischen in Bayern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterhalb der chronologischen Darstellung finden Sie eine Personengalerie, die unterschiedliche Menschen aus der 100-jährigen Geschichte des Verbands vorstellt. Die Porträts zeigen, wie vielfältig die Wege sind, die zum Paritätischen in Bayern führen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Seiten des Wikis sind an passenden Stellen miteinander verlinkt. Folgen Sie Ihrer Neugier und stöbern Sie durch die Verbandsgeschichte! Der Paritätische in Bayern wünscht Ihnen eine interessante Lektüre. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Meilensteine der Geschichte des Paritätischen in Bayern==&lt;br /&gt;
===Vor der Verbandsgründung: Frauen engagieren sich gegen die herrschende Not===&lt;br /&gt;
[[Datei:Wohlfahrtskarte 1920er.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Der Münchner &#039;&#039;Verein für öffentliche Speisehallen&#039;&#039; ist eine der ersten Mitgliedsorganisationen des Paritätischen in Bayern. Er bietet in der Weimarer Republik warme Mahlzeiten für Bedürftige an.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Keimzelle des Paritätischen in Bayern ist die [[Ein Netzwerk engagierter Frauen: Der Verein für Fraueninteressen und das Umfeld des Paritätischen in Bayern|bürgerliche Frauenbewegung]]. Wohlhabende Frauen schließen sich zur Zeit des deutschen Kaiserreichs zusammen, um Bildungsmöglichkeiten für Mädchen und Frauen zu schaffen. In diesem Kontext entsteht in München der &#039;&#039;Verein für Fraueninteressen&#039;&#039;. Er setzt sich dafür ein, dass Mädchen und Frauen zukünftig die gleichen Bildungschancen erhalten wie Jungen und Männer. Durch Vorträge, Bildungsangebote und soziale Projekte unterstützt der Verein Frauen dabei, unabhängig zu werden und sich gesellschaftlich zu engagieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine dieser Frauen ist Luise Kiesselbach. Nach dem frühen Tod ihres Mannes findet [[Der „Mittelpunkt der paritätischen Wohlfahrtspflege in München und in Bayern“: Luise Kiesselbach|Luise Kiesselbach]] in sozialer Arbeit eine neue Lebensaufgabe. 1912 wird sie Vorsitzende des &#039;&#039;Vereins für Fraueninteressen&#039;&#039; in München. Sie setzt sich unermüdlich für soziale Initiativen ein. Das ist bald wichtiger denn je, denn der Erste Weltkrieg und die Wirtschaftskrisen der 1920er Jahre bringen viele Menschen in eine prekäre Lebenssituation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn der 1920er Jahre ist die Fürsorge durch verschiedene Gesetze, die in den vorangegangenen Jahren überstürzt erlassen wurden, unübersichtlich organisiert. Doch viele Menschen brauchen Hilfe. Bald kommt es daher zu einer Reorganisation des Fürsorgewesens. Ein wesentlicher Baustein der Reformen ist die Reichsverordnung über die Fürsorgepflicht, die am 13. Februar 1924 beschlossen wird. Dieses und andere neue Gesetze stärken die freie Wohlfahrtspflege. Ihre Spitzenverbände bekommen jetzt finanzielle Zuschüsse, die sie an ihre Mitgliedsorganisationen verteilen können. Problem hierbei: Wer keinem Dachverband angehört, geht leer aus. Davon sind vor allem die politisch und kirchlich unabhängigen Einrichtungen und Vereine bedroht. Luise Kiesselbach hat das Problem frühzeitig erkannt: Schon 1922 hat sie eine „Arbeitsgemeinschaft paritätischer Wohlfahrtsanstalten, Einrichtungen und Vereine“ im Stadtbund Münchner Frauenvereine gegründet, um die unabhängige Wohlfahrtspflege in München zu stärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===1924: Der Paritätische in Bayern entsteht===&lt;br /&gt;
[[Datei:Vortrag Altenhilfe.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;„Altersnot und Altersfürsorge“ wird zum ersten Schwerpunktthema der Verbandsarbeit. Luise Kiesselbach setzt sich auch dafür ein, dass es reichsweit Aufmerksamkeit bekommt.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Vom 11. bis 14. Juni 1924 veranstaltet der Hauptverband Bayerischer Frauenvereine seinen 10. Bayerischen Frauentag in München. Vorsitzende des Hauptverbands ist zu dieser Zeit Luise Kiesselbach. Bei der Tagung wird beschlossen, einen [[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|„Paritätischen Wohlfahrtsverband Bayern“]] zu gründen. Er steht nicht nur Frauenvereinen offen. Alle paritätisch arbeitenden Organisationen und Einrichtungen sind dazu eingeladen, Teil des neuen Verbands zu werden. Dafür wirbt Luise Kiesselbach in den folgenden Monaten. Sie wird in dieser Zeit zu einer Zentralgestalt des Paritätischen in Bayern und auch dessen erste Vorsitzende. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altersarmut ist ein auch in den 1920er Jahren bereits oft übersehenes Problemfeld. Von ihr sind alleinstehende Frauen aus der Mittelschicht besonders oft betroffen. Der Paritätische in Bayern beginnt, darauf aufmerksam zu machen, die Bekämpfung der [[„Dem Alter zum Schutze, der Jugend zu Nutze“: Das erste Projekt des Paritätischen in Bayern|„Altersnot“]] wird bald zum ersten Arbeitsschwerpunkt des Verbands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Luise Kiesselbach ist es wichtig, dass die Mitgliedsorganisationen des Paritätischen auf einer vom Gedanken der „paritas“, der Gleichheit und Gleichwertigkeit, getragenen Haltung zusammenarbeiteten. Sozialpolitisch setzt sie sich dafür ein, Armut zu bekämpfen, um die soziale Lebenslage der Menschen zu verbessern. Ebenso soll dieser Gedanke sich im Tätigkeitsprofil des Verbands widerspiegeln: Die soziale Hilfe, die der Verband mit seinen Mitgliedern leisten will, ist dem Leitbild verpflichtet, dass jeder Mensch gleichwertig ist und auch entsprechend behandelt werden muss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. Januar 1929 stirbt Luise Kiesselbach unerwartet. Den Verbandsvorsitz übernimmt daraufhin der bekannte Rechtsanwalt Dr. Christoph Schramm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Auflösung des Verbands in der Zeit des Nationalsozialismus===&lt;br /&gt;
[[Datei:Liquidation NS.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Am 23. Juni 1934 beschließt der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband, zu dem der Paritätische in Bayern gehört, offiziell seine Auflösung. Das ist zu diesem Zeitpunkt nur noch Formsache. Die Übernahme durch die NSV steht schon seit Monaten fest.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Zu Beginn der 1930er Jahre bestimmt die Weltwirtschaftskrise das Leben der Menschen. Die freien Wohlfahrtsverbände leiden darunter, dass sie keine Kredite und öffentlichen Zuschüsse mehr bekommen. Gleichzeitig sind immer mehr Menschen auf Unterstützung angewiesen. 1932 legt Christoph Schramm nach knapp drei Jahren den Verbandsvorsitz nieder. Sein Nachfolger wird Oberst a. D. [[Der letzte Verbandsvorsitzende vor der Auflösung: Albrecht Freiherr von Pechmann|Albrecht Freiherr von Pechmann]], der auf eine lange Militärkarriere zurückblicken kann. Wie genau es zu dieser Wahl kommt, wird sich später nicht mehr rekonstruieren lassen. Eine Verbindung zur paritätischen Wohlfahrtspflege hat er, den vorhandenen Quellen nach zu schließen, nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Januar 1933 wird Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Die Umgestaltung des Landes nach nationalsozialistischen Prinzipien nimmt Fahrt auf. Mit der Machtübertragung an die Nationalsozialisten bricht auch für die deutsche Wohlfahrtspflege eine neue Zeit an. Am 29. April 1933 beschließt der reichsweite Dachverband des Paritätischen in Bayern, der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband in Berlin, dass der Verband „seine paritätische Wohlfahrtsarbeit im Sinne der nationalen Erhebung weiter verfolgen soll“, also im Sinne des Nationalsozialismus. Der Vorsitzende des Gesamtverbands, der jüdische Kinderarzt Leo Langstein, tritt daraufhin zurück. Sein Nachfolger wird der bayerische Landesvorsitzende Albrecht von Pechmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Monate später steht fest, dass der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband im Zuge der Gleichschaltung mitsamt aller seiner Landesverbände von der [[Vom Paritätischen Wohlfahrtsverband zur Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt|Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV)]] übernommen wird. Die Landesverbände bekommen die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Mitgliedsorganisationen sich ruhig verhalten und die Entwicklung hinnehmen. Widerstand gegen die Gleichschaltungspolitik ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern fordert seine Mitgliedsorganisationen im Zuge dieser Bestrebungen dazu auf, alle „Mitarbeiter nicht-arischer Abstammung in bevorzugten Stellungen“ zu entlassen. Einige [[Menschen, Organisationen und Einrichtungen des Paritätischen in Bayern während der Zeit des Nationalsozialismus|Menschen und Organisationen]], die bisher im Rahmen des Paritätischen in Bayern soziale Arbeit geleistet haben, müssen diese jetzt aufgeben: Jüdinnen und Juden werden gezielt aus dem Verband gedrängt, Selbsthilfestrukturen bald zerschlagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Herbst 1933 bekommt der Paritätische reichsweit eine neue Satzung. Er ist jetzt offiziell Teil der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt und streng hierarchisch organisiert. Wer Mitglied werden möchte, muss nachweisen, dass er „nur im Sinne der national-sozialistischen Weltanschauung arbeiten wird.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1934 wird die endgültige Auflösung des Paritätischen angeordnet. Viele seiner Mitgliedsorganisationen bestehen unter dem Dach der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt weiter, andere werden aufgelöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wiedergründung nach 1945===&lt;br /&gt;
[[Datei:Mütterschule.jpeg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Durch die Arbeit in den Flüchtlingslagern der Nachkriegszeit entstehen langfristig neue Einrichtungen, wie zum Beispiel die [[Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert|&#039;&#039;Münchner Mütterschule&#039;&#039;]].&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Der Verein für Fraueninteressen übersteht die Zeit des Nationalsozialismus, wenngleich er seine Einrichtungen an die NSV verliert. So kann der Paritätische in Bayern direkt [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg|nach dem Zweiten Weltkrieg reaktiviert]] werden. Am 30. Juli 1948 kann der Paritätische in Bayern offiziell wiedergegründet werden. Er hat zu Beginn 20 Mitgliedsorganisationen und wird von der US-amerikanischen Militärregierung unterstützt. Bis in die 1950er Jahre kümmert sich der Verband vor allem um die Behebung der unmittelbaren Nachkriegsfolgen und die Versorgung von [[Unterstützung für Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg|Flüchtlingen und Vertriebenen]]. Auch die Linderung der [[„Jugendnot“ und Heimerziehung im Paritätischen in Bayern|„Jugendnot“]] wird jetzt zu einem wichtigen Themenfeld für den Paritätischen in Bayern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Verband öffnet sich neuen Themenfeldern===&lt;br /&gt;
[[Datei:Plakat 70er.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Altes Logo, neue Ausrichtung: Der Verband bemüht sich in den 1970er Jahren stärker denn je, freiwilliges Engagement und Selbsthilfe zu fördern.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Nachdem die unmittelbare Nachkriegsnot überstanden ist, beginnt für den Paritätischen in Bayern eine Zeit des Wachstums. Immer mehr Menschen, die besondere Lebenssituationen teilen, schließen sich zusammen, um sich gemeinsam für ihre Interessen einzusetzen. Den Anfang machen Eltern von Kindern mit [[Für ein selbstbestimmtes Leben: Menschen mit Behinderungen verändern den Paritätischen in Bayern|Behinderungen]]. Ab den 1950er Jahren schließen sie sich vermehrt zusammen. 1958 entsteht so zum Beispiel der &#039;&#039;Verein zur Förderung spastisch gelähmter Kinder&#039;&#039; in Augsburg, der bald Mitglied im Paritätischen in Bayern wird. Das ist etwas Besonderes, denn seitdem der Nationalsozialismus das Prinzip der Selbsthilfe systematisch bekämpft hat, gibt es sie auch im Paritätischen in Bayern nicht mehr. Das wird sich bald vollkommen ändern, als im Zuge gesellschaftlicher Veränderungen eine neue [[Eine wechselvolle Geschichte: Selbsthilfe im Paritätischen in Bayern|Selbsthilfebewegung]] entsteht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1964 wird [[Für mehr Gemeinsinn und Sichtbarkeit: Bernhard Uffrecht|Bernhard Uffrecht]] Geschäftsführer des Paritätischen in Bayern. Er wird den Verband über viele Jahre prägen. Mit ihm findet der Paritätische in Bayern bald mehr und mehr zu seinem ganz eigenen Profil. Der Paritätische in Bayern eröffnet Sozialstationen, die ambulante Pflege anbieten, und startet das Projekt &#039;&#039;Essen auf Rädern&#039;&#039;. Dieses Modell, das Mahlzeiten an Menschen liefert, die sich nicht selbst versorgen können, wird bald auf viele Städte in Bayern ausgeweitet. Bernhard Uffrecht setzt sich persönlich sehr für den Auf- und Ausbau neuer ambulanter Angebote ein. Besonders am Herzen liegt ihm die Förderung sogenannter [[„Nachbarn helfen sich selbst“: Kreative Lösungen für neue Wohn- und Lebensverhältnisse|Nachbarschaftshilfen]]. Bis 1977 werden in Bayern 44 Nachbarschaftshilfen entstehen, die über 120.000 Stunden nachbarschaftliche Hilfe im Jahr leisten. Die Hilfe zur Selbsthilfe wird wieder zu einem leitenden Prinzip des Paritätischen in Bayern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Arbeit jenseits traditioneller Strukturen===&lt;br /&gt;
[[Datei:Düsseldorfer Str.jpeg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Ab 1975 hat der Paritätische in Bayern ein neues Verwaltungsgebäude in München. Von hier wird unter anderem &#039;&#039;Essen auf Rädern&#039;&#039; ausgeliefert.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern öffnet sich jetzt besonders für Zusammenschlüsse von marginalisierten Menschen, die von der staatlichen Sozialpolitik im traditionell geprägten Bayern kaum beachtet werden. Die Unterstützung der sogenannten [[Für ein selbstbestimmtes Leben: Menschen mit Behinderungen verändern den Paritätischen in Bayern|Behindertenbewegung]], die sich aus den Initiativen für Kinder mit Beeinträchtigungen entwickelt hat, ist nur der Anfang. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1970er Jahren hält die [[Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern|Neue Frauenbewegung]] Einzug in den Paritätischen in Bayern. Frauenhäuser werden gegründet, um Frauen Schutz vor Gewalt zu bieten. Dabei unterstützt der Verband auch autonome Frauenhäuser, obwohl sie ansonsten in Politik und Gesellschaft auf großen Widerstand stoßen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur selben Zeit entstehen als Antwort auf fehlende Betreuungsangebote [[Eltern ergreifen die Initiative: Neue Formen der Kinderbetreuung erobern den Paritätischen in Bayern|Elterninitiativen]], die alternative Formen der Kinderbetreuung ausprobieren und selbst organisieren. Auch das ermöglicht es vielen Frauen, ein selbstbestimmteres Leben zu führen, das nicht allein durch ihre Rolle als Mutter geprägt ist. Ab 1980 gibt es eine eigene Fachreferentin für Frauen und Familie im Paritätischen in Bayern. Der Verband fördert vielfältige Projekte von und für Frauen und Familien und unterstützt ihre politischen Forderungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende der 1970er Jahre macht der Paritätische in Bayern seine ersten Erfahrungen mit der Betreuung sogenannter Ausländer: Er übernimmt die Trägerschaft einer Einrichtung für [[„Grüß Gott, liebe Freunde aus Vietnam“ – Eine neue Aufgabe für den Paritätischen in Bayern|Geflüchtete aus Vietnam]]. Auch das führt zur Einrichtung eines neuen Fachreferats im Verband.&lt;br /&gt;
[[Datei:Verbandsgrundsätze.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;„Auf die Gleichheit aller bedacht sein“: 1989 bekommt der Paritätische neue Verbandsgrundsätze. Bald folgt auch ein neues Logo.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
In den 1980er Jahren findet die [[Ein steiniger Weg zur Akzeptanz: Queerer Aktivismus im Paritätischen in Bayern|Schwulenbewegung]] ihren Weg in den Paritätischen in Bayern. Explizite Organisationen von und für Homosexuelle hat der Verband zuvor lange nicht aufnehmen wollen. Die ab Mitte der 1980er entstehenden Aids-Hilfen kümmern sich um alle von der Krankheit betroffenen Menschen, darunter Homosexuelle, aber auch Drogenabhängige und Prostituierte. Das eröffnet ihnen den Weg in den Paritätischen in Bayern und ermöglicht es, dass sich der Verband langfristig auch für explizite LGBTIQ-Organisationen öffnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Unterstützung neuer sozialer Bewegungen und die Förderung der Selbsthilfe entwickelt sich der Paritätische in Bayern in dieser Zeit zu einem Verband, der auf neue Weise Vielfalt und gesellschaftliches Engagement fördert. Dazu gehört auch, dass der Paritätische in Bayern zu einem wichtigen Unterstützer des [[Ein besonderes Nachwuchsprogramm: Das Freiwillige Soziale Jahr im Paritätischen in Bayern|Freiwilligen Sozialen Jahres]] wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahren durchläuft der Paritätische in Bayern Veränderungen und Anpassungen, die durch interne Herausforderungen und gesellschaftliche Entwicklungen herbeigeführt werden. Ein Wendepunkt ist der Ruhestand von Geschäftsführer [[Für mehr Gemeinsinn und Sichtbarkeit: Bernhard Uffrecht|Bernhard Uffrecht]] 1988. Mit ihm verlässt eine Person den Verband, die ihn jahrelang geprägt und ihm nach innen und außen Profil verliehen hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung unterstützt der Paritätische in Bayern engagierte Menschen dabei, in Sachsen [[Aufbau Ost: Der Paritätische in Sachsen entsteht – mit Unterstützung aus Bayern|einen eigenen Landesverband]] des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands aufzubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gleichstellungspolitische Ausrichtung im Verband===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit der Gründung des Verbands in den 1920er Jahren haben Frauen im Paritätischen in Bayern entscheidende Arbeit geleistet. Nach [[Der „Mittelpunkt der paritätischen Wohlfahrtspflege in München und in Bayern“: Luise Kiesselbach|Luise Kiesselbach]] gab es jedoch in der jüngsten Vergangenheit keine Frau mehr an der Spitze des Verbands. Mit der Einsetzung einer Referentin für Frauen und Familie hat deshalb eine systematische [[„Vom frauenbewegten Sozialverband zum männergeführten Frauenbetrieb“? Die Debatte um Gleichstellung im Paritätischen in Bayern|Untersuchung der Geschlechterverhältnisse]] im Paritätischen in Bayern begonnen, die 1994 in einer ausführlichen Studie veröffentlicht wird. Diese Studie zeigt gravierende Ungleichheiten. Die Ergebnisse der Studie führen zu konkreten Maßnahmen zur Verbesserung der Geschlechtergerechtigkeit im Verband. Der Paritätische in Bayern setzt das Konzept des Gender Mainstreamings um. Durch diese Strategie wird Geschlechtergerechtigkeit bald bei allen Entscheidungen und Maßnahmen des Verbands berücksichtigt. Ab 2010 wird es eine Doppelspitze geben, bestehend aus einer Frau und einem Mann im Vorstand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neue Verbandsstrukturen in den 2000er Jahren===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren durchläuft der Verband zugleich eine [[Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern|finanzielle und strukturelle Krise]]. Er ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen und muss seine Strukturen dringend diesen neuen Umständen anpassen. Umfassende Umstrukturierungen können den Paritätischen in Bayern stabilisieren. Der Verband führt ein strenges Finanzcontrolling ein und wandelt eigene Einrichtungen in GmbHs um. Ab den 2000er Jahren trägt ein hauptamtlicher Vorstand die operative Verantwortung für den Verband: Je ein Vorstand für Verbands- und Sozialpolitik sowie Wirtschaft und Finanzen fungieren gleichberechtigt als Doppelspitze. Kontrolliert werden die beiden Vorstände von einem ehrenamtlichen Verbandsrat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lauf der 2000er Jahre kann der Verband, neben seiner gestärkten Position als Anbieter sozialer Dienstleistungen, auch wieder stärker sozialpolitisch wirken. Das Thema der Gleichstellung von Frauen und Männern sowie die Inklusion von Menschen mit Behinderungen werden in neuer Weise zu einem Schwerpunkt der Verbandsarbeit. Die Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention 2006 ist ein wichtiger behindertenpolitischer Meilenstein. Der Paritätische in Bayern engagiert sich jetzt in neuem Maß in der Eingliederungshilfe. Die große Verbandskrise ist überwunden, die Arbeit kann mit vollem Elan weitergeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===2010er Jahre bis heute: Toleranz, Offenheit und Vielfalt=== &lt;br /&gt;
[[Datei:Klimaschutz.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Der Paritätische in Bayern stellt sich verstärkt neuen Herausforderungen, zum Beispiel dem Klimaschutz.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
In den 2010er Jahren kommen gesellschaftliche Herausforderungen auf: Als ab 2014 immer mehr [[Der Paritätische in Bayern in der „Flüchtlingskrise“|Geflüchtete]] auf der Suche nach Sicherheit nach Bayern kommen, packen der Paritätische in Bayern und seine Mitgliedsorganisationen entschlossen mit an. Paritätische Träger richten Bayerns erste Flüchtlingsunterkunft für Frauen mit und ohne Kinder ein. Hier sollen sie einen sicheren Ort finden, der ihnen Stabilität gibt und an dem sie Vertrauen fassen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angetrieben durch die Klimaschutzbewegung beginnt der Verband jetzt außerdem, ökologische Nachhaltigkeit als Teil seiner sozialen Verantwortung zu verstehen. Die Verbindung von sozialer und ökologischer Gerechtigkeit steht dabei im Mittelpunkt. Die Forderung nach einer [[Ein neuer Schwerpunkt: Gemeinsam gegen die Klimakrise|sozialökologischen Transformation]] wird zu einem neuen Schwerpunkt der Verbandsarbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in den etablierten Arbeitsschwerpunkten des Verbands steht die Entwicklung nicht still. Aus der Unterstützung für queere Menschen folgt, dass das Referat Frauen 2021 um die Themen Gleichstellung und LGBTIQ erweitert wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn der 2020er Jahre stehen die Mitgliedsorganisationen des Paritätischen in Bayern vor großen Herausforderungen: Der massive Arbeits- und Fachkräftemangel, durch den Träger ihre Angebote teilweise einschränken oder ganz einstellen müssen, gefährdet die Verlässlichkeit der sozialen Daseinsvorsorge und verunsichert Teile der Bevölkerung. Die daraus resultierenden quantitativen wie qualitativen Lücken, wenn zum Beispiel Kita- oder Pflegeplätze fehlen, sind für die Gesellschaft spürbar. Der Paritätische in Bayern sieht es damals wie heute als seine Verantwortung, sich für optimale Rahmenbedingungen für seine Mitglieder einzusetzen. Er wird als Verband auch in Zukunft gegenüber Politik und Gesellschaft aufzeigen, dass die Finanzierung einer verlässlichen sozialen Daseinsvorsorge auch eine Investition in eine stabile Demokratie ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Menschen aus 100 Jahren Verbandsgeschichte==&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=200px&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Bablok.JPG|link=Knapp 20 Jahre lang im Einsatz für Regensburger Freiwillige: Ursula Bablok|[[Knapp 20 Jahre lang im Einsatz für Regensburger Freiwillige: Ursula Bablok|Ursula Bablok (*1955)]]&lt;br /&gt;
Datei:Bamberger.jpg|link=„Meisterin der Jugendhilfe“ und Täterin: Elisabeth Bamberger|[[„Meisterin der Jugendhilfe“ und Täterin: Elisabeth Bamberger|Elisabeth Bamberger (1890-1984)]]&lt;br /&gt;
Datei:Doll.jpg|link=Humorvoll und kreativ im Einsatz für Mittelfranken: Ekkehard Doll|[[Humorvoll und kreativ im Einsatz für Mittelfranken: Ekkehard Doll|Ekkehard Doll (*1941)]]&lt;br /&gt;
Datei:Eberth.jpg|link=Aus der Drogenhilfe zum Verbandsvorsitzenden: Alexander Eberth|[[Aus der Drogenhilfe zum Verbandsvorsitzenden: Alexander Eberth|Alexander Eberth (*1944)]]&lt;br /&gt;
Datei:Geiling.jpg|link=Die „kleine Frau mit dem gewaltig großen Herzen“: Betty Geiling|[[Die „kleine Frau mit dem gewaltig großen Herzen“: Betty Geiling|Betty Geiling (1926-2021)]]&lt;br /&gt;
Datei:Geppert PFH Ausschnitt.jpg|link=Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert|[[Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert|Lotte Geppert (1883-1968)]]&lt;br /&gt;
Datei:Heim-Pohlmann.jpg|link=Die treibende Kraft: Anna Heim-Pohlmann|[[Die treibende Kraft: Anna Heim-Pohlmann|Anna Heim-Pohlmann (1885-1983)]]&lt;br /&gt;
Datei:Hellbruegge.jpg|link=Ein besonderer Kinderarzt: Theodor Hellbrügge|[[Ein besonderer Kinderarzt: Theodor Hellbrügge|Theodor Hellbrügge (1919-2014)]]&lt;br /&gt;
Datei:Hilsenbeck.jpg|link=„Energie, Gestaltungswillen, Hartnäckigkeit“ für Frauenrechte in Krisensituationen: Polina Hilsenbeck|[[„Energie, Gestaltungswillen, Hartnäckigkeit“ für Frauenrechte in Krisensituationen: Polina Hilsenbeck|Polina Hilsenbeck (*1951)]]&lt;br /&gt;
Datei:Kiesselbach Detail.jpg|link=Der „Mittelpunkt der paritätischen Wohlfahrtspflege in München und in Bayern“: Luise Kiesselbach|[[Der „Mittelpunkt der paritätischen Wohlfahrtspflege in München und in Bayern“: Luise Kiesselbach|Luise Kiesselbach (1863-1929)]]&lt;br /&gt;
Datei:Leitner.jpeg|link=Für ein barrierefreies München und ein Leben auf Augenhöhe: Ingrid Leitner|[[Für ein barrierefreies München und ein Leben auf Augenhöhe: Ingrid Leitner|Ingrid Leitner (1942-2017)]]&lt;br /&gt;
Datei:Obermair-Schoch.jpg|link=Eine Ausnahmesenatorin: Hilde Obermair-Schoch|[[Eine Ausnahmesenatorin: Hilde Obermair-Schoch|Hilde Obermair-Schoch (1897-1970)]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:1929 Pechmann Stadtkommandant Ausschnitt Detail.jpg|link=Der letzte Verbandsvorsitzende vor der Auflösung: Albrecht Freiherr von Pechmann|[[Der letzte Verbandsvorsitzende vor der Auflösung: Albrecht Freiherr von Pechmann|Albrecht Freiherr von Pechmann (1879-1949)]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Straubinger Portrait.jpg|link=Unermüdlich im Einsatz für ihre taubblinden „Schicksalsgefährten“: Fini Straubinger|[[Unermüdlich im Einsatz für ihre taubblinden „Schicksalsgefährten“: Fini Straubinger|Fini Straubinger (1914-1981)]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Uffrecht.jpeg|link=Für mehr Gemeinsinn und Sichtbarkeit: Bernhard Uffrecht|[[Für mehr Gemeinsinn und Sichtbarkeit: Bernhard Uffrecht|Bernhard Uffrecht (1923-1997)]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Zimmermann.jpg|link=Begleiter durch die Verbandskrise: Heinz-Dieter Zimmermann|[[Begleiter durch die Verbandskrise: Heinz-Dieter Zimmermann|Heinz-Dieter Zimmermann (*1934)]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Themenseiten im Überblick==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[„Dem Alter zum Schutze, der Jugend zu Nutze“: Das erste Projekt des Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Altenhilfe&#039;&#039;&#039;, „Dem Alter zum Schutze, der Jugend zu Nutze“: Das erste Projekt des Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Vom Paritätischen Wohlfahrtsverband zur Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt|&#039;&#039;&#039;Auflösung&#039;&#039;&#039;, Vom Paritätischen Wohlfahrtsverband zur Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Für ein selbstbestimmtes Leben: Menschen mit Behinderungen verändern den Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Behinderung&#039;&#039;&#039;, Für ein selbstbestimmtes Leben: Menschen mit Behinderungen verändern den Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Aufbau Ost: Der Paritätische in Sachsen entsteht – mit Unterstützung aus Bayern|&#039;&#039;&#039;DDR&#039;&#039;&#039;, Aufbau Ost: Der Paritätische in Sachsen entsteht – mit Unterstützung aus Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Eltern ergreifen die Initiative: Neue Formen der Kinderbetreuung erobern den Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Elterninitiativen&#039;&#039;&#039;, Eltern ergreifen die Initiative: Neue Formen der Kinderbetreuung erobern den Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Ein Netzwerk engagierter Frauen: Der Verein für Fraueninteressen und das Umfeld des Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Entstehung&#039;&#039;&#039;, Ein Netzwerk engagierter Frauen: Der Verein für Fraueninteressen und das Umfeld des Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Frauenbewegung&#039;&#039;&#039;, Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Ein besonderes Nachwuchsprogramm: Das Freiwillige Soziale Jahr im Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Freiwillige&#039;&#039;&#039;, Ein besonderes Nachwuchsprogramm: Das Freiwillige Soziale Jahr im Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[ Der Paritätische in Bayern in der „Flüchtlingskrise“|&#039;&#039;&#039;Geflüchtete&#039;&#039;&#039;, Der Paritätische in Bayern in der „Flüchtlingskrise“]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[„Vom frauenbewegten Sozialverband zum männergeführten Frauenbetrieb“? Die Debatte um Gleichstellung im Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Gleichstellung&#039;&#039;&#039;, „Vom frauenbewegten Sozialverband zum männergeführten Frauenbetrieb“? Die Debatte um Gleichstellung im Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Gründung&#039;&#039;&#039;, Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[„Jugendnot“ und Heimerziehung im Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Jugend&#039;&#039;&#039;, „Jugendnot“ und Heimerziehung im Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Ein neuer Schwerpunkt: Gemeinsam gegen die Klimakrise|&#039;&#039;&#039;Klimaschutz&#039;&#039;&#039;, Ein neuer Schwerpunkt: Gemeinsam gegen die Klimakrise]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Ein steiniger Weg zur Akzeptanz: Queerer Aktivismus im Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;LGBTIQ&#039;&#039;&#039;, Ein steiniger Weg zur Akzeptanz: Queerer Aktivismus im Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[„Nachbarn helfen sich selbst“: Kreative Lösungen für neue Wohn- und Lebensverhältnisse|&#039;&#039;&#039;Nachbarschaftshilfen&#039;&#039;&#039;, „Nachbarn helfen sich selbst“: Kreative Lösungen für neue Wohn- und Lebensverhältnisse]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[ Unterstützung für Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg|&#039;&#039;&#039;Nachkriegszeit&#039;&#039;&#039;, Unterstützung für Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Menschen, Organisationen und Einrichtungen des Paritätischen in Bayern während der Zeit des Nationalsozialismus|&#039;&#039;&#039;Nationalsozialismus&#039;&#039;&#039;, Menschen, Organisationen und Einrichtungen des Paritätischen in Bayern während der Zeit des Nationalsozialismus]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Eine wechselvolle Geschichte: Selbsthilfe im Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Selbsthilfe&#039;&#039;&#039;, Eine wechselvolle Geschichte: Selbsthilfe im Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Verbandsstruktur&#039;&#039;&#039;, Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[„Grüß Gott, liebe Freunde aus Vietnam“ – Eine neue Aufgabe für den Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;&#039;Vietnam&#039;&#039;&#039;, „Grüß Gott, liebe Freunde aus Vietnam“ – Eine neue Aufgabe für den Paritätischen in Bayern]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg|&#039;&#039;&#039;Wiedergründung&#039;&#039;&#039;, „Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=%E2%80%9EJugendnot%E2%80%9C_und_Heimerziehung_im_Parit%C3%A4tischen_in_Bayern&amp;diff=1229</id>
		<title>„Jugendnot“ und Heimerziehung im Paritätischen in Bayern</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=%E2%80%9EJugendnot%E2%80%9C_und_Heimerziehung_im_Parit%C3%A4tischen_in_Bayern&amp;diff=1229"/>
		<updated>2024-10-17T08:27:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* Eine lange Tradition */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Nach dem Zweiten Weltkrieg gibt es viele Kinder, die Hilfe brauchen. Die Strukturen der damaligen Jugendhilfe werden damit nicht fertig, es gibt viele Probleme – auch im Paritätischen in Bayern.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
==Eine lange Tradition==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kind Lager Allach 1947.jpg|300px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;In der Nachkriegszeit gibt es in Bayern viele Kinder, die in Armut leben. Wie dieser Junge, der 1947 in einem Lager für sogenannte Displaced Persons in München-Allach fotografiert wird.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Seit den 1920er Jahren sind Kinderheime Teil des Paritätischen in Bayern. Der [[Ein Netzwerk engagierter Frauen: Der Verein für Fraueninteressen und das Umfeld des Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;Verein für Fraueninteressen&#039;&#039;]] betreibt damals zum Beispiel das Luisenhaus in München. Das ist ein Erziehungsheim, in dem 20 Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen leben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Verein für Fraueninteressen (Hg.): 100 Jahre Verein für Fraueninteressen, München 1994, S. 51-54.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch andere Mitgliedsorganisationen, die seit der [[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|Gründung]] Teil des Paritätischen in Bayern  sind, kümmern sich um Kinder, die keine Eltern haben oder deren Familien sie nicht versorgen können. Der Nationalsozialismus bedeutet für die Jugendfürsorge, wie die Jugendhilfe damals heißt, einen tiefen Einschnitt: Auch Kinder werden jetzt nach rassenideologischen Kriterien beurteilt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Lambers, Helmut: Geschichte der Sozialen Arbeit. Wie aus Helfen Soziale Arbeit wurde, Regensburg 2018, S. 177.&amp;lt;/ref&amp;gt; Kinderheime und andere Einrichtungen werden ihren Trägern entzogen und Teil der [[Menschen, Organisationen und Einrichtungen des Paritätischen in Bayern während der Zeit des Nationalsozialismus|Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV)]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Jugendfürsorge in der Nachkriegszeit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg muss die Jugendfürsorge neu aufgebaut werden. Die Jugendämter sind nicht vorbereitet auf das, was sie jetzt erwartet: Es gibt viele Kinder und Jugendliche, die dringend Hilfe brauchen. Sie haben durch den Krieg ihre Familie und ihr Zuhause verloren. Jetzt ziehen sie ohne Ziel durch die zerstörten Straßen. Hier drohen Gefahren: Viele junge Menschen werden kriminell oder stecken sich mit Krankheiten an.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Sachße, Christoph/Tennstedt, Florian: Fürsorge und Wohlfahrtspflege in der Nachkriegszeit 1945-1953. Geschichte der Armenfürsorge in Deutschland, Bd. 4, Stuttgart 2012, S. 135.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Rechtsgrundlage der Jugendämter in Bayern ist unübersichtlich. Sie müssen plötzlich viele der Aufgaben übernehmen, die vorher von der NSV übernommen wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zahner, Daniela: Jugendfürsorge in Bayern im ersten Nachkriegsjahrzehnt 1945-1955, München 2006, S. 84-90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Neuorganisation zieht sich bis in die 1950er Jahre hin. Es fehlt an Räumen, Büromaterial und gut ausgebildetem Personal.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zahner, Jugendfürsorge in Bayern, S. 94 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das &#039;&#039;Haus Maffei&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
[[Datei:Haus Maffei.jpeg|300px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Bei der Gartenarbeit im &#039;&#039;Haus Maffei&#039;&#039; machen auch die Kinder mit, die hier wohnen. Im Hintergrund ist die Villa zu sehen, in der die Einrichtung untergebracht ist.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Arbeit muss irgendwie weitergehen. Der Paritätische in Bayern wird kurz nach dem Krieg [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg|wiedergegründet]]. Bald betreibt auch er ein eigenes Kinderheim: Das &#039;&#039;Haus Maffei&#039;&#039; in Feldafing am Starnberger See. Das Haus wurde 1937 gebaut und als “Unterrichtslabor für die Reichsschule der NSDAP“ genutzt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Eberle, Annette: Vorstudie. Mögliche Tatbestände und Dimensionen sexualisierter Gewalt und Misshandlungen im Sonderschul-Kinderheim „Haus Maffei“ (1953-1972) in Feldafing sowie der Folgeeinrichtung, dem „Haus am Margaretenanger“ (HPZ, Lohhof ab 1972), S. 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach dem Kriegsende kommen hier über 100 jugendliche Überlebende aus Konzentrationslagern unter. Betrieben wird das Heim jetzt von den Vereinten Nationen. Der Paritätische in Bayern übernimmt das &#039;&#039;Haus Maffei&#039;&#039; im Januar 1951 – mitsamt der Verantwortung für 90 Kinder und Jugendliche sowie das dazugehörige Personal.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Eberle: Vorstudie, S. 37.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Haus wird neu eingerichtet und bekommt einen neuen Schwerpunkt: Es wird für die “Aufnahme von schwachbegabten, entwicklungsrückständigen, aber bildungsfähigen Kindern” vorbereitet.&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach Eberle: Vorstudie, S. 37.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu gehört auch die Einrichtung einer eigenen privaten Sonderschule. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis zu seiner Schließung 1972 wird es im &#039;&#039;Haus Maffei&#039;&#039; immer wieder schwere Missstände geben: Überbelegung, Sanierungsbedarf und ein ständiger Wechsel des Personals, das mit den Arbeitsbedingungen unzufrieden ist. Gewalt als Erziehungsmaßnahme ist zu dieser Zeit in vielen Kinderheimen üblich. Das hängt unter anderem mit der Ideologie und den Erziehungsmethoden zusammen, die im Nationalsozialismus propagiert wurden. Die Heimerziehung ist zu dieser Zeit nicht auf individuelle Förderung bedacht, sondern hat einen strafenden Blick auf die Kinder. Sie werden „primär von ihren Defiziten her wahrgenommen“.&amp;lt;ref&amp;gt;Rudloff, Wilfried: Eindämmung und Persistenz. Gewalt in der westdeutschen Heimerziehung und familiäre Gewalt gegen Kinder, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History (2018) Heft 15, S. 256.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie gelten als verwahrlost und als nicht funktionsfähige Mitglieder der Gesellschaft, denen man Ordnung und Gehorsamkeit beibringen muss. Gleichzeitig wird die Situation dadurch verschlimmert, dass das Heimpersonal häufig nicht gut ausgebildet und überfordert ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Kaminsky, Uwe: Zur historischen Entwicklung der Heimerziehung in der BRD und der DDR (1945-1975), in: Eberle, Annette/Kaminsky, Uwe/Behringer, Luise/Unterkofler, Ursula (Hg.): Menschenrechte und Soziale Arbeit im Schatten des Nationalsozialismus. Der lange Weg der Reformen, Wiesbaden 2019, S. 63 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Von außen greift niemand ein: Bei der Überprüfung von Kinderheimen achtet das Jugendamt nur auf den Zustand der Gebäude. Die angewandten Erziehungsmethoden werden nicht hinterfragt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rädlinger, Christine: „Weihnachten war immer sehr schön.“ Die Kinderheime der Landeshauptstadt München von 1950 bis 1975, München 2014, S. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; In vielen Kinderheimen der Bundesrepublik gehören Stockhiebe, Schläge und tagelange Isolationshaft in den 1950er und 60er Jahren zum Alltag. Auch Essenszwang oder -entzug und Demütigungsrituale sind nicht selten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rudloff: Eindämmung und Persistenz, S. 260.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im &#039;&#039;Haus Maffei&#039;&#039; kommt es zu sexualisierter Gewalt und Misshandlungen. Die werden erst Jahrzehnte später ans Licht kommen und vom Verband aufgearbeitet werden.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{|class=wikitable&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;padding: 10px&amp;quot; | &amp;lt;center&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Aufarbeitungsprozess im Paritätischen in Bayern&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Im September 2020 kam eine private Recherchegruppe auf den Vorstand des Paritätischen in Bayern zu und berichtete über sexualisierte Gewalt und Misshandlungen in einer ehemaligen Einrichtung des Paritätischen in Bayern in den 1960er Jahren, dem „Haus Maffei“ in Feldafing. Die Recherchegruppe legte dabei Informationen vor, die ehemalige Heimkinder der Gruppe zur Verfügung gestellt hatten.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Vorstand stufte die Berichte der Recherchegruppe und der Betroffenen sofort als glaubhaft ein und entschloss sich noch im Herbst 2020 zu einer umfassenden Aufarbeitung der Vorfälle im „Haus Maffei“. Ziel der Aufarbeitung ist, heute klar und konsequent die Verantwortung für die damaligen Taten in der ehemaligen Einrichtung des Verbands zu übernehmen.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;[http://www.paritaet-bayern.de/der-paritaetische/aufarbeitung-sexualisierte-gewalt-und-misshandlungen Auf seiner Website dokumentiert der Verband den gesamten Prozess.]&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;/center&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==„Jugendnot“: Ein heiß diskutiertes Thema==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1952 übernimmt [[„Meisterin der Jugendhilfe“ und Täterin: Elisabeth Bamberger|Elisabeth Bamberger]] die Leitung des Münchner Jugendamts. Sie versucht seit dem Ende des Krieges immer wieder, auf die „Jugendnot“ aufmerksam zu machen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach: Berger, Manfred: Bahnbrechend auf dem Gebiet der Jugendhilfe. Elisabeth Bamberger (1890-1984), in: Blätter der Wohlfahrtspflege (2022) Heft 4, S. 153.&amp;lt;/ref&amp;gt; „Bei einem Schiffbruch rettet man zuerst die Kinder; wenn wir den Bestand unseres Volkes retten wollen [...], dann müssen wir auch in dem Schiffbruch unseres Staates zuerst die Kinder retten“, meint sie.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den folgenden Jahren setzt sie sich für eine Reform der Jugendfürsorge ein. Sie wünscht sich, dass dem Jugendamt in Zukunft „wichtiger als die Gesetze die Menschen“ sind.&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach: Berger: Elisabeth Bamberger, S. 154.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie fordert unter anderem, dass das Leben im Kinderheim dem einer Familie ähnlicher wird. Dafür sollen zum Beispiel die Gruppen, in denen die Kinder leben, verkleinert werden. Verschiedene Geschlechter und Altersstufen sollen zusammenwohnen. Außerdem soll es mehr „halboffene Erziehungseinrichtungen“ geben, wie zum Beispiel Kindergärten, Tagesstätten, aber auch Spielplätze.&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach: Berger: Elisabeth Bamberger, S. 153.&amp;lt;/ref&amp;gt; Elisabeth Bamberger arbeitet seit vielen Jahren nicht nur in der städtischen Wohlfahrt, sondern auch in der Freien Wohlfahrtspflege. Seit den 1920er Jahren ist sie in verschiedenen Mitgliedsorganisationen des Paritätischen in Bayern aktiv. Nach ihrer Pensionierung wird sie 1959 stellvertretende Vorsitzende des Vereins &#039;&#039;Kinderschutz und Mutterschutz&#039;&#039;. Auch hier kümmert sie sich vor allem um die Weiterentwicklung der Kinderheime des Vereins.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Kinderschutz und Mutterschutz e.V. (Hg.): Innovative Sozialarbeit. 100 Jahre Kinderschutz und Mutterschutz e.V., 1901-2001, München 2011, S. 11-12.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass es Probleme gibt, ist in der Fachwelt nicht zu übersehen. Bald wird fieberhaft nach Lösungen gesucht. In der Arbeitsgemeinschaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege in Bayern wird diskutiert, ob das klassische Heim überhaupt noch den modernen Ansprüchen an die Jugendfürsorge gerecht werden kann. Die Kritikpunkte sind auch hier: Zu große Gruppen, zu unpersönlich, zu abgeschottet von der Gesellschaft. 1965 wird nach einer Fachveranstaltung festgehalten: „Die Diskussion über die Heimerziehung scheint zwischen zwei Extremen zu schwanken: Einerseits das Heim als ein pädagogisches Unding, das eigentlich abgeschafft gehört und nur deshalb beibehalten wird, weil es nichts Besseres gibt — andererseits das gute Heim als Ersatzfamilie.“&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Zur Personalnot in Erziehungsheimen, in: Bayerischer Wohlfahrtsdienst (1966) Heft 3, S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Neue Konzepte brauchen Zeit==&lt;br /&gt;
[[Datei:SOS-Kinderdorf 1977.jpg|320px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;1977: Der Paritätische in Bayern stellt seine neue Mitgliedsorganisation in der bundesweiten Verbandszeitung &#039;&#039;parität aktuell&#039;&#039; vor. Von jetzt an berichtet er hier regelmäßig über die Aktivitäten des Vereins &#039;&#039;SOS-Kinderdorf&#039;&#039;.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Im selben Jahr, 1965, findet ein besonderes Treffen in den Räumen des Paritätischen Gesamtverbands in Frankfurt am Main statt. Es soll eine Aussprache geben zwischen mehreren Wohlfahrtsverbänden, Jugendämtern und dem Verein &#039;&#039;SOS-Kinderdorf&#039;&#039;. Das Konzept der SOS-Kinderdörfer stammt aus Österreich, von Hermann Gmeiner. Auch er ist bei dem Treffen in Frankfurt dabei. Die SOS-Kinderdörfer wollen eine Alternative zur klassischen Heimerziehung sein. In ihnen sollen Kinder in familienähnlichen Strukturen aufwachsen. Diesen Unterschied betont der Verein auch in seiner Werbung und kritisiert damit die gängigen Formen der Heimunterbringung. Davon fühlt der Rest der Freien Wohlfahrtspflege in Deutschland sich angegriffen. Ein SOS-Kinderdorf gibt es nämlich seit einigen Jahren auch in Bayern, in Dießen am Ammersee. Darum soll es jetzt eine Aussprache geben. Ein weiterer Streitpunkt ist das „Mutterprinzip“, nach dem die SOS-Kinderdörfer funktionieren: Die Kinder werden von einer Witwe oder unverheirateten Frau betreut. Erst wenn sie 14 Jahre alt sind und sich ihre Wohnsituation innerhalb der Einrichtung verändert, wird auch ein männlicher „Jugendleiter“ in die Erziehung der Kinder einbezogen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Archiv des SOS-Kinderdorf e.V., Zusammenfassender Bericht über das Gespräch &#039;&#039;Gemeinsames und Nicht-Gemeinsames zwischen SOS-Kinderdörfern und Deutscher Wohlfahrtspflege&#039;&#039;, 1.4.1965.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauert 11 Jahre, bis der Verein &#039;&#039;SOS-Kinderdorf&#039;&#039; und der Paritätische in Bayern sich näherkommen. 1976 tritt der Verein dem Verband bei. Inzwischen hat sich vieles verändert: In den SOS-Kinderdörfern arbeiten jetzt ausgebildete Pädagog*innen. Der Verein ist professioneller geworden. Der Paritätische in Bayern ist stolz auf sein neues Mitglied.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Archiv des SOS-Kinderdorf e.V., interne Korrespondenz des Paritätischen in Bayern, 1976.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es ist eine Zeit, in der sich im Verband vieles bewegt und Neues ausprobiert wird – auch in der Kinder- und Jugendhilfe. Die Angebote werden immer vielfältiger. Der Verein &#039;&#039;SOS-Kinderdorf&#039;&#039; ist nur ein Beispiel von vielen für diese Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit den späten 1960er Jahren wird auch außerhalb der Fachwelt über die Heimerziehung in der Bundesrepublik diskutiert. Linke Studierende, Journalist*innen und Pädagog*innen prangern seitdem den &amp;quot;Knastcharakter&amp;quot; und die &amp;quot;Prügelpädagogik&amp;quot; der deutschen Kinderheime an.&amp;lt;ref&amp;gt;Rudloff: Eindämmung und Persistenz, S. 263.&amp;lt;/ref&amp;gt; Neben den SOS-Kinderdörfern entstehen in den 1970er und 1980er Jahren viele verschiedene Alternativen zur klassischen Heimerziehung. Dazu gehören zum Beispiel Wohngruppen, aber auch Pflegefamilien und ambulante Hilfen. 1978 hat der Paritätische in Bayern 172 Mitgliedsorganisationen, die in der Kinder- und Jugendhilfe arbeiten – weit mehr als in jedem anderen Bereich.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: DPWV-Landesverband zieht Bilanz, in: DPWV-Nachrichten (1978) Heft 12, S. 179.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Bandbreite der Beratung und Unterstützung für Familien und Kinder ist größer als je zuvor. Auch in der Kinderbetreuung entstehen jetzt – zum Beispiel durch [[Eltern ergreifen die Initiative: Neue Formen der Kinderbetreuung erobern den Paritätischen in Bayern|Elterninitiativen]] – neue Konzepte, die den Weg zum Paritätischen in Bayern finden. Dabei wird mit Erziehungsmethoden experimentiert, die vom gewaltvollen Alltag der Kinderheime der 1950er bis 70er Jahre weit entfernt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Archiv des SOS-Kinderdorf e.V., Zusammenfassender Bericht über das Gespräch Gemeinsames und Nicht-Gemeinsames zwischen SOS-Kinderdörfern und Deutscher Wohlfahrtspflege, 1.4.1965.&lt;br /&gt;
*Archiv des SOS-Kinderdorf e.V., interne Korrespondenz des Paritätischen in Bayern, 1976.&lt;br /&gt;
*Kinderschutz und Mutterschutz e.V. (Hg.): Innovative Sozialarbeit. 100 Jahre Kinderschutz und Mutterschutz e.V., 1901-2001, München 2011.&lt;br /&gt;
*O. A.: DPWV-Landesverband zieht Bilanz, in: DPWV-Nachrichten (1978) Heft 12, S. 179.&lt;br /&gt;
*O. A.: Zur Personalnot in Erziehungsheimen, in: Bayerischer Wohlfahrtsdienst (1966) Heft 3, S. 25.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Berger, Manfred: Bahnbrechend auf dem Gebiet der Jugendhilfe. Elisabeth Bamberger (1890-1984), in: Blätter der Wohlfahrtspflege (2022) Heft 4, S. 153-154.&lt;br /&gt;
*Lambers, Helmut: Geschichte der Sozialen Arbeit. Wie aus Helfen Soziale Arbeit wurde, Regensburg 2018.&lt;br /&gt;
*Eberle, Annette: Vorstudie. Mögliche Tatbestände und Dimensionen sexualisierter Gewalt und Misshandlungen im Sonderschul-Kinderheim „Haus Maffei“ (1953-1972) in Feldafing sowie der Folgeeinrichtung, dem „Haus am Margaretenanger“ (HPZ, Lohhof ab 1972), unveröffentlicht.&lt;br /&gt;
*Kaminsky, Uwe: Zur historischen Entwicklung der Heimerziehung in der BRD und der DDR (1945-1975), in: Eberle, Annette/Kaminsky, Uwe/Behringer, Luise/Unterkofler, Ursula (Hg.): Menschenrechte und Soziale Arbeit im Schatten des Nationalsozialismus. Der lange Weg der Reformen, Wiesbaden 2019.&lt;br /&gt;
*Rädlinger, Christine: „Weihnachten war immer sehr schön.“ Die Kinderheime der Landeshauptstadt München von 1950 bis 1975, München 2014.&lt;br /&gt;
*Sachße, Christoph/Tennstedt, Florian: Fürsorge und Wohlfahrtspflege in der Nachkriegszeit 1945–1953. Geschichte der Armenfürsorge in Deutschland, Bd. 4, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
*Verein für Fraueninteressen (Hg.): 100 Jahre Verein für Fraueninteressen, München 1994.&lt;br /&gt;
*Zahner, Daniela: Jugendfürsorge in Bayern im ersten Nachkriegsjahrzehnt 1945-1955, München 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Eine_wechselvolle_Geschichte:_Selbsthilfe_im_Parit%C3%A4tischen_in_Bayern&amp;diff=1228</id>
		<title>Eine wechselvolle Geschichte: Selbsthilfe im Paritätischen in Bayern</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Eine_wechselvolle_Geschichte:_Selbsthilfe_im_Parit%C3%A4tischen_in_Bayern&amp;diff=1228"/>
		<updated>2024-10-17T08:26:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* Tabuthema Selbsthilfe */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Als in der Bundesrepublik eine neue Selbsthilfebewegung entsteht, wirft das im Paritätischen in Bayern viele Fragen auf. Der Verband muss sich entscheiden: Will er die neue Bewegung unterstützen, oder an den alten Vorstellungen von Wohlfahrtspflege festhalten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
==Tabuthema Selbsthilfe==&lt;br /&gt;
[[Datei:DPWV-Nachrichten 1962.jpg|300px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Altenheime gehören zum klassischen stationären Angebot des Paritätischen in Bayern. Der Verband ist stolz darauf, mit seinen Einrichtungen Neues auszuprobieren.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
1957 legt der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband in seinen „Grundsätzen über die Mitgliedschaft“ fest, dass im Verband „keine Selbsthilfeorganisationen und Interessensverbände Aufnahme finden“ können.&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e. V., Grundsätze über die Mitgliedschaft, 6.9.1957.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das gilt auch für den Paritätischen in Bayern. Die paritätischen Landesverbände dürfen nur mit Erlaubnis des Gesamtverbands neue Mitglieder aufnehmen. Darüber hat es monatelang Diskussionen gegeben. Ein Grund dafür war die Entscheidung des Paritätischen in Bayern, das [[Unterstützung für Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg|&#039;&#039;Sudetendeutsche Sozialwerk&#039;&#039;]] als Mitgliedsorganisation aufzunehmen. Mit den neuen Grundsätzen soll klar sein: Der Paritätische ist ein Wohlfahrts- und kein Selbsthilfeverband.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei ist Selbsthilfe im Paritätischen kein neues Thema. Schon in den 1920er Jahren, der Zeit der Weltwirtschaftskrise, gehörte sie zum Verband. Selbsthilfe bedeutete damals, dass sich Menschen mit ähnlichen Lebensumständen zusammentaten, um sich gegenseitig zu helfen – mit Geld und anderen Dingen, die man im täglichen Leben braucht. Ein Beispiel dafür ist der &#039;&#039;Deutsche Notbund geistiger Arbeiter in Bayern&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Geschäftsführender Vorstand des Fünften Wohlfahrtsverbands (Hg.): Verzeichnis der dem Fünften Wohlfahrtsverband angeschlossenen Einrichtungen der geschlossenen, halboffenen und offenen Gesundheits-, Erziehungs- und Wirtschaftsfürsorge nebst Personal-Verzeichnis des Vorstandes, der Landes- und Provinzialvertretungen usw. Berlin 1930, S. 30.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der teilte bald das Schicksal der meisten Selbsthilfeorganisationen in Deutschland: Er wurde [[Menschen, Organisationen und Einrichtungen des Paritätischen in Bayern während der Zeit des Nationalsozialismus|im Nationalsozialismus aufgelöst]]. Wohlfahrtspflege ist seitdem eine Sache der „Einrichtungen und Anstalten“.&amp;lt;ref&amp;gt;Satzung, in: O. A.: Der Landesverband Bayern des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, München 1960, S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Tiefgreifende Veränderungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1950er und 60er Jahren verändert sich die Gesellschaft in der Bundesrepublik mehr und mehr. Vielen Menschen geht es durch das starke Wirtschaftswachstum besser als je zuvor. Sie können sich weiterbilden und mit politischen und sozialen Themen beschäftigen, weil sie sich um das, was man zum täglichen Leben braucht, weniger Sorgen machen müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Siegfried, Detlef: 1968. Protest, Revolte, Gegenkultur, Ditzingen 2018, S. 13-20.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Menschen fangen an, neue Vorstellung davon zu entwickeln, wie sie leben möchten. Bald entsteht eine neue Selbsthilfebewegung. Sie zielt nicht mehr nur auf die Lösung von Problemen im Alltag ab. Die Menschen stellen politische Forderungen an den Sozialstaat.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Von Hauff, Michael: Neue Selbsthilfebewegung und staatliche Sozialpolitik. Eine analytische Gegenüberstellung. Stuttgart 1987, S.5-8.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das wird auch den Paritätischen in Bayern verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Verband muss umdenken==&lt;br /&gt;
[[Datei:Uffrecht Selbsthilfe.jpg|300px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Bernhard Uffrecht wird auch über Bayern hinaus zum Fürsprecher für das Konzept der Selbsthilfe, wie hier 1985 in der bundesweiten Verbandszeitung &#039;&#039;parität aktuell&#039;&#039;.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Ab dem Ende der 1950er Jahre schließen sich [[Für ein selbstbestimmtes Leben: Menschen mit Behinderungen verändern den Paritätischen in Bayern|Eltern von Kindern mit verschiedenen Behinderungen]] zusammen. Sie wollen ihre Interessen gemeinsam vertreten. Auch in anderen Teilen der Bundesrepublik entstehen solche Initiativen. Sie bringen die Führungspersonen des Paritätischen Gesamtverbands zum Nachdenken: Wo verlaufen die Grenzen zwischen einer „Selbsthilfeorganisation“, einem „Interessenverband“ und einer „Wohlfahrtsorganisation“?&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e. V., Niederschrift über die gemeinsame Sitzung des Vorstandes und Beirates des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, 7.10.1964, S. 7.&amp;lt;/ref&amp;gt; Immer wieder wird diese Frage diskutiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. Archiv Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e. V., Niederschrift über die Sitzung des Beirates, 6.4.1968.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie ist wichtig, denn Selbsthilfeorganisationen will der Verband nicht unterstützen. So steht es nach wie vor in seinen Grundsätzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1964 wird [[Für mehr Gemeinsinn und Sichtbarkeit: Bernhard Uffrecht|Bernhard Uffrecht]] Geschäftsführer des Paritätischen in Bayern. Er möchte mehr Menschen dazu bewegen, sich sozial zu engagieren. Deshalb setzt er sich für die Förderung von [[„Nachbarn helfen sich selbst“: Kreative Lösungen für neue Wohn- und Lebensverhältnisse|Nachbarschaftshilfen]] ein. Auch Selbsthilfegruppen will er unterstützen. Er fordert ein Umdenken innerhalb der Sozialen Arbeit. Sein Ziel: Eine „Sozialarbeit [...], die sich als Begleitung eines Prozesses der Selbsthilfe versteht“.&amp;lt;ref&amp;gt;Uffrecht, Bernhard: Gemeinwesenarbeit! – Gemeinwensenarbeit? Versuch eines Diskussionsbeitrages zu einem aktuellen Thema, in: DPWV-Nachrichten (1974) Heft 1/2, S. 11.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dafür macht er viel Werbung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der sogenannten [[Für ein selbstbestimmtes Leben: Menschen mit Behinderungen verändern den Paritätischen in Bayern|Behindertenbewegung]] entstehen jetzt immer mehr Zusammenschlüsse von Menschen, die sich gegenseitig helfen und gemeinsam ihre Interessen vertreten wollen: [[Eltern ergreifen die Initiative: Neue Formen der Kinderbetreuung erobern den Paritätischen in Bayern|Eltern]], die sich eine bessere Betreuung ihrer Kinder wünschen, [[Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern|Frauen]] und [[Ein steiniger Weg zur Akzeptanz: Queerer Aktivismus im Paritätischen in Bayern|Homosexuelle]] formieren sich zu eigenen Selbsthilfebewegungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Viele Wege führen zur Selbsthilfe==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind persönliche Erfahrungen, die zur Entstehung der Selbsthilfebewegungen führen. 1971  wird Gerhard Englert in München bei einer Notoperation der Dünndarm entfernt. Der Physiker ist Mitte 30 und muss plötzlich mit einem künstlichen Darmausgang leben, einem sogenannten Stoma. Ihm ist klar: Sein Leben wird jetzt anders. Aber wie sein Alltag aussehen wird und wie er am besten damit umgeht, darüber bekommt Gerhard Englert kaum Informationen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Gerhard Englert am 16. Juni 2022.&amp;lt;/ref&amp;gt; „Es gab nur wenige Chirurgen in Deutschland, die sich bei der Anlage eines Stomas der Verantwortung für [...] das zukünftige gesellschaftliche Leben des Betroffenen bewusst waren“, wird er sich später erinnern.&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach: O. A.: Anmerkungen eines Beteiligten zur Entwicklung der Selbsthilfeorganisation Deutsche ILCO, in: ILCO PRAXIS (2013) Nr. 1, S. 8.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gerhard Englert ist nicht allein: Die Medizin hat sich weiterentwickelt und bietet Lösungen für viele Probleme. Aber die persönliche Betreuung von Patient*innen bleibt oft auf der Strecke.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Badura, Bernhard/von Ferber, Christian (Hg.): Selbsthilfe und Selbstorganisation im Gesundheitswesen. Die Bedeutung nicht-professioneller Sozialysteme für Krankheitsbewältigung und die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen, München 1981, S.2.&amp;lt;/ref&amp;gt; Deswegen gibt es bald immer mehr Selbsthilfegruppen, in denen sich Patient*innen organisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerhard Englert beginnt, sich am Aufbau der &#039;&#039;Deutschen ILCO&#039;&#039; zu beteiligen. Die Abkürzung „ILCO“ kommt von den lateinischen Begriffen für Dünn- und Dickdarm, „ileum“ und „colon“. Die &#039;&#039;Deutsche ILCO&#039;&#039; tritt 1977 als bundesweite Mitgliedsorganisation in den Paritätischen Gesamtverband ein. Damit ist sie eine Ausnahme: Die meisten Selbsthilfeorganisationen sind kleiner. Sie organisieren sich auf regionaler Ebene und treten den paritätischen Landesverbänden bei – zum Beispiel dem Paritätischen in Bayern.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Gerhard Englert am 16. Juni 2022.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Selbsthilfe 1982.jpg|600px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Ein Beispiel aus Bamberg: In der bundesweiten Verbandszeitung des Paritätischen Gesamtverbands berichtet der Paritätische in Bayern 1982 über eine Selbsthilfegruppe für Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind oder waren. Die &#039;&#039;Bayerische Krebsgesellschaft&#039;&#039; ist seit 1980 Mitglied im Paritätischen in Bayern.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. PARITÄTISCHER Wohlfahrtsverband, Landesverband Bayern e.V.: 60 Jahre PARITÄTISCHER in Bayern, München 2008, S. 42.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ein neuer Schwerpunkt der Verbandsarbeit==&lt;br /&gt;
[[Datei:Plakat Selbsthilfe 90er Jahre.jpg|300px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;In den 1990er Jahren wirbt der Paritätische selbstbewusst mit seinem neuen Verbandsschwerpunkt: „Hilfe zur Selbsthilfe“.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Selbsthilfegruppen brauchen viel Beratung und Unterstützung. Sie kennen sich in der Wohlfahrtspflege nicht aus.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.: Merchel, Joachim: Der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband. Seine Funktion im korporatistisch gefügten System sozialer Arbeit, Weinheim 1988, S. 169-198.&amp;lt;/ref&amp;gt; Darauf muss sich der Paritätische in Bayern einstellen. Mitte der 1980er Jahre ist er als der Wohlfahrtsverband mit den meisten Selbsthilfeorganisationen im Freistaat bekannt. Die anderen Wohlfahrtsverbände beobachten die Entwicklung gespannt. Es kommt die Idee auf, die Selbsthilfeorganisationen könnten einen eigenen Wohlfahrtsverband gründen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Flierl, Hans: Die freie Wohlfahrtspflege. Materialien zu Aufgaben und Entwicklungstendenzen, in: Bayerischer Wohlfahrtsdienst (1985) Heft 8/9, S. 107.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aber dazu kommt es nicht, denn mit der Zeit zeigt sich: Selbsthilfeorganisationen passen in die bestehende Struktur der Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege – unter dem Dach des Paritätischen in Bayern. Einen von Grund auf neuen Verband brauchen sie nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Selbsthilfebewegung etabliert sich im Paritätischen in Bayern. [[Für ein barrierefreies München und ein Leben auf Augenhöhe: Ingrid Leitner|Ingrid Leitner]] vom &#039;&#039;Club Behinderter und ihrer Freunde&#039;&#039; wird stellvertretende Vorsitzende des Verbands. Der Paritätische in Bayern fungiert als Sprachrohr für die Selbsthilfebewegung.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. Leitner, Ingrid: Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeprojekte im sozialen Bereich. Referat von Dr. Ingrid Leitner, gehalten bei einer Vortragsveranstaltung der Bank für Sozialwirtschaft am 11. Juni 1986 in München zum Thema „Entwicklung der Freien Wohlfahrtspflege“, in: Bayerischer Wohlfahrtsdienst  (1986) Heft 7/8, S. 103-106; Borgmann-Quade, Rainer: Selbsthilfe. Entwicklung – Bedeutung für die soziale Arbeit. Referat, gehalten bei der Mitgliederversammlung des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Landesverband Bayern e. V., am 29.11.85 in München, in: Bayerischer Wohlfahrtsdienst (1986) Heft 7/8, S. 106-109.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er bringt auch eigenständig Menschen zusammen, damit sie sich vernetzen und organisieren: So lädt er zum Beispiel junge Rheuma-Erkrankte zu gemeinsamen Wochenendseminaren in Feldafing ein.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Seminar mit jungen Rheumakranken, in: DPWV-Nachrichten (1987) Heft 9, S. 132.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1989 verabschiedet der Paritätische neue „Grundsätze der Verbandspolitik“. Schon der erste Satz zeigt, wie sich sein Selbstverständnis verändert hat: „Der Paritätische ist ein Wohlfahrtsverband von eigenständigen Organisationen, Einrichtungen und Gruppierungen der Wohlfahrtspflege, die soziale Arbeit für andere oder als Selbsthilfe leisten“, heißt es jetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Grundsätze der Verbandspolitik des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, in: Bayerischer Wohlfahrtsdienst (1989) Heft 12, S. 137.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Dokument schließt mit den Worten: „Aufgrund seiner Mitgliederzusammensetzung und seines Verständnisses von Wohlfahrtspflege sieht der Paritätische seine besondere Stellung im Verbund der Spitzenverbände als Sachwalter des eigenständigen sozialen Bürgerengagements und der Selbsthilfe.“&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Grundsätze, S. 139.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Archiv Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e. V., Grundsätze über die Mitgliedschaft, 6.9.1957.&lt;br /&gt;
*Archiv Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e. V., Niederschrift über die gemeinsame Sitzung des Vorstandes und Beirates des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, 7.10.1964.&lt;br /&gt;
*Archiv Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e. V., Niederschrift über die Sitzung des Beirates, 6.4.1968.&lt;br /&gt;
*Borgmann-Quade, Rainer: Selbsthilfe. Entwicklung – Bedeutung für die soziale Arbeit. Referat, gehalten bei der Mitgliederversammlung des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Landesverband Bayern e. V., am 29.11.85 in München, in: Bayerischer Wohlfahrtsdienst (1986) Heft 7/8, S. 106-109.&lt;br /&gt;
*Flierl, Hans: Die freie Wohlfahrtspflege. Materialien zu Aufgaben und Entwicklungstendenzen, in: Bayerischer Wohlfahrtsdienst (1985) Heft 8/9, S. 101-120.&lt;br /&gt;
*Geschäftsführender Vorstand des Fünften Wohlfahrtsverbands (Hg.): Verzeichnis der dem Fünften Wohlfahrtsverband angeschlossenen Einrichtungen der geschlossenen, halboffenen und offenen Gesundheits-, Erziehungs- und Wirtschaftsfürsorge nebst Personal-Verzeichnis des Vorstandes, der Landes- und Provinzialvertretungen usw. Berlin 1930.&lt;br /&gt;
*Leitner, Ingrid: Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeprojekte im sozialen Bereich. Referat von Dr. Ingrid Leitner, gehalten bei einer Vortragsveranstaltung der Bank für Sozialwirtschaft am 11. Juni 1986 in München zum Thema „Entwicklung der Freien Wohlfahrtspflege“, in: Bayerischer Wohlfahrtsdienst (1986) Heft 7/8, S. 103-106.&lt;br /&gt;
*O. A.: Der Landesverband Bayern des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, München 1960.&lt;br /&gt;
*O. A.: Anmerkungen eines Beteiligten zur Entwicklung der Selbsthilfeorganisation Deutsche ILCO, in: ILCO PRAXIS (2013) Nr. 1, S. 8.&lt;br /&gt;
*O. A.: Seminar mit jungen Rheumakranken, in: DPWV-Nachrichten (1987) Heft 9, S. 132.&lt;br /&gt;
*O. A.: Grundsätze der Verbandspolitik des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, in: Bayerischer Wohlfahrtsdienst (1989) Heft 12, S. 137—139.&lt;br /&gt;
*PARITÄTISCHER Wohlfahrtsverband, Landesverband Bayern e.V.: 60 Jahre PARITÄTISCHER in Bayern, München 2008.&lt;br /&gt;
*Uffrecht, Bernhard: Gemeinwesenarbeit! – Gemeinwensenarbeit? Versuch eines Diskussionsbeitrages zu einem aktuellen Thema, in: DPWV-Nachrichten (1974) Heft 1/2, S. S. 10-11.&lt;br /&gt;
*Zeitzeugengespräch mit Gerhard Englert am 16. Juni 2022.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Badura, Bernhard/von Ferber, Christian (Hg.): Selbsthilfe und Selbstorganisation im Gesundheitswesen. Die Bedeutung nicht-professioneller Sozialysteme für Krankheitsbewältigung und die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen, München 1981.&lt;br /&gt;
*Merchel, Joachim: Der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband. Seine Funktion im korporatistisch gefügten System sozialer Arbeit, Weinheim 1988.&lt;br /&gt;
*Siegfried, Detlef: 1968. Protest, Revolte, Gegenkultur, Ditzingen 2018.&lt;br /&gt;
*Von Hauff, Michael: Neue Selbsthilfebewegung und staatliche Sozialpolitik. Eine analytische Gegenüberstellung. Stuttgart 1987.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=%E2%80%9EJugendnot%E2%80%9C_und_Heimerziehung_im_Parit%C3%A4tischen_in_Bayern&amp;diff=1227</id>
		<title>„Jugendnot“ und Heimerziehung im Paritätischen in Bayern</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=%E2%80%9EJugendnot%E2%80%9C_und_Heimerziehung_im_Parit%C3%A4tischen_in_Bayern&amp;diff=1227"/>
		<updated>2024-10-17T08:25:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* „Jugendnot“: Ein heiß diskutiertes Thema */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Nach dem Zweiten Weltkrieg gibt es viele Kinder, die Hilfe brauchen. Die Strukturen der damaligen Jugendhilfe werden damit nicht fertig, es gibt viele Probleme – auch im Paritätischen in Bayern.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
==Eine lange Tradition==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kind Lager Allach 1947.jpg|300px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;In der Nachkriegszeit gibt es in Bayern viele Kinder, die in Armut leben. Wie dieser Junge, der 1947 in einem Lager für sogenannte Displaced Persons in München-Allach fotografiert wird.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Seit den 1920er Jahren sind Kinderheime Teil des Paritätischen in Bayern. Der [[Ein Netzwerk engagierter Frauen: Der Verein für Fraueninteressen und das Umfeld des Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;Verein für Fraueninteressen&#039;&#039;]] betreibt damals zum Beispiel das Luisenhaus in München. Das ist ein Erziehungsheim, in dem 20 Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen leben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Verein für Fraueninteressen (Hg.): 100 Jahre Verein für Fraueninteressen, München 1994, S. 51-54.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch andere Mitgliedsorganisationen, die seit der [[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|Gründung]] Teil des Paritätischen in Bayern  sind, kümmern sich um Kinder, die keine Eltern haben oder deren Familien sie nicht versorgen können. Der Nationalsozialismus bedeutet für die Jugendfürsorge, wie die Jugendhilfe damals heißt, einen tiefen Einschnitt: Auch Kinder werden jetzt nach rassenideologischen Kriterien beurteilt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Lambers, Helmut: Geschichte der Sozialen Arbeit. Wie aus Helfen Soziale Arbeit wurde, Regensburg 2018, S. 177.&amp;lt;/ref&amp;gt; Kinderheime und andere Einrichtungen werden ihren Trägern entzogen und Teil der [[Opfer und Täter*innen: Menschen, Organisationen und Einrichtungen des Paritätischen in Bayern während der Zeit des Nationalsozialismus|Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV)]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Jugendfürsorge in der Nachkriegszeit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg muss die Jugendfürsorge neu aufgebaut werden. Die Jugendämter sind nicht vorbereitet auf das, was sie jetzt erwartet: Es gibt viele Kinder und Jugendliche, die dringend Hilfe brauchen. Sie haben durch den Krieg ihre Familie und ihr Zuhause verloren. Jetzt ziehen sie ohne Ziel durch die zerstörten Straßen. Hier drohen Gefahren: Viele junge Menschen werden kriminell oder stecken sich mit Krankheiten an.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Sachße, Christoph/Tennstedt, Florian: Fürsorge und Wohlfahrtspflege in der Nachkriegszeit 1945-1953. Geschichte der Armenfürsorge in Deutschland, Bd. 4, Stuttgart 2012, S. 135.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Rechtsgrundlage der Jugendämter in Bayern ist unübersichtlich. Sie müssen plötzlich viele der Aufgaben übernehmen, die vorher von der NSV übernommen wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zahner, Daniela: Jugendfürsorge in Bayern im ersten Nachkriegsjahrzehnt 1945-1955, München 2006, S. 84-90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Neuorganisation zieht sich bis in die 1950er Jahre hin. Es fehlt an Räumen, Büromaterial und gut ausgebildetem Personal.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zahner, Jugendfürsorge in Bayern, S. 94 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das &#039;&#039;Haus Maffei&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
[[Datei:Haus Maffei.jpeg|300px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Bei der Gartenarbeit im &#039;&#039;Haus Maffei&#039;&#039; machen auch die Kinder mit, die hier wohnen. Im Hintergrund ist die Villa zu sehen, in der die Einrichtung untergebracht ist.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Arbeit muss irgendwie weitergehen. Der Paritätische in Bayern wird kurz nach dem Krieg [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg|wiedergegründet]]. Bald betreibt auch er ein eigenes Kinderheim: Das &#039;&#039;Haus Maffei&#039;&#039; in Feldafing am Starnberger See. Das Haus wurde 1937 gebaut und als “Unterrichtslabor für die Reichsschule der NSDAP“ genutzt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Eberle, Annette: Vorstudie. Mögliche Tatbestände und Dimensionen sexualisierter Gewalt und Misshandlungen im Sonderschul-Kinderheim „Haus Maffei“ (1953-1972) in Feldafing sowie der Folgeeinrichtung, dem „Haus am Margaretenanger“ (HPZ, Lohhof ab 1972), S. 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach dem Kriegsende kommen hier über 100 jugendliche Überlebende aus Konzentrationslagern unter. Betrieben wird das Heim jetzt von den Vereinten Nationen. Der Paritätische in Bayern übernimmt das &#039;&#039;Haus Maffei&#039;&#039; im Januar 1951 – mitsamt der Verantwortung für 90 Kinder und Jugendliche sowie das dazugehörige Personal.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Eberle: Vorstudie, S. 37.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Haus wird neu eingerichtet und bekommt einen neuen Schwerpunkt: Es wird für die “Aufnahme von schwachbegabten, entwicklungsrückständigen, aber bildungsfähigen Kindern” vorbereitet.&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach Eberle: Vorstudie, S. 37.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu gehört auch die Einrichtung einer eigenen privaten Sonderschule. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis zu seiner Schließung 1972 wird es im &#039;&#039;Haus Maffei&#039;&#039; immer wieder schwere Missstände geben: Überbelegung, Sanierungsbedarf und ein ständiger Wechsel des Personals, das mit den Arbeitsbedingungen unzufrieden ist. Gewalt als Erziehungsmaßnahme ist zu dieser Zeit in vielen Kinderheimen üblich. Das hängt unter anderem mit der Ideologie und den Erziehungsmethoden zusammen, die im Nationalsozialismus propagiert wurden. Die Heimerziehung ist zu dieser Zeit nicht auf individuelle Förderung bedacht, sondern hat einen strafenden Blick auf die Kinder. Sie werden „primär von ihren Defiziten her wahrgenommen“.&amp;lt;ref&amp;gt;Rudloff, Wilfried: Eindämmung und Persistenz. Gewalt in der westdeutschen Heimerziehung und familiäre Gewalt gegen Kinder, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History (2018) Heft 15, S. 256.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie gelten als verwahrlost und als nicht funktionsfähige Mitglieder der Gesellschaft, denen man Ordnung und Gehorsamkeit beibringen muss. Gleichzeitig wird die Situation dadurch verschlimmert, dass das Heimpersonal häufig nicht gut ausgebildet und überfordert ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Kaminsky, Uwe: Zur historischen Entwicklung der Heimerziehung in der BRD und der DDR (1945-1975), in: Eberle, Annette/Kaminsky, Uwe/Behringer, Luise/Unterkofler, Ursula (Hg.): Menschenrechte und Soziale Arbeit im Schatten des Nationalsozialismus. Der lange Weg der Reformen, Wiesbaden 2019, S. 63 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Von außen greift niemand ein: Bei der Überprüfung von Kinderheimen achtet das Jugendamt nur auf den Zustand der Gebäude. Die angewandten Erziehungsmethoden werden nicht hinterfragt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rädlinger, Christine: „Weihnachten war immer sehr schön.“ Die Kinderheime der Landeshauptstadt München von 1950 bis 1975, München 2014, S. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; In vielen Kinderheimen der Bundesrepublik gehören Stockhiebe, Schläge und tagelange Isolationshaft in den 1950er und 60er Jahren zum Alltag. Auch Essenszwang oder -entzug und Demütigungsrituale sind nicht selten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rudloff: Eindämmung und Persistenz, S. 260.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im &#039;&#039;Haus Maffei&#039;&#039; kommt es zu sexualisierter Gewalt und Misshandlungen. Die werden erst Jahrzehnte später ans Licht kommen und vom Verband aufgearbeitet werden.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{|class=wikitable&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;padding: 10px&amp;quot; | &amp;lt;center&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Aufarbeitungsprozess im Paritätischen in Bayern&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Im September 2020 kam eine private Recherchegruppe auf den Vorstand des Paritätischen in Bayern zu und berichtete über sexualisierte Gewalt und Misshandlungen in einer ehemaligen Einrichtung des Paritätischen in Bayern in den 1960er Jahren, dem „Haus Maffei“ in Feldafing. Die Recherchegruppe legte dabei Informationen vor, die ehemalige Heimkinder der Gruppe zur Verfügung gestellt hatten.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Vorstand stufte die Berichte der Recherchegruppe und der Betroffenen sofort als glaubhaft ein und entschloss sich noch im Herbst 2020 zu einer umfassenden Aufarbeitung der Vorfälle im „Haus Maffei“. Ziel der Aufarbeitung ist, heute klar und konsequent die Verantwortung für die damaligen Taten in der ehemaligen Einrichtung des Verbands zu übernehmen.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;[http://www.paritaet-bayern.de/der-paritaetische/aufarbeitung-sexualisierte-gewalt-und-misshandlungen Auf seiner Website dokumentiert der Verband den gesamten Prozess.]&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;/center&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==„Jugendnot“: Ein heiß diskutiertes Thema==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1952 übernimmt [[„Meisterin der Jugendhilfe“ und Täterin: Elisabeth Bamberger|Elisabeth Bamberger]] die Leitung des Münchner Jugendamts. Sie versucht seit dem Ende des Krieges immer wieder, auf die „Jugendnot“ aufmerksam zu machen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach: Berger, Manfred: Bahnbrechend auf dem Gebiet der Jugendhilfe. Elisabeth Bamberger (1890-1984), in: Blätter der Wohlfahrtspflege (2022) Heft 4, S. 153.&amp;lt;/ref&amp;gt; „Bei einem Schiffbruch rettet man zuerst die Kinder; wenn wir den Bestand unseres Volkes retten wollen [...], dann müssen wir auch in dem Schiffbruch unseres Staates zuerst die Kinder retten“, meint sie.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den folgenden Jahren setzt sie sich für eine Reform der Jugendfürsorge ein. Sie wünscht sich, dass dem Jugendamt in Zukunft „wichtiger als die Gesetze die Menschen“ sind.&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach: Berger: Elisabeth Bamberger, S. 154.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie fordert unter anderem, dass das Leben im Kinderheim dem einer Familie ähnlicher wird. Dafür sollen zum Beispiel die Gruppen, in denen die Kinder leben, verkleinert werden. Verschiedene Geschlechter und Altersstufen sollen zusammenwohnen. Außerdem soll es mehr „halboffene Erziehungseinrichtungen“ geben, wie zum Beispiel Kindergärten, Tagesstätten, aber auch Spielplätze.&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach: Berger: Elisabeth Bamberger, S. 153.&amp;lt;/ref&amp;gt; Elisabeth Bamberger arbeitet seit vielen Jahren nicht nur in der städtischen Wohlfahrt, sondern auch in der Freien Wohlfahrtspflege. Seit den 1920er Jahren ist sie in verschiedenen Mitgliedsorganisationen des Paritätischen in Bayern aktiv. Nach ihrer Pensionierung wird sie 1959 stellvertretende Vorsitzende des Vereins &#039;&#039;Kinderschutz und Mutterschutz&#039;&#039;. Auch hier kümmert sie sich vor allem um die Weiterentwicklung der Kinderheime des Vereins.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Kinderschutz und Mutterschutz e.V. (Hg.): Innovative Sozialarbeit. 100 Jahre Kinderschutz und Mutterschutz e.V., 1901-2001, München 2011, S. 11-12.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass es Probleme gibt, ist in der Fachwelt nicht zu übersehen. Bald wird fieberhaft nach Lösungen gesucht. In der Arbeitsgemeinschaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege in Bayern wird diskutiert, ob das klassische Heim überhaupt noch den modernen Ansprüchen an die Jugendfürsorge gerecht werden kann. Die Kritikpunkte sind auch hier: Zu große Gruppen, zu unpersönlich, zu abgeschottet von der Gesellschaft. 1965 wird nach einer Fachveranstaltung festgehalten: „Die Diskussion über die Heimerziehung scheint zwischen zwei Extremen zu schwanken: Einerseits das Heim als ein pädagogisches Unding, das eigentlich abgeschafft gehört und nur deshalb beibehalten wird, weil es nichts Besseres gibt — andererseits das gute Heim als Ersatzfamilie.“&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Zur Personalnot in Erziehungsheimen, in: Bayerischer Wohlfahrtsdienst (1966) Heft 3, S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Neue Konzepte brauchen Zeit==&lt;br /&gt;
[[Datei:SOS-Kinderdorf 1977.jpg|320px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;1977: Der Paritätische in Bayern stellt seine neue Mitgliedsorganisation in der bundesweiten Verbandszeitung &#039;&#039;parität aktuell&#039;&#039; vor. Von jetzt an berichtet er hier regelmäßig über die Aktivitäten des Vereins &#039;&#039;SOS-Kinderdorf&#039;&#039;.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Im selben Jahr, 1965, findet ein besonderes Treffen in den Räumen des Paritätischen Gesamtverbands in Frankfurt am Main statt. Es soll eine Aussprache geben zwischen mehreren Wohlfahrtsverbänden, Jugendämtern und dem Verein &#039;&#039;SOS-Kinderdorf&#039;&#039;. Das Konzept der SOS-Kinderdörfer stammt aus Österreich, von Hermann Gmeiner. Auch er ist bei dem Treffen in Frankfurt dabei. Die SOS-Kinderdörfer wollen eine Alternative zur klassischen Heimerziehung sein. In ihnen sollen Kinder in familienähnlichen Strukturen aufwachsen. Diesen Unterschied betont der Verein auch in seiner Werbung und kritisiert damit die gängigen Formen der Heimunterbringung. Davon fühlt der Rest der Freien Wohlfahrtspflege in Deutschland sich angegriffen. Ein SOS-Kinderdorf gibt es nämlich seit einigen Jahren auch in Bayern, in Dießen am Ammersee. Darum soll es jetzt eine Aussprache geben. Ein weiterer Streitpunkt ist das „Mutterprinzip“, nach dem die SOS-Kinderdörfer funktionieren: Die Kinder werden von einer Witwe oder unverheirateten Frau betreut. Erst wenn sie 14 Jahre alt sind und sich ihre Wohnsituation innerhalb der Einrichtung verändert, wird auch ein männlicher „Jugendleiter“ in die Erziehung der Kinder einbezogen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Archiv des SOS-Kinderdorf e.V., Zusammenfassender Bericht über das Gespräch &#039;&#039;Gemeinsames und Nicht-Gemeinsames zwischen SOS-Kinderdörfern und Deutscher Wohlfahrtspflege&#039;&#039;, 1.4.1965.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauert 11 Jahre, bis der Verein &#039;&#039;SOS-Kinderdorf&#039;&#039; und der Paritätische in Bayern sich näherkommen. 1976 tritt der Verein dem Verband bei. Inzwischen hat sich vieles verändert: In den SOS-Kinderdörfern arbeiten jetzt ausgebildete Pädagog*innen. Der Verein ist professioneller geworden. Der Paritätische in Bayern ist stolz auf sein neues Mitglied.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Archiv des SOS-Kinderdorf e.V., interne Korrespondenz des Paritätischen in Bayern, 1976.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es ist eine Zeit, in der sich im Verband vieles bewegt und Neues ausprobiert wird – auch in der Kinder- und Jugendhilfe. Die Angebote werden immer vielfältiger. Der Verein &#039;&#039;SOS-Kinderdorf&#039;&#039; ist nur ein Beispiel von vielen für diese Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit den späten 1960er Jahren wird auch außerhalb der Fachwelt über die Heimerziehung in der Bundesrepublik diskutiert. Linke Studierende, Journalist*innen und Pädagog*innen prangern seitdem den &amp;quot;Knastcharakter&amp;quot; und die &amp;quot;Prügelpädagogik&amp;quot; der deutschen Kinderheime an.&amp;lt;ref&amp;gt;Rudloff: Eindämmung und Persistenz, S. 263.&amp;lt;/ref&amp;gt; Neben den SOS-Kinderdörfern entstehen in den 1970er und 1980er Jahren viele verschiedene Alternativen zur klassischen Heimerziehung. Dazu gehören zum Beispiel Wohngruppen, aber auch Pflegefamilien und ambulante Hilfen. 1978 hat der Paritätische in Bayern 172 Mitgliedsorganisationen, die in der Kinder- und Jugendhilfe arbeiten – weit mehr als in jedem anderen Bereich.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: DPWV-Landesverband zieht Bilanz, in: DPWV-Nachrichten (1978) Heft 12, S. 179.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Bandbreite der Beratung und Unterstützung für Familien und Kinder ist größer als je zuvor. Auch in der Kinderbetreuung entstehen jetzt – zum Beispiel durch [[Eltern ergreifen die Initiative: Neue Formen der Kinderbetreuung erobern den Paritätischen in Bayern|Elterninitiativen]] – neue Konzepte, die den Weg zum Paritätischen in Bayern finden. Dabei wird mit Erziehungsmethoden experimentiert, die vom gewaltvollen Alltag der Kinderheime der 1950er bis 70er Jahre weit entfernt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Archiv des SOS-Kinderdorf e.V., Zusammenfassender Bericht über das Gespräch Gemeinsames und Nicht-Gemeinsames zwischen SOS-Kinderdörfern und Deutscher Wohlfahrtspflege, 1.4.1965.&lt;br /&gt;
*Archiv des SOS-Kinderdorf e.V., interne Korrespondenz des Paritätischen in Bayern, 1976.&lt;br /&gt;
*Kinderschutz und Mutterschutz e.V. (Hg.): Innovative Sozialarbeit. 100 Jahre Kinderschutz und Mutterschutz e.V., 1901-2001, München 2011.&lt;br /&gt;
*O. A.: DPWV-Landesverband zieht Bilanz, in: DPWV-Nachrichten (1978) Heft 12, S. 179.&lt;br /&gt;
*O. A.: Zur Personalnot in Erziehungsheimen, in: Bayerischer Wohlfahrtsdienst (1966) Heft 3, S. 25.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Berger, Manfred: Bahnbrechend auf dem Gebiet der Jugendhilfe. Elisabeth Bamberger (1890-1984), in: Blätter der Wohlfahrtspflege (2022) Heft 4, S. 153-154.&lt;br /&gt;
*Lambers, Helmut: Geschichte der Sozialen Arbeit. Wie aus Helfen Soziale Arbeit wurde, Regensburg 2018.&lt;br /&gt;
*Eberle, Annette: Vorstudie. Mögliche Tatbestände und Dimensionen sexualisierter Gewalt und Misshandlungen im Sonderschul-Kinderheim „Haus Maffei“ (1953-1972) in Feldafing sowie der Folgeeinrichtung, dem „Haus am Margaretenanger“ (HPZ, Lohhof ab 1972), unveröffentlicht.&lt;br /&gt;
*Kaminsky, Uwe: Zur historischen Entwicklung der Heimerziehung in der BRD und der DDR (1945-1975), in: Eberle, Annette/Kaminsky, Uwe/Behringer, Luise/Unterkofler, Ursula (Hg.): Menschenrechte und Soziale Arbeit im Schatten des Nationalsozialismus. Der lange Weg der Reformen, Wiesbaden 2019.&lt;br /&gt;
*Rädlinger, Christine: „Weihnachten war immer sehr schön.“ Die Kinderheime der Landeshauptstadt München von 1950 bis 1975, München 2014.&lt;br /&gt;
*Sachße, Christoph/Tennstedt, Florian: Fürsorge und Wohlfahrtspflege in der Nachkriegszeit 1945–1953. Geschichte der Armenfürsorge in Deutschland, Bd. 4, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
*Verein für Fraueninteressen (Hg.): 100 Jahre Verein für Fraueninteressen, München 1994.&lt;br /&gt;
*Zahner, Daniela: Jugendfürsorge in Bayern im ersten Nachkriegsjahrzehnt 1945-1955, München 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Ein_Netzwerk_engagierter_Frauen:_Der_Verein_f%C3%BCr_Fraueninteressen_und_das_Umfeld_des_Parit%C3%A4tischen_in_Bayern&amp;diff=1226</id>
		<title>Ein Netzwerk engagierter Frauen: Der Verein für Fraueninteressen und das Umfeld des Paritätischen in Bayern</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Ein_Netzwerk_engagierter_Frauen:_Der_Verein_f%C3%BCr_Fraueninteressen_und_das_Umfeld_des_Parit%C3%A4tischen_in_Bayern&amp;diff=1226"/>
		<updated>2024-10-17T08:25:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* Eine Einheit – nicht nur räumlich */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Der Paritätische in Bayern wird in den 1920er Jahren innerhalb eines Netzwerks sozial engagierter Frauen gegründet. In seinem Umfeld entstehen viele Initiativen und Projekte der bürgerlichen Frauenbewegung. Diese Tradition wird den Paritätischen personell und inhaltlich lange prägen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
==Das erste Ziel heißt Bildung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Universitäten sind lange ein Raum nur für Männer. Frauen dürfen nicht studieren. Im 19. Jahrhundert ist das in vielen Ländern schon anders: Zum Beispiel in England, Russland und den USA können Frauen einen Studienabschluss machen. Einige von ihnen möchten sich gerne auch an bayerischen Universitäten fortbilden. In München, Würzburg und Erlangen gibt es öffentliche Universitäten. Aber keine von ihnen lässt Frauen zum Studium zu – selbst wenn sie im Ausland renommierte Wissenschaftlerinnen sind. 1896 schafft es eine amerikanische Zoologie-Professorin, Marcella O’Grady, als Gasthörerin für ein Jahr an die Universität Würzburg zu kommen. Das löst eine Bewegung in Würzburg aus: Einige wohlhabende Frauen gründen den Verein &#039;&#039;Frauenheil&#039;&#039;. Mit ihm wollen sie für mehr Bildungsmöglichkeiten für Mädchen und Frauen kämpfen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Kaiser, Gisela: Studentinnen in Würzburg, München und Erlangen. Ein Vergleich, in: Häntzschel, Hiltrud/Bußmann, Hadumod (Hg.): Bedrohlich gescheit. Ein Jahrhundert Frauen und Wissenschaft in Bayern, München 1997, S. 58 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Verein kann bald erreichen, dass an der Universität Würzburg eigene Vortragsreihen für Frauen über naturwissenschaftliche Themen entstehen. Ein erster Schritt in Richtung Öffnung des Studiums für Frauen. Auch an der Universität München gibt es solche Angebote.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Kaiser: Studentinnen, S. 59 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier gibt es schon seit ein paar Jahren den Verein &#039;&#039;Frauenbildungs-Reform&#039;&#039;. Der verfolgt eine für die damalige Zeit radikale Forderung: Mädchen und Frauen sollen nicht nur mehr Bildungsmöglichkeiten bekommen als bisher, ihnen sollen die selben Dinge offen stehen wie Jungen und Männern – von der Schule bis zur Universität. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An bayerischen Universitäten studieren erstmal vor allem Frauen, die nicht aus Bayern stammen. Denn hier gibt es noch keine Möglichkeit für Mädchen, das Abitur zu machen. Das erste Mädchen in Bayern, dem das erlaubt wird, ist Margarete Schüler aus Fürth 1898. Sie hat sich mit Privatunterricht auf die Prüfung vorbereitet, die sie mit 19 Jahren in Nürnberg ablegt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Knauer-Nothaft, Christl: Bayerns Töchter auf dem Weg zur Alma mater. Das höhere Mädchenschulwesen, in: Häntzschel, Hiltrud/Bußmann, Hadumod (Hg.): Bedrohlich gescheit. Ein Jahrhundert Frauen und Wissenschaft in Bayern, München 1997, S. 70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Fünf Jahre später dürfen Frauen in Bayern endlich studieren. Ihnen stehen jetzt die Universitäten München, Würzburg und Erlangen offen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Kaiser: Studentinnen, S. 57.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aber die Hürden bleiben hoch: Schulausbildung für Mädchen ist teuer – anders als der Besuch eines staatlichen Gymnasiums für Jungen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Knauer-Nothaft, Christl: Bayerns Töchter, S. 79.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Anita Augspurg Wahlrecht.jpg|zentriert|mini|800px|&amp;lt;center&amp;gt;Neben Bildung ist das Wahlrecht eine zweite große Forderung der bürgerlichen Frauenbewegung, die sich hier gerade für eine Protestaktion sammelt. Mit dabei ist auch Anita Augspurg (mittig rechts, mit weißem Hut, weißer Jacke und dunklem Rock). Sie gehört zu den Gründerinnen des späteren &#039;&#039;Vereins für Fraueninteressen&#039;&#039;.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Neue Chancen durch „geistige Mütterlichkeit“==&lt;br /&gt;
[[Datei:Frauenwohl Nürnberg.jpg|300px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Ein Jahr vor dem &#039;&#039;Verein für Fraueninteressen&#039;&#039; hat sich der Verein &#039;&#039;Frauenwohl&#039;&#039; in Nürnberg gegründet. Auch er wird Mitglied im Paritätischen in Bayern werden. Beide Vereine veranstalten sogenannte Wohlfahrtslotterien, um Geld für ihre Aktivitäten zu bekommen.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Der Verein &#039;&#039;Frauenbildungs-Reform&#039;&#039; wird seit 1894 von der Vorsitzenden Ika Freudenberg geleitet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Kaiser: Studentinnen, S. 60.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im selben Jahr, in dem Ika Freudenberg den Vorsitz übernommen hat, hat sie auch eine neue Vereinigung in München mitbegründet: Die &#039;&#039;Gesellschaft zur Förderung geistiger Interessen der Frau&#039;&#039;. Ein Jahr später gehörten der schon 122 Frauen an.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. 100 Jahre Verein für Fraueninteressen, S. 3-4.&amp;lt;/ref&amp;gt; Personelle Überschneidungen, wie beim Verein &#039;&#039;Frauenbildungs-Reform&#039;&#039; und der &#039;&#039;Gesellschaft zur Förderung geistiger Interessen der Frau&#039;&#039;, gibt es oft in der bürgerlichen Frauenbewegung dieser Zeit. Es ist im Nachhinein nicht immer leicht, genau auseinanderzuhalten, wer an welchen Organisationen und Projekten beteiligt war oder sie angestoßen hat. So wird es auch in den nächsten Jahren bleiben, als der Paritätische in Bayern in diesem Umfeld entsteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Gesellschaft zur Förderung geistiger Interessen der Frau&#039;&#039; wird nach wenigen Jahren umbenannt. Sie heißt jetzt &#039;&#039;Verein für Fraueninteressen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. 100 Jahre Verein für Fraueninteressen, S. 5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Name deutet an, worum es der bürgerlichen Frauenbewegung geht: Um die spezifischen Interessen der Frau, die sich aus ihrer Natur ergeben und verallgemeinern lassen. Frauen haben nämlich, so glauben es die Aktivistinnen, bestimmte Eigenschaften und Fähigkeiten, die Männer nicht haben. Dadurch sind sie für bestimmte Dinge besser geeignet. Dazu gehört vor allem: Soziale Arbeit. Denn: Frauen haben eine „geistige Mütterlichkeit“. Das hat nichts damit zu tun, ob sie tatsächlich Kinder haben oder nicht. Gemeint ist eine innere Haltung gegenüber anderen Menschen, Wärme und emotionale Intelligenz. Das passt zum bürgerlichen Familienideal dieser Zeit. Das hat Frauen aber bisher in den Haushalt verbannt. Die Frauenbewegung nutzt dieselben Argumente jetzt, um neue Möglichkeiten außerhalb der eigenen vier Wände für Frauen zu schaffen. Eine ganze Branche wird so im Grunde für Frauen reserviert. Gleichzeitig bedeutet das auch: Der vermeintliche Unterschied zwischen Frauen und Männern wird betont. Das unterscheidet die gemäßigtere bürgerliche von anderen Facetten der Frauenbewegung.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Sachße, Christoph: Mütterlichkeit als Beruf. Sozialarbeit, Sozialreform und Frauenbewegung 1871 bis 1929, Weinheim 2003, S. 97-103.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All das führt dazu, dass Organisationen wie der &#039;&#039;Verein für Fraueninteressen&#039;&#039; sich mehr und mehr mit Sozialer Arbeit befassen. Diese Entwicklung bildet den Grundstein für die [[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|Gründung des Paritätischen in Bayern]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Eine Einheit – nicht nur räumlich==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1912 wird [[Der „Mittelpunkt der paritätischen Wohlfahrtspflege in München und in Bayern“: Luise Kiesselbach|Luise Kiesselbach]] Vorsitzende des &#039;&#039;Vereins für Fraueninteressen&#039;&#039;. Mit ihr bekommt das Soziale einen neuen Stellenwert im Verein. Sie benennt ihn sogar um: Für einige Jahre heißt er &#039;&#039;Verein für Fraueninteressen und Frauenarbeit&#039;&#039; – bis er schließlich zur kürzeren Namensversion zurückkehrt. „Frauenarbeit“, damit meint Luise Kiesselbach all das, wozu ihrer Meinung nach nur Frauen in der Lage sind: Soziale Arbeit.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. 100 Jahre Verein für Fraueninteressen, S. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt; Schon 1906 wurde eine eigene „Abteilung für Soziale Arbeit“ innerhalb des Vereins gegründet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. 100 Jahre Verein für Fraueninteressen, S. 43.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Verein für Fraueninteressen&#039;&#039; sind jetzt viele Frauen aktiv, die von der Arbeit ihrer Vorgängerinnen profitiert haben: Sie sind hoch gebildet. Unter ihnen sind einige Akademikerinnen, die sogar in Bayern promoviert haben. Dazu gehören [[„Meisterin der Jugendhilfe“ und Täterin: Elisabeth Bamberger|Elisabeth Bamberger]], [[Die treibende Kraft: Anna Heim-Pohlmann|Anna Heim-Pohlmann]] und [[Eine Ausnahmesenatorin: Hilde Obermair-Schoch|Hilde Obermair-Schoch]]. Ohne den Einsatz von Organisationen wie dem Verein &#039;&#039;Frauenbildungs-Reform&#039;&#039; wäre das nicht denkbar gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind vor allem solch gebildete Frauen aus der oberen Mittelschicht, die den Paritätischen in Bayern in den 1920er Jahren aufbauen. Wie in der bürgerlichen Frauenbewegung Bayerns üblich, gibt es auch im Wohlfahrtsverband viele personelle und organisatorische Überschneidungen. Am deutlichsten sichtbar wird das in der Geschäftsstelle des Verbands. Die ist in der Brienner Straße 37, der „Zentrale für paritätische Wohlfahrtsarbeit und Frauenarbeit“.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Archiv des Instituts für Zeitgeschichte, ED 898/677, Archiv des Vereins für Fraueninteressen, DPWV, LV Bayern, Teil 1, bis 1927.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Name ist Programm: Neben dem Paritätischen in Bayern und dem &#039;&#039;Verein für Fraueninteressen&#039;&#039; sind hier auch die [[„Dem Alter zum Schutze, der Jugend zu Nutze“: Das erste Projekt des Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;Gesellschaft der Altersfreunde&#039;&#039;]] und viele weitere Organisationen untergebracht. Die Grenzen zwischen ihnen verlaufen fließend. In den Räumen im Erdgeschoss herrscht besonders geschäftiges Treiben: Hier tummeln sich immer viele Besucher*innen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Briennerstr.jpg|zentriert|mini|800px|&amp;lt;center&amp;gt;Im Haus in der Brienner Straße 37 wird Büroarbeit geleistet und es werden Versammlungen und öffentliche Sprechstunden abgehalten. Durch das gemeinsame Dach gibt es eine zentrale Anlaufstelle für alle Anliegen der paritätischen Wohlfahrtsarbeit und der Sozialen Arbeit der bürgerlichen Frauenbewegung in München.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Tradition werden der Paritätische in Bayern und der &#039;&#039;Verein für Fraueninteressen&#039;&#039; [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg|nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufnehmen]]: Sie werden wieder eine Bürogemeinschaft bilden. Erst in den 1960er Jahren werden sie sich räumlich voneinander trennen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Archiv des Instituts für Zeitgeschichte, ED 898/677, Archiv des Vereins für Fraueninteressen, DPWV, LV Bayern, Teil 1, bis 1927.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Kaiser, Gisela: Studentinnen in Würzburg, München und Erlangen. Ein Vergleich, in: Häntzschel, Hiltrud/Bußmann, Hadumod (Hg.): Bedrohlich gescheit. Ein Jahrhundert Frauen und Wissenschaft in Bayern, München 1997, S. 57-68.&lt;br /&gt;
*Knauer-Nothaft, Christl: Bayerns Töchter auf dem Weg zur Alma mater. Das höhere Mädchenschulwesen, in: Häntzschel, Hiltrud/Bußmann, Hadumod (Hg.): Bedrohlich gescheit. Ein Jahrhundert Frauen und Wissenschaft in Bayern, München 1997, S. 69-83. &lt;br /&gt;
*Sachße, Christoph: Mütterlichkeit als Beruf. Sozialarbeit, Sozialreform und Frauenbewegung 1871 bis 1929, Weinheim 2003.&lt;br /&gt;
*Verein für Fraueninteressen (Hg.): 100 Jahre Verein für Fraueninteressen, München 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Menschen,_Organisationen_und_Einrichtungen_des_Parit%C3%A4tischen_in_Bayern_w%C3%A4hrend_der_Zeit_des_Nationalsozialismus&amp;diff=1225</id>
		<title>Menschen, Organisationen und Einrichtungen des Paritätischen in Bayern während der Zeit des Nationalsozialismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Menschen,_Organisationen_und_Einrichtungen_des_Parit%C3%A4tischen_in_Bayern_w%C3%A4hrend_der_Zeit_des_Nationalsozialismus&amp;diff=1225"/>
		<updated>2024-10-17T08:24:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* Unterschiedlicher Umgang mit NS-Ideologie */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;1933 beginnt der Auflösungsprozess, an dessen Ende der Paritätische in Bayern nicht mehr existieren wird. Wie es den Menschen und Organisationen ergeht, die den Verband bisher ausgemacht haben, ist sehr unterschiedlich. Das zeigt ein Blick auf die hier vorgestellten Beispiele.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
__NOTOC__&lt;br /&gt;
==Jüdinnen und Juden werden fallengelassen==&lt;br /&gt;
[[Datei:Elise Hopf.png|mini|rechts|300px|&amp;lt;center&amp;gt;Elise Hopf hat den Verein &#039;&#039;Frauenwohl&#039;&#039; in Nürnberg und den Bund Deutscher Frauenvereine mitbegründet. Seit dem Tod von Luise Kiesselbach ist sie Vorsitzende des Hauptverbands Bayerischer Frauenvereine.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten 1933 nimmt die [[Vom Paritätischen Wohlfahrtsverband zur Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt|schrittweise Auflösung des Paritätischen in Bayern]] ihren Lauf. Jüdinnen und Juden werden jetzt gezielt aus den Verbandsstrukturen gedrängt. Ein Beispiel dafür ist Elise Hopf. Sie gehört zu einer wohlhabenden jüdischen Familie, die in Nürnberg seit Jahrzehnten soziale Projekte und Einrichtungen unterstützt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Dippel, Andrea: Familie Hopf. Eine Nürnberger Hopfenhändler- und Bankiersfamilie, in: Gürtler, Daniel (Hg.): Die Marienvorstadt. Nürnbergs erste Stadterweiterung, Nürnberg 2022, S. 66-79.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1911 haben die Hopfs das Mittelfränkische Blindenheim gegründet. Es ist seit 1925 Mitglied im Paritätischen in Bayern.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Geschäftsführender Vorstand des Fünften Wohlfahrtsverbands (Hg.): Verzeichnis der dem Fünften Wohlfahrtsverband angeschlossenen Einrichtungen der geschlossenen, halboffenen und offenen Gesundheits-, Erziehungs- und Wirtschaftsfürsorge nebst Personal-Verzeichnis des Vorstandes, der Landes- und Provinzialvertretungen usw. Berlin 1930, S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt; Elise Hopf war eine enge Vertraute von [[Der „Mittelpunkt der paritätischen Wohlfahrtspflege in München und in Bayern“: Luise Kiesselbach|Luise Kiesselbach]]. Auch sie ist eine engagierte Frauenrechtlerin. Sie ist Mitglied des Vorstands des Paritätischen in Bayern, hat den Ortsverband Nürnberg aufgebaut und ist seine Vorsitzende.&amp;lt;ref&amp;gt;  Vgl. Kiesselbach, Luise: Paritätischer Wohlfahrtsverband Bayern, in: Münchner Neueste Nachrichten, Abend-Ausgabe, 2.6.1925, S. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt; Elise Hopf gehört zu den wichtigsten Gründungspersönlichkeiten des Verbands. 1933 muss sie alle ihre Ämter niederlegen. Von dem Verband, den sie selbst so tatkräftig mit aufgebaut hat, erhält die Jüdin keine Unterstützung. Sie stirbt 1936.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genauso ergeht es Sophie Dann. Die hat 1930 die &#039;&#039;Augsburger Mütterschule&#039;&#039; gegründet. Darum hatte sie der Stadtbund Augsburger Frauenvereine gebeten. Sophie Dann ist ausgebildete Erzieherin und Säuglingspflegerin und hat in der Vergangenheit schon das Jüdische Waisenhaus in München geleitet. An der &#039;&#039;Augsburger Mütterschule&#039;&#039; werden Kurse für junge Frauen und Mädchen angeboten und Sozialarbeiterinnen weitergebildet. „Es war eine sehr interessante Arbeit und so schön, etwas ganz von Anfang an zu beginnen. Sogar nach 55 Jahren bedankten sich noch manche Mütter bei mir für das, was sie damals gelernt hatten“, wird sich Sophie Dann später erinnern.&amp;lt;ref&amp;gt;Dann, Sophie: Sie lebte nur für andere, in: Römer, Gernot (Hg.): Vier Schwestern. Die Lebenserinnerungen von Elisabeth, Lotte, Sophie und Gertrud Dann aus Augsburg. Lebenserinnerungen von Juden aus Schwaben Bd. 1, Augsburg 1998, S. 33.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Sommer 1933 wird Sophie Dann in einem [[:Datei:Brief Augsburger Frauenvereine 1933.jpg|Brief vom Stadtbund Augsburger Frauenvereine]] über ihre Kündigung informiert. Der Grund: Der Paritätische in Bayern hat seine Mitgliedsorganisationen dazu aufgefordert, alle „Mitarbeiter nicht arischer Abstammung in bevorzugten Stellungen“ zu entlassen. Dieser Aufforderung kommt der Stadtbund sofort nach. Sophie Dann, die die &#039;&#039;Augsburger Mütterschule&#039;&#039; seit der Gründung leitet, muss gehen. Nach ihrer Entlassung kümmert sich die 33-Jährige um die etwa 1.000 Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Augsburg. Die sind ab sofort von der Wohlfahrtspflege ausgeschlossen. Sie bietet auch Mütterschulkurse für jüdische Mädchen an, die eine Auswanderung planen. Letztendlich wird Sophie Dann selbst auswandern. Sie wird sich in England ein neues Leben aufbauen. Zum Paritätischen in Bayern wird sie nie zurückkehren.&amp;lt;ref&amp;gt;Dann: Sie lebte nur für andere, S. 33-65.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Sophie Dann.jpg|zentriert|mini|600px|&amp;lt;center&amp;gt;Gemeinsam mit ihrer Schwester Gertrud wird sich Sophie Dann in England um Waisenkinder kümmern, die ihre ersten Lebensjahre im Konzentrationslager Theresienstadt verbracht haben. An einen normalen Alltag müssen die Kinder erst gewöhnt werden. Das Foto zeigt Sophie Dann mit ihren Schützlingen beim Essen 1946.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern äußert sich nicht explizit antisemitisch. Der Verband stellt sich der gesellschaftlichen Ausgrenzung von Jüdinnen und Juden aber auch nicht in den Weg. Anordnungen wird bereitwillig Folge geleistet. Das ist ein allgemeiner Trend in Deutschland: Das Engagement von Jüdinnen und Juden war sehr wichtig für die Soziale Arbeit in der Weimarer Republik. Unter den neuen politischen Verhältnissen bekommen sie aber keine Rückendeckung von ihren Kolleg*innen. Sie werden im Stich gelassen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Kuhlmann, Carola: Soziale Arbeit im nationalsozialistischen Herrschaftssystem. Zur Notwendigkeit von Widerstand gegen menschenverachtende Zwangsmaßnahmen im Bereich der „Volkspflege“, in: Amthor, Ralph-Christian (Hg.): Soziale Arbeit im Widerstand! Fragen, Erkenntnisse und Reflexionen zum Nationalsozialismus, Weinheim 2017, S. 43 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Unterschiedlicher Umgang mit NS-Ideologie==&lt;br /&gt;
[[Datei:Presse KZ Dachau.jpg|mini|rechts|300px|&amp;lt;center&amp;gt;„Asozialen“ droht zum Beispiel die Einweisung in das Konzentrationslager Dachau bei München. Durch die Medien ist der Ort in den 1930er Jahren im In- und Ausland bekannt.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die nicht von Rassismus betroffenen Menschen im Paritätischen in Bayern gehen mit den neuen Verhältnissen unterschiedlich um. [[Die treibende Kraft: Anna Heim-Pohlmann|Anna Heim-Pohlmann]] ist von der Neuausrichtung der Fürsorge und Wohlfahrtspolitik nicht begeistert. Diese Meinung versteckt die Leiterin der Sozialen Frauenschule nicht. Deswegen wird sie 1933 entlassen. Die zukünftigen Wohlfahrtspflegerinnen, die an der Sozialen Frauenschule ausgebildet werden, sollen auch ideologisch geschult werden. Da kann man eine Demokratin wie Anna Heim-Pohlmann nicht gebrauchen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Absolventinnen der Sozialen Frauenschule arbeiten zum Beispiel in der Familienfürsorge, bei [[„Meisterin der Jugendhilfe“ und Täterin: Elisabeth Bamberger|Elisabeth Bamberger]]. Sie passt sich den neuen Gegebenheiten besser an. Als Teil des Münchner Wohlfahrtsamts beteiligt sie sich an der Verfolgung von Menschen, die als „asozial“ gelten. Dieser Begriff beschreibt oft Menschen, die Hilfe benötigen, aber sie vermeintlich nicht verdient haben. Ihnen wird vorgeworfen, an ihrer Situation selbst Schuld zu sein und die Gesellschaft zu schädigen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Eberle, Annette: Sozial – Asozial. Ausgrenzung und Verfolgung in der bayerischen Fürsorgepraxis 1934-1945, in: Hajak, Stefanie/Zarusky, Jürgen (Hg.): München und der Nationalsozialismus. Menschen. Orte. Strukturen, Berlin 2008, S. 209.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine eindeutige Definition davon, wer „asozial“ ist, gibt es nicht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Gaida, Oliver: Zwischen Arbeitshaus und Konzentrationslager. Die nationalsozialistische Verfolgung von als „asozial“ Stigmatisierten 1933 bis 1973, in: Osterloh, Jürgen/Wünschmann, Kim: „… der schrankenlosen Willkür ausgeliefert“. Häftlinge der frühen Konzentrationslager 1933-1936/73, Frankfurt am Main 2017, S. 254.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das lässt viel Spielraum für willkürliche Entscheidungen. Die Fürsorge erlebt eine „rassenhygienische Wende“&amp;lt;ref&amp;gt;Eberle, Annette: „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“. Dachau als Ort der „Vorbeugehaft“, in: Benz, Wolfgang/Königseder, Angelika (Hg.): Das Konzentrationslager Dachau. Geschichte und Wirkung nationalsozialistischer Repression, Berlin 2008, S. 259.&amp;lt;/ref&amp;gt;: Die Verfolgung von „Asozialen“ wird zu einem Werkzeug, um vermeintlich minderwertige Menschen aus der Gesellschaft zu entfernen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Idee ist nicht neu – auch nicht für den Paritätischen in Bayern: Schon 1924 hat der &#039;&#039;[[Ein Netzwerk engagierter Frauen: Der Verein für Fraueninteressen und das Umfeld des Paritätischen in Bayern|Verein für Fraueninteressen]]&#039;&#039; einen Vortragsabend „über Rassenhygiene und soziale Fürsorge“ organisiert.&amp;lt;ref&amp;gt;P. G.-E.: Vereinsnachrichten. Über Rassenhygiene und soziale Fürsorge, in: Münchner Neueste Nachrichten, 20.1.1924, S. 27.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Schlussfolgerung damals: „Die Vorschläge zur Verbesserung, zur Hebung der Rasse müssen naturgemäß immer auf eine Verhinderung der Fortpflanzung minderwertiger Individuen abzielen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch im Paritätischen Gesamtverband auf Reichsebene hat es schon in den 1920er Jahren Menschen gegeben, die Zwangssterilisationen gefordert haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. bspw. Pappritz, Anna: Lebenslaufforschung von Prostituierten, in: Freie Wohlfahrtspflege (1929) Heft 3, S. 118.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Ende der organisierten Selbsthilfe==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der wirtschaftlichen Krisenzeit, in der auch [[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|der Paritätische in Bayern gegründet]] wurde, sind aus der Not heraus viele Selbsthilfeorganisationen entstanden und haben sich dem Verband angeschlossen. Jetzt sind sie nicht mehr erwünscht: Der nationalsozialistische Staat soll alles kontrollieren. Selbstorganisation und gegenseitige Hilfe außerhalb der staatlichen Strukturen stehen dem im Weg. Deshalb werden die Organisationen jetzt aufgelöst oder von der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) geschluckt. So ergeht es zum Beispiel dem &#039;&#039;Deutschen Notbund geistiger Arbeiter in Bayern&#039;&#039;. Der Verein wurde 1923 gegründet und ist seit 1926 Mitglied im Paritätischen. Er kümmert sich um von Armut bedrohte Mitglieder der freien Berufe, zum Beispiel arbeitslose Künstler*innen, Anwält*innen und Ärzt*innen. Die Münchner Organisation betreut über 500 von ihnen.&amp;lt;ref&amp;gt;Verzeichnis der dem Fünften Wohlfahrtsverband angeschlossenen Einrichtungen, S. 30.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Wittelsbacher Palais.jpg|zentriert|mini|700px|&amp;lt;center&amp;gt;Das Wittelsbacher Palais im Herzen von München: Hier hat auch der &#039;&#039;Deutsche Notbund geistiger Arbeiter in Bayern&#039;&#039; eine Zeit lang seinen Sitz. Ab 1933 ist hier das Hauptquartier der Gestapo, der Notbund muss umziehen.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Mai 1936 muss der Notbund auf Druck der NSV seine Auflösung bekanntgeben. Die NSV soll seine Arbeit weiterführen. Sie benennt den Notbund um. Er heißt ab 1937: Kulturfonds zur Förderung geistiger Arbeiter. Ab jetzt geht es nicht mehr darum, notleidenden Menschen zu helfen und sie vor Armut zu bewahren. Stattdessen können sich Freiberufler*innen jetzt beim Kulturfonds um finanzielle Förderung bewerben – wenn sie nachweisen können, dass sie NS-politisch besonders engagiert sind. Mit der gegenseitigen Unterstützung in Notsituationen, wie sie der Notbund im Sinn hatte, hat das nichts mehr zu tun. Anderen Selbsthilfeorganisationen ergeht es genauso.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Brunner, Claudia: Arbeitslosigkeit im NS-Staat. Das Beispiel München, Pfaffenweiler 1997, S. 317-319.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird es Jahrzehnte dauern, bis in Deutschland eine neue [[Eine wechselvolle Geschichte: Selbsthilfe im Paritätischen in Bayern|Selbsthilfebewegung]] entsteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Geschäftsführender Vorstand des Fünften Wohlfahrtsverbands (Hg.): Verzeichnis der dem Fünften Wohlfahrtsverband angeschlossenen Einrichtungen der geschlossenen, halboffenen und offenen Gesundheits-, Erziehungs- und Wirtschaftsfürsorge nebst Personal-Verzeichnis des Vorstandes, der Landes- und Provinzialvertretungen usw. Berlin 1930.&lt;br /&gt;
*Kiesselbach, Luise: Paritätischer Wohlfahrtsverband Bayern, in: Münchner Neueste Nachrichten, Abend-Ausgabe, 2.6.1925, S. 6.&lt;br /&gt;
*Pappritz, Anna: Lebenslaufforschung von Prostituierten, in: Freie Wohlfahrtspflege (1929) Heft 3, S.109-118.&lt;br /&gt;
*P. G.-E.: Vereinsnachrichten. Über Rassenhygiene und soziale Fürsorge, in: Münchner Neueste Nachrichten, 20.1.1924, S. 27.&lt;br /&gt;
*Römer, Gernot (Hg.): Vier Schwestern. Die Lebenserinnerungen von Elisabeth, Lotte, Sophie und Gertrud Dann aus Augsburg. Lebenserinnerungen von Juden aus Schwaben Bd. 1, Augsburg 1998.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Brunner, Claudia: Arbeitslosigkeit im NS-Staat. Das Beispiel München, Pfaffenweiler 1997.&lt;br /&gt;
*Dippel, Andrea: Familie Hopf. Eine Nürnberger Hopfenhändler- und Bankiersfamilie, in: Gürtler, Daniel (Hg.): Die Marienvorstadt. Nürnbergs erste Stadterweiterung, Nürnberg 2022, S. 66-79.&lt;br /&gt;
*Eberle, Annette: „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“. Dachau als Ort der „Vorbeugehaft“, in: Benz, Wolfgang/Königseder, Angelika (Hg.): Das Konzentrationslager Dachau. Geschichte und Wirkung nationalsozialistischer Repression, Berlin 2008, S. 253-268.&lt;br /&gt;
*Eberle, Annette: Sozial – Asozial. Ausgrenzung und Verfolgung in der bayerischen Fürsorgepraxis 1934-1945, in: Hajak, Stefanie/Zarusky, Jürgen (Hg.): München und der Nationalsozialismus. Menschen. Orte. Strukturen, Berlin 2008, S. 207-226. &lt;br /&gt;
*Gaida, Oliver: Zwischen Arbeitshaus und Konzentrationslager. Die nationalsozialistische Verfolgung von als „asozial“ Stigmatisierten 1933 bis 1937, in: Osterloh, Jürgen/Wünschmann, Kim: „… der schrankenlosen Willkür ausgeliefert“. Häftlinge der frühen Konzentrationslager 1933-1936/73, Frankfurt am Main 2017, S. 247-268.&lt;br /&gt;
*Gruner, Wolf: Öffentliche Wohlfahrt und Judenverfolgung. Wechselwirkungen lokaler und zentraler Politik im NS-Staat (1933-1942), München 2002.&lt;br /&gt;
*Kuhlmann, Carola: Soziale Arbeit im nationalsozialistischen Herrschaftssystem. Zur Notwendigkeit von Widerstand gegen menschenverachtende Zwangsmaßnahmen im Bereich der „Volkspflege“, in: Amthor, Ralph-Christian (Hg.): Soziale Arbeit im Widerstand! Fragen, Erkenntnisse und Reflexionen zum Nationalsozialismus, Weinheim 2017, S. 40-57.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Hauptseite&amp;diff=1224</id>
		<title>Hauptseite</title>
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		<updated>2024-10-17T08:23:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* Menschen aus 100 Jahren Verbandsgeschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Herzlich Willkommen im Geschichts-Wiki des Paritätischen in Bayern!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über ein Jahr lang hat der Paritätische in Bayern seine 100-jährige Geschichte von externen Historiker*innen der Agentur &#039;&#039;Neumann &amp;amp; Kamp Historische Projekte&#039;&#039; erforschen lassen. Sie haben Archive aufgesucht, historische Dokumente und Fachliteratur gesichtet und mit vielen Zeitzeug*innen gesprochen. Dieses Wiki ist das Ergebnis des Projekts. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dieser Seite finden Sie eine chronologische Zusammenfassung der 100-jährigen Geschichte des Verbands. Die blau hervorgehobenen Links im Text führen zu thematischen Schwerpunktseiten. Hier können Sie mehr über verschiedene Aspekte der Verbandsgeschichte erfahren: Wie sind bestimmte Schwerpunkte der Verbandsarbeit entstanden? Was musste passieren, damit sich der Verband zu dem entwickeln konnte, was er heute ist? Die Schwerpunktseiten geben jeweils Einblick in einen prägenden Abschnitt in der Geschichte des Paritätischen in Bayern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterhalb der chronologischen Darstellung finden Sie eine Personengalerie, die unterschiedliche Menschen aus der 100-jährigen Geschichte des Verbands vorstellt. Die Porträts zeigen, wie vielfältig die Wege sind, die zum Paritätischen in Bayern führen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Seiten des Wikis sind an passenden Stellen miteinander verlinkt. Folgen Sie Ihrer Neugier und stöbern Sie durch die Verbandsgeschichte! Der Paritätische in Bayern wünscht Ihnen eine interessante Lektüre. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Meilensteine der Geschichte des Paritätischen in Bayern==&lt;br /&gt;
===Vor der Verbandsgründung: Frauen engagieren sich gegen die herrschende Not===&lt;br /&gt;
[[Datei:Wohlfahrtskarte 1920er.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Der Münchner &#039;&#039;Verein für öffentliche Speisehallen&#039;&#039; ist eine der ersten Mitgliedsorganisationen des Paritätischen in Bayern. Er bietet in der Weimarer Republik warme Mahlzeiten für Bedürftige an.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Keimzelle des Paritätischen in Bayern ist die [[Ein Netzwerk engagierter Frauen: Der Verein für Fraueninteressen und das Umfeld des Paritätischen in Bayern|bürgerliche Frauenbewegung]]. Wohlhabende Frauen schließen sich zur Zeit des deutschen Kaiserreichs zusammen, um Bildungsmöglichkeiten für Mädchen und Frauen zu schaffen. In diesem Kontext entsteht in München der &#039;&#039;Verein für Fraueninteressen&#039;&#039;. Er setzt sich dafür ein, dass Mädchen und Frauen zukünftig die gleichen Bildungschancen erhalten wie Jungen und Männer. Durch Vorträge, Bildungsangebote und soziale Projekte unterstützt der Verein Frauen dabei, unabhängig zu werden und sich gesellschaftlich zu engagieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine dieser Frauen ist Luise Kiesselbach. Nach dem frühen Tod ihres Mannes findet [[Der „Mittelpunkt der paritätischen Wohlfahrtspflege in München und in Bayern“: Luise Kiesselbach|Luise Kiesselbach]] in sozialer Arbeit eine neue Lebensaufgabe. 1912 wird sie Vorsitzende des &#039;&#039;Vereins für Fraueninteressen&#039;&#039; in München. Sie setzt sich unermüdlich für soziale Initiativen ein. Das ist bald wichtiger denn je, denn der Erste Weltkrieg und die Wirtschaftskrisen der 1920er Jahre bringen viele Menschen in eine prekäre Lebenssituation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn der 1920er Jahre ist die Fürsorge durch verschiedene Gesetze, die in den vorangegangenen Jahren überstürzt erlassen wurden, unübersichtlich organisiert. Doch viele Menschen brauchen Hilfe. Bald kommt es daher zu einer Reorganisation des Fürsorgewesens. Ein wesentlicher Baustein der Reformen ist die Reichsverordnung über die Fürsorgepflicht, die am 13. Februar 1924 beschlossen wird. Dieses und andere neue Gesetze stärken die freie Wohlfahrtspflege. Ihre Spitzenverbände bekommen jetzt finanzielle Zuschüsse, die sie an ihre Mitgliedsorganisationen verteilen können. Problem hierbei: Wer keinem Dachverband angehört, geht leer aus. Davon sind vor allem die politisch und kirchlich unabhängigen Einrichtungen und Vereine bedroht. Luise Kiesselbach hat das Problem frühzeitig erkannt: Schon 1922 hat sie eine „Arbeitsgemeinschaft paritätischer Wohlfahrtsanstalten, Einrichtungen und Vereine“ im Stadtbund Münchner Frauenvereine gegründet, um die unabhängige Wohlfahrtspflege in München zu stärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===1924: Der Paritätische in Bayern entsteht===&lt;br /&gt;
[[Datei:Vortrag Altenhilfe.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;„Altersnot und Altersfürsorge“ wird zum ersten Schwerpunktthema der Verbandsarbeit. Luise Kiesselbach setzt sich auch dafür ein, dass es reichsweit Aufmerksamkeit bekommt.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Vom 11. bis 14. Juni 1924 veranstaltet der Hauptverband Bayerischer Frauenvereine seinen 10. Bayerischen Frauentag in München. Vorsitzende des Hauptverbands ist zu dieser Zeit Luise Kiesselbach. Bei der Tagung wird beschlossen, einen [[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|„Paritätischen Wohlfahrtsverband Bayern“]] zu gründen. Er steht nicht nur Frauenvereinen offen. Alle paritätisch arbeitenden Organisationen und Einrichtungen sind dazu eingeladen, Teil des neuen Verbands zu werden. Dafür wirbt Luise Kiesselbach in den folgenden Monaten. Sie wird in dieser Zeit zu einer Zentralgestalt des Paritätischen in Bayern und auch dessen erste Vorsitzende. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altersarmut ist ein auch in den 1920er Jahren bereits oft übersehenes Problemfeld. Von ihr sind alleinstehende Frauen aus der Mittelschicht besonders oft betroffen. Der Paritätische in Bayern beginnt, darauf aufmerksam zu machen, die Bekämpfung der [[„Dem Alter zum Schutze, der Jugend zu Nutze“: Das erste Projekt des Paritätischen in Bayern|„Altersnot“]] wird bald zum ersten Arbeitsschwerpunkt des Verbands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Luise Kiesselbach ist es wichtig, dass die Mitgliedsorganisationen des Paritätischen auf einer vom Gedanken der „paritas“, der Gleichheit und Gleichwertigkeit, getragenen Haltung zusammenarbeiteten. Sozialpolitisch setzt sie sich dafür ein, Armut zu bekämpfen, um die soziale Lebenslage der Menschen zu verbessern. Ebenso soll dieser Gedanke sich im Tätigkeitsprofil des Verbands widerspiegeln: Die soziale Hilfe, die der Verband mit seinen Mitgliedern leisten will, ist dem Leitbild verpflichtet, dass jeder Mensch gleichwertig ist und auch entsprechend behandelt werden muss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. Januar 1929 stirbt Luise Kiesselbach unerwartet. Den Verbandsvorsitz übernimmt daraufhin der bekannte Rechtsanwalt Dr. Christoph Schramm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Auflösung des Verbands in der Zeit des Nationalsozialismus===&lt;br /&gt;
[[Datei:Liquidation NS.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Am 23. Juni 1934 beschließt der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband, zu dem der Paritätische in Bayern gehört, offiziell seine Auflösung. Das ist zu diesem Zeitpunkt nur noch Formsache. Die Übernahme durch die NSV steht schon seit Monaten fest.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Zu Beginn der 1930er Jahre bestimmt die Weltwirtschaftskrise das Leben der Menschen. Die freien Wohlfahrtsverbände leiden darunter, dass sie keine Kredite und öffentlichen Zuschüsse mehr bekommen. Gleichzeitig sind immer mehr Menschen auf Unterstützung angewiesen. 1932 legt Christoph Schramm nach knapp drei Jahren den Verbandsvorsitz nieder. Sein Nachfolger wird Oberst a. D. [[Der letzte Verbandsvorsitzende vor der Auflösung: Albrecht Freiherr von Pechmann|Albrecht Freiherr von Pechmann]], der auf eine lange Militärkarriere zurückblicken kann. Wie genau es zu dieser Wahl kommt, wird sich später nicht mehr rekonstruieren lassen. Eine Verbindung zur paritätischen Wohlfahrtspflege hat er, den vorhandenen Quellen nach zu schließen, nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Januar 1933 wird Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Die Umgestaltung des Landes nach nationalsozialistischen Prinzipien nimmt Fahrt auf. Mit der Machtübertragung an die Nationalsozialisten bricht auch für die deutsche Wohlfahrtspflege eine neue Zeit an. Am 29. April 1933 beschließt der reichsweite Dachverband des Paritätischen in Bayern, der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband in Berlin, dass der Verband „seine paritätische Wohlfahrtsarbeit im Sinne der nationalen Erhebung weiter verfolgen soll“, also im Sinne des Nationalsozialismus. Der Vorsitzende des Gesamtverbands, der jüdische Kinderarzt Leo Langstein, tritt daraufhin zurück. Sein Nachfolger wird der bayerische Landesvorsitzende Albrecht von Pechmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Monate später steht fest, dass der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband im Zuge der Gleichschaltung mitsamt aller seiner Landesverbände von der [[Vom Paritätischen Wohlfahrtsverband zur Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt|Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV)]] übernommen wird. Die Landesverbände bekommen die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Mitgliedsorganisationen sich ruhig verhalten und die Entwicklung hinnehmen. Widerstand gegen die Gleichschaltungspolitik ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern fordert seine Mitgliedsorganisationen im Zuge dieser Bestrebungen dazu auf, alle „Mitarbeiter nicht-arischer Abstammung in bevorzugten Stellungen“ zu entlassen. Einige [[Menschen, Organisationen und Einrichtungen des Paritätischen in Bayern während der Zeit des Nationalsozialismus|Menschen und Organisationen]], die bisher im Rahmen des Paritätischen in Bayern soziale Arbeit geleistet haben, müssen diese jetzt aufgeben: Jüdinnen und Juden werden gezielt aus dem Verband gedrängt, Selbsthilfestrukturen bald zerschlagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Herbst 1933 bekommt der Paritätische reichsweit eine neue Satzung. Er ist jetzt offiziell Teil der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt und streng hierarchisch organisiert. Wer Mitglied werden möchte, muss nachweisen, dass er „nur im Sinne der national-sozialistischen Weltanschauung arbeiten wird.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1934 wird die endgültige Auflösung des Paritätischen angeordnet. Viele seiner Mitgliedsorganisationen bestehen unter dem Dach der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt weiter, andere werden aufgelöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wiedergründung nach 1945===&lt;br /&gt;
[[Datei:Mütterschule.jpeg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Durch die Arbeit in den Flüchtlingslagern der Nachkriegszeit entstehen langfristig neue Einrichtungen, wie zum Beispiel die [[Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert|&#039;&#039;Münchner Mütterschule&#039;&#039;]].&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Der Verein für Fraueninteressen übersteht die Zeit des Nationalsozialismus, wenngleich er seine Einrichtungen an die NSV verliert. So kann der Paritätische in Bayern direkt [[„Jetzt gibt es keine Fraueninteressen, jetzt gibt es nur eine gemeinsame Not“: Die Wiedergründung des Paritätischen in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg|nach dem Zweiten Weltkrieg reaktiviert]] werden. Am 30. Juli 1948 kann der Paritätische in Bayern offiziell wiedergegründet werden. Er hat zu Beginn 20 Mitgliedsorganisationen und wird von der US-amerikanischen Militärregierung unterstützt. Bis in die 1950er Jahre kümmert sich der Verband vor allem um die Behebung der unmittelbaren Nachkriegsfolgen und die Versorgung von [[Unterstützung für Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg|Flüchtlingen und Vertriebenen]]. Auch die Linderung der [[„Jugendnot“ und Heimerziehung im Paritätischen in Bayern|„Jugendnot“]] wird jetzt zu einem wichtigen Themenfeld für den Paritätischen in Bayern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Verband öffnet sich neuen Themenfeldern===&lt;br /&gt;
[[Datei:Plakat 70er.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Altes Logo, neue Ausrichtung: Der Verband bemüht sich in den 1970er Jahren stärker denn je, freiwilliges Engagement und Selbsthilfe zu fördern.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Nachdem die unmittelbare Nachkriegsnot überstanden ist, beginnt für den Paritätischen in Bayern eine Zeit des Wachstums. Immer mehr Menschen, die besondere Lebenssituationen teilen, schließen sich zusammen, um sich gemeinsam für ihre Interessen einzusetzen. Den Anfang machen Eltern von Kindern mit [[Für ein selbstbestimmtes Leben: Menschen mit Behinderungen verändern den Paritätischen in Bayern|Behinderungen]]. Ab den 1950er Jahren schließen sie sich vermehrt zusammen. 1958 entsteht so zum Beispiel der &#039;&#039;Verein zur Förderung spastisch gelähmter Kinder&#039;&#039; in Augsburg, der bald Mitglied im Paritätischen in Bayern wird. Das ist etwas Besonderes, denn seitdem der Nationalsozialismus das Prinzip der Selbsthilfe systematisch bekämpft hat, gibt es sie auch im Paritätischen in Bayern nicht mehr. Das wird sich bald vollkommen ändern, als im Zuge gesellschaftlicher Veränderungen eine neue [[Eine wechselvolle Geschichte: Selbsthilfe im Paritätischen in Bayern|Selbsthilfebewegung]] entsteht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1964 wird [[Für mehr Gemeinsinn und Sichtbarkeit: Bernhard Uffrecht|Bernhard Uffrecht]] Geschäftsführer des Paritätischen in Bayern. Er wird den Verband über viele Jahre prägen. Mit ihm findet der Paritätische in Bayern bald mehr und mehr zu seinem ganz eigenen Profil. Der Paritätische in Bayern eröffnet Sozialstationen, die ambulante Pflege anbieten, und startet das Projekt &#039;&#039;Essen auf Rädern&#039;&#039;. Dieses Modell, das Mahlzeiten an Menschen liefert, die sich nicht selbst versorgen können, wird bald auf viele Städte in Bayern ausgeweitet. Bernhard Uffrecht setzt sich persönlich sehr für den Auf- und Ausbau neuer ambulanter Angebote ein. Besonders am Herzen liegt ihm die Förderung sogenannter [[„Nachbarn helfen sich selbst“: Kreative Lösungen für neue Wohn- und Lebensverhältnisse|Nachbarschaftshilfen]]. Bis 1977 werden in Bayern 44 Nachbarschaftshilfen entstehen, die über 120.000 Stunden nachbarschaftliche Hilfe im Jahr leisten. Die Hilfe zur Selbsthilfe wird wieder zu einem leitenden Prinzip des Paritätischen in Bayern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Arbeit jenseits traditioneller Strukturen===&lt;br /&gt;
[[Datei:Düsseldorfer Str.jpeg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Ab 1975 hat der Paritätische in Bayern ein neues Verwaltungsgebäude in München. Von hier wird unter anderem &#039;&#039;Essen auf Rädern&#039;&#039; ausgeliefert.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern öffnet sich jetzt besonders für Zusammenschlüsse von marginalisierten Menschen, die von der staatlichen Sozialpolitik im traditionell geprägten Bayern kaum beachtet werden. Die Unterstützung der sogenannten [[Für ein selbstbestimmtes Leben: Menschen mit Behinderungen verändern den Paritätischen in Bayern|Behindertenbewegung]], die sich aus den Initiativen für Kinder mit Beeinträchtigungen entwickelt hat, ist nur der Anfang. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1970er Jahren hält die [[Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern|Neue Frauenbewegung]] Einzug in den Paritätischen in Bayern. Frauenhäuser werden gegründet, um Frauen Schutz vor Gewalt zu bieten. Dabei unterstützt der Verband auch autonome Frauenhäuser, obwohl sie ansonsten in Politik und Gesellschaft auf großen Widerstand stoßen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur selben Zeit entstehen als Antwort auf fehlende Betreuungsangebote [[Eltern ergreifen die Initiative: Neue Formen der Kinderbetreuung erobern den Paritätischen in Bayern|Elterninitiativen]], die alternative Formen der Kinderbetreuung ausprobieren und selbst organisieren. Auch das ermöglicht es vielen Frauen, ein selbstbestimmteres Leben zu führen, das nicht allein durch ihre Rolle als Mutter geprägt ist. Ab 1980 gibt es eine eigene Fachreferentin für Frauen und Familie im Paritätischen in Bayern. Der Verband fördert vielfältige Projekte von und für Frauen und Familien und unterstützt ihre politischen Forderungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende der 1970er Jahre macht der Paritätische in Bayern seine ersten Erfahrungen mit der Betreuung sogenannter Ausländer: Er übernimmt die Trägerschaft einer Einrichtung für [[„Grüß Gott, liebe Freunde aus Vietnam“ – Eine neue Aufgabe für den Paritätischen in Bayern|Geflüchtete aus Vietnam]]. Auch das führt zur Einrichtung eines neuen Fachreferats im Verband.&lt;br /&gt;
[[Datei:Verbandsgrundsätze.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;„Auf die Gleichheit aller bedacht sein“: 1989 bekommt der Paritätische neue Verbandsgrundsätze. Bald folgt auch ein neues Logo.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
In den 1980er Jahren findet die [[Ein steiniger Weg zur Akzeptanz: Queerer Aktivismus im Paritätischen in Bayern|Schwulenbewegung]] ihren Weg in den Paritätischen in Bayern. Explizite Organisationen von und für Homosexuelle hat der Verband zuvor lange nicht aufnehmen wollen. Die ab Mitte der 1980er entstehenden Aids-Hilfen kümmern sich um alle von der Krankheit betroffenen Menschen, darunter Homosexuelle, aber auch Drogenabhängige und Prostituierte. Das eröffnet ihnen den Weg in den Paritätischen in Bayern und ermöglicht es, dass sich der Verband langfristig auch für explizite LGBTIQ-Organisationen öffnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Unterstützung neuer sozialer Bewegungen und die Förderung der Selbsthilfe entwickelt sich der Paritätische in Bayern in dieser Zeit zu einem Verband, der auf neue Weise Vielfalt und gesellschaftliches Engagement fördert. Dazu gehört auch, dass der Paritätische in Bayern zu einem wichtigen Unterstützer des [[Ein besonderes Nachwuchsprogramm: Das Freiwillige Soziale Jahr im Paritätischen in Bayern|Freiwilligen Sozialen Jahres]] wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahren durchläuft der Paritätische in Bayern Veränderungen und Anpassungen, die durch interne Herausforderungen und gesellschaftliche Entwicklungen herbeigeführt werden. Ein Wendepunkt ist der Ruhestand von Geschäftsführer [[Für mehr Gemeinsinn und Sichtbarkeit: Bernhard Uffrecht|Bernhard Uffrecht]] 1988. Mit ihm verlässt eine Person den Verband, die ihn jahrelang geprägt und ihm nach innen und außen Profil verliehen hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung unterstützt der Paritätische in Bayern engagierte Menschen dabei, in Sachsen [[Aufbau Ost: Der Paritätische in Sachsen entsteht – mit Unterstützung aus Bayern|einen eigenen Landesverband]] des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands aufzubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gleichstellungspolitische Ausrichtung im Verband===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit der Gründung des Verbands in den 1920er Jahren haben Frauen im Paritätischen in Bayern entscheidende Arbeit geleistet. Nach [[Der „Mittelpunkt der paritätischen Wohlfahrtspflege in München und in Bayern“: Luise Kiesselbach|Luise Kiesselbach]] gab es jedoch in der jüngsten Vergangenheit keine Frau mehr an der Spitze des Verbands. Mit der Einsetzung einer Referentin für Frauen und Familie hat deshalb eine systematische [[„Vom frauenbewegten Sozialverband zum männergeführten Frauenbetrieb“? Die Debatte um Gleichstellung im Paritätischen in Bayern|Untersuchung der Geschlechterverhältnisse]] im Paritätischen in Bayern begonnen, die 1994 in einer ausführlichen Studie veröffentlicht wird. Diese Studie zeigt gravierende Ungleichheiten. Die Ergebnisse der Studie führen zu konkreten Maßnahmen zur Verbesserung der Geschlechtergerechtigkeit im Verband. Der Paritätische in Bayern setzt das Konzept des Gender Mainstreamings um. Durch diese Strategie wird Geschlechtergerechtigkeit bald bei allen Entscheidungen und Maßnahmen des Verbands berücksichtigt. Ab 2010 wird es eine Doppelspitze geben, bestehend aus einer Frau und einem Mann im Vorstand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neue Verbandsstrukturen in den 2000er Jahren===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren durchläuft der Verband zugleich eine [[Ein Einschnitt im „kulturellen Gedächtnis der Organisation“: Die Krise und Umstrukturierung des Paritätischen in Bayern|finanzielle und strukturelle Krise]]. Er ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen und muss seine Strukturen dringend diesen neuen Umständen anpassen. Umfassende Umstrukturierungen können den Paritätischen in Bayern stabilisieren. Der Verband führt ein strenges Finanzcontrolling ein und wandelt eigene Einrichtungen in GmbHs um. Ab den 2000er Jahren trägt ein hauptamtlicher Vorstand die operative Verantwortung für den Verband: Je ein Vorstand für Verbands- und Sozialpolitik sowie Wirtschaft und Finanzen fungieren gleichberechtigt als Doppelspitze. Kontrolliert werden die beiden Vorstände von einem ehrenamtlichen Verbandsrat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lauf der 2000er Jahre kann der Verband, neben seiner gestärkten Position als Anbieter sozialer Dienstleistungen, auch wieder stärker sozialpolitisch wirken. Das Thema der Gleichstellung von Frauen und Männern sowie die Inklusion von Menschen mit Behinderungen werden in neuer Weise zu einem Schwerpunkt der Verbandsarbeit. Die Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention 2006 ist ein wichtiger behindertenpolitischer Meilenstein. Der Paritätische in Bayern engagiert sich jetzt in neuem Maß in der Eingliederungshilfe. Die große Verbandskrise ist überwunden, die Arbeit kann mit vollem Elan weitergeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===2010er Jahre bis heute: Toleranz, Offenheit und Vielfalt=== &lt;br /&gt;
[[Datei:Klimaschutz.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Der Paritätische in Bayern stellt sich verstärkt neuen Herausforderungen, zum Beispiel dem Klimaschutz.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
In den 2010er Jahren kommen gesellschaftliche Herausforderungen auf: Als ab 2014 immer mehr [[Der Paritätische in Bayern in der „Flüchtlingskrise“|Geflüchtete]] auf der Suche nach Sicherheit nach Bayern kommen, packen der Paritätische in Bayern und seine Mitgliedsorganisationen entschlossen mit an. Paritätische Träger richten Bayerns erste Flüchtlingsunterkunft für Frauen mit und ohne Kinder ein. Hier sollen sie einen sicheren Ort finden, der ihnen Stabilität gibt und an dem sie Vertrauen fassen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angetrieben durch die Klimaschutzbewegung beginnt der Verband jetzt außerdem, ökologische Nachhaltigkeit als Teil seiner sozialen Verantwortung zu verstehen. Die Verbindung von sozialer und ökologischer Gerechtigkeit steht dabei im Mittelpunkt. Die Forderung nach einer [[Ein neuer Schwerpunkt: Gemeinsam gegen die Klimakrise|sozialökologischen Transformation]] wird zu einem neuen Schwerpunkt der Verbandsarbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in den etablierten Arbeitsschwerpunkten des Verbands steht die Entwicklung nicht still. Aus der Unterstützung für queere Menschen folgt, dass das Referat Frauen 2021 um die Themen Gleichstellung und LGBTIQ erweitert wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn der 2020er Jahre stehen die Mitgliedsorganisationen des Paritätischen in Bayern vor großen Herausforderungen: Der massive Arbeits- und Fachkräftemangel, durch den Träger ihre Angebote teilweise einschränken oder ganz einstellen müssen, gefährdet die Verlässlichkeit der sozialen Daseinsvorsorge und verunsichert Teile der Bevölkerung. Die daraus resultierenden quantitativen wie qualitativen Lücken, wenn zum Beispiel Kita- oder Pflegeplätze fehlen, sind für die Gesellschaft spürbar. Der Paritätische in Bayern sieht es damals wie heute als seine Verantwortung, sich für optimale Rahmenbedingungen für seine Mitglieder einzusetzen. Er wird als Verband auch in Zukunft gegenüber Politik und Gesellschaft aufzeigen, dass die Finanzierung einer verlässlichen sozialen Daseinsvorsorge auch eine Investition in eine stabile Demokratie ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Menschen aus 100 Jahren Verbandsgeschichte==&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed&amp;quot; heights=200px&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Bablok.JPG|link=Knapp 20 Jahre lang im Einsatz für Regensburger Freiwillige: Ursula Bablok|[[Knapp 20 Jahre lang im Einsatz für Regensburger Freiwillige: Ursula Bablok|Ursula Bablok (*1955)]]&lt;br /&gt;
Datei:Bamberger.jpg|link=„Meisterin der Jugendhilfe“ und Täterin: Elisabeth Bamberger|[[„Meisterin der Jugendhilfe“ und Täterin: Elisabeth Bamberger|Elisabeth Bamberger (1890-1984)]]&lt;br /&gt;
Datei:Doll.jpg|link=Humorvoll und kreativ im Einsatz für Mittelfranken: Ekkehard Doll|[[Humorvoll und kreativ im Einsatz für Mittelfranken: Ekkehard Doll|Ekkehard Doll (*1941)]]&lt;br /&gt;
Datei:Eberth.jpg|link=Aus der Drogenhilfe zum Verbandsvorsitzenden: Alexander Eberth|[[Aus der Drogenhilfe zum Verbandsvorsitzenden: Alexander Eberth|Alexander Eberth (*1944)]]&lt;br /&gt;
Datei:Geiling.jpg|link=Die „kleine Frau mit dem gewaltig großen Herzen“: Betty Geiling|[[Die „kleine Frau mit dem gewaltig großen Herzen“: Betty Geiling|Betty Geiling (1926-2021)]]&lt;br /&gt;
Datei:Geppert PFH Ausschnitt.jpg|link=Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert|[[Die Gründerin der Münchner Mütterschule: Lotte Geppert|Lotte Geppert (1883-1968)]]&lt;br /&gt;
Datei:Heim-Pohlmann.jpg|link=Die treibende Kraft: Anna Heim-Pohlmann|[[Die treibende Kraft: Anna Heim-Pohlmann|Anna Heim-Pohlmann (1885-1983)]]&lt;br /&gt;
Datei:Hellbruegge.jpg|link=Ein besonderer Kinderarzt: Theodor Hellbrügge|[[Ein besonderer Kinderarzt: Theodor Hellbrügge|Theodor Hellbrügge (1919-2014)]]&lt;br /&gt;
Datei:Hilsenbeck.jpg|link=„Energie, Gestaltungswillen, Hartnäckigkeit“ für Frauenrechte in Krisensituationen: Polina Hilsenbeck|[[„Energie, Gestaltungswillen, Hartnäckigkeit“ für Frauenrechte in Krisensituationen: Polina Hilsenbeck|Polina Hilsenbeck (*1951)]]&lt;br /&gt;
Datei:Kiesselbach Detail.jpg|link=Der „Mittelpunkt der paritätischen Wohlfahrtspflege in München und in Bayern“: Luise Kiesselbach|[[Der „Mittelpunkt der paritätischen Wohlfahrtspflege in München und in Bayern“: Luise Kiesselbach|Luise Kiesselbach (1863-1929)]]&lt;br /&gt;
Datei:Leitner.jpeg|link=Für ein barrierefreies München und ein Leben auf Augenhöhe: Ingrid Leitner|[[Für ein barrierefreies München und ein Leben auf Augenhöhe: Ingrid Leitner|Ingrid Leitner (1942-2017)]]&lt;br /&gt;
Datei:Obermair-Schoch.jpg|link=Eine Ausnahmesenatorin: Hilde Obermair-Schoch|[[Eine Ausnahmesenatorin: Hilde Obermair-Schoch|Hilde Obermair-Schoch (1897-1970)]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:1929 Pechmann Stadtkommandant Ausschnitt Detail.jpg|link=Der letzte Verbandsvorsitzende vor der Auflösung: Albrecht Freiherr von Pechmann|[[Der letzte Verbandsvorsitzende vor der Auflösung: Albrecht Freiherr von Pechmann|Albrecht Freiherr von Pechmann (1879-1949)]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Straubinger Portrait.jpg|link=Unermüdlich im Einsatz für ihre taubblinden „Schicksalsgefährten“: Fini Straubinger|[[Unermüdlich im Einsatz für ihre taubblinden „Schicksalsgefährten“: Fini Straubinger|Fini Straubinger (1914-1981)]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Uffrecht.jpeg|link=Für mehr Gemeinsinn und Sichtbarkeit: Bernhard Uffrecht|[[Für mehr Gemeinsinn und Sichtbarkeit: Bernhard Uffrecht|Bernhard Uffrecht (1923-1997)]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Zimmermann.jpg|link=Begleiter durch die Verbandskrise: Heinz-Dieter Zimmermann|[[Begleiter durch die Verbandskrise: Heinz-Dieter Zimmermann|Heinz-Dieter Zimmermann (*1934)]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Vom_Parit%C3%A4tischen_Wohlfahrtsverband_zur_Nationalsozialistischen_Volkswohlfahrt&amp;diff=1223</id>
		<title>Vom Paritätischen Wohlfahrtsverband zur Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt</title>
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		<updated>2024-10-17T08:23:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* Ein neuer Vorsitzender */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;1934 findet die Geschichte des Paritätischen in Bayern ein vorläufiges Ende: Der Verband wird in die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt eingegliedert und anschließend aufgelöst. Es gibt keinen nachweisbaren Widerstand. Den Anweisungen wird Folge geleistet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
==Wohlfahrtspflege in der Weltwirtschaftskrise==&lt;br /&gt;
[[Datei:Wahlplakat NSDAP.jpg|mini|rechts|300px|&amp;lt;center&amp;gt;Auch die Politik wird von der Krise bestimmt: Wie alle Parteien macht die NSDAP sie 1932 zum Wahlkampfthema. In Bayern erhält die Partei bei den Reichstagswahlen am 31. Juli 32,52 % der Stimmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Hoser, Paul: Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP), 1920-1923/1925-1945, in: Historisches Lexikon Bayerns (http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Nationalsozialistische_Deutsche_Arbeiterpartei_(NSDAP),_1920-1923/1925-1945, Stand: 12.2.2007, aufgerufen 23.1.2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Zu Beginn der 1930er Jahre bestimmt die Weltwirtschaftskrise das Leben der Menschen. Die freien Wohlfahrtsverbände leiden darunter, dass sie keine Kredite und öffentlichen Zuschüsse mehr bekommen. So können sie ihre Arbeit kaum noch finanzieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Hammerschmidt, Peter: Die Wohlfahrtsverbände im NS-Staat. Die NSV und die  konfessionellen Verbände Caritas und Innere Mission im Gefüge der Wohlfahrtspflege des Nationalsozialismus, Wiesbaden 1999, S. 102-106.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gleichzeitig sind immer mehr Menschen auf Unterstützung angewiesen. Zunächst hatte Bayern Glück: Von der Welle der Arbeitslosigkeit, die ganz Deutschland erfasst hat, war hier in den ersten Jahren wenig zu spüren. Die meisten Arbeitsplätze gehen in der Industrie verloren und Bayern ist noch stark von der Landwirtschaft geprägt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rudloff, Wilfried: Die Wohlfahrtsstadt. Kommunale Ernährungs-, Fürsorge und Wohnungspolitik am Beispiel Münchens 1910-1933, Bd. 2, Göttingen 1998, S. 888 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aber letztendlich bleiben auch die bayerischen Städte nicht verschont: In Augsburg sind 1932 weit mehr als die Hälfte der erwerbsfähigen Menschen arbeitslos.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Gotto, Bernhard: Nationalsozialistische Kommunalpolitik. Administrative Normalität und Systemstabilisierung durch die Augsburger Stadtverwaltung 1933–1945, München 2006, S. 31.&amp;lt;/ref&amp;gt; In München gibt es jetzt besonders viele sogenannte Dauerarbeitslose.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rudloff: Die Wohlfahrtsstadt, S. 898 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch in den ländlichen Gegenden leiden die Menschen zunehmend.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Stäbler, Wolfgang: Weltwirtschaftskrise, 1929, in: Historisches Lexikon Bayerns (https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Weltwirtschaftskrise,_1929, Stand: 4.9.2007, aufgerufen 23.1.2024).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den [[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|Paritätischen in Bayern]] ist all das ein wichtiges Thema: Er kommt am 2. Juli 1932 zu seiner jährlichen Generalversammlung zusammen. Beim anschließenden Vortragsabend geht es um „die Sparmaßnahmen in der Wohlfahrtspflege und ihre Grenzen“ und „die Leistungen der Gesundheitsfürsorge für Mutter und Kind und ihre Gefährdung durch die Gegenwartskrise“.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Nachrichten aus den Landesverbänden. Landesverband Bayern, in: Nachrichtenblatt des Fünften Wohlfahrtsverbandes (1932) Heft 4, S. 27 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einer der Redenden stellt fest: „Die Gesundheit des Volkes, vor allem des Nachwuchses, ist das einzige Kapital, das noch zur Verfügung steht.“&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ein neuer Vorsitzender==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Generalversammlung bekommt der Paritätische in Bayern einen neuen Vorsitzenden. Bisher hatte dieses Amt der Münchner Rechtsanwalt Dr. Christoph Schramm  inne. Er hat es nach dem plötzlichen Tod von [[Der „Mittelpunkt der paritätischen Wohlfahrtspflege in München und in Bayern“: Luise Kiesselbach|Luise Kiesselbach]] 1929 übernommen. Bekannt ist Christoph Schramm vor allem, seitdem er an einem aufsehenerregenden Gerichtsprozess beteiligt war: Im Prozess um den sogenannten Hitlerputsch 1924 hat er zu den Verteidigern der Angeklagten gehört. Wie viele andere Prozessbeteiligte hat Christoph Schramm den Gerichtssaal als Bühne für politische Reden genutzt. „Die deutsche Republik, die nur durch Verrat und Meineid einer geringen Menge undeutschen Gesindels entstanden ist, kann sich unmöglich darauf berufen, dass sie rechtlich entstanden ist. Sie kann keinen Rechtschutz für sich in Anspruch nehmen“, hat er hier zum Beispiel gesagt.&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach: Niess, Wolfgang: Der Hitlerputsch 1923. Geschichte eines Hochverrats, München 2023, S. 249.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Historiker wird die elf Verteidiger, zu denen Christoph Schramm gehörte, später als „Gesinnungsgenossen“ der „völkisch-nationalsozialistischen Sache“ bezeichnen.&amp;lt;ref&amp;gt;Niess: Der Hitlerputsch, S. 250.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Schramm Verteidiger.jpg|zentriert|mini|800px|&amp;lt;center&amp;gt;Im Rahmen des sogenannten Hitler-Prozesses haben sich die Angeklagten und ihre Verteidiger zusammen fotografieren lassen. Der spätere Vorsitzende des Paritätischen in Bayern, Christoph Schramm, steht genau in der Mitte des Bildes, hinter General Erich Ludendorff. Er hat den Blick in die Ferne gerichtet.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch der neue Vorsitzende des Paritätischen in Bayern, [[Der letzte Verbandsvorsitzende vor der Auflösung: Albrecht Freiherr von Pechmann|Albrecht von Pechmann]], ist ein solcher Gesinnungsgenosse. Wie sein Vorgänger gelangt er wohl vor allem wegen seines Ansehens und seinen Kontakten an die Spitze des Verbands. Genau das versucht er jetzt zu nutzen, um dem Paritätischen in Bayern auf neue Weise zu helfen: Er organisiert „glänzende Bälle“ im Deutschen Theater in München.&amp;lt;ref&amp;gt;BayHStA, Slg Varia 2087, Geschichtlicher Umriß über Gründung und Entwicklung des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Manuskript des Geschäftsführers Dr. med. Otto von Holbeck. Ergänzungen hierzu über den Landesverband Bayern von Frau Dr. A. Heim-Pohlmann, 15.7.1963.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Einnahmen werden dem Verband gespendet. Das bringt zwar endlich das dringend benötigte Geld, stößt aber viele Mitglieder vor den Kopf. Die glamourösen Veranstaltungen passen nicht zu ihrem Selbstverständnis. Die Mitglieder fühlen sich dem Paritätischen in Bayern weniger verbunden: „Eine deutliche Lockerung wurde spürbar“, wird sich Vorstandsmitglied [[Die treibende Kraft: Anna Heim-Pohlmann|Anna Heim-Pohlmann]] später an die Stimmung im Verband erinnern.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Arbeit unter erschwerten Bedingungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mitgliedsorganisationen und -einrichtungen des Paritätischen in Bayern versuchen, trotz der schwierigen Lage ihren Aufgaben gerecht zu werden. Gerade jetzt brauchen viele Menschen Unterstützung. Der Verband möchte insbesondere Müttern eine kurze Verschnaufpause von den Lasten des Alltags ermöglichen. Dabei setzt er auf die Zusammenarbeit seiner Mitgliedsorganisationen: Der Verein &#039;&#039;Waldheim für die Münchner Taubstummen&#039;&#039; stellt sein Haus für die Müttererholung zur Verfügung. Die &#039;&#039;Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten&#039;&#039; hilft Familien im Haushalt, die wegen einer Erholungskur zeitweise auf ihre Mutter verzichten müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Dr. d’H.: Oertliche Erholungsfürsorge, in: Nachrichtenblatt des Fünften Wohlfahrtsverbandes (1932) Heft 1, S. 5-6. &amp;lt;/ref&amp;gt; Auch für Kinder werden Kuraufenthalte organisiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband (Hg.): Bericht der Geschäftsführung für das Jahr 1933 und das erste Halbjahr 1934, S. 10.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem ist der Paritätische in Bayern nach wie vor besonders in der [[„Dem Alter zum Schutze, der Jugend zu Nutze“: Das erste Projekt des Paritätischen in Bayern|„Altersfürsorge“]] aktiv. In Augsburg, Bamberg, Landsberg, München und Nürnberg bieten Mitgliedsorganisationen offene Angebote für ältere Menschen an. Der Verband veranstaltet eine „Altershilfe-Lotterie“, um das finanziell unterstützen zu können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband (Hg.): Bericht der Geschäftsführung für das Jahr 1933 und das erste Halbjahr 1934, S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==„Paritätische Wohlfahrtsarbeit im Sinne der nationalen Erhebung“==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hilgenfeldt.jpg|mini|rechts|300px|&amp;lt;center&amp;gt;Der Leiter der NSV, Erich Hilgenfeldt, organisiert gemeinsam mit Albrecht von Pechmann und dem Geschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands, Otto von Holbeck, die Auflösung.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Ein Blick nach Berlin: Im November 1932 gibt der Gründer und Vorsitzende des Fünften Wohlfahrtsverbands, Leo Langstein, eine große Veränderung bekannt. Der reichsweite Verband heißt ab sofort: Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband. Dadurch soll endlich dem „lang empfundenen Bedürfnis, das Wesen des Verbandes in seinem Namen zu kennzeichnen“, entsprochen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e. V., Schreiben von Leo Langstein betreffend Namensänderung des Fünften Wohlfahrtsverbands, 10.11.1932.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Dachverband folgt somit dem Beispiel seines bayerischen Landesverbands, dem [[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|Paritätischen Wohlfahrtsverband Bayern]]. Die Namensänderung wird eine der letzten großen Amtshandlungen des Vorsitzenden Leo Langstein sein. Am 30. Januar 1933 wird Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Die Umgestaltung des Landes nach nationalsozialistischen Prinzipien ist jetzt in vollem Gang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 29. April 1933 kommt in Berlin der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband zu seiner jährlichen Vorstandssitzung zusammen. Der Vorstand hält fest, dass „der Verband auf nationalem und christlichem Boden stehend seine paritätische Wohlfahrtsarbeit im Sinne der nationalen Erhebung weiter verfolgen soll“.&amp;lt;ref&amp;gt;StAL E 191 Bü 6539, S. 118, Rundschreiben Nr. 30/33 des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands, 6.5.1933.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Neuerung: Mit der „nationalen Erhebung“ ist der Nationalsozialismus gemeint. Von der paritätischen Idee, wie [[Der „Mittelpunkt der paritätischen Wohlfahrtspflege in München und in Bayern“: Luise Kiesselbach|Luise Kiesselbach]] sie 1924 in München formuliert hat, ist nicht mehr viel übrig. Der jüdische Kinderarzt Leo Langstein tritt daraufhin vom Vorsitz des Reichsverbands zurück. Sein Nachfolger wird der schon aus Bayern bekannte Albrecht von Pechmann.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der kommt bald ins Gespräch mit dem Leiter der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV), Erich Hilgenfeldt. Die NSV ist jetzt die offizielle Organisation „für alle Fragen der Volkswohlfahrt und der Fürsorge“.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. StAL E 191 Bü 6539, S. 105-106, Rundschreiben Nr. 38/33 des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands, 6.6.1933.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das vorläufige Ende des Paritätischen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang Juli 1933 ist die Übernahme des Paritätischen in die NSV beschlossene Sache. Die Landesverbände sollen dafür sorgen, dass die Mitgliedsorganisationen sich ruhig verhalten und den Plänen nicht im Weg stehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bayern scheint das zu funktionieren:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Brief Augsburger Frauenvereine 1933.jpg|zentriert|mini|600px|&amp;lt;center&amp;gt;Der Paritätische in Bayern fordert seine Mitgliedsorganisationen noch im Juli 1933 dazu auf, „Mitarbeiter nicht arischer Abstammung“ zu entlassen. Der Stadtbund Augsburger Frauenvereine kündigt daraufhin der Jüdin Sophie Dann. (Ihr Vorname wird in dem Schreiben falsch geschrieben.)&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Herbst 1933 bekommt der Paritätische eine neue Satzung. Er ist jetzt offiziell Teil der NSV und streng hierarchisch organisiert. Wer Mitglied werden möchte, muss nachweisen, dass er „nur im Sinne der national-sozialistischen Weltanschauung arbeiten wird.“&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e. V., § 4 Satzung des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes vom 9.10.1933.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 30. Mai 1934 ordnet Erich Hilgenfeldt, der mittlerweile auch das neue Amt für Volkswohlfahrt leitet, endgültig das Ende des Paritätischen an. Er beauftragt Albrecht von Pechmann damit, sich um die Auflösung des Reichsverbands und des Landesverbands Bayern zu kümmern.&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e. V., NSDAP Reichsleitung, Amt für Volkswohlfahrt, Anordnung V/13/34, 30. Mai 1934.&amp;lt;/ref&amp;gt; Was jetzt aus den einzelnen [[Menschen, Organisationen und Einrichtungen des Paritätischen in Bayern während der Zeit des Nationalsozialismus|Menschen, Organisationen und Einrichtungen]] wird, die den Paritätischen in Bayern bisher ausgemacht haben, ist sehr unterschiedlich. Ihren gemeinsamen Verband gibt es nicht mehr. Er hatte nur 10 Jahre lang Bestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Archiv Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e. V., Schreiben von Leo Langstein betreffend Namensänderung des Fünften Wohlfahrtsverbands, 10.11.1932.&lt;br /&gt;
*Archiv Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e. V., Satzung des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, 9.10.1933.&lt;br /&gt;
*Archiv Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e. V., NSDAP Reichsleitung, Amt für Volkswohlfahrt, Anordnung V/13/34, 30. Mai 1934.&lt;br /&gt;
*Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Slg Varia 2087, Geschichtlicher Umriß über Gründung und Entwicklung des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Manuskript des Geschäftsführers Dr. med. Otto von Holbeck. Ergänzungen hierzu über den Landesverband Bayern von Frau Dr. A. Heim-Pohlmann, 15.7.1963.&lt;br /&gt;
*Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband (Hg.): Bericht der Geschäftsführung für das Jahr 1933 und das erste Halbjahr 1934.&lt;br /&gt;
*Dr. d’H.: Oertliche Erholungsfürsorge, in: Nachrichtenblatt des Fünften Wohlfahrtsverbandes (1932) Heft 1, S. 5-6.&lt;br /&gt;
*Staatsarchiv Ludwigsburg, E 191 Bü 6539, S. 118-199, Rundschreiben Nr. 30/33 des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands, 6.5.1933.&lt;br /&gt;
*Staatsarchiv Ludwigsburg, E 191 Bü 6539, S. 105-106, Rundschreiben Nr. 38/33 des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands, 6.6.1933.&lt;br /&gt;
*O. A.: Nachrichten aus den Landesverbänden. Landesverband Bayern, in: Nachrichtenblatt des Fünften Wohlfahrtsverbandes (1932) Heft 4, S. 27 f.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Gotto, Bernhard: Nationalsozialistische Kommunalpolitik. Administrative Normalität und Systemstabilisierung durch die Augsburger Stadtverwaltung 1933-1945, München 2006.&lt;br /&gt;
*Hammerschmidt, Peter: Die Wohlfahrtsverbände im NS-Staat. Die NSV und die konfessionellen Verbände Caritas und Innere Mission im Gefüge der Wohlfahrtspflege des Nationalsozialismus, Wiesbaden 1999.&lt;br /&gt;
*Hoser, Paul: Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP), 1920-1923/1925-1945, in: Historisches Lexikon Bayerns (http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Nationalsozialistische_Deutsche_Arbeiterpartei_(NSDAP),_1920-1923/1925-1945, Stand: 12.2.2007, aufgerufen 23.1.2024).&lt;br /&gt;
*Niess, Wolfgang: Der Hitlerputsch 1923. Geschichte eines Hochverrats, München 2023.&lt;br /&gt;
*Rudloff, Wilfried: Die Wohlfahrtsstadt. Kommunale Ernährungs-, Fürsorge und Wohnungspolitik am Beispiel Münchens 1910-1933, Bd. 2, Göttingen 1998.&lt;br /&gt;
*Stäbler, Wolfgang: Weltwirtschaftskrise, 1929, in: Historisches Lexikon Bayerns (https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Weltwirtschaftskrise,_1929, Stand: 4.9.2007, aufgerufen 23.1.2024).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Ein_neuer_Schwerpunkt:_Gemeinsam_gegen_die_Klimakrise&amp;diff=1222</id>
		<title>Ein neuer Schwerpunkt: Gemeinsam gegen die Klimakrise</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Ein_neuer_Schwerpunkt:_Gemeinsam_gegen_die_Klimakrise&amp;diff=1222"/>
		<updated>2024-10-17T08:21:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* Umwelt- und Naturschutz als eigenständiges Thema */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Für den Paritätischen in Bayern sind die Themen Umwelt und Klima heute klar mit dem Sozialen verbunden. Das war nicht immer so. Als die Klimaschutzbewegung ab 2019 an Fahrt aufnimmt, entsteht mit der Forderung nach einer sozialökologischen Transformation ein neuer Schwerpunkt für den Verband.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
==Umwelt- und Naturschutz als eigenständiges Thema==&lt;br /&gt;
[[Datei:1986 Frauenprotestcamp.jpg|360px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Polina Hilsenbeck nimmt jedes Jahr am Frauenwiderstandscamp im Hunsrück teil. Hier werden schon in den 1980er Jahren Klimaschutz und andere sozial- und gesellschaftspolitische Ziele zusammen gedacht. Im Paritätischen in Bayern wird das noch dauern.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
1970 wird Bayern zum Vorreiter des Umweltschutzes: Mit dem Bayerischen Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen entsteht hier das erste Umweltministerium Europas. Nirgendwo sonst gibt es zu dieser Zeit so eine Institution.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Hasenöhr, Ute: Natur- und Umweltschutz (nach 1945), in: Historisches Lexikon Bayerns (https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Natur-_und_Umweltschutz_(nach_1945), aufgerufen 3.6.2024).&amp;lt;/ref&amp;gt; Es ist eine Zeit gesellschaftlicher Veränderung. Viele Menschen gehen auf die Straße, engagieren sich. Das betrifft auch den Paritätischen in Bayern. Phänomene wie die neue [[Eine wechselvolle Geschichte: Selbsthilfe im Paritätischen in Bayern|Selbsthilfebewegung]] verändern den Verband. Was ihn nicht betrifft, ist die Umweltbewegung, die jetzt ebenfalls entsteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei gibt es Überschneidungen: Die [[Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern|Neue Frauenbewegung]] ist eng mit der Umweltbewegung verknüpft.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Bauhardt, Christine: FrauenUmweltbewegungen, in: Digitales Deutsches Frauenarchiv (https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/themen/frauenumweltbewegungen aufgerufen 3.6.2024).&amp;lt;/ref&amp;gt; Frauen, die sich selbst als Ökofeministinnen verstehen, gibt es auch in den Mitgliedsorganisationen des Paritätischen in Bayern. Ein Beispiel dafür ist die Psychologin [[„Energie, Gestaltungswillen, Hartnäckigkeit“ für Frauenrechte in Krisensituationen: Polina Hilsenbeck|Polina Hilsenbeck]]. Das Projekt &#039;&#039;Retex - Werkstatt für textiles Recycling&#039;&#039; bietet Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen ab 1987 eine Arbeitsmöglichkeit: „Die in Regensburg ansässige Firma stellt in einer Weberei Woll- und Fleckerlteppiche nach Kundenwünschen her. In einer Näherei wird unter eigenem Namen Kinder- und Puppenkleidung hergestellt. Daneben werden Lohnaufträge für die Industrie ausgeführt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Schulz, Joachim: Berufliche Wiedereingliederung psychisch behinderter Menschen. Hilfe für psychisch Behinderte: Das Projekt Retex - Werkstatt für textiles Recycling, Regensburg, in: Bayerischer Wohlfahrtsdienst (1989) Heft 8/9, S. 90 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dabei werden in der Anfangszeit Stoffreste und -abfälle als Material verwendet. Es wird also – ganz dem Namen entsprechend – Recycling betrieben. Die alten Stoffe werden zu etwas Neuem verarbeitet und so weiter genutzt. Aber: Um Kleidung zu produzieren, die möglichst hochwertig ist und aktuellen Modetrends entspricht, wird schon nach kurzer Zeit kein Recycling-Material mehr für die Produktion von Kleidung bei &#039;&#039;Retex&#039;&#039; verwendet. Der Hintergrund: Der Schwerpunkt des Projekts liegt nicht auf der Nachhaltigkeit, sondern auf der Schaffung von Arbeitsplätzen für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die meisten Mitgliedsorganisationen des Paritätischen in Bayern scheinen sich lange nicht aktiv mit dem Thema Umweltschutz zu beschäftigen. Anders sieht es bei den Kindergärten aus. Ende der 1980er Jahre sind einige von ihnen im Bereich „Umwelterziehung“ tätig: Sie „beteiligen sich an der Vermittlung von ‚bewusstem Umweltverhalten‘ von Kindern und Eltern. Auf Fortbildungstreffen berichten Erzieher von ihrer Beteiligung an Umweltaktionen und -demonstrationen, von Versuchen, im Alltag zusammen mit den Kindern um den Schutz und die Pflege von Boden, Luft, Wasser, Pflanzen und Tieren besorgt zu sein. Sie sensibilisieren die Kinder für ein achtsames Verhalten bei Spiel und Freizeit und versuchen über die Öffnung des Kindergartens Einfluss zu nehmen auf die ganze Familie.“&amp;lt;ref&amp;gt;Cramer, Hanna: Kindergärten – Mitgliedsorganisationen des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Landesverband Bayern (DPWV), in: Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus (Hg): 150 Jahre Kindergartenwesen in Bayern. Festschrift anlässlich der 150-Jahrfeier der von König Ludwig I. genehmigten „Bestimmungen, die die Einrichtung von Kinderbewahranstalten betreffen“, München 1989, S. 150.&amp;lt;/ref&amp;gt; So beschreibt die Fachreferentin für Kinderhilfe des Paritätischen in Bayern, zu deren Arbeitsbereich auch Kindergärten und andere Betreuungsangebote gehören, damals diesen neuen Ansatz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ein neuer Schwerpunkt: Die sozialökologische Transformation==&lt;br /&gt;
[[Datei:Verbandsmagazin 06 2019 Cover.jpg|360px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;„Nachhaltig paritätisch“: Klimaschutz und sozialökologische Transformation sind ab 2019 ein klarer Schwerpunkt des Paritätischen in Bayern und ganz Deutschland. Im Juni macht der Verband das zum Titelthema.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
In den 2010er Jahren gibt es ein Umdenken im Paritätischen in Bayern. Der Auslöser: Die Dringlichkeit, den menschengemachten Klimawandel aktiv zu bekämpfen, ist im Bewusstsein der Menschen in Deutschland angekommen. Auf der UN-Klimakonferenz in Paris verständigen sich im Dezember 2015 197 Staaten auf ein gemeinsames Klimaschutzabkommen. Das Abkommen von Paris enthält zwar klare Ziele, es ist aber nicht rechtlich bindend. Die Umsetzung bleibt den einzelnen Staaten überlassen. Das löst eine internationale Protestbewegung aus. Die wöchentlichen „Fridays for Future“-Proteste finden bald auch in Bayern statt. In Nürnberg kommen am 24. Januar 2019 zum Beispiel 400 junge Menschen vor dem Rathaus zusammen, um für Klimaschutz zu demonstrieren. Ihr Motto: „Wir sind viele, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut“.&amp;lt;ref&amp;gt;BUND Naturschutz in Bayern e.V.: Pressemitteilung vom 24.1.2019 (https://www.bund-naturschutz.de/pressemitteilungen/fridays-for-future-1, aufgerufen 28.5.2024).&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Grundsatzpapier ist ein bedeutender Schritt: Der Paritätische verknüpft damit öffentlichkeits-wirksam das Ökologische mit dem Sozialen. Er fordert von jetzt an, das beides konsequent zusammen gedacht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Paritätische unterstützt die Ziele der neuen Klimaschutzbewegung – nicht nur in Bayern, sondern deutschlandweit. Der Paritätische Gesamtverband veröffentlicht am 1. Oktober 2019 ein Grundsatzpapier. Darin wird erklärt, wie sich der Verband die „sozial-ökologische Wende“ vorstellt, die er jetzt fordert: „Um den Klimawandel zu stoppen, bedarf es der Anstrengung der gesamten Gesellschaft. […] Eine effektive Klimaschutzpolitik wird notgedrungen mit spürbaren Einschränkungen und Belastungen verbunden sein und erfordert zugleich eine breite gesellschaftliche Zustimmung. Diese wird nicht zu gewinnen sein, wenn ein großer Teil der Bevölkerung ohnehin soziale Abstiegsängste hat, den eigenen Status als prekär erlebt und sich um die Zukunft sorgt. Voraussetzung für eine erfolgreiche Klimaschutzpolitik ist daher ein zuverlässiger Sozialstaat, der den Menschen soziale Sicherheit garantiert, sodass sich jede*r ein klimafreundliches Leben leisten kann. Je mehr Gleichheit eine Gesellschaft in der Verteilung von Ressourcen und Möglichkeiten aufweist, umso leichter wird ihr eine anspruchsvolle Klimapolitik fallen. Daher ist die ökologische Transformation nur als eine sozial-ökologische denkbar.“ Das Grundsatzpapier ist ein bedeutender Schritt: Der Paritätische verknüpft damit öffentlichkeitswirksam das Ökologische mit dem Sozialen. Er fordert von jetzt an ein, dass beides konsequent zusammen gedacht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konkrete Anstrengungen auch in Bayern==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Paritätischen in Bayern wird sich jetzt an verschiedenen Stellen mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftgigt. Im Bezirksverband Mittelfranken gibt es hierzu eine eigene Arbeitsgruppe. Die entwickelt unter dem Motto „Pari goes green“ konkrete Maßnahmen, mit denen der Arbeitsalltag nach-haltiger gestaltet werden kann, zum Beispiel mit Recycling-Papier, dem Kompostieren von Biomüll oder Regionalität im Catering. Das ist nicht immer leicht: „Es braucht Mut, Dinge, die weniger nachhaltig sind, anzusprechen und Veränderungen anzustoßen, auszuprobieren und zu reflektieren. Es braucht auch Zeit. Dem Anderen Zeit zu geben, Nachhaltigkeit mitdenken zu können, sich darauf einlassen zu können und Zeit, die Veränderungen mitgehen zu können“, erklärt die Projektleiterin von „Pari goes green“, Alexandra Großer.&amp;lt;ref&amp;gt;Paritätischer Wohlfahrtsverband in Bayern: Jahresbericht 2019, S. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die Bezirksversammlung des Paritätischen in Mittelfranken findet 2019 zu dem Thema statt. Der Paritätische in Bayern nimmt die Idee auf Landesebene auf und startet, gefördert von der Glücksspirale, ein erstes kleines Projekt zum Thema Nachhaltigkeit im Referat Bürgerschaftliches Engagement. So soll ein erster Schritt getan werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Jahresbericht 2019, S. 23.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Paritätische und der Klimaschutz – das gehört von nun an zusammen. Wie genau das funktioniert, muss erst einmal vermittelt werden. Auf einer Pressekonferenz im August 2021 erklärt Verbandsvorständin Margit Berndl: „Ökologische Nachhaltigkeit und Klimaschutz ist für uns als Wohlfahrtsverband nicht unsere Kernkompetenz. [...] Warum beschäftigt sich der Paritätische als Wohlfahrtsverband mit dem Thema und geht damit an die Öffentlichkeit? Zum einen, weil wir Verantwortung für klimaschonendes Handeln und Wirtschaften tragen. Weil wir selbst einen Beitrag leisten können und müssen. [...] Zum anderen, weil wir als Wohlfahrtsverband eine zentrale Funktion für den sozialen und gesellschaftlichen Zusammenhalt haben. Hier haben wir unsere Kernkompetenz.“&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv des Paritätischen in Bayern, Statement von Margit Berndl anlässlich der gemeinsamen Pressekonferenz des Paritätischen in Bayern mit dem BUND am 05. August 2021.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Pressekonferenz veranstaltet der Paritätische in Bayern gemeinsam mit dem BUND Naturschutz in Bayern e.V. Mit dem arbeitet der Paritätische in Bayern von jetzt an zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Mitgliedsorganisationen des Paritätischen in Bayern arbeiten nun auch direkt mit dem Gesamtverband auf Bundesebene zusammen: Sie sind Teil des Projekts „Klimaschutz in der Sozialen Arbeit stärken“. Sie werden dabei begleitet, ihren CO2-Fußabdruck zu analysieren und Möglichkeiten des betriebsinternen Klimaschutzes zu entdecken. Zu den teilnehmenden Mitgliedsorganisationen aus Bayern gehört zum Beispiel das Blindeninstitut Würzburg.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klimaschutz in der Sozialen Arbeit stärken, https://www.paritaet-bayern.de/themen/sozialoekologische-transformation/klimaschutz-in-der-sozialen-arbeit-staerken (aufgerufen 20.6.2024).&amp;lt;/ref&amp;gt; Es gehört zu den ältesten Mitgliedsorganisationen des Paritätischen in Bayern. Das zeigt: Auch sehr traditionsreiche Einrichtungen sind offen für das relativ junge Thema Klimaschutz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 2022 startet der Paritätische in Bayern ein eigenes Projekt unter dem Titel „Alle mitnehmen und niemanden zurücklassen - den ökologischen Wandel sozial gerecht gestalten und den Klimaschutz in der Sozialen Arbeit fördern“. Das Ziel ist, sich als Verband sozialpolitisch zum Thema Klimaschutz zu positionieren. Noch mehr Einrichtungen und Mitgliedsorganisationen sollen für den Klimaschutz sensibilisiert und vernetzt werden. Zusätzlich soll innerverbandlich eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt und umgesetzt sowie Bündnisse eingegangen werden, um die sozialökologische Transformation in der öffentlichen Diskussion zu stärken. Der Klimaschutz ist zu einem Schwerpunktthema des Paritätischen in Bayern geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Archiv des Paritätischen in Bayern, Statement von Margit Berndl anlässlich der gemeinsamen Pressekonferenz des Paritätischen in Bayern mit dem BUND am  05. August 2021.&lt;br /&gt;
*BUND Naturschutz in Bayern e.V.: Pressemitteilung vom 24.1.2019 (https://www.bund-naturschutz.de/pressemitteilungen/fridays-for-future-1, aufgerufen 28.5.2024).&lt;br /&gt;
*Cramer, Hanna: Kindergärten – Mitgliedsorganisationen des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Landesverband Bayern (DPWV), in: Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus (Hg): 150 Jahre Kindergartenwesen in Bayern. Festschrift anlässlich der 150-Jahrfeier der von König Ludwig I. genehmigten „Bestimmungen, die die Einrichtung von Kinderbewahranstalten betreffen“, München 1989, S. 145—154.&lt;br /&gt;
*Schulz, Joachim: Berufliche Wiedereingliederung psychisch behinderter Menschen. Hilfe für psychisch Behinderte: Das Projekt Retex - Werkstatt für textiles Recycling, Regensburg, in: Bayerischer Wohlfahrtsdienst (1989) Heft 8/9, S. 90 f.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Bauhardt, Christine: FrauenUmweltbewegungen, in: Digitales Deutsches Frauenarchiv (https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/themen/frauenumweltbewegungen aufgerufen 3.6.2024). &lt;br /&gt;
*Hasenöhr, Ute: Natur- und Umweltschutz (nach 1945), in: Historisches Lexikon Bayerns (https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Natur-_und_Umweltschutz_(nach_1945), aufgerufen 3.6.2024).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Ein_steiniger_Weg_zur_Akzeptanz:_Queerer_Aktivismus_im_Parit%C3%A4tischen_in_Bayern&amp;diff=1221</id>
		<title>Ein steiniger Weg zur Akzeptanz: Queerer Aktivismus im Paritätischen in Bayern</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Ein_steiniger_Weg_zur_Akzeptanz:_Queerer_Aktivismus_im_Parit%C3%A4tischen_in_Bayern&amp;diff=1221"/>
		<updated>2024-10-17T08:20:44Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* Die Gay Liberation Front */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Die Aufnahme von Organisationen, die sich explizit an nicht-heterosexuelle Menschen richten, lehnt der Paritätische in Bayern jahrelang ab. Die Führung des Verbands glaubt nicht daran, dass zum Beispiel Homosexuelle sozial benachteiligt sind. Mit dem Aufkommen der Krankheit Aids beginnt ein Umdenken.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die &#039;&#039;Gay Liberation Front&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Deutschland stehen homosexuelle Kontakte zwischen Männern lange unter Strafe. Allein zwischen 1950 und 1965 werden in der Bundesrepublik rund 45.000 Menschen deswegen verurteilt.&amp;lt;ref&amp;gt;Gammerl, Benno: Eine Regenbogengeschichte, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (2010) Heft 15/16, S. 8&amp;lt;/ref&amp;gt; In den folgenden Jahren verändert sich vieles in der Gesellschaft. Sie wird offener. Auch das Sexualstrafrecht wird verändert. Dadurch verbessert sich die rechtliche Lage homosexueller Männer. Gesellschaftlich akzeptiert werden sie aber noch nicht. Viele Menschen entdecken jetzt ihre politische Stimme und organisieren sich in [[Eine wechselvolle Geschichte: Selbsthilfe im Paritätischen in Bayern|Selbsthilfebewegungen]]. So entsteht auch eine Schwulenbewegung – nicht zuletzt dank der veränderten Gesetzeslage. Dass das Wort „schwul“ von der Bewegung benutzt wird, ist ein Zeichen: Es war lange eine negativ besetzte Beschreibung. Die Schwulenbewegung eignet sich das Wort jetzt selbstbewusst an.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Gammerl: Eine Regenbogengeschichte, S. 9.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Gay Liberation Front.jpg|360px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Die &#039;&#039;Gay Liberation Front&#039;&#039; beschreibt für den Paritätischen Gesamtverband, wie die Arbeit der Organisation aussieht. DPWV (Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband) ist die Abkürzung, die der Paritätische Gesamtverband zu dieser Zeit nutzt.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband ist zentralistisch organisiert: Wenn ein Verein in einem der Landesverbände Mitglied werden möchte, muss der Gesamtverband in Frankfurt am Main zustimmen. 1972 stellt die &#039;&#039;Gay Liberation Front&#039;&#039; aus Köln in Nordrhein-Westfalen einen Aufnahmeantrag. Die &#039;&#039;Gay Liberation Front&#039;&#039; ist die erste Organisation der Schwulenbewegung, die dem Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband beitreten möchte. Die Entscheidung, die jetzt gefällt wird, wird Auswirkungen auf alle Landesverbände haben – auch auf den Paritätischen in Bayern. Bei den Beratungen in Frankfurt ist auch Hans Ritter dabei, der Vorsitzende des Paritätischen in Bayern. Er ist  gleichzeitig Zweiter Stellvertretender Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorstand des Gesamtverbands versteht nicht, wozu die &#039;&#039;Gay Liberation Front&#039;&#039; gut sein soll. Er ist sich nicht einig darüber, ob schwule Männer überhaupt Unterstützung brauchen. Der Antrag der &#039;&#039;Gay Liberation Front&#039;&#039; wird abgelehnt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Archiv Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e. V., Niederschrift über die Vorstandssitzung des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes am Freitag, dem 16. Februar 1973, S. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit dieser Grundsatzentscheidung ist das Thema Schwulenbewegung im Paritätischen für die nächsten Jahre vom Tisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lesbische Frauen werden im Paritätischen in Bayern dagegen akzeptiert. [[„Energie, Gestaltungswillen, Hartnäckigkeit“ für Frauenrechte in Krisensituationen: Polina Hilsenbeck|Polina Hilsenbeck]] ist ein Beispiel dafür. Sie sind aber im Rahmen der [[Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern|Neuen Frauenbewegung]] aktiv und treten in erster Linie als Feministinnen auf, nicht als Lesben. Innerhalb der Frauenbewegung gibt es immer wieder Konflikte wegen dieser mangelnden Sichtbarkeit.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Netzer, Antonia: „Ich will mich nicht freiwillig in eine Randgruppe begeben“. Lesbischer Selbsthass im Spiegel der Zeit, in: l’Amour laLove, Patsy (Hg.): Selbsthass &amp;amp; Emanzipation. Das Andere in der heterosexuellen Normalität, Berlin 2016, S. 158-162.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Eine rätselhafte Krankheit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schwulenbewegung spielt im Paritätischen in Bayern gut zehn Jahre lang keine Rolle. Das ändert sich 1984: Eine kleine Gruppe schwuler Männer beschließt, in München die erste regionale Aids-Hilfe Deutschlands zu gründen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Anlauf, Thomas: 30 Jahre Aids-Hilfe. Raus aus dem Virusstüberl, in: Süddeutsche Zeitung, 30.1.2014, in: https://www.sueddeutsche.de/muenchen/30-jahre-aids-hilfe-raus-aus-dem-virusstueberl-1.1875290 (aufgerufen: 30.4.2024).&amp;lt;/ref&amp;gt; Aids steht für &#039;&#039;Acquired Immune Deficiency Syndrome&#039;&#039;, eine viral ausgelöste Schwäche der Abwehrkräfte. Anfang der 1980er Jahre sterben in den USA die ersten Menschen an dieser Krankheit. Sie ist noch völlig unbekannt. Auch in Deutschland gibt es jetzt Tote. Das wirft viele Fragen auf. Antworten gibt es wenige. Die Aids-Hilfe will das ändern: Sie sammelt Informationen und klärt auf. Erkrankte können sich in einer Selbsthilfegruppe austauschen und gegenseitig unterstützen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Medien wird Angst geschürt. Das bringt Hass und Vorurteile zutage. Es ist von einer „Homosexuellen-Seuche“ die Rede.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Aids. „Eine Epidemie, die erst beginnt“, in: Der Spiegel (1983) Heft 23, in: https://www.spiegel.de/politik/aids-eine-epidemie-die-erst-beginnt-a-6d358399-0002-0001-0000-000014021779 (aufgerufen: 30.4.2024).&amp;lt;/ref&amp;gt; Nachdem drei Homosexuelle in Frankfurt am Main an Aids gestorben sind, muss betont werden: Das waren „keine Strichjungen, sondern sehr begüterte Männer“.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; „Die Berichterstattung in Deutschland war ein Angriff auf unsere Szene und unseren Lebensstil“, wird sich Guido Vael später erinnern.&amp;lt;ref&amp;gt;Anlauf: 30 Jahre Aids-Hilfe.&amp;lt;/ref&amp;gt; „Wir haben das damals als große Bedrohung empfunden und wollten dem etwas entgegensetzen.“&amp;lt;ref&amp;gt;lka: 30 Jahre Münchner Aids-Hilfe, in: Abendzeitung München, 23.1.2014, in: https://www.abendzeitung-muenchen.de/muenchen/30-jahre-muenchner-aids-hilfe-art-223762 (aufgerufen: 30.4.2024).&amp;lt;/ref&amp;gt; Guido Vael ist einer der sieben Gründer der &#039;&#039;Münchner Aids-Hilfe&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aids-Hilfen kümmern sich um alle Menschen, die besonders von der Krankheit betroffen sind. Das sind nicht nur Homosexuelle, sondern auch Drogenabhängige und Prostituierte. Mit dieser Ausrichtung passen die Aids-Hilfen gut zum Paritätischen in Bayern. Der vereint mittlerweile viele [[Eine wechselvolle Geschichte: Selbsthilfe im Paritätischen in Bayern|Selbsthilfeorganisationen]], die sich mit einer bestimmten Erkrankung befassen. 1986 werden die &#039;&#039;Münchner Aids-Hilfe&#039;&#039;, die &#039;&#039;Aids-Hilfe Nürnberg-Erlangen-Fürth&#039;&#039; und die &#039;&#039;Aids-Hilfe Augsburg&#039;&#039; in den Verband aufgenommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. PARITÄTISCHER Wohlfahrtsverband, Landesverband Bayern e.V.: 60 Jahre PARITÄTISCHER in Bayern, München 2008, S. 45.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Jahr später folgt die &#039;&#039;Aids-Hilfe Regensburg&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. 60 Jahre PARITÄTISCHER in Bayern, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&amp;lt;embedvideo service=&amp;quot;youtube&amp;quot;&amp;gt;https://youtu.be/X8DCZTsT2-Y?feature=shared&amp;amp;start=2071&amp;lt;/embedvideo&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Am 4. April 1987 gehen in München über 10.000 Menschen auf die Straße, um gemeinsam gegen die bayerische Aids-Politik zu demonstrieren. Unter den Redner*innen der Schlusskundgebung ist auch Guido Vael von der &#039;&#039;Münchner Aids-Hilfe&#039;&#039; (im Video zu sehen ab Minute 34:30).&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Paritätische in Bayern wird aktiv==&lt;br /&gt;
[[Datei:1995 Münchner Aids-Hilfe.jpg|360px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Die &#039;&#039;Münchner Aids-Hilfe&#039;&#039; wirbt mit Plakatkampagnen für Spenden, die Akzeptanz von Erkrankten und Aids-Prävention. Dieses Plakat stammt aus dem Jahr 1995.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Anfang April 1987 gründen die Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege in Bayern die Arbeitsgruppe „AIDS“. Den Vorsitz übernimmt der Paritätische in Bayern. Das ist für alle selbstverständlich: Er ist der Wohlfahrtsverband, der sich am meisten mit dem Thema beschäftigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Das Stichwort. AIDS-Initiativen, in: parität aktuell (1987) Nr. 2, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Paritätische in Bayern kämpft jetzt an vielen Fronten: Er appelliert an die Soziale Arbeit, die Politik und die gesamte Gesellschaft.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. BB: Der gemeinsame Kampf gegen AIDS. Nur das „wie“ trennt die Geister, in: parität aktuell (1987) Nr. 2, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt; „Panik, Angst, Unwissenheit und Hilflosigkeit, Polemisieren und politische Machtkämpfe bedeuten keine Lösung des Problems“, schreibt Gabriele Mikuschka in der Zeitung des Paritätischen Gesamtverbands.&amp;lt;ref&amp;gt;Mikuschka, Gabriele: AIDS. Konsequenzen für soziale Arbeit – Die Zeituhr läuft, in: parität aktuell (1987) Nr. 2, o. S.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie ist Referentin für Fortbildung, AIDS und Gesundheit im Paritätischen in Bayern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im November 1988 reist Gabriele Mikuschka in die USA. Sie ist Teil einer Studienreise, die vom Paritätischen in Bayern organisiert wird. In New York und San Francisco sollen „Informationen über Prävention und die psychosoziale Betreuung von HIV- und AIDS-Patienten, insbesondere vor dem Hintergrund der Drogen- bzw. Homosexuellen-Szene“ gesammelt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;BayHSTA, MArb 4176, Schreiben von Bernhard Uffrecht an das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, 8.9.1988.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter den 34 Mitreisenden sind nicht nur Menschen aus dem Paritätischen in Bayern: Auch Mitglieder anderer Verbände, unabhängige Fachleute und Menschen aus Politik und Verwaltung auf Bundesebene sind dabei.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. BayHSTA, MArb 4176, Teilnehmerliste, in: Schreiben von A. Fackelmann an E. Riedl, 21.12.1988.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Aus der Drogenhilfe zum Verbandsvorsitzenden: Alexander Eberth|Alexander Eberth]] leitet die Reise. Er wird bald Vorsitzender des Paritätischen in Bayern werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Eine neue Vielfalt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufnahme und Unterstützung der Aids-Hilfen ist ein erster Schritt: Sie sind eng mit der Schwulenbewegung verbunden. Die hat so einen Fuß in die Tür des Paritätischen in Bayern bekommen. Trotzdem: Organisationen, die sich ausschließlich an homosexuelle Menschen richten, gibt es im Verband nicht. Das ändert sich 1994. Es ist ein besonderes Jahr: Der Paragraf, der homosexuelle Kontakte zwischen Männern unter Strafe gestellt hat, wird endgültig gestrichen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Gammerl: Eine Regenbogengeschichte, S. 9.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die [[Eine wechselvolle Geschichte: Selbsthilfe im Paritätischen in Bayern|Selbsthilfebewegung]] hat sich im Paritätischen in Bayern viel verändert. Es herrscht eine neue Vielfalt. Die Aufnahmekriterien sind offener geworden. 1994 wird der Verein &#039;&#039;Lesbentelefon&#039;&#039; Mitglied im Paritätischen in Bayern.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. 60 Jahre PARITÄTISCHER in Bayern, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt; Er bietet Beratung für lesbische Frauen an. Es ist die erste explizit nicht-heterosexuelle Mitgliedsorganisation des Verbands. Auch der Verein &#039;&#039;VIVA Transsexuellen Selbsthilfe München&#039;&#039; und das &#039;&#039;Schwule Kommunikations- und Kulturzentrum München&#039;&#039; (Sub) treten jetzt dem Verband bei.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&amp;lt;embedvideo service=&amp;quot;youtube&amp;quot;&amp;gt;https://youtu.be/uR7hcaPSyjc?feature=shared&amp;lt;/embedvideo&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahr 2001 entsteht, unter anderem mit Unterstützung der Schauspielerin Ulrike Folkerts, der Kinospot „Coming Out“, mit dem für die Angebote der &#039;&#039;LeTRa Lesbenberatung&#039;&#039; des Münchner Vereins &#039;&#039;Lesbentelefon&#039;&#039; geworben wird.&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der bayerischen Schwulenbewegung wird bald darüber diskutiert, ob Schwule und Lesben nicht öfter zusammenarbeiten sollten.&amp;lt;ref&amp;gt;Becker, Jan Marco: Spätere Vorbehalte nicht ausgeschlossen. Zusammenarbeit von Schwulen und Lesben, in: Nürnberger Schwulenpost (1998) Heft 9, S. 10.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ab den 2000er Jahren  weiten immer mehr Mitgliedsorganisationen des Paritätischen in Bayern ihre Angebote aus: Sie richten sich an alle Menschen, die nicht in heteronormative Denkmuster passen. Die Unterstützung von LGBTIQ*-Personen zeigt sich schließlich darin, dass das Referat Frauen/Geschlechterpolitik um das Arbeitsfeld LGBTIQ erweitert wird und so Sichtbarkeit und Vertretung der Mitgliedsorganisationen auf Landesebene erhöht. Aber auch auf regionaler Ebene werden die Mitgliedsorganisationen durch Fachberatung unterstützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Anlauf, Thomas: 30 Jahre Aids-Hilfe. Raus aus dem Virusstüberl, in: Süddeutsche Zeitung, 30.1.2014, in: https://www.sueddeutsche.de/muenchen/30-jahre-aids-hilfe-raus-aus-dem-virusstueberl-1.1875290 (aufgerufen: 30.4.2024).&lt;br /&gt;
*Archiv Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e. V., Niederschrift über die Vorstandssitzung des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes am Freitag, dem 16. Februar 1973.&lt;br /&gt;
*Bayerisches Hauptstaatsarchiv, MArb 4176, Akten des Bayerischen Ministeriums für Arbeit und Sozialordnung betreffend der Förderung einer Studienreise des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes unter Teilnahme von Mitgliedern des Staatsministeriums nach New York und San Francisco zur psychosozialen Betreuung von Aidskranken bzw. HIV-Infizierten sowie zur Aidspräventionsarbeit, 1988-1989.&lt;br /&gt;
*BB: Der gemeinsame Kampf gegen AIDS. Nur das „wie“ trennt die Geister, in: parität aktuell (1987) Nr. 2, o. S.&lt;br /&gt;
*Becker, Jan Marco: Spätere Vorbehalte nicht ausgeschlossen. Zusammenarbeit von Schwulen und Lesben, in: Nürnberger Schwulenpost (1998) Heft 9, S. 10.&lt;br /&gt;
*lka: 30 Jahre Münchner Aids-Hilfe, in: Abendzeitung München, 23.1.2014, in: https://www.abendzeitung-muenchen.de/muenchen/30-jahre-muenchner-aids-hilfe-art-223762 (aufgerufen: 30.4.2024).&lt;br /&gt;
*Mikuschka, Gabriele: AIDS. Konsequenzen für soziale Arbeit – Die Zeituhr läuft, in: parität aktuell (1987) Nr. 2, o. S.&lt;br /&gt;
*O. A.: Aids. „Eine Epidemie, die erst beginnt“, in: Der Spiegel (1983) Heft 23, in: https://www.spiegel.de/politik/aids-eine-epidemie-die-erst-beginnt-a-6d358399-0002-0001-0000-000014021779 (aufgerufen: 30.4.2024).  O. A.: Aids. „Eine Epidemie, die erst beginnt“.&lt;br /&gt;
*O. A.: Das Stichwort. AIDS-Initiativen, in: parität aktuell (1987) Nr. 2, o. S.&lt;br /&gt;
*PARITÄTISCHER Wohlfahrtsverband, Landesverband Bayern e.V.: 60 Jahre PARITÄTISCHER in Bayern, München 2008.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Gammerl, Benno: Eine Regenbogengeschichte, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (2010) Heft 15/16, S. 7-13.&lt;br /&gt;
*Netzer, Antonia: „Ich will mich nicht freiwillig in eine Randgruppe begeben“. Lesbischer Selbsthass im Spiegel der Zeit, in: l’Amour laLove, Patsy (Hg.): Selbsthass &amp;amp; Emanzipation. Das Andere in der heterosexuellen Normalität, Berlin 2016, S. 151-164.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Der_Parit%C3%A4tische_in_Bayern_in_der_%E2%80%9EFl%C3%BCchtlingskrise%E2%80%9C&amp;diff=1220</id>
		<title>Der Paritätische in Bayern in der „Flüchtlingskrise“</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Der_Parit%C3%A4tische_in_Bayern_in_der_%E2%80%9EFl%C3%BCchtlingskrise%E2%80%9C&amp;diff=1220"/>
		<updated>2024-10-17T08:20:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* Frauen besonders im Blick */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Ab 2014 kommt eine immer größere Zahl an Geflüchteten nach Deutschland. Auch der Paritätische in Bayern und seine Mitgliedsorganisationen packen mit an, um den ankommenden Menschen zu helfen. Dabei hat der Paritätische in Bayern einmal mehr den Schutz von Frauen besonders im Blick.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Eine Entwicklung zeichnet sich ab==&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;center&amp;gt;&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;nolines&amp;quot; widths=400px heights=266px&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Seenotrettung.jpg|Bilder wie diese werden im Sommer 2015 um die Welt gehen: Geflüchtete werden von einem überfüllten Boot auf dem Mittelmeer gerettet.&lt;br /&gt;
Datei:Balkanroute.jpg|Auf der sogenannten Balkanroute sind die Menschen zu Fuß bis nach Mitteleuropa unterwegs. Hier nahe der Grenze zwischen Ungarn und Serbien.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&amp;lt;/center&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern hat sich in der Vergangenheit immer wieder um Geflüchtete gekümmert: Erst kamen sie [[Unterstützung für Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg|aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten]] und der DDR, später [[„Grüß Gott, liebe Freunde aus Vietnam“ – Eine neue Aufgabe für den Paritätischen in Bayern|aus Vietnam]]. Mit Beginn der 2010er Jahre kommt eine neue Herausforderung auf den Verband zu. Denn: Weltweit sind immer mehr Menschen auf der Flucht. Das hängt vor allem mit dem „Arabischen Frühling“ zusammen: In vielen Staaten in Nordafrika wehren sich die Menschen gegen die autoritären Regierungen, unter denen sie bisher leben mussten. Die Machthabenden haben jahrzehntelang mit Gewalt verhindert, dass die Bevölkerung sich wehrt oder flieht. Jetzt werden diese Machthabenden gestürzt – und in den meisten dieser Länder kommen islamistische Parteien oder autoritäre Militärregierungen an die Macht. Viele Menschen sehen die Flucht jetzt als einzigen Ausweg.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Herbert, Ulrich/Schönhagen, Jakob: Vor dem 5. September. Die „Flüchtlingskrise“ 2015 im historischen Kontext, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (2020) Heft 30-32, S. 32.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch in Syrien wehren sich die Menschen gegen die Regierung und es beginnt ein Bürgerkrieg. Von 2011 bis 2015 werden etwa 60 Prozent der syrischen Bevölkerung aus dem Land flüchten. Das sind mehr als 12 Millionen Menschen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Herbert/Schönhagen: Vor dem 5. September, S. 34.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&amp;lt;html&amp;gt;&amp;lt;iframe src=&amp;quot;https://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/tagesschau_20_uhr/video-113365~player.html&amp;quot; width=&amp;quot;640&amp;quot; height=&amp;quot;360&amp;quot; allowfullscreen frameBorder=&amp;quot;0&amp;quot; scrolling=&amp;quot;no&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;/iframe&amp;gt;&amp;lt;/html&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der 1. September 2015: Ganz Deutschland schaut auf Bayern, denn hier kommen jetzt besonders viele Geflüchtete an. Auch die &#039;&#039;tagesschau&#039;&#039; berichtet darüber. In den deutschen Medien gibt es im Sommer 2015 kaum ein anderes Thema, das so präsent ist.&amp;lt;/center&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==„Eine ganz andere Bedeutung“==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die Wohlfahrtsverbände kommen jetzt neue Aufgaben zu. Im ersten Moment ist der Paritätische in Bayern davon weniger betroffen als andere Verbände: Caritas und Diakonie sind im Bereich Flucht und Migration schon lange besonders engagiert – viel stärker als der Paritätische in Bayern.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Wilfried Mück am 21. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das ist schon seit Jahrzehnten so und hat [[„Grüß Gott, liebe Freunde aus Vietnam“ – Eine neue Aufgabe für den Paritätischen in Bayern|gute Gründe]]. Aber: „Die Flüchtlingshilfe hat in diesen Jahren eine ganz andere Bedeutung angenommen. Es ging nicht mehr nur um Unterkunft und Verpflegung, sondern weit darüber hinaus“, wird sich Wilfried Mück, der Geschäftsführer des Landes-Caritasverbands Bayern, später erinnern.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt; Jetzt ist auch der Paritätische in Bayern gefragt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frauen besonders im Blick==&lt;br /&gt;
[[Datei:Geflüchtete Frauen Postkarte S1.jpg|360px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Das &#039;&#039;Paritätische Kooperationsprojekt&#039;&#039; stellt Forderungen an Politik und Verwaltung, damit geflüchtete Frauen besser geschützt werden. Dazu gibt es Infomaterial wie diesen Flyer heraus.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
[[„Energie, Gestaltungswillen, Hartnäckigkeit“ für Frauenrechte in Krisensituationen: Polina Hilsenbeck|Polina Hilsenbeck]] wird später sagen: „Das hat mich umgehauen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Polina Hilsenbeck am 3. April 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Damit wird sie den Anblick meinen, der sich ihr jetzt täglich bietet: Polina Hilsenbeck pendelt jeden Tag mit dem Zug aus ihrem Wohnort Uffing am Staffelsee mit dem Zug nach München. So erlebt sie hautnah, was sich am Hauptbahnhof abspielt. Gemeinsam mit anderen ruft sie das &#039;&#039;Aktionsbündnis für Flüchtlingsfrauen&#039;&#039; ins Leben. Denn: Gerade in dieser Ausnahmesituation darf nicht aus dem Blick geraten, dass Frauen besonders gefährdet sind. Für ihren Schutz wird sich das Aktionsbündnis in den folgenden Jahren einsetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch andere Menschen im Paritätischen in Bayern haben den Schutz von Frauen besonders im Blick. Das ist wichtig: Viele geflüchtete Frauen kommen allein in Bayern an, auch wenn sie ihre Flucht mit Angehörigen zusammen begonnen haben. Häufig haben sie während ihrer Reise Gewalt erleben müssen. Drei Mitgliedsorganisationen des Verbands, darunter die &#039;&#039;Frauenhilfe München&#039;&#039;, eine Tochtergesellschaft des Paritätischen in Bayern, starten deshalb ein gemeinsames Projekt: Sie eröffnen eine Einrichtung für Geflüchtete, in der nur Frauen – und ihre Kinder – aufgenommen werden. So soll sichergestellt werden, dass die Frauen geschützt und gut betreut in Deutschland ankommen können. Anfang 2016 wird die Übergangseinrichtung eröffnet. Es ist ein Kooperationsprojekt von [[Aus der Drogenhilfe zum Verbandsvorsitzenden: Alexander Eberth|&#039;&#039;Condrobs&#039;&#039;]], [[Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern|&#039;&#039;Frauenhilfe&#039;&#039;]] und &#039;&#039;pro familia&#039;&#039;. &#039;&#039;Condrobs&#039;&#039; fungiert dabei als federführender Träger. Es ist die erste Flüchtlingsunterkunft in Bayern nur für Frauen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. O. A.: Flüchtlingsunterkunft für Frauen, in: https://www.paritaet-bayern.de/spenden-und-mitmachen/details/fluechtlingsunterkunft-fuer-frauen (aufgerufen: 3.5.2024).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Neue Organisationen entstehen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser besonderen Situation entstehen auch neue soziale Organisationen, die sich dem Paritätischen in Bayern anschließen – nicht nur in München. Ein Beispiel ist der Verein &#039;&#039;CampusAsyl&#039;&#039; in Regensburg. Er ist aus einer Initiative von Studierenden entstanden, die 2014 gegründet wurde. 2017 hat der Verein schon 170 Mitglieder. Er bietet unter anderem Sprachkurse, eine Kleiderkammer und viele verschiedene Freizeitaktivitäten für Geflüchtete an. Dabei sollen die aber nicht bevormundet werden. Deshalb wird ein „Flüchtlingsbeirat“ eingerichtet: Etwa 12 Geflüchtete vertreten hier ihre eigenen Interessen. Sie beraten den Verein und helfen aktiv mit. &#039;&#039;CampusAsyl&#039;&#039; bleibt seiner Herkunft treu: Der Kontakt zu Hochschulen und Wissenschaft soll nicht abreißen. Deswegen baut der Verein ein „Wissenschaftsnetzwerk Migration“ auf und unterstützt „die wissenschaftliche Arbeit zu Migrationsprozessen am Standort Regensburg“.&amp;lt;ref&amp;gt;Tätigkeitsbericht des CampusAsyl e.V. für das Jahr 2017, in: https://campus-asyl.de/ueber-uns/jahresberichte/ (aufgerufen: 3.5.2024), S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den folgenden Jahren wird der Verein mit vielen Preisen ausgezeichnet werden, zum Beispiel mit dem Luise Kiesselbach Preis für Bürgerschaftliches Engagement.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: CampusAsyl e.V., in: https://www.paritaet-bayern.de/der-paritaetische/mitgliedschaft/luise-kiesselbach-preis/campusasyl-ev (aufgerufen 19.6.2024).&amp;lt;/ref&amp;gt; Er wird immer weiter wachsen und seine Angebote ausweiten. Dabei macht auch &#039;&#039;CampusAsyl&#039;&#039; Projekte für Frauen zu einem Schwerpunkt seiner Arbeit. Für sie werden bald zum Beispiel eigene Fahrrad- und Computerkurse angeboten. Auch sogenannte &#039;&#039;Mother-&#039;&#039; und &#039;&#039;FatherSchools&#039;&#039; für Mütter und Väter von jugendlichen Kindern entwickelt der Verein.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. CampusAsyl Jahresbericht 2023, in: https://campus-asyl.de/ueber-uns/jahresberichte/ (aufgerufen: 3.5.2024).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;[[Datei:We integrate.mp4|zentriert|700px]]&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Auch Selbsthilfeorganisationen von Geflüchteten entstehen und werden Mitglieder im Paritätischen in Bayern. &#039;&#039;we integrate&#039;&#039; aus Nürnberg ist ein Beispiel dafür. In diesem kurzen Film wird der 2019 gegründete Verein und seine Arbeit vorgestellt.&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*CampusAsyl Jahresbericht 2023, in: https://campus-asyl.de/ueber-uns/jahresberichte/ (aufgerufen: 3.5.2024).&lt;br /&gt;
*O. A.: Flüchtlingsunterkunft für Frauen, in: https://www.paritaet-bayern.de/spenden-und-mitmachen/details/fluechtlingsunterkunft-fuer-frauen (aufgerufen: 3.5.2024).&lt;br /&gt;
*O. A.: CampusAsyl e.V., in: https://www.paritaet-bayern.de/der-paritaetische/mitgliedschaft/luise-kiesselbach-preis/campusasyl-ev (aufgerufen 19.6.2024).&lt;br /&gt;
*Tätigkeitsbericht des CampusAsyl e.V. für das Jahr 2017, in: https://campus-asyl.de/ueber-uns/jahresberichte/ (aufgerufen: 3.5.2024).&lt;br /&gt;
*Zeitzeugengespräch mit Wilfried Mück am 21. März 2024.&lt;br /&gt;
*Zeitzeuginnengespräch mit Polina Hilsenbeck am 3. April 2024.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Herbert, Ulrich/Schönhagen, Jakob: Vor dem 5. September. Die „Flüchtlingskrise“ 2015 im historischen Kontext, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (2020) Heft 30-32, S. 27–36.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Schutzr%C3%A4ume_statt_Vanillepudding:_Die_Neue_Frauenbewegung_im_Parit%C3%A4tischen_in_Bayern&amp;diff=1219</id>
		<title>Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Schutzr%C3%A4ume_statt_Vanillepudding:_Die_Neue_Frauenbewegung_im_Parit%C3%A4tischen_in_Bayern&amp;diff=1219"/>
		<updated>2024-10-17T08:19:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* Die Neue Frauenbewegung – fest verankert im Paritätischen in Bayern */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;In den 1970er Jahren entsteht in der Bundesrepublik die sogenannte Neue Frauenbewegung. Im Paritätischen in Bayern findet sie einen wichtigen Unterstützer, besonders beim Kampf um Schutzräume für von Gewalt bedrohte und betroffene Frauen. Der Verband, der in der bürgerlichen Frauenbewegung der Weimarer Republik entstanden ist, findet so zu seinen frauenpolitischen  Wurzeln zurück.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Frauenbewegung Flugblatt 1975.jpg|600px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Das Thema, das viele Frauen dazu bringt, sich in den 1970er Jahren zu organisieren, ist der § 218: Hinter ihm verbirgt sich das Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen. Dagegen gehen viele Frauen auf die Straße.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Eine neue Frauenbewegung entsteht==&lt;br /&gt;
[[Datei:Mutter-Kind-Heim 1970.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Im Paritätischen in Bayern gibt es zu Beginn der 1970er Jahre viele Angebote, die sich an Mütter richten. Dazu gehört das städtische Mutter-Kind-Heim, das der Verband in München betreut. Hier experimentiert die Stadt das erste Mal selbst mit der Frauenhaus-Idee. Aus der Einrichtung wird später die &#039;&#039;Paritätische Haus für Mutter und Kind München gGmbH&#039;&#039; werden.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Als [[„Energie, Gestaltungswillen, Hartnäckigkeit“ für Frauenrechte in Krisensituationen: Polina Hilsenbeck|Polina Hilsenbeck]] Anfang der 1970er Jahre in München ihr Studium beginnt, entstehen an der Ludwig-Maximilians-Universität bald immer mehr Projekte von Frauen für Frauen. Bisher war Polina Hilsenbeck keine Aktivistin. Jetzt wird sie schnell angezogen von dieser neuen Frauenbewegung – und ist bald mittendrin.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Polina Hilsenbeck am 3. April 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Seit den 1960er Jahren findet in der Bundesrepublik eine Veränderung statt: Viele Menschen realisieren, dass sie mit ihren Gedanken nicht allein sind. Sie organisieren sich und wollen gemeinsam gesellschaftlich etwas verändern. So entsteht das, was man später Neue Soziale Bewegungen nennen wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rucht, Dieter: Neue Soziale Bewegungen, in: Andersen, Uwe/Woyke, Wichard (Hg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland, Heidelberg 2021.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Früher haben Frauen für Bildung und Wahlrecht gekämpft. In diesem [[Ein Netzwerk engagierter Frauen: Der Verein für Fraueninteressen und das Umfeld des Paritätischen in Bayern|Umfeld]] ist in den 1920er Jahren der Paritätische in Bayern [[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|entstanden]]. Seitdem hat sich viel verändert: Im Grundgesetz ist jetzt die Gleichberechtigung von Frauen und Männern festgeschrieben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zellmer, Elisabeth: Töchter der Revolte? Frauenbewegung und Feminismus der 1970er Jahre in München, München 2011, S. 13-15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es ist nicht mehr ungewöhnlich, dass Frauen arbeiten gehen. Gerne gesehen wird das in Bayern aber nicht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Kuller, Christiane: „Stiefkind der Gesellschaft“ oder „Trägerin der Erneuerung“? Familien und Familienpolitik in Bayern 1945 bis 1974, in: Schlemmer, Thomas/Woller, Hans: Gesellschaft im Wandel 1949 bis 1973. Bayern im Bund Bd. 2, München 2002, S. 293.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eines ist nämlich geblieben: In erster Linie sollen Frauen Mütter sein. Auch die Angebote für Frauen im Paritätischen in Bayern richten sich vor allem an Mütter, die Unterstützung brauchen. Es gibt Müttergenesungskuren, Mütterschulen und Mutter-Kind-Heime.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==„Wir brauchen ein Frauenhaus!“==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitte der 1970er Jahre entwirft in München eine Gruppe von Frauen ein Konzept für ein Frauenhaus. Solche Häuser zum Schutz vor Gewalt gibt es schon in anderen deutschen Städten. Der Verein &#039;&#039;Frauen helfen Frauen – Aktion Frauenhaus&#039;&#039; wird gegründet und sammelt Unterschriften, damit die Stadt München das Projekt finanziert. Das Sozialreferat will aber nicht mit dem Verein zusammenarbeiten. Einen Schutzraum für Frauen, zu dem Männer keinen Zugang haben, soll es in München nicht geben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.  Reinhardt, Gabriele/Stotz, Sibylle: 40 Jahre Frauenhaus München 1977-2017, München 2017, S. 5 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Denn: Männer werden angeblich zum Schutz der Frauen gebraucht – und damit kein „Frauenghetto“ entsteht.&amp;lt;ref&amp;gt;Willkop, Lydia: Ein Männerhaus für geschlagene Frauen!, in: EMMA (1977) Heft 9, S. 37.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Verein organisiert die Unterbringung von misshandelten Frauen in einer Frauenhauswohnung deshalb allein. Die Finanzierung müssen die Vereinsmitglieder privat stemmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Reinhardt/Stotz: 40 Jahre Frauenhaus München, S. 5 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Sozialarbeiterin, die beim Sozialreferat arbeitet, startet einen Versuch: Im städtischen Mutter-Kind-Heim, das vom Paritätischen betrieben wird, werden sechs Apartments für von Gewalt betroffene Frauen bereitgestellt. Öffentlich bekanntgegeben wird das nicht. Trotzdem gibt es bald viel zu viele Anfragen. Jetzt ist klar: München braucht tatsächlich ein Frauenhaus.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. IfZ, ED 898/22, Verein für Fraueninteressen, Vorstand Teil 5, 1977-1978, Protokoll der Vorstandssitzung des Vereins für Fraueninteressen und Frauenarbeit e.V., 5.5.1977.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mitarbeiterin des Sozialreferats kontaktiert den &#039;&#039;Verein für Fraueninteressen&#039;&#039;. Der ist dazu bereit, die Trägerschaft eines städtischen Frauenhauses zu übernehmen. Aber das Projekt ist brisant. Deswegen soll es möglichst lange geheim gehalten werden. Mit der Neuen Frauenbewegung und dem Verein &#039;&#039;Frauen helfen Frauen – Aktion Frauenhaus&#039;&#039; soll es nichts zu tun haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Protokoll der Vorstandssitzung des Vereins für Fraueninteressen und Frauenarbeit e.V., 27.10.1977.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im  April 1978 eröffnet die Einrichtung unter dem Namen &#039;&#039;Frauenhilfe München&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Verein für Fraueninteressen (Hg.): 100 Jahre Verein für Fraueninteressen, München 1994, S. 77.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die &#039;&#039;Frauenhilfe&#039;&#039; will „Männer und Frauen [da]zu animieren, ihre Partnerschaft zu überdenken“.&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach: Frauen helfen Frauen e.V. München (Hg.): 40 Jahre Frauenhaus München 1977—2017, München 2017, S. 7.&amp;lt;/ref&amp;gt; Deshalb haben auch die Partner, vor denen die Frauen geflüchtet sind, Zugang zum Haus. Dieser Ansatz wird „familienbezogen“ genannt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. IfZ, ED 898/327, Archiv des Vereins für Fraueninteressen, Frauenhilfe – Frauenhaus XXXXIII, 1984-1985, Pressemitteilung [des DPWV Landesverband Bayern e.V.] 13.12.1985.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frauenhaus-Initativen sind entsetzt: „Für uns Mitarbeiterinnen im ‚feministischen Frauenhaus‘ sind Prügelmänner keine Partner. [...] Unsere Solidarität gilt nur den geschlagenen Frauen. Wir verstehen uns nicht als Klempnerinnen für frauenunterdrückende Familien“, sagen sie.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Wir brauchen ein Frauenhaus für mißhandelte Frauen, in: münchner frauenzeitung (1979) Heft 3, S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Trotz großer Hürden: Unterstützung auch für autonome Frauenhäuser==&lt;br /&gt;
[[Datei:Muenchner Frauenzeitung 1979.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Die Neue Frauenbewegung reagiert geschockt auf die &#039;&#039;Frauenhilfe München&#039;&#039;. In der &#039;&#039;münchner frauenzeitung&#039;&#039; wird darüber diskutiert – und weiterhin ein autonomes Frauenhaus gefordert.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Anfang des Jahres 1979 wird die erste Frauenhaus-Initiative Mitglied im Paritätischen in Bayern. Es ist der Verein &#039;&#039;Hilfe für Frauen in Not&#039;&#039; aus Nürnberg.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Neuaufnahmen, in: DPWV-Nachrichten (1979) Heft 1/2, S. 17.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den folgenden Monaten kommen Gruppen aus Erlangen, München, Würzburg, Schweinfurt und Ingolstadt dazu. Es gibt keine Regelung zur öffentlichen Finanzierung von Frauenhäusern. Deshalb müssen die Gruppen einem Wohlfahrtsverband beitreten. Das vergrößert ihre Chancen, Fördergelder zu erhalten.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Andrea Müller-Stoy am 20. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die brauchen sie dringend: Das Frauenhaus des Vereins &#039;&#039;Frauen helfen Frauen&#039;&#039; aus Regensburg besteht aus einer Mietwohnung mit zweieinhalb Zimmern.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Chronologie des Vereins frauen helfen frauen e. V., in: https://www.frauenhaus-regensburg.de/verein/chronologie-und-finanzierung (aufgerufen: 5.4.2024).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frauenhaus-Initiative in Erlangen hat zwar ein Haus, aber auch das hat nur zweieinhalb Zimmer. Küche, Bad und Heizung gibt es nicht. Trotzdem ist der Andrang groß.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Entwicklung autonomes Frauenhaus Erlangen, in: https://frauenhaus-erlangen.de/selbstverstaendnis-autonomie (aufgerufen: 5.4.2024).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die meisten anderen Wohlfahrtsverbände lehnen die Frauenhaus-Initiativen ab. [[Für mehr Gemeinsinn und Sichtbarkeit: Bernhard Uffrecht|Bernhard Uffrecht]], der Geschäftsführer des Paritätischen in Bayern, will die autonomen Frauenhäuser unterstützen, obwohl sie auf ihn befremdlich wirken. Die Frauen treten ungewohnt auf: Sie sind oft ganz in Schwarz gekleidet, als „Symbol für die Situation von Frauen in Gewaltsituationen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Andrea Müller-Stoy am 20. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bernhard Uffrecht braucht eine Vermittlerin. Er entscheidet sich für die Sozialpädagogin Andrea Müller-Stoy. Die wird Anfang der 1980er Jahre zur ersten Referentin für Frauen und Familie im Paritätischen in Bayern. „Das war damals ein Novum, gerade das Thema Frauen in den Vordergrund zu stellen“, wird sie sich später erinnern.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Harter Kampf um Anerkennung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die neue Referentin soll sich um die Unterstützung der Frauenhäuser kümmern. Bernhard Uffrecht lässt ihr freie Hand. Trotzdem ist es keine leichte Aufgabe. Das wird Andrea Müller-Stoy klar, als sie mit einer Mitarbeiterin des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung nach Schweinfurt unterwegs ist – zum autonomen Frauenhaus. Das hat sich beim Ministerium um Förderung beworben. Im Auto unterhalten sich die beiden Frauen über häusliche Gewalt. Die Mitarbeiterin des Ministeriums ist sich sicher: „Wenn die Frauen sich abends hübsch machen würden, wenn der Mann nach Hause kommt, einen Vanillepudding kochen würden und ihrem Mann schön eindecken, dann würde er sie auch nicht schlagen!“&amp;lt;ref&amp;gt;ZZG Andrea Müller-Stoy, 20. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern ist bald der Verband, in dem die meisten Frauenhäuser Bayerns organisiert sind: Die &#039;&#039;Frauenhilfe München&#039;&#039; und viele autonome Frauenhäuser. Die unterstützt der Verband im Kampf um Anerkennung und Finanzierung. Das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung will den Frauenhäusern „unzumutbare Bedingungen“ auferlegen: Bewohnerinnen sollen zum Beispiel für das Frauenhaus bezahlen müssen. Ihr Aufenthalt soll zeitlich begrenzt werden – so wie in der Einrichtung der &#039;&#039;Frauenhilfe München&#039;&#039;. Als die autonomen Frauenhäuser 1985 eine Resolution mit Gegenforderungen veröffentlichen, unterstützt sie der Paritätische in Bayern. Er gibt eine eigene Pressemitteilung heraus, in der er die Forderungen wiederholt.&amp;lt;ref&amp;gt;IfZ, ED 898/327, Archiv des Vereins für Fraueninteressen, Frauenhilfe – Frauenhaus XXXXIII, 1984-1985, Pressemitteilung [des DPWV Landesverband Bayern e.V.] 13.12.1985.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Neue Frauenbewegung – fest verankert im Paritätischen in Bayern==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1980er Jahren werden viele Vereine Mitglied im Paritätischen in Bayern, die in der Neuen Frauenbewegung entstanden sind. Viele von ihnen zielen darauf ab, Frauen bei einer Trennung zu unterstützen und zu beraten. Andere Projekte konzentrieren sich auf die Gesundheit von Frauen. Dazu gehört das &#039;&#039;FrauenTherapieZentrum&#039;&#039;, das [[„Energie, Gestaltungswillen, Hartnäckigkeit“ für Frauenrechte in Krisensituationen: Polina Hilsenbeck|Polina Hilsenbeck]] inzwischen mit anderen Frauen gegründet hat. Auch die Beratungsstellen von &#039;&#039;pro familia&#039;&#039; haben vor allem die Gesundheit von Frauen im Blick. Sie sind aus der schon 1952 gegründeten &#039;&#039;pro familia, Deutsche Gesellschaft für Ehe und Familie&#039;&#039; entstanden. Seit 1970 trägt sie den neuen Beinamen &#039;&#039;Gesellschaft für Familienplanung und Sexualberatung&#039;&#039;. Der beschreibt die Arbeit der Beratungsstellen besser. Ein wichtiges Thema der Beratung ist die Pille: Das neue Verhütungsmittel erlaubt Frauen, freier über ihre Körper zu bestimmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vgl. O. A.: pro familia wird 60. 60 Jahre für selbstbestimmte Sexualität, in: pro familia magazin (2012) Heft 1, S. 4.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;[[Datei:Interview profamilia.mp4|zentriert|640px]]&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;2019 erinnert sich Renate Schicketanz, Ärztin und Mitgründerin des Ortsverbands von &#039;&#039;pro familia&#039;&#039; in München, an den Aufbau und die Anfangszeit der Beratungsstellen in den 1960er und 70er Jahren in Bayern.&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Frauenhilfe München&#039;&#039; wird ab 1987 als gemeinnützige GmbH vom Paritätischen in Bayern betrieben. Der &#039;&#039;Verein für Fraueninteressen&#039;&#039; zieht sich aus der Trägerschaft zurück. Anfang der 1990er Jahre verändert sich die fachliche Arbeit endgültig hin zu einem feministischen Konzept, die Einrichtung übernimmt die Bezeichnung „Frauenhaus“.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Verein für Fraueninteressen (Hg.): 100 Jahre Verein für Fraueninteressen, München 1994, S. 78.&amp;lt;/ref&amp;gt; Margit Berndl, die jahrelang Leiterin und Geschäftsführerin der &#039;&#039;Frauenhilfe&#039;&#039; ist, wird später zum Vorstand für Verbands- und Sozialpolitik des Paritätischen in Bayern gewählt werden. Auch andere Frauen aus der Neuen Frauenbewegung werden wichtige Positionen im Verband einnehmen. Die Neue Frauenbewegung ist fest im Paritätischen in Bayern verankert. Auch die [[„Vom frauenbewegten Sozialverband zum männergeführten Frauenbetrieb“? Die Debatte um Gleichstellung im Paritätischen in Bayern|Gleichstellung von Frauen und Männern]] innerhalb der eigenen Strukturen nimmt der Verband bald stärker in den Blick. Der Paritätische in Bayern wird zu einem wichtigen Motor, der auch andere Wohlfahrtsverbände dazu antreibt, sich stärker für die Rechte von Frauen einzusetzen und ihre Projekte zu unterstützen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Wilfried Mück am 21. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Archiv des Instituts für Zeitgeschichte, ED 898/327, Archiv des Vereins für Fraueninteressen, Frauenhilfe – Frauenhaus XXXXIII, 1984-1985.&lt;br /&gt;
*Archiv des Instituts für Zeitgeschichte, ED 898/22, Verein für Fraueninteressen, Vorstand Teil 5, 1977-1978.&lt;br /&gt;
*O. A.: Chronologie des Vereins frauen helfen frauen e. V., in: https://www.frauenhaus-regensburg.de/verein/chronologie-und-finanzierung (aufgerufen: 5.4.2024).&lt;br /&gt;
*O. A.: Entwicklung autonomes Frauenhaus Erlangen, in: https://frauenhaus-erlangen.de/selbstverstaendnis-autonomie (aufgerufen: 5.4.2024).&lt;br /&gt;
*O. A.: Wir brauchen ein Frauenhaus für mißhandelte Frauen, in: münchner frauenzeitung (1979) Heft 3, S. 3.&lt;br /&gt;
*O. A.: Neuaufnahmen, in: DPWV-Nachrichten (1979) Heft 1/2, S. 17.&lt;br /&gt;
*Willkop, Lydia: Ein Männerhaus für geschlagene Frauen!, in: EMMA (1977) Heft 9, S. 37.&lt;br /&gt;
*Zeitzeuginnengespräch mit Polina Hilsenbeck am 3. April 2024.&lt;br /&gt;
*Zeitzeugengespräch mit Wilfried Mück am 21. März 2024.&lt;br /&gt;
*Zeitzeuginnengespräch mit Andrea Müller-Stoy am 20. März 2024.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Kuller, Christiane: „Stiefkind der Gesellschaft&amp;quot; oder „Trägerin der Erneuerung&amp;quot;? Familien und Familienpolitik in Bayern 1945 bis 1974, in: Schlemmer, Thomas/Woller, Hans: Gesellschaft im Wandel 1949 bis 1973. Bayern im Bund Bd. 2, München 2002, S. 269-346.&lt;br /&gt;
*O. A.: pro familia wird 60. 60 Jahre für selbstbestimmte Sexualität, in: pro familia magazin (2012) Heft 1, S. 4-5.&lt;br /&gt;
*Reinhardt, Gabriele/Stotz, Sibylle: 40 Jahre Frauenhaus München 1977-2017, München 2017.&lt;br /&gt;
*Rucht, Dieter: Neue Soziale Bewegungen, in: Andersen, Uwe/Woyke, Wichard (Hg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland, https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/handwoerterbuch-politisches-system/202077/neue-soziale-bewegungen/ (aufgerufen: 5.4.2024).&lt;br /&gt;
*Verein für Fraueninteressen (Hg.): 100 Jahre Verein für Fraueninteressen, München 1994.&lt;br /&gt;
*Zellmer, Elisabeth: Töchter der Revolte? Frauenbewegung und Feminismus der 1970er Jahre in München, München 2011.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mediawiki.paritaet-bayern.de/index.php?title=Schutzr%C3%A4ume_statt_Vanillepudding:_Die_Neue_Frauenbewegung_im_Parit%C3%A4tischen_in_Bayern&amp;diff=1218</id>
		<title>Schutzräume statt Vanillepudding: Die Neue Frauenbewegung im Paritätischen in Bayern</title>
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		<updated>2024-10-17T08:19:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Badekow: /* Eine neue Frauenbewegung entsteht */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;In den 1970er Jahren entsteht in der Bundesrepublik die sogenannte Neue Frauenbewegung. Im Paritätischen in Bayern findet sie einen wichtigen Unterstützer, besonders beim Kampf um Schutzräume für von Gewalt bedrohte und betroffene Frauen. Der Verband, der in der bürgerlichen Frauenbewegung der Weimarer Republik entstanden ist, findet so zu seinen frauenpolitischen  Wurzeln zurück.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;[[Datei:Frauenbewegung Flugblatt 1975.jpg|600px|mini|zentriert|&amp;lt;center&amp;gt;Das Thema, das viele Frauen dazu bringt, sich in den 1970er Jahren zu organisieren, ist der § 218: Hinter ihm verbirgt sich das Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen. Dagegen gehen viele Frauen auf die Straße.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Eine neue Frauenbewegung entsteht==&lt;br /&gt;
[[Datei:Mutter-Kind-Heim 1970.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Im Paritätischen in Bayern gibt es zu Beginn der 1970er Jahre viele Angebote, die sich an Mütter richten. Dazu gehört das städtische Mutter-Kind-Heim, das der Verband in München betreut. Hier experimentiert die Stadt das erste Mal selbst mit der Frauenhaus-Idee. Aus der Einrichtung wird später die &#039;&#039;Paritätische Haus für Mutter und Kind München gGmbH&#039;&#039; werden.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Als [[„Energie, Gestaltungswillen, Hartnäckigkeit“ für Frauenrechte in Krisensituationen: Polina Hilsenbeck|Polina Hilsenbeck]] Anfang der 1970er Jahre in München ihr Studium beginnt, entstehen an der Ludwig-Maximilians-Universität bald immer mehr Projekte von Frauen für Frauen. Bisher war Polina Hilsenbeck keine Aktivistin. Jetzt wird sie schnell angezogen von dieser neuen Frauenbewegung – und ist bald mittendrin.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Polina Hilsenbeck am 3. April 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Seit den 1960er Jahren findet in der Bundesrepublik eine Veränderung statt: Viele Menschen realisieren, dass sie mit ihren Gedanken nicht allein sind. Sie organisieren sich und wollen gemeinsam gesellschaftlich etwas verändern. So entsteht das, was man später Neue Soziale Bewegungen nennen wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rucht, Dieter: Neue Soziale Bewegungen, in: Andersen, Uwe/Woyke, Wichard (Hg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland, Heidelberg 2021.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Früher haben Frauen für Bildung und Wahlrecht gekämpft. In diesem [[Ein Netzwerk engagierter Frauen: Der Verein für Fraueninteressen und das Umfeld des Paritätischen in Bayern|Umfeld]] ist in den 1920er Jahren der Paritätische in Bayern [[Raus aus dem „Mauerblümchendasein“: Die Gründung des Paritätischen in Bayern|entstanden]]. Seitdem hat sich viel verändert: Im Grundgesetz ist jetzt die Gleichberechtigung von Frauen und Männern festgeschrieben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Zellmer, Elisabeth: Töchter der Revolte? Frauenbewegung und Feminismus der 1970er Jahre in München, München 2011, S. 13-15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es ist nicht mehr ungewöhnlich, dass Frauen arbeiten gehen. Gerne gesehen wird das in Bayern aber nicht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Kuller, Christiane: „Stiefkind der Gesellschaft“ oder „Trägerin der Erneuerung“? Familien und Familienpolitik in Bayern 1945 bis 1974, in: Schlemmer, Thomas/Woller, Hans: Gesellschaft im Wandel 1949 bis 1973. Bayern im Bund Bd. 2, München 2002, S. 293.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eines ist nämlich geblieben: In erster Linie sollen Frauen Mütter sein. Auch die Angebote für Frauen im Paritätischen in Bayern richten sich vor allem an Mütter, die Unterstützung brauchen. Es gibt Müttergenesungskuren, Mütterschulen und Mutter-Kind-Heime.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==„Wir brauchen ein Frauenhaus!“==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitte der 1970er Jahre entwirft in München eine Gruppe von Frauen ein Konzept für ein Frauenhaus. Solche Häuser zum Schutz vor Gewalt gibt es schon in anderen deutschen Städten. Der Verein &#039;&#039;Frauen helfen Frauen – Aktion Frauenhaus&#039;&#039; wird gegründet und sammelt Unterschriften, damit die Stadt München das Projekt finanziert. Das Sozialreferat will aber nicht mit dem Verein zusammenarbeiten. Einen Schutzraum für Frauen, zu dem Männer keinen Zugang haben, soll es in München nicht geben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.  Reinhardt, Gabriele/Stotz, Sibylle: 40 Jahre Frauenhaus München 1977-2017, München 2017, S. 5 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Denn: Männer werden angeblich zum Schutz der Frauen gebraucht – und damit kein „Frauenghetto“ entsteht.&amp;lt;ref&amp;gt;Willkop, Lydia: Ein Männerhaus für geschlagene Frauen!, in: EMMA (1977) Heft 9, S. 37.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Verein organisiert die Unterbringung von misshandelten Frauen in einer Frauenhauswohnung deshalb allein. Die Finanzierung müssen die Vereinsmitglieder privat stemmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Reinhardt/Stotz: 40 Jahre Frauenhaus München, S. 5 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Sozialarbeiterin, die beim Sozialreferat arbeitet, startet einen Versuch: Im städtischen Mutter-Kind-Heim, das vom Paritätischen betrieben wird, werden sechs Apartments für von Gewalt betroffene Frauen bereitgestellt. Öffentlich bekanntgegeben wird das nicht. Trotzdem gibt es bald viel zu viele Anfragen. Jetzt ist klar: München braucht tatsächlich ein Frauenhaus.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. IfZ, ED 898/22, Verein für Fraueninteressen, Vorstand Teil 5, 1977-1978, Protokoll der Vorstandssitzung des Vereins für Fraueninteressen und Frauenarbeit e.V., 5.5.1977.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mitarbeiterin des Sozialreferats kontaktiert den &#039;&#039;Verein für Fraueninteressen&#039;&#039;. Der ist dazu bereit, die Trägerschaft eines städtischen Frauenhauses zu übernehmen. Aber das Projekt ist brisant. Deswegen soll es möglichst lange geheim gehalten werden. Mit der Neuen Frauenbewegung und dem Verein &#039;&#039;Frauen helfen Frauen – Aktion Frauenhaus&#039;&#039; soll es nichts zu tun haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Protokoll der Vorstandssitzung des Vereins für Fraueninteressen und Frauenarbeit e.V., 27.10.1977.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im  April 1978 eröffnet die Einrichtung unter dem Namen &#039;&#039;Frauenhilfe München&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Verein für Fraueninteressen (Hg.): 100 Jahre Verein für Fraueninteressen, München 1994, S. 77.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die &#039;&#039;Frauenhilfe&#039;&#039; will „Männer und Frauen [da]zu animieren, ihre Partnerschaft zu überdenken“.&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach: Frauen helfen Frauen e.V. München (Hg.): 40 Jahre Frauenhaus München 1977—2017, München 2017, S. 7.&amp;lt;/ref&amp;gt; Deshalb haben auch die Partner, vor denen die Frauen geflüchtet sind, Zugang zum Haus. Dieser Ansatz wird „familienbezogen“ genannt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. IfZ, ED 898/327, Archiv des Vereins für Fraueninteressen, Frauenhilfe – Frauenhaus XXXXIII, 1984-1985, Pressemitteilung [des DPWV Landesverband Bayern e.V.] 13.12.1985.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frauenhaus-Initativen sind entsetzt: „Für uns Mitarbeiterinnen im ‚feministischen Frauenhaus‘ sind Prügelmänner keine Partner. [...] Unsere Solidarität gilt nur den geschlagenen Frauen. Wir verstehen uns nicht als Klempnerinnen für frauenunterdrückende Familien“, sagen sie.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Wir brauchen ein Frauenhaus für mißhandelte Frauen, in: münchner frauenzeitung (1979) Heft 3, S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Trotz großer Hürden: Unterstützung auch für autonome Frauenhäuser==&lt;br /&gt;
[[Datei:Muenchner Frauenzeitung 1979.jpg|340px|mini|rechts|&amp;lt;center&amp;gt;Die Neue Frauenbewegung reagiert geschockt auf die &#039;&#039;Frauenhilfe München&#039;&#039;. In der &#039;&#039;münchner frauenzeitung&#039;&#039; wird darüber diskutiert – und weiterhin ein autonomes Frauenhaus gefordert.&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Anfang des Jahres 1979 wird die erste Frauenhaus-Initiative Mitglied im Paritätischen in Bayern. Es ist der Verein &#039;&#039;Hilfe für Frauen in Not&#039;&#039; aus Nürnberg.&amp;lt;ref&amp;gt;O. A.: Neuaufnahmen, in: DPWV-Nachrichten (1979) Heft 1/2, S. 17.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den folgenden Monaten kommen Gruppen aus Erlangen, München, Würzburg, Schweinfurt und Ingolstadt dazu. Es gibt keine Regelung zur öffentlichen Finanzierung von Frauenhäusern. Deshalb müssen die Gruppen einem Wohlfahrtsverband beitreten. Das vergrößert ihre Chancen, Fördergelder zu erhalten.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Andrea Müller-Stoy am 20. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die brauchen sie dringend: Das Frauenhaus des Vereins &#039;&#039;Frauen helfen Frauen&#039;&#039; aus Regensburg besteht aus einer Mietwohnung mit zweieinhalb Zimmern.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Chronologie des Vereins frauen helfen frauen e. V., in: https://www.frauenhaus-regensburg.de/verein/chronologie-und-finanzierung (aufgerufen: 5.4.2024).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frauenhaus-Initiative in Erlangen hat zwar ein Haus, aber auch das hat nur zweieinhalb Zimmer. Küche, Bad und Heizung gibt es nicht. Trotzdem ist der Andrang groß.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Entwicklung autonomes Frauenhaus Erlangen, in: https://frauenhaus-erlangen.de/selbstverstaendnis-autonomie (aufgerufen: 5.4.2024).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die meisten anderen Wohlfahrtsverbände lehnen die Frauenhaus-Initiativen ab. [[Für mehr Gemeinsinn und Sichtbarkeit: Bernhard Uffrecht|Bernhard Uffrecht]], der Geschäftsführer des Paritätischen in Bayern, will die autonomen Frauenhäuser unterstützen, obwohl sie auf ihn befremdlich wirken. Die Frauen treten ungewohnt auf: Sie sind oft ganz in Schwarz gekleidet, als „Symbol für die Situation von Frauen in Gewaltsituationen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeuginnengespräch mit Andrea Müller-Stoy am 20. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bernhard Uffrecht braucht eine Vermittlerin. Er entscheidet sich für die Sozialpädagogin Andrea Müller-Stoy. Die wird Anfang der 1980er Jahre zur ersten Referentin für Frauen und Familie im Paritätischen in Bayern. „Das war damals ein Novum, gerade das Thema Frauen in den Vordergrund zu stellen“, wird sie sich später erinnern.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Harter Kampf um Anerkennung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die neue Referentin soll sich um die Unterstützung der Frauenhäuser kümmern. Bernhard Uffrecht lässt ihr freie Hand. Trotzdem ist es keine leichte Aufgabe. Das wird Andrea Müller-Stoy klar, als sie mit einer Mitarbeiterin des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung nach Schweinfurt unterwegs ist – zum autonomen Frauenhaus. Das hat sich beim Ministerium um Förderung beworben. Im Auto unterhalten sich die beiden Frauen über häusliche Gewalt. Die Mitarbeiterin des Ministeriums ist sich sicher: „Wenn die Frauen sich abends hübsch machen würden, wenn der Mann nach Hause kommt, einen Vanillepudding kochen würden und ihrem Mann schön eindecken, dann würde er sie auch nicht schlagen!“&amp;lt;ref&amp;gt;ZZG Andrea Müller-Stoy, 20. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Paritätische in Bayern ist bald der Verband, in dem die meisten Frauenhäuser Bayerns organisiert sind: Die &#039;&#039;Frauenhilfe München&#039;&#039; und viele autonome Frauenhäuser. Die unterstützt der Verband im Kampf um Anerkennung und Finanzierung. Das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung will den Frauenhäusern „unzumutbare Bedingungen“ auferlegen: Bewohnerinnen sollen zum Beispiel für das Frauenhaus bezahlen müssen. Ihr Aufenthalt soll zeitlich begrenzt werden – so wie in der Einrichtung der &#039;&#039;Frauenhilfe München&#039;&#039;. Als die autonomen Frauenhäuser 1985 eine Resolution mit Gegenforderungen veröffentlichen, unterstützt sie der Paritätische in Bayern. Er gibt eine eigene Pressemitteilung heraus, in der er die Forderungen wiederholt.&amp;lt;ref&amp;gt;IfZ, ED 898/327, Archiv des Vereins für Fraueninteressen, Frauenhilfe – Frauenhaus XXXXIII, 1984-1985, Pressemitteilung [des DPWV Landesverband Bayern e.V.] 13.12.1985.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Neue Frauenbewegung – fest verankert im Paritätischen in Bayern==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1980er Jahren werden viele Vereine Mitglied im Paritätischen in Bayern, die in der Neuen Frauenbewegung entstanden sind. Viele von ihnen zielen darauf ab, Frauen bei einer Trennung zu unterstützen und zu beraten. Andere Projekte konzentrieren sich auf die Gesundheit von Frauen. Dazu gehört das &#039;&#039;FrauenTherapieZentrum&#039;&#039;, das [[Eine „Wadlbeißerin“ für Frauenrechte in der Psychotherapie: Polina Hilsenbeck|Polina Hilsenbeck]] inzwischen mit anderen Frauen gegründet hat. Auch die Beratungsstellen von &#039;&#039;pro familia&#039;&#039; haben vor allem die Gesundheit von Frauen im Blick. Sie sind aus der schon 1952 gegründeten &#039;&#039;pro familia, Deutsche Gesellschaft für Ehe und Familie&#039;&#039; entstanden. Seit 1970 trägt sie den neuen Beinamen &#039;&#039;Gesellschaft für Familienplanung und Sexualberatung&#039;&#039;. Der beschreibt die Arbeit der Beratungsstellen besser. Ein wichtiges Thema der Beratung ist die Pille: Das neue Verhütungsmittel erlaubt Frauen, freier über ihre Körper zu bestimmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vgl. O. A.: pro familia wird 60. 60 Jahre für selbstbestimmte Sexualität, in: pro familia magazin (2012) Heft 1, S. 4.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;[[Datei:Interview profamilia.mp4|zentriert|640px]]&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;2019 erinnert sich Renate Schicketanz, Ärztin und Mitgründerin des Ortsverbands von &#039;&#039;pro familia&#039;&#039; in München, an den Aufbau und die Anfangszeit der Beratungsstellen in den 1960er und 70er Jahren in Bayern.&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Frauenhilfe München&#039;&#039; wird ab 1987 als gemeinnützige GmbH vom Paritätischen in Bayern betrieben. Der &#039;&#039;Verein für Fraueninteressen&#039;&#039; zieht sich aus der Trägerschaft zurück. Anfang der 1990er Jahre verändert sich die fachliche Arbeit endgültig hin zu einem feministischen Konzept, die Einrichtung übernimmt die Bezeichnung „Frauenhaus“.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Verein für Fraueninteressen (Hg.): 100 Jahre Verein für Fraueninteressen, München 1994, S. 78.&amp;lt;/ref&amp;gt; Margit Berndl, die jahrelang Leiterin und Geschäftsführerin der &#039;&#039;Frauenhilfe&#039;&#039; ist, wird später zum Vorstand für Verbands- und Sozialpolitik des Paritätischen in Bayern gewählt werden. Auch andere Frauen aus der Neuen Frauenbewegung werden wichtige Positionen im Verband einnehmen. Die Neue Frauenbewegung ist fest im Paritätischen in Bayern verankert. Auch die [[„Vom frauenbewegten Sozialverband zum männergeführten Frauenbetrieb“? Die Debatte um Gleichstellung im Paritätischen in Bayern|Gleichstellung von Frauen und Männern]] innerhalb der eigenen Strukturen nimmt der Verband bald stärker in den Blick. Der Paritätische in Bayern wird zu einem wichtigen Motor, der auch andere Wohlfahrtsverbände dazu antreibt, sich stärker für die Rechte von Frauen einzusetzen und ihre Projekte zu unterstützen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitzeugengespräch mit Wilfried Mück am 21. März 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Archiv des Instituts für Zeitgeschichte, ED 898/327, Archiv des Vereins für Fraueninteressen, Frauenhilfe – Frauenhaus XXXXIII, 1984-1985.&lt;br /&gt;
*Archiv des Instituts für Zeitgeschichte, ED 898/22, Verein für Fraueninteressen, Vorstand Teil 5, 1977-1978.&lt;br /&gt;
*O. A.: Chronologie des Vereins frauen helfen frauen e. V., in: https://www.frauenhaus-regensburg.de/verein/chronologie-und-finanzierung (aufgerufen: 5.4.2024).&lt;br /&gt;
*O. A.: Entwicklung autonomes Frauenhaus Erlangen, in: https://frauenhaus-erlangen.de/selbstverstaendnis-autonomie (aufgerufen: 5.4.2024).&lt;br /&gt;
*O. A.: Wir brauchen ein Frauenhaus für mißhandelte Frauen, in: münchner frauenzeitung (1979) Heft 3, S. 3.&lt;br /&gt;
*O. A.: Neuaufnahmen, in: DPWV-Nachrichten (1979) Heft 1/2, S. 17.&lt;br /&gt;
*Willkop, Lydia: Ein Männerhaus für geschlagene Frauen!, in: EMMA (1977) Heft 9, S. 37.&lt;br /&gt;
*Zeitzeuginnengespräch mit Polina Hilsenbeck am 3. April 2024.&lt;br /&gt;
*Zeitzeugengespräch mit Wilfried Mück am 21. März 2024.&lt;br /&gt;
*Zeitzeuginnengespräch mit Andrea Müller-Stoy am 20. März 2024.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Kuller, Christiane: „Stiefkind der Gesellschaft&amp;quot; oder „Trägerin der Erneuerung&amp;quot;? Familien und Familienpolitik in Bayern 1945 bis 1974, in: Schlemmer, Thomas/Woller, Hans: Gesellschaft im Wandel 1949 bis 1973. Bayern im Bund Bd. 2, München 2002, S. 269-346.&lt;br /&gt;
*O. A.: pro familia wird 60. 60 Jahre für selbstbestimmte Sexualität, in: pro familia magazin (2012) Heft 1, S. 4-5.&lt;br /&gt;
*Reinhardt, Gabriele/Stotz, Sibylle: 40 Jahre Frauenhaus München 1977-2017, München 2017.&lt;br /&gt;
*Rucht, Dieter: Neue Soziale Bewegungen, in: Andersen, Uwe/Woyke, Wichard (Hg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland, https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/handwoerterbuch-politisches-system/202077/neue-soziale-bewegungen/ (aufgerufen: 5.4.2024).&lt;br /&gt;
*Verein für Fraueninteressen (Hg.): 100 Jahre Verein für Fraueninteressen, München 1994.&lt;br /&gt;
*Zellmer, Elisabeth: Töchter der Revolte? Frauenbewegung und Feminismus der 1970er Jahre in München, München 2011.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Badekow</name></author>
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